Ähnlichkeiten mit anderen Personen und Begebenheiten sind rein zufällig und unbeabsichtigt.
Es ist Frühjahr und es ist wieder einer dieser Tage…
Ein schöner, arbeitsfreier Tag.
Der Himmel präsentiert sich wolkenlos.
Die Sonne hat schon genug Kraft um wohlige Wärme zu vermitteln.
Einer dieser Tage an dem Du nicht widerstehst, das Moped nimmst, mal wieder auf die Straße gehst um einige Kilometer in diesem Jahr zu genießen.
Voll freudiger Erwartung startest Du an diesem Tag eine kleine Spritztour bei diesem herrlichen Wetter, in wunderschöner Landschaft, auf kurvigen und verkehrsarmen Straßen.
Nach einigen Kilometern kannst Du es fühlen… yeah, es ist wieder da!!!
Dieses unglaubliche Gefühl das Du so vermisst hast.
Es ist einer dieser Momente, die einfach perfekt zu sein scheinen…
Zur gleichen Zeit startet ein älterer Mann in entgegenkommender Richtung, mit dem Auto und seinen Enkeln, um zum Mittagessen zu fahren.
Er ist auf dem Weg auf heimischen Landstraßen und er kennt eine Abkürzung in das Restaurant das er anfahren möchte.
Er entscheidet sich diese Abkürzung zu nehmen. Es ist ein Feldweg, der in einer starken Rechtskurve in negativem Winkel links ab geht. Man kann nicht weit sehen an dieser Stelle, aber der Weg ist ihm so vertraut und er war ihn schon so oft gefahren.
Du fährst weiter. Dein Glücksgefühl scheint sich mit jedem Kilometer zu steigern.
Ein wunderschöner Straßenabschnitt liegt vor Dir.
Herrliche Kurven, einfach genial.
Du durchfährst eine wunderschöne, fast 90° Linkskurve und siehst einen Feldweg, der aus Deiner Sicht fast geradeaus geht.
Es ist kein einziges Auto zu sehen und lustvoll fährst Du diese Kurve.
Als Du etwa in der Mitte der Kurve bist siehst Du, dass vor Dir ein Auto von der Gegenfahrbahn, fast quer, auf die eben noch freie Fahrbahn fährt, um in den Feldweg einzubiegen. Du hast dieses Auto vorher nicht gesehen. Deine Sicht auf die Gegenfahrbahn ist von der Böschung und dem Bewuchs der Innenkurve verdeckt.
Deine Entfernung zu dem Auto ist knapp. Viel zu knapp um noch vor dem Auto anhalten zu können. Der Fahrer hat Dich gar nicht gesehen.
Du denkst „oh shit, fahr weiter, Mann gib Gas, das reicht…“
Das ist genau der Moment in dem der ältere Mann im Auto Dich wahrnimmt.
Er erschrickt, tritt auf die Bremse und hält an.
Das Auto, mitsamt Fahrer und den Enkeln parkt jetzt fast quer auf der Straße.
„Oh nein nein nein! Gib Gas, gib Gas! Fahr weiter!“ … Du hättest diesem Mann in diesem Moment so viel zu sagen …
Du willst absolut nicht mit einem Auto crashen.
Du denkst nur ans Überleben und Deine Augen suchen nach einem Ausweg.
Die Distanz ist zu knapp um in Schräglage links noch die Richtung zu ändern und in den Feldweg einzufahren um auszuweichen.
Du siehst Deine Chance!!!
Gib alles, drück noch weiter nach links und versuche hinter dem Auto vorbeizufahren.
Der Platz ist denkbar knapp. Du musst in ungünstigem Winkel hinter dem Auto nach rechts umlenken um nicht ins Gelände zu fahren… es scheint zu gelingen!!!
Die Leute parken Ihre Autos, teilweise am Straßenrand, teilweise im Feldweg, alle steigen aus.
Unter diesen Leuten ist auch ein Motorradfahrer der angehalten hat.
Auf dem Boden liegt auf dem Rücken, regungslos und ohne Bewusstsein die Person, die noch einige Sekunden zuvor mit einem Motorrad fuhr.
Auf dieser Person liegt das Motorrad. Becken und Beine sind vom Motorrad verdeckt.
Hilflos stehen die Leute umher. Einige telefonieren, rufen Polizei und Notruf.
Der ältere Herr versucht, zusammen mit einer älteren Dame die angehalten hatte, das Motorrad aufzuheben.
Gemeinsam schaffen sie es. So stehen die beiden ganz alleine da und halten mit aller Kraft das Motorrad. Die beiden schaffen es nicht das Motorrad weg zu schieben. Ein Gang ist eingelegt und das Motorrad lässt sich nicht schieben.
Das Motorrad droht ein zweites Mal auf die Person am Boden zu fallen…
Niemand der anwesenden Leute hilft den beiden oder bietet Hilfe an, auch nicht der Motorradfahrer.
Es werden immer mehr Leute an der Unfallstelle.
Kurze Zeit später fährt ein weiterer Motorradfahrer mit seinem 11-jährigen Sohn vorbei. Er denkt, dass es besser ist nicht auch noch anzuhalten, da wirklich viele Leute da sind…
Als die beiden die Unfallstelle passieren, sagt der Sohn zum Vater „Guck mal Papa, da liegt ein Motorradfahrer auf der Straße und keiner kümmert sich um ihn“.
Darauf hin entscheidet sich dieser Motorradfahrer anzuhalten um zu sehen, ob er helfen kann.
Er geht zu den beiden älteren, die noch immer mit aller Kraft das Motorrad halten, übernimmt dieses und schiebt es weg.
Sich der Person am Boden widmend, kann er weder Puls noch Atmung feststellen.
Beim Blick unter die Augenlieder ist nur das Weiße zu sehen.
Er spricht den anderen Motorradfahrer an, der sich noch immer an der Unfallstelle befindet, und bittet diesen ihm zu helfen, den Helm der Person am Boden abzunehmen.
Dieser lehnt jede Hilfe ab.
Der Helfende bemerkt, dass es sich bei dem Helm um einen Klapphelm handelt, der auf jeder Seite eine Kunststoffschraube, mit großem, flachem Kopf und einem breiten Schlitz hat.
Evtl. würden diese Schrauben sich mit einer Münze öffnen lassen und evtl. könnte der Helm sich so weit öffnen lassen, dass er ihn ohne fremde Hilfe abnehmen könnte…
Der Helm ist abgenommen. Die Person am Boden beginnt kurze Zeit später aus eigener Kraft wieder zu Atmen, schlägt für einige Sekunden die Augen auf.
Bis der Rettungswagen eintrifft vergeht noch einige Zeit.
Diese Zeit hätte die Person am Boden ohne zu Atmen nicht überlebt.
Die Ersthelfer im Rettungswagen stabilisieren den Kreislauf und rufen einen Rettungshubschrauber.
Der Rettungshubschrauber trifft ein. Abtransport im Hubschrauber.
Hat der Motorradfahrer, der jede Hilfe ablehnt, keine Sekunde daran gedacht, dass er selbst es sein könnte der da am Boden liegt und Hilfe benötigt?
Die helfende Person hat den entscheidenden Impuls geliefert und damit die Gratwanderung zwischen Leben und Sterben entschieden.
Wenn Du zu einer ähnlichen Situation kommst, egal unter welchen Umständen, egal in welcher Umgebung.
Wenn Du nicht die Person bist die am Boden liegt.
Wenn Du nicht die Person bist die Hilfe benötigt.
Dann schau bitte nicht weg.
Geh bitte nicht vorbei.
Wenn Du nicht hilfst, hilft vielleicht niemand.
Du kannst die Gratwanderung entscheiden.
Wenn Du die Chance hast für das Leben Einfluss zu nehmen…
bitte nutze sie.
Schau bitte nicht weg.