Guten Morgen!
Die Idee mit den Fahrstunden ist schon gar nicht so schlecht - als Nebeneffekt hat man in der Regel ja nicht nur eine Fahrschule zur Auswahl, sodaß Du da schon einmal schauen kannst, ob Dir eines der angebotenen Ausbildungsfahrzeuge besonders zusagt.
Deine Auswahl erlaube ich mir noch zu ergänzen um Yamahas XVS-Familie, ebenso die etwas älteren, aber dennoch zuverlässigen XV-Modelle.
Bevor Du Dir ein Motorrad kaufst, solltest Du - am besten direkt vor einer Probefahrt - pro Modell wenigstens eine Viertelstunde am Stück zur Probe gesessen haben, man spricht umgangssprachlich vom sogenannten "Popometer".
Das wichtigste Kriterium ist schließlich, daß die Sitzhaltung nicht zu Verspannungen oder gar Krämpfen führt. Das vermiest einem nicht nur den Fahrspaß, sondern reduziert auch erheblich die Konzentrationsfähigkeit.
Beispiel: Die XV 500 SE meiner Ex war zwar von der Größe her durchaus passend für mich, allerdings kam ich mit den vorverlegten Fußrasten nicht klar - das führte zu einer schmerzhaften Rundhaltung des Rückens. Ich bin die Maschine daher bei den Gelegenheiten, bei denen ich sie fahren durfte (z.B. Werkstatt, TÜV, Probefahrt nach techn. Änderungen oder Instandsetzungen), in einer sportlich anmutenden Sitzhaltung gefahren, nämlich mit den Füßen auf den Soziusrasten. Das ist vielleicht ein extremes Beispiel, aber ich denke, es macht deutlich, worum es geht.
Der Sitzkomfort hängt also ganz extrem von Deinen Abmessungen ab, das kann Dir niemand im voraus prognostizieren.
Bei der Probefahrt solltest Du auch auf die Schräglagenfreiheit achten. Es muß nicht soweit kommen, daß Dich ein fixes Bauteil aushebelt, jedoch sind Cruiser in dieser Disziplin halt nicht der Klassenprimus - es kann bei Strecken mit engen Kurven durchaus vorkommen, daß Du Dich an schrappende Fußrasten gewöhnen mußt, weil Du sonst dem Kurvenradius nicht hinterher kommst.
Technisch wirst Du mit all den von Dir und mir genannten Modellen kaum Probleme erwarten dürfen, es steht und fällt eben alles mit der Pflege.
Zur Frage "Kette oder Kardan": Der Kardan ist wartungsfrei, wenn man vom Wechsel des Getriebeöls einmal absieht - das Motoröl selbst versorgt ja nur Motor, Kupplung und Getriebe.
In der Regel neigt ein Motorrad mit einfachem Kardan zu einem mehr oder weniger feststellbaren Aufstellmoment beim Gasgeben, was aber mit etwas Erfahrung in den eigenen Fahrstil integriert wird.
Manche Modelle haben eine Ausgleichswelle, dann fällt auch das komplett heraus.
An Sportlern wird ein Kardan zudem nicht verbaut, weil der im Schnitt fünf bis sieben Prozent der Leistung "frißt". Das zusätzliche Gewicht ist an einem Motorradtyp, bei dem Gewichtsersparnis in Gramm gemessen wird, natürlich auch nicht erwünscht.
Eine Kette hingegen ist zwar leicht, aber ein Verschleißteil - und kein billiges dazu. Für eine gute Kette mußt Du mit 150 € bis 200 € rechnen, je nach Modell. Die hält dann - je nach Pflege - 20.000 bis 40.000 Kilometer.
Selbst wenn also eine Kardaninstandsetzung anstehen sollte (was nicht die Regel ist), wird man mit dem Kardan auf Dauer günstiger fahren. Die Schmutzfreiheit und der Wegfall der notwendigen Pflege sind ein weiterer Pluspunkt.
Achte zudem auch auf die Möglichkeiten, Koffer UND Sozia mitzunehmen, es gibt nicht viele Motorräder, bei denen beides zugleich problemlos geht.
Tipps für den Einstieg?
Die Fahrschule hast Du selbst auf den Plan gebracht, ansonsten lautet die wichtigste Regel für Anfänger:
Bremsen, bremsen, bremsen.
Das muß jeder Motorradfahrer nach einer Pause von wenigen Wochen wieder neu lernen, und es ist letztlich das überwiegende Kriterium, was uns bei eigenen oder fremden Fahrfehlern das Leben retten kann.
Zum Thema Pflege / Wartung / Instandsetzung:
Besorg Dir von der Maschine, die es dann wird, ein WHB (Werkstatthandbuch) - z.B. bei Schober-Verlag.de oder WHB-Abverkauf.de. Preislich solltest Du da mit 50 - 70 € rechnen.
Im Gegensatz zu den oftmals ungenauen oder gar falschen Aussagen von Reparaturanleitungen (einen besonders schlechten Ruf hat da der Bucheli-Verlag, und das nicht zu unrecht) ist das Werkstatthandbuch die Arbeitsanweisung für die Fachwerkstätten vom Hersteller. Da sind die Arbeitsvorgänge (oftmals bebildert, sonst mit techn. Zeichnungen) bis ins Detail aufgeführt, und auf die Zahlenwerte kann man sich auch verlassen.
Grundsätzliche Sachen, wie der Wechsel von Öl, Ölfilter, Zündkerzen oder Luftfilter, sollten eh von jedem Fahrer beherrscht werden, von daher liegst Du mit Deiner Einstellung gar nicht so falsch.
Später kommt mit zunehmender Erfahrung dann auch der Wechsel von Verschleißmaterial der Bremsanlage oder der eine oder andere kleine Umbau.
Reicht das für den Anfang?
Servus,
Holger