Vielleicht noch einmal ein paar grundsätzliche Gedanken zu dem Thema. Hier bin ich übrigens definitiv ein Fachmann.
Das Motorrad als Hauptverkehrsmittel zu nutzen, will gut überlegt sein. Führerschein + Ausrüstung + Maschine bedeuten erst einmal eine ordentliche Investition. Führerschein 1200-1500 €, Ausrüstung für diesen Einsatzzweck ca. 1000€, die Maschine sollte ca 3000-5000 € kosten. Das ist zusammen ein ordentlicher Batzen Geld. Jedenfalls zu viel, um nach ein paar Tagen die Nase voll zu haben und das "Projekt" zu beenden. Will man es trotzdem angehen, sollte man folgendes beachten:
- Maschine: Die Maschine sollte nicht zu alt sein. Zuverlässigkeit ist ein wichtiges Merkmal. Abends um 23:00 Uhr noch zu schrauben, dass man morgens zur Arbeit kommt, macht keinen Spaß. Also sollte die Maschine diesbezüglich einen guten Ruf haben. Auch "Kleinigkeiten", wie Vibrationen, zu harte/zu weiche Sitzbank, zu tiefer Lenke.... können sehr schnell zu echten nogos werden. Aufgrund der vielen gefahrenen Kilometer wäre ein Kardan überlegenswert. Wenn ich nach 12-14 Stunden Arbeit und 1-2 Stunden Fahrt durch strömenden Regen im November abends heim komme, pflege ich keine Kette mehr. Wenn schon Kette, sollte zumindest ein Kettenöler und/oder ein Hauptständer vorhanden sein. Alles andere ist auf Dauer nicht praktikabel. Ein Topcase und ein Tankrucksack gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Irgend etwas muss man immer mal trocken durch den Regen bekommen. Seitenkoffer sind im Stau eher hinderlich.
Verkleidung oder nicht, ist Geschmackssache. Ich bin lange genug mit der Zephyr unterwegs gewesen und habe nie eine Verkleidung vermisst. Gleiches gilt für Heizgriffe. Nach anfänglicher Skepsis sind sie inzwischen wichtig für mich. Bei einer Neumaschine müssen Inspektionen und Reifenwechsel gut geplant werden. Aber auch bei einem 6000er Intervall, wie bei der ZZR; klappt das recht gut. Eine Leihmaschine für diesen Tag ist dabei natürlich obligatorisch. Bei einer Gebrauchten sollte man am Wochenende eben etwas Zeit für die Pflege und Wartung einplanen, damit man gut über die Woche kommt. Ein Großroller (Silver Wing, Burgman) ist durchaus eine Alternative.
- Kleidung/Ausrüstung: Bei der Kleidung kommt eigentlich nur Textil in Frage. Absolute Wasserdichtigkeit ist Pflicht! Am WE nass zu werden ist ärgerlich. Den ganzen Tag in nassen Klamotten arbeiten zu müssen ist schlimmer. Wer auf der Arbeit einen Spind hat, sollte dort Ersatzklamotte deponieren. Alle Anderen müssen dafür sorgen, trocken und warm anzukommen. Bei längeren Strecken sollte das Ganze auch noch bequem sein und gut sitzen, trotz der normalen Kleidung darunter. Beim Kauf der Kombi/Stiefel sollte darauf geachtet werden, dass im Falle einer Reklamation Ersatzkleidung zur Verfügung gestellt wird. Ein Paar günstige Zweitstiefel kann man sich vielleicht noch leisten, bei einer Kombi sieht das eventuell anders aus. Manche Hersteller (z.B. Rukka) bieten das als Dienstleistung kostenlos an. Wer hier spart, wird auf Dauer wenig Spaß haben. Aber Qualität kostet eben Geld. Hier geht es nicht nur um Komfort, hier geht es auf Dauer um die eigene Gesundheit. Wenn die Imprägnierung der Handschuhe nachlässt, werden die Hände auch im Sommer bei längeren Strecken im Regen kalt. Zudem findet Wasser fast immer irgendwo eine Lücke (Handgelenke, Nacken). Deshalb habe ich auch noch Überziehhandschuhe und eine Regenjacke mit Kapuze dabei. Ein zweites Paar Handschuhe und eine Dose Pannenspray sind ebenfalls mit dabei. Bei einem Plattfuß mal eben Rad wechseln geht halt nicht.
Fazit:
Ein wenig Verrücktheit gehört dazu. Wer das nicht hat, ist mit einem Kleinwagen wahrscheinlich besser bedient. Aber der erlebt auch nie die Momente, die sich für immer im Kopf einprägen. Und die können auch bei Regenwetter oder Eiseskälte passieren.