Kurzer Fahrbericht
Am Samstag hatte ich Gelegenheit, das neue Flaggschiff der Ducati-Naked-Bikes Probe zu fahren- den Streetfighter.
Erst mal - blöder Name. Kann sich eigentlich nur aus italienischen oder vielleicht amerikanischen Marketing-Überlegungen ergeben haben.

Bei uns erinnert das primär an eine bestimmte Art von Moppedumbauten (einmal vor die Wand...

) oder an eine Klamottenmarke.
Naja, sei`s drum. Der Streetfighter ist eigentlich eine nackte 1198. Anderes Set Up, andere Übersetzung, die hintere Schwinge wurde etwas verlängert, natürlich andere ESD (und was für welche!), Verkleidung weg, dafür eine wüste Lampenmaske, und das war`s im wesentlichen.
Das Ergebnis muss man mögen.
Das tue ich... 8)
Kurzer Einschub: Bin vorher 350 km mit der 1100er Monster gefahren, als Ersatzmotorrad, während meine 1000er in Inspektion war.
Seitdem sehe ich die 2-Zylinder/4-Zylinder Diskussion in neuem Licht. Es macht einfach keinen Sinn, eine 2005er Maschine technisch mit einer 2009er zu vergleichen (geschweige denn mit irgend einem Gerät aus dem vorigen Jahrtausend...), egal, welche Marke und welche Motorarchitektur. Die Elektronik ist ausschlaggebend. Das gefällt mir zwar nicht unbedingt, aber ich muss zugeben, dass Ergebnis ist spektakulär. Die aktuelle Monster fährt sich wie ein Fahrrad. Kein Drehzahlloch, keine Lastwechselreaktionen, kein Zicken beim falschen Gang... die Elektronik richtet es... einfach fahren... wie beim Reihenvierer.
Und so geht's auch beim Streetfighter. Ich erinnere mich, das die grösste deutsche Motorradzeitschrift seinerzeit schrieb, der Streetfighter sei eigenwillig und fordernd.. vermutlich hat der Tester vergessen, wie es ist, eine ältere Ducati zu fahren.
Für mich fährt sich die Maschine fast schon ZU komfortabel... jedenfalls für mein Punktekonto.
An der Stelle mal einige Leistungsdaten:
- L-2-Zylinder- 4-Takt,1099 ccm, wassergekühlt, 4 Ventile/Kopf
- 155PS/114 kW und 115 Nm bei 9.500 U/min
- Trockengewicht 169kg (Streetfighter S= 167kg)
Mehr Info
Für meine Größe von 172 cm ist die Standard-Sitzhöhe von 82cm schon grenzwertig. Aber die Maschine ist schön schmal und außerdem halt leicht. Also, kein Problem. Der Sitz ist ausgesprochen bequem, auch wenn das beim Probe sitzen im Stand nicht so erscheint: Die Sitzposition macht den Ausschlag. Und die ist ziemlich aufrecht. (Die Testmaschine hatte außerdem einen extra breiten Lenker von der Multistrada... kommt größeren Menschen entgegen) Der Kniewinkel ist größer als bei der Monster.
Fahrverhalten:
Ich bin knapp 50 km gefahren, und zwar Landstrasse, kleinere gewundenen Waldstrasse mit schlechtem Belag, Bundesstraße gut ausgebaut und Stadtverkehr am Samstag.
Die Stärken liegen ganz klar im kurvigen Landstraßenbereich, wo sich das kompromisslose Fahrwerk auswirkt. Natürlich nix für Komfortfans.

Auf der breiten Landstrasse bewirkt das Drehen am rechten Handgriff einfach SCHUB- das Limit habe ich leider aus Platz- und Zeitgründen nicht erreicht.

Jedenfalls geht das so locker-leicht, dass auch bei stärkerem Verkehr nie das Gefühl entsteht, irgendwie eingeengt zu sein... der Beachtung gesetzlicher Vorschriften ist da aber besondere Sorgfalt zu widmen...
Ausstattung:
Dem Verwendungszweck entsprechend spartanisch. Das ist kein Reisemotorad oder Lastesel. Der Soziusplatz ist bestenfalls als vorhanden zu bezeichnen. Zu beladen ist das Motorrad, aber Vorrichtungen dafür gibt es nicht.
Ansonsten natürlich Trockenkupplung (

), transparente Bremsflüssigkeitsbehälter (Urinbecher

) ..und die hydraulische Kupplung braucht immer noch Handkraft. Und ABS gibt es auch nicht, dafür Traktionskontrolle (beim S- Modell), die aber bei der Testfahrt nicht eingeschaltet war. Ich hab beides nicht vermisst.
Kosten:
Die Standardversion kostet neu ca. 15.000€, die S-Version ( Öhlins statt Showa-Gabeln und Dämpfer, Traktionskontrolle, geschmiedete Räder, einige Carbonteile mehr) knapp 19.000€.
Die Maschine ist kein Billigteil, sieht aber auch nicht so aus. 8)
Fazit:
Wie leistungsstarke Reihenvierzylinder ist der Streetfighter für jeden leicht zu fahren, aber wegen der gewaltigen Leistung nicht einfach zu beherrschen. Zum Ausreizen ist die Landstaße sicher niemals ausreichend. Dafür stehen bei dieser Maschine immer genügend Reserven zur Verfügung, am Strassenverkehr souverän Teil zu nehmen....
Auf der anderen Seite ist es ein kompromissloses Naked bike, nur für Abenteuerlustige tourentauglich, und dem zeitgeistigen Sicherheitsbedürfnis wird auch nur beiläufig Rechnung getragen. Die Traktionskontrolle, die beim S-Modell implementiert ist, hilft sicher auch im Alltag, ist aber eindeutig vom Rennbetrieb abgeleitet und dort auch am ehestens zur Leistungsoptimierung sinnvoll.
Der Streetfighter ist sicher kein "vernünftiges" Motorrad.
Trotzdem recht wahrscheinlich mein nächstes... 8)
labete