Hallo Frank,
vor kurzer Zeit hatte ich das auch! Mir war´s ja schon fast peinlich mit fast 40 nochmal ´nen Führerschein zu machen, aber dann dachte ich mir: jetzt oder nie. Hab eine Fahrschule ins Auge gefasst, die zu meinen Arbeitszeiten passte, bin hingegangen und hab nun einen Fahrlehrer, der erst nach mir seinen Klasse 3 (BE, C1, CE, M...) gemacht hat
Da ich unter meinen Bekannten eine Person mit sehr schwerem, aber letztlich nach einigen Monaten "heil" überstandenen Motorradunfall und eine andere mit aufgegebenem Motorrad-Führerschein hab, hatte ich zunächst große Bedenken - zumal ich außer Fahrrad auch noch niemals weder als Sozia noch selber motorisiert (mit)gefahren bin. Also hab ich gleich gesagt, dass ich das ganze zuerst einmal testen will und dann entscheide, ob ich weiter Fahrrad fahre oder mit dem Motorrad. (Auto kann ich fahren, hab aber wenig Übung in der Großstadt, und hab auch kein eigenes, weil es mir mit der ganzen Parkplatzsucherei bis zum heutigen Tage immer noch zu umständlich und auch zu teuer erscheint.) So richtig testen, ob ich wirklich Motorradfahren will, wollte ich dann aber wohl doch nicht mehr, weil ich gleich in Jacke und Hose investiert habe. Den Schuberth-Helm gabs zum Glück kostenfrei und leicht gebraucht von meiner Schwester.
Die erste Motorrad-Fahrstunde rückte also näher und war gar nicht so schlimm
Zuerst mal haben wir Probesitzen gemacht. Breite Maschine für A direkt, mittlere Maschine für A beschränkt und zur Not hätte er noch eine für A1 zum ersten Üben gehabt, aber der Mini-Chopper war mir dann sogar für meine 1,63 m zu winzig und er wurde von uns nicht weiter beachtet... außerdem erbot er sich sofort, noch Motorräder mit anderen Fahrschulen auszutauschen, wenn mir keine zugesagt hätte. Da die Maschine für A direkt ziemlich klobig wirkte (220 kg +, aber leider mit monströsen Fußrasten an der für mich wohl falschen Stelle), üben wir nun also auf der mittleren mit 79 cm Sitzhöhe, aber nur ca. 185 kg. Nach dem Probesitzen, gings einmal quer durch die Stadt und ich konnte mir schonmal aus dem Auto von hinten ansehen, wie man so fährt, da mein Fahrlehrer auf zwei Rädern voraus eilte.
Auf dem Parkplatz zum Üben angekommen, erklärte er mir alle Bedienelemente und Funktionsweisen. Dann zeigte er eindrucksvoll wie man
nicht anfährt, weil er einen unbeabsichtigten Wheelie von vornherein ausschließen wollte... und das andere Extrem des Abblubbern des Motors auch. Ich entschied mich dann doch einige Male für das Abblubbern, da mir das harmloser erschien, während er irgendwo mit "Rettungsgriffhaltung" gegen unbeabsichtigtes Umfallen hinter mir stand. Da ich leider sofort loskreische, hat er sich ordentlich erschrocken, als ich den Boden wegen Teer auf der einen und tiefem Schotter auf der anderen Seite nicht mehr erreichen konnte 8) Der Ablauf war dann: Aufsteigen, Seitenständer hoch, Anlassen, mit gezogener Kupplung 1. Gang einlegen, langsam geradeaus fahren, um die Kurve schieben, Abbremsen, Anhalten, Leerlauf rein, Absteigen und von vorne. Es war total cool, aber leider durfte ich nicht um die Kurven fahren. Und tatsächlich: "schnell" fahren geht viel, viel einfacher als langsam
Bei unserem zweiten Termin (ein kompletter Vormittag) gings wieder auf den Parkplatz, aber diesmal zum Kurvenfahren üben und zum Anfahren zum direkten Abbiegen nach rechts und links, wobei er auf die korrekte Anhalte-Haltung (rechter Fuß unten für rechts abbiegen, linker Fuß für links abbiegen) achtete. Das scheint "neu" zu sein, weil offenbar langjährigere Motorradfahrer gelernt haben, immer mit beiden Füßen zum Stehen zu kommen... bei mir sinds dann eh nur die Fußspitzen. Derweil fand sich ein Pulk 4-5 jähriger Jungen, die begeistert zuschauten. Ich war total fertig, aber zum Schluß durfte ich dann auf dem nächsten Parkplatz, den ich wieder mit dem Auto erreichte, Slaloms und Achten non-stop fahren, wobei mir die rechte Hand fast einschlief und die städtischen Gärtner deswegen sogar ihre Morgenpause verlängerten,
um das Schauspiel zu genießen

Die Hütchen blieben aber trotzdem stehen und die tiefliegenden Gullideckel zeigten mir klar, dass ein Motorrad viel, viel besser abfedert als ein Fahrrad! Quintessenz: Rechtskreise sind ungleich schwerer zu fahren als Linkskreise.
Der dritte Termin fand dann wieder auf dem "Rennstrecken-Parkplatz" statt: Schalten, schalten, schalten, anhalten, abbiegen, schalten, schalten, schalten... und zum Schluß kam der Hammer: "Also, das klappt ja jetzt alles, dann wollen wir mal zurück fahren. Du auf dem Mopped!" Ausgerechnet die Kreuzung Hannover-Kongress-Centrum wurde also die erste zu passierende Kreuzung im Straßenverkehr. Ich hatte vorher nur ein ungläubiges "Die fahr´ ich nichtmal mit dem Fahrrad!!" rausgebracht, aber mit entschiedenem Blick stellte mein Fahrlehrer klar, dass wir ansonsten die nächste Stunde ganz genau so machen würden wie diese. Also gab´s kein Entrinnen und ich versuchte an ihm kleben zu bleiben und merkte zum ersten mal, dass es in Helmen tatsächlich pfeifende Windgeräusche gibt.
Beim vierten Termin lernte ich den nächsten Parkplatz kennen, auf dem auch die Prüfungsaufgaben gefahren werden. Er mit dem Auto voran, ich mit der Suzi hinterher. Den Parkplatz fand ich schlimm: 1 Fahrschule am rangieren mit Bus und Anhänger, 1 Fahrschule am Einparken, 1 Fahrschule am Bremsen, 1 Fahrschule... wir waren die einzigen auf zwei Rädern. Gefahren wurden Kreise, lange Gerade, Gefahrenbremsung mit erstmal 30 km/h, Halbkreis zum Teil auf Schotter, Slalom mit 30 km/h im zweitem Gang und von vorne. Das werden wir noch einige Male wiederholen müssen (...) aber es ist immer wieder erbaulich, wenn er gleich zu Anfang aufzählt, was man alles falsch machen kann und wieviele seiner Schüler sich genau an dieser Stelle und aus welchen Gründen lang gelegt haben. Da ist dann schon jede Menge dabei, was man selber nicht mehr ausprobieren muss. Bei der Rückfahrt konnte ich dann zum ersten mal voraus fahren, wobei für mich weiterhin das Anfahren das absolut schlimmste ist, aber dazu vielelicht mal mehr in einem neuen Thread, und ich entdeckte meine Leidenschaft für Ampelrennen wieder, weil ein altersschwacher Audi sich dazu genötigt sah, was ich zunächst aber nur an seinem heulenden Motor bemerkte. Bei 80 kam dann allerdings ein Verweis im linken Ohr und gnädigerweise bremste dann auch der Audi ab
Also: nur keine Panik! Ich habe von Fahrstunde zu Fahrstunde die Protektoren aufgerüstet

und glaube, ab 100 km/h muss ich das Visier dann doch bis auf die vorletzte Raste runterschieben.
Alles in allem bin ich froh, dass ich nicht z.B. mit genau 1200 Euro für den Führerschein auskommen muss, sondern durch die Nichtanschaffung eines eigenen Autos bis in dieses hohe Alter so viel gespart habe. Mir ist es wichtiger, wirklich fahren zu können statt nur die Erlaubnis dafür zu bekommen und es dann vielleicht dann doch nicht zu tun, weil ich den Eindruck habe, dass ich mit dem Motorrad nicht klar komme. Diese Einstellung können sich aber die meisten der anderen Teenie-Fahrschüler gar nicht leisten und stehen bei den Fahrstunden wohl eher unter Druck, die geforderten Übungen möglichst schnell "zu beherrschen". Da denke ich, muss ich gelegentlich meinen dynamischen und abends doch recht gestressten Fahrlehrer etwas zur Ruhe bringen, aber zur Not gilt ja "Komm, Du erstmal in mein Alter 8), dann wirst Du auch ruhiger

"
Viel Erfolg bei Deiner ersten Fahrstunde
und schöne Grüße von
H-AJ