Warum keiner aus der IDM Supersport in die Supersport-WM aufsteigt? Weil ein deutscher Fahrer aus einer deutschen Serie nicht so gefragt ist wie ein Spanier, Italiener oder Franzose.
Weil in Deutschland der Motorradsport nach wie vor ein "Proletensport" ist.
Bei den Österreichern ist das ähnlich schwer. Allerdings hängt sich z.B. Honda Austria mehr in die Förderung junger Fahrer hinein als es in Deutschland der Fall ist.
Max Neukirchner hat viel Glück gehabt (und mit einer sechsstelligen Summe nachgeholfen) dass er beim Klaffi fahren kann.
Wenn der Fahrer eine fette Mitgift beisteuert, gibt es durchaus Möglichkeiten. Auch z.B. bei Ten Kate. Dort kostet der Platz auf einem WSSP-Moped allerdings doppelt so viel wie ein Platz auf einem Moped vom 250er GP Team Aprilia Germany.
Selbstverständlich muss der Fahrer auch was drauf haben, sonst gibts kein Moped von Ten Kate.
In der IDM kostet ein Top Five fähiges Moped eine fünfstellige Summe, bei einem Top Team etwa so viel wie eine IDM Superbike Yamaha vom Team Sebring Yamaha Austria.
Allerdings ist es damit ja nicht getan. Da brauchts dann noch Werkzeuge, Reifen, zusätzliche Räder, Sturtzteile, Verschleißteile, Ersatzmotoren, Mechaniker, usw.
Wer soll das alles bezahlen?
Den GSX-R CUP hat man allerdings laut Herrn Poensgen nicht allein wegen des Einstiegs in die IDM Supersport beerdigt, sondern auch weil (angeblich) zu wenige Teilnehmer genannt hatten.
Zwiespältige Sache, das.
Einerseits finde ich auch, dass der Motorradsport erschwinglich sein sollte, sonst sterben die Privat-Teams irgendwann aus. Andererseits ist eine Serie nach Stocksport-Reglement nicht gerade ein ideales Sprungbrett in die WM-Serien, aber das wurde hier an anderer Stelle bereits diskutiert.
Es ist nicht nur das Reglement, nicht nur die eher schleppende und anscheindend wenig effektive Vermarktung der IDM, die fehlende TV-Präsenz, der proletenhafte Ruf des Motorradsports in unserem Lande. Es ist auch das Desinteresse der Industriepartner. Ein Stefan Nebel gehört längst in eine Serie auf WM-Niveau! Und nicht nur ein Nebel. Da gibt in der IDM einige Herren, die in einer WM-Serie durchaus ihren Weg machen würden.
Nur unterstützt sie hier keiner in entsprechender Weise.
Nebel durfte nicht einmal nach dem unmittelbar nach dem IDM-Titel errungenen Podestplatz bei seinem Wild Card Stocksport-WM-Einsatz das Yamaha WM-Superbike testen.
Wie kolossal wichtig gute Beziehungen sind sieht man z.B. an Dirk Heidolf. Der hat Verwandtschaft im Vorstand der Sparkasse Chemnitz und damit einen relativ sicheren Sponsor. Interessanterweise zeigt die Performance-Kurve bei Leuten wie Heidolf gegen Saisonende plötzlich nach oben.
Wie man es auch anders machen kann zeigt KTM - und transferiert Bradl und Ranseder in den 125 GP.
Welche Hersteller handeln in Deutschland Deutschland auf ähnliche Weise? Da fällt mir gerade niemand ein.
Yamaha Motor Deutschland zieht sich (so das aktuelle Gerücht)gar gänzlich aus der IDM zurück, weil man die Budgets in die WM-Serien stecken will.
Somit scheinen Hafeneger und Nebel arbeitslos zu sein. Zumindest temporär.
Und da fragt ihr, warum kaum Deutsche in WSBK, WSSP, GP 125, GP 250 oder MotoGP zu sehen sind?
Es fehlt einfach an Geld und richtiger Unterstützung.
Ein Fußballspieler hat es hierzulande weitaus leichter beim Schritt in die Professionalität.
Hommel glänzt entnervt von seinen Malaguti-Einsätzen mit letzten Plätzen, Guisepetti quält sich mit schlechtem Material und kann auch nix reissen, Cortese ist zur Zeit auf dem richtigen Weg und zeigt auch den Biss, den man bei Heidolf regelmäßig und auch bei Jenkner zeitweise vermisst. Und ich denke dass Cortese mit Daniel Epp auch einen Teamchef gefunden hat, nachdem sich sehr, sehr viele die Finger lecken.
Daran krankt es in der IDM oftmals auch - das Geld des Fahrers nimmt man nur zu gern. Ob umgekehrt dann aber auch die Leistung bezüglich Material und Unterstützung stimmt, ist oftmals zweifelhaft.
Und ich befürchte dass wir Zustände wie bei der Nachwuchsförderung in Spanien oder Italien hier niemals haben werden.
(Fragt mal Sepp Schlögl nach seiner Zeit beim ADAC Juniorcup - der kotzt euch sofort auf die Füße)
So lange Motorradfahrer den Ruf haben, den man ihnen in der breiten Bevölkerung andichtet - Rüpel, Anarchisten, potentielle Organspender und Selbstmörder, rücksichtslose Raser, Rocker, Kinder- und alte Leute-Schreck - wird sich hier kaum was tun.
Führerschein und Material sind dermaßen teuer, dass kaum ein Jugendlicher in der Lage ist, von Mopeds wenigstens angefixt zu werden.
Dann die vielen "Spät-Rocker" und Wiedereinsteiger: Papa fährt Motorrad. Wenn ich als Sohn das auch mache, ist das uncool! Ich kann doch nicht das machen, was mein Alter macht! Da bin ich ja in der Clique unten durch!"
Ausnahmen bestätigen selbstverständlich auch hier die Regel.
Nur ein kleines Beispiel: Endurofahren in Spanien, Dezember 2003/2004. Irgendwann raus aus der Pampa und auf eine Schotterstraße. Und dann Supermoto-mäßig Knallgas. Juchhu!! Plötzlich ein Polizeiwagen. Aber statt uns abzuwinken und mit Strafzetteln zu bedenken (wäre hierzulande garantiert der Fall gewesen), feuerte uns die spanische Polizei an!!!
Obwohl wir zu schnell und viel zu quer und obendrein im Infight auf einer öffentlichen Straße unterwegs waren.
Ich wette, sobald durch des Glückes Fügung ein deutscher Motorradrennfahrer in einer WM-Serie regelmäßig auf dem Treppchen steht und um einen Titel kämpft, gibt es sogar wieder Meldungen in den Tageszeitungen und vielleicht wird er sogar ins "Aktuelle Sportstudio" eingeladen...
He! Man wird doch noch träumen dürfen...
Glück auf!
pofpof