Hallo zusammen,
zu den Öffnungszeiten will ich mal meinen Senf aus Sicht der (Straßenverkehrs)Ämter dazugeben. Grundsätzlich könnten die 24 Stunden geöffnet sein. Die wöchentliche Arbeitszeit des Personals ist geregelt (in NRW bei den Beamten sogar etwas höher als bei den anderen Bediensteten) und sogar etwas höher als z.B. im Bereich der IG-Metal-Betriebe. Bei 5-Tage-Woche der klassische 3-Schicht-Betrieb. Personalbedarf je Tag 3 Stellen statt einer (zuzüglich Nachtzuschläge). Reuzieren läßt sich das etwas durch schwächere Besetzung in besucherschwachen Zeiten.
Gehen wir mal von 12 Stunden (7-19 Uhr) aus. Das wären 1,5 Stellen je Tag. Es kommen aber dazu noch die Betriebskosten: Stromverbrauch für Beleuchtung, Computer, Drucker usw. , Heizkosten / Kosten der Klimaanlage, Hausmeisterdienst, EDV-Support... Die Reinigungskosten z.B. steigen, da die in der Nacht mit entsprechenden Nachtzuschlägen durchgeführt werden muss. Die während der Öfnnungszeiten erarbeiteten Daten werden nach den Öffnungszeiten verarbeitet. Wenn das dazu zur Verfügung stehende Zeitfenster verkleinert wird, müssen leistungsfähigere Rechner eingesetzt werden, die Kosten steigen wieder mehr. Wird am Samastag geöffnet, fallen die Betreibskosten für einen zusätzlichen Tag an.
Es geht doch bei den Kaufhäusern. Ja, ABER nur über zusätzliche Umsätze. Dabei bleiben dann einige kleinere Betriebe auf der Strecke. Wen stört das schon? Die paar Arbeitslose haben eben Pesch gehabt.
Bei den Ämtern geht das nicht so einfach. Mit Sonderangeboten Kunden locken? Wer läßt schon freiwillig einige Änderungen am Motorrad eintragen nur weil die Eintragung in dieser Woche 20 % billiger ist? Um die Perversität auf die Spitze zu treiben: wer nimmt sich den Strick, nur weil es zur Zeit 50 % auf die Bestattungsgebühren gibt? Es gäbe da noch die Möglichkeit, dass die Straßenverkehrsämter zusätzlich demnächst über den Verkauf von Kaffee, Motorrad- und Autozubehör, Unterwäsche, Handyverträge oder Versicherungen Erträge erzielen. Die Gebühren könnten dann runter gehen. Wer, der in den Branchen beschäftigt ist, ist dafür?
Die Gebühren der Ämter haben meist keinen direkten Bezug zu den Kosten (sie sind meist nicht kostendeckend). Die Kosten für die "Amtshandlungen" werden aus den allgemeinen Einnahmen bezuschusst. Hier sind nennenswert nur die Grund- und Gewerbesteuereinnahmen. Über Kosteneinsparungen lassen sich in kleinerem Rahmen Ausweitungen von Öffnungszeiten noch finanzieren. Wer größere Ausweitungen fordert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er damit an seiner nächsten Grundsteuererhöhung und damit Mieterhöhung mitgewirkt hat. Die Gewerbesteuer hat Einfluss auf Standortentscheidungen für Betriebe. Wird es zuviel, wandern Betriebe ab. Arbeitsplätze adé.
Ich bin doch nicht blöd ... Geiz ist geil! Ich wähl doch keinen Politiker, der mir sagt, dass es teurer wird. Wer erkennt sich hier wieder? Wer es besser kann, der angagiere sich doch mal lokalpolitisch. Achtung, man muss dann aus der anonymen Masse heraustreten und Verantwortung übernehmen.
Gruß
BullogAC
PS: manchmal wünschte ich mir hier mehr intensive Schachspieler. Die haben die Angewohnheit die Folgen ihrer Handlungen weit in die Zukunft zu berechnen.
und
unser Straßenverkehrsamt ist 5 Tage geöffnet und hat an einem Tag bis 18 Uhr auf.