Hallo liebe Freunde der mediterranen Fahrfreude,
ich möchte Euch eine kleine Geschichte erzählen:
Hoch im Norden, bei den eher ruhigen Fischköppen, wuchs der kleine Samson auf, der spätestens beim Einsetzen des Bartwuchses mit der Idee spielte, die Fortbewegung auf zwei motorisierten Rädern zu erkunden. Der gestrenge Gevatter aber (nein, nicht Kapitän eines Krabbenkutters - es gibt da auch andere Berufe!) verbot es vehement, da viele seiner Freunde in jungen Jahren Fahrfreude mit Frühableben bezahlt hatten. Dieses Verbot hatte über Jahre Bestand, und auch nachdem Samson in den tiefen Süden ins feindliche Niedersachsen übergesiedelt hatte, traute er sich nicht, das Verbot zu übertreten - zu tief war der Respekt vor dem Pater familias verankert.
Aber irgendwann war Schluß! Schließlich war Samson jetzt groß, hatte eine eigene Familie und eigenes Einkommen - kurzum, der Moppedschein mußte her. Kurz entschlossen und schnell geschossen - nach fünf Wochen war der AU-Schein da und nun mußte die klassische, nüchtern-rationale Beschaffung eines geeigneten und nach allen technischen wie auch finanziellen Aspekten geeigneten Motorrads angegangen werden. Da gab es Motorradzeitschriften kiloweise, dutzende Foren im Internet, wohlmeinende Ratschläge von versierten Freunden - die Auswahl schien aufgrund des begrenzten Budgets und der abstrakten Vorlieben auf eine junge gebrauchte Reiseenduro mit 600, 700 Kubik aus dem Fernen Osten zu zielen - überschaubares Preisniveau, günstig im Unterhalt, hoher Verbreitungsgrad, nicht zu groß für den Anfang. Die Entscheidung stand fest, auf jeden Fall mindestens zwanzig verschiedene Motorräder Probe zu fahren, jedes nur erdenkliche Detail zu prüfen und dann nüchtern eine Entscheidung rein nach sachlichen Argumenten zu fällen. Unterstützung in der Suche nach einer vernünftigen und sparsamen Maschine gab die Ehefrau: ihres Zeichens quasi-Bayerin aus einem kleinen Ort kurz hinter Kassel, sah sie unnötige Ausgaben - sofern sie nicht dem Hafervergaser zugute kamen - als Todsünde an, und rechnete mit spitzem Bleistift ein kleines Budget aus.
Doch dann kam dieser Tag, dieser unglaubliche Tag: Samson, unterwegs mit der holden Gattin, sah sich sehr vernünftig eine (neue) V-Strom 650 mit 0,0%-Finanzierung an und wollte Probe fahren, als auf dem Hof die Sonne ein einzelnes Motorrad geradezu hervorschweben ließ - das Auge der Gattin schweifte, blieb hängen und löste den verhängnisvollen Satz aus ihrem Munde aus... "die ist aber hübsch - willst Du die nicht mal fahren?"
... und so kam es, daß ich schon am dritten Tag meiner Suche fündig wurde und das Motorrad nach rein irrationalen Kriterien gekauft wurde: hübsch, paßt wie angegossen, rennt schneller als ich fahren will/kann, säuft wie ein Loch, war ein Vorführer (hatte 2k runter), ist ein Exot, paßt überhaupt nicht ins vorherige Suchschema und kostet doppelt so viel wie vorher vereinbart:
meine Benelli TreK 1130 - der Beginn einer wunderschönen Liebesgeschichte zwischen dem Nordlicht und der feurigen, etwas zickigen Italienerin
Jetzt habe ich sie seit fast drei Wochen, fahre jeden Tag zur Arbeit (es muß ja nicht immer der direkte Weg sein), kenne mich in der Umgebung besser aus als je zuvor, und bin jeden Tag wieder glücklich wenn ich mich draufsetze, den Motor anlasse und sich die Nackenhaare hochstellen. Ich bereue nichts! Ganz im Gegenteil, ich habe neue Freunde (u.a. den Tankwart) und immer viel zu erzählen, wenn ich unterwegs war.
Natürlich ist die Benelli nicht durstiger als andere Motorräder, höchstens ein ganz kleines bißchen (nimmt gerne 9-10l/100km), und die Standardmaschine ist sie auch nicht gerade - aber ich komme immer wieder mit Leuten ins Gespräch die mir erzählen daß sie auch gerne sowas fahren würden, sich aber aus diesen und jenen Gründen dies und jenes Mopped gekauft haben und rational glücklich sind aber emotional irgendwie "leer" wirken... ich fahre was ich will und habe Spaß dabei!
Benelli ist auch aus der Sommerpause zurück (benelli.com war bis Freitag offline), und jetzt überlege ich mir ob ich die passenden Koffer genau in der richtigen Form und Farbe kaufe oder was generisches, Hepco&Becker oder sowas - Ratio sagt das Eine, Herz sagt das Andere...
Heute, bei knapp 3800km, hab ich dann noch einen Scottoiler dazugetan, denn Kette schmieren ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung.
Jedenfalls, wenn Ihr in Niedersachsen eine eher vorsichtig gefahrene TreK 1130 seht - das könnte ich sein... oder vielleicht nächstes Jahr Ostern auf Toskanareise oder in Schweden oder ...
Grüße aus dem Norden, und ich wünsche allen immer eine Handbreit Weg unterm Gummi sowie eine Handbreit Luft rund um's Mopped...
Samson
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Little_Samson« (2. September 2008, 19:43)