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Die Super-Säule sieht alles
Am Spessartring lauert seit gestern ein futuristischer Blitzer - und auch am
Taunusring rüstet die Stadt auf. Am Taunusring ist alles vorbereitet, am
Spessartring wird schon geblitzt. Offenbach Nächste Runde im ewigen Duell
Mensch gegen Maschine: Auf Offenbachs wichtigster Ost-West-Achse gehen zwei
zusätzliche Blitzer auf Temposünder-Pirsch. Eigentlich sind es sogar drei. Bis Ende
nächster Woche wird ein nicht ständig kamerabewehrter Starenkasten
herkömmlicher Bauart am Taunusring stadtauswärts installiert. Und bereits
gestern erwachte ein doppeläugiges Modell der neuesten Generation auf dem
begrünten Mittelstreifen des Spessartrings zum Leben. Es überwacht beide
Fahrtrichtungen. Das Blitzlichtgewitter begann Punkt 14.37
Uhr. Hoch, schlank, in silbergrauem Gewand mit dunkelrot getönten
Rundumscheiben - dass die von der Wiesbadener Herstellerfirma Vitronic
„PoliScan“ getaufte Metallstele wie eine magersüchtige Litfaßsäule aussieht, kann
nicht über ihren unbändigen Appetit auf Fotos von Rasern hinwegtäuschen. In den
altbekannten Knipskästen ratterte noch ein echter Film; nach rund 100 Auslösungen
bescherte der Blitz allzu Eiligen zwar immer noch einen gehörigen Schrecken und die
Furcht vor einem teuren Brief. Doch Beweismaterial gab es nicht mehr. Bis das
dem etwa auf Höhe des Rotkreuz-Domizils am Spessartring montierten „PoliScan“
passiert, kann es dauern. Die Bilder sind digital, die Wechselfestplatte hält etwa
3000 jeweils 8 Megabyte große Beweisfotos fest. Obgleich: Gestern verschoss die scharf
geschaltete Staren-Säule ihre Lichtblitze fast ohne Unterlass. Zu ungewöhnlich der
Standort zwischen den vier Spuren, zu unbekannt die äußere Erscheinung, als
dass notorische Gasfüße schneller Verdacht geschöpft hätten, als ihr Auto fuhr.
Hintermänner wiederum, denen das kurze Aufflackern aus der Säule Gefahr
signalisierte, traten ihre Bremsen sehr beherzt und schlichen sozusagen in
vorauseilendem Gehorsam dermaßen schuldbewusst mit starrem Blick am
futuristischen Gebilde vorbei, dass sie ihr Vehikel vermutlich schneller hätten tragen
können. Gewöhnungssache? So war das auch in anderen Städten gewesen, als die den
technischen und optischen Generationswechsel vollzogen. Mannheim
beispielsweise oder Wiesbaden. In der Hessen-Hauptstadt gingen die ersten
„PoliScans“ im April 2007 in Betrieb, weitere folgten ein Jahr später. Die Erfolge
ließen keinen Zweifel daran, dass es eine gute Investition in die Verkehrssicherheit
war, sagt Stadt-Sprecher Florian Grösch. An einem Standort habe es anfangs
wöchentlich 1000 Blitze gegeben; mittlerweile habe sich die Wochen-Fallzahl
auf zwischen 200 und 300 eingependelt. An anderer Stelle registriere die Stele
heute 1000 Verstöße wöchentlich - die gab es dort zu Beginn täglich.
Das Sicherheitsplus machen auch Offenbachs Ordnungsamtschef Peter
Weigand und Stefan Sommer, Sachgebietsleiter des Technischen
Verkehrsdienstes, als Argument für die Anschaffung des rund 80000 Euro teuren -
und mit einem Designpreis ausgezeichneten - Gerätes für den
Spessartring geltend. Weigand: „Unsere mobilen Messungen haben gezeigt, dass
dort gerne mal sehr viel zu schnell gefahren wird.“ Und das ausgerechnet an
einer Stelle, an der Rettungsfahrzeuge unbehindert das Gelände des Roten
Kreuzes verlassen müssen, Buchhügel- Schüler die Straße queren und Kleingärtner
von ihrem Terrain auf den Ring drängen. Raser, sagt Sommer, seien dort auch schon
mit 130 Sachen erwischt worden. Am Taunusring, wo nun auf dem
Mittelstreifengrün knapp hinter der Einmündung in die Finkenstraße alles für
eines der gepfählten Gehäuse vorbereitet ist, habe sich ein ähnliches Bild ergeben.
Die Stadt überprüfte „viele, viele Beschwerden von Anwohnern“, gab ihnen
nach Messungen recht und holte bei der Landespolizeischule ein Gutachten ein, um
den Standort absegnen zu lassen. Dass allzu viele die Folgen ihres
unfreiwilligen Fototermins vor Gericht werden mildern wollen, wie das in
Mannheim der Fall war, fürchtet man im Amt nicht. Die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt in Braunschweig habe „PoliScan“ geprüft und dem Rotlicht ebenso
grünes Licht gegeben wie die Eichdirektion, versichert Sommer.
Die Abschreckung kann also beginnen. „Die Leute sollen die Geräte sehen und aus
Angst vor dem Blitz langsam fahren“, erklärt Weigand. Die eigene Angst vor den
Kosten der Anschaffung wiederum hat der Ordnungsamtschef mit dem Sparpotenzial
des neuen Gerätes besänftigt. „Früher mussten wir Kontaktschleifen in die
Fahrbahn legen, die uns bei Bauarbeiten wieder verrumst worden sind. Das waren
dann auch immer mal 20000 Euro Reparaturkosten oder mehr.“ Die moderne
Blitzer-Säule sei ein „lasergestütztes System“ - Straßenarbeiten unnötig.
Ein stabiles Betonfundament hat die Stele aber bekommen. Und auch sonst scheint
sie durchaus in der Lage, allerlei Widrigkeiten zu trotzen. Eine Alarmanlage
macht‘s möglich. Die bemerkt beispielsweise, wenn ein wütender
Bußgeldkandidat mit dem Bolzenschneider Rache nehmen will, und löst Alarm bei Amt
und Sicherheitsfirma aus. Bemerkenswert: Die Stele steht selbst unter Beobachtung;
eine Videokamera dokumentiert jegliche Sabotageversuche.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Coyote« (25. August 2009, 17:28)
Neue Blitzer in OF "Die Super-Säule" © MOTORRAD online24