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chlabnet

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Motorrad: Kettler Miracle

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1

Dienstag, 20. Mai 2003, 00:03

Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

In Memoriam Jarno Saarinen


Dieser Tage flimmerte die 70er Show über die Kanäle eines terrestrisch zu empfangenen Senders. Ich gebe es ehrlich zu – das war ne Super Zeit. Man war jung, unbeschwert und Freiheit, dieses einfache Wort hatte noch eine Bedeutung. Und wir hatten natürlich unsere Idole, die Politik und Musik seien hier nicht erwähnt, ich meine unsere Sportidole – im Fußball natürlich Paul Breitner, der hat so schön geputscht, beim damals noch geachtetem Schach diese Überperson Bobby Fischer, der gewann alles und die Mädels liebten ihn, bei der Formel 1 natürlich Emerson Fittipaldi und seine Unbekümmertheit – bis heute unerreicht… . Klar hatte man damals auch seinen Favoriten in der Motorradweltmeisterschaft. Und da gab es nur einen der im Trend der Zeit so richtig lag: es war Jarno Saarinen aus Turku in Finnland.

Jarno Karl Keimo Saarinen wurde am 11.Dezember 1945 geboren, war von Anfang an ein unternehmungslustiger Bursche, so willenstark, das man ihm schon als Kind den Spitznamen „Paroni“ – auf deutsch Baron – verpasste. Mit zwölf Jahren fuhr er dann das erste Mal Mopped (Tunturi) und er fuhr die Dinger damals schon echt aus. Ein Talent erwuchs. Ab 1961 probierte er dann auf einer Puch 175 SVS und seinen Führerschein machte er später auf einer 350er JAWA. Es gab aber nicht nur diese Motorradseite von Jarno.

Jarno studierte an der Technischen Hochschule von Turku Ingenieurwesen, er wollte zum Motorenentwickler aufsteigen und arbeite von nun an für Puch (Tunturi) in Turku. Neben dem privaten Erfolg – er lernte schon damals (mit 14 Jahren) seine spätere Frau – Soili Vuola kennen. Und Jarno fuhr auf Eis (Speedway), auf den Strassen der finnischen Meisterschaft, alles auf Puch. Bei Eisrennen war der „Paroni“ – der BARON schon fast unschlagbar. Ab 1968 konzentrierte sich Jarno auf Straßenrennen mit seiner 125er Puch. Erfolge blieben nicht aus. Am 04. August 1968 war dann Premiere, sein erster WM-Lauf, und zwar der Große Preis von Finnland im verregneten Imatra. Jarno wurde Elfter, es siegte der unvergessene Phill Read (Yamaha) vor Bill Ivy (Yamaha) und vier (!) MZ-Maschinen.

Jarno war der echte Privatfahrer, selbst seine 250er Yamaha in der Saison 1969 finanzierte er selbst, abgesehen von den Puch-Maschinen. In dem Jahr wurde er immerhin finnischer Meister. Ab 1970 fuhr er dann eine gekaufte Yamaha TD2 250ccm und seinen ersten Grand Prix von Deutschland, am 3.Mai 1970 auf der berüchtigten Nordschleife des Nürburgrings wurde er arg gebeutelt, er flog in die Leitplanken – damals siegte der Australier Kelvin Carruthers auf Yamaha. Die Saison des Lernens ging weiter – Jarno wurde am Ende 4. der Weltmeisterschaft in der 250ccm Klasse.

Jarno kämpfte weiter und wurde im Jahre 1971 schon Dritter der Weltmeisterschaft, obwohl er nur im 12. und letzen Rennen – Jarama/Spanien siegte. Weltmeister wurde das Jahr Phil Read vor Rodney Gould. Am Sachsenring wurde der „Fliegende Finne“ Fünfter und hatte damals schon die Herzen auf seiner Seite. Unvergessen die Bilder als er damals – irgendwann Anfang der Siebziger – seine Yamaha den Queckenberg hochschob. Inzwischen kannte man ihn.

Jarno – was warst Du eigentlich für ein Fahrer? Ich denke der erste der so richtig extrem schräg in den Kurven lag (hast Du sicher vom Eisspeedway mitbekommen), der erste, der mit 350ccm die 750er richtig alt aussehen ließ (Imola 1973), und Deine Ausstrahlung – das Lachen, die Art, das Auftreten, Deine lockere Frau. …..damals. Du warst so, wie wir all damals (und noch heute) sind.

Jarno wurde Weltmeister 1972 in der 250ccm Klasse. Sieben Rennen schaute er nur hinterher, dann kam der 2.Juli 1972 Spa-Belgien, Jarno Saarinen gewinnt das Rennen der 250ccm- Klasse. Er siegt weiter, am 9.Juli auf dem Sachsenring, am 16.Juli in Brünn, am 30.Juli in Finnland- Imatra. Das letzte Rennen in Spanien - Montjuich gewann Renzo Pasolini. Egal damals, als erster Finne wurde Jarno Saarinen Weltmeister im Motorsport. Der fliegende Finne… .

Jarno bekam eine neue Yamaha OW 19 und die sollte einem Giacomo Agostini Dampf machen. Es war das Jahr 1973. Jarno startete in zwei Klassen – 250 + 500ccm. Es lief wie es laufen sollte: 22.April Le Castellet/Frankreich beide Klassen an Saarinen, 6.Mai Salzburgring/Österreich beide Klassen an Saarinen, 13.Mai Hockenheim/Westdeutschland Sieg 250ccm. Das nächste Rennen ist am 20.Mai1973 in Monza…Er hätte Agostini vom Thron gestoßen, er war so gut.

Ich bekomme diesen 20.05.73 bis heut noch nicht richtig in meinen Kopf rein. Wir waren vieles gewöhnt, Kultstars starben damals on Block, wie war das mit Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison. Aber ein Sportler, dass war doch was anderes. Irgendwoher kam ich den Sonntag, weiß nicht mehr – mein Vater empfing mich und sagte nur: Saarinen ist tot. Ich kann mich noch heute an diese Situation erinnern, es war schlimm. Der beste, sicherste und schönste Motorradfahrer ist verunglückt – unfassbar. Ein Idol lebt nicht mehr – totgefahren. Fünfzehn Jahre war ich damals und hab geheult und heule immer noch über diesen einmaligen Fahrer.

Jarno startete am 20.Mai 1973 im Autodrom von Monza/Italien, entstanden in den zwanziger Jahren im königlichen Park, vollbepackt im Geist der damaligen Zeit mit Leitplanken voller Güte. Das Wetter spielt noch mit – es gibt blauen Himmel, den „Gran Premio delle Nazioni“, die 50er und 125er Klasse machen ihre Rennen. Dann kommen die 350ccm Maschinen, ein Rennen der Superklasse, Giacomo Agostino gewinnt vor Teuvo Länsivouri und Kent Anderson. Renzo Pasolini war mit einer Harley-Davidson (erstmals flüssigkeitsgekühlt 2Z2T-Motor) unterwegs. Eigentlich ein normales Rennen für damals – 350ccm und nix dabei gedacht in Monza. Wäre da nicht diese tödliche Ölspur des Rennens – keiner der Verantwortlichen hatte nachgedacht.

Jarno startete in das Rennen der 250ccm Klasse von Platz vier und er wusste nicht genau was die Fahrer auf der Strecke erwartet. Doch Walter Villa auf seiner Benelli verlor mit seiner Maschine bei den vorhergehenden 350’ern so extrem viel Öl – ein nachfolgendes Rennen hätte nie gestartet werden dürfen. So schoss man los – ins Verderben. Am 20.Mai 1973 kurz nach dem Start in der ersten Kurve, der Curva Grande um 15.19 Uhr passierte es.

Jarno Saarinen und Renzo Pasolini starben an dieser Stelle. Hinuntergeschmissen von der Wucht der Leitplanken, überfahren von Kollegen, zerschmettert in Strohballen…. Die Wahrheit wird niemand so richtig erfahren, es gibt keine originalen Video-Aufnahmen, nur paar verschwommene Photos. Renzo Pasolini stürzte auf einer extremen Ölspur und Jarno fiel über ihn. Dann zerschmetterte es Saarinens Krad in der Masse des Unfalls, der Fahrer selbst wurde ständig innerhalb der Leitplanken von links nach rechts geworfen. Er war sofort tot. Ungefähr sechzehn Fahrer waren vom schlimmsten Unfall in der Geschichte der Motorrad-WM betroffen.

Mit Jarno Saarinen starb vor dreißig Jahre eine Generation der Motorrad-WM, viele trauerten, nannten ihre neugeborenen Jungs nach ihm. Es war so schade, wie viel hätte man sich von diesem Mann, dieser Persönlichkeit noch erwarten können. Seine so hübsche Frau, die Soili hat es vielleicht am besten geschafft. Und sie weiß, einen der größten der 70er als Mann gehabt zu haben. Ob jemand paar Blumen an der Unfallstelle in Monza hinterlegt für Renzo Pasolini und Jarno Saarinen im Gedenken des schrecklichen Unfalls vor dreißig Jahren am 20.Mai 1973????

Jarno ist auf dem städtischen Friedhof von Turku in Finnland beigesetzt. Er war Weltmeister in der 250ccm Klasse 1972, war siebenmal finnischer Meister in verschiedenen Klassen, er gewann im März 1973 die 200 miles von Daytona und noch mal von Imola, er gewann die Motorrad-WM Läufe von (1971) Brünn, Monza, Jarama; (1972) Nürburgring, Clermont-Ferrand, Spa, Sachsenring, Brünn 2x, Imatra; (1973) Le Castellet 2x, Salzburgring 2x, Hockenheim.

Jarno war der erste Weltmeister, der vor Daijiro Kato in einem Grand-Prix-Rennen starb. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, aber nicht die Jahre – um zu vergessen.

Thomas

siehe auch: http://chlab.net/waschlabben/artikel/20030518.html



Paul the Duc

unregistriert

2

Dienstag, 20. Mai 2003, 10:43

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

Hallo Thomas,
schön das du die "alten" Racer in Erinnerung rufst.Das war damals richtig schlimm.Wenn unsere "alte Gang" zusammen kommt,fallen diese Namen immer wieder.
Man,ist das schon 30 Jahre her...
Gruß Paul

scot

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Motorrad: keins

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3

Dienstag, 20. Mai 2003, 13:43

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

@Thomas

Diese Zeit war für mich frühestes Sandkastenalter, aber so anschaulich wie du es rüberbringst, glaubt man dabei gewesen zu sein.

In 30 Jahren werden wir uns wohl genauso an Katos Tod erinnern.

4

Dienstag, 20. Mai 2003, 20:25

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

@Chlabnet:Ein bewegender Rückblick,den Du so toll beschrieben hast.

Ich war zu dieser Zeit noch Quark im Schaufenster,aber mein Vater hat es mir vor Jahren annähernd so geschildert,wie Du

Sehr bewegend!

Yamibiker

zacdrigger

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5

Mittwoch, 21. Mai 2003, 15:29

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

Vielen Dank für diesen hervorragenden Thread.

Lag leider ein paar Jahre vor meiner Zeit, aber aufgrund der Ereignisse dieser Saison, kann man deinen Bericht von Saarinen sehr gut nachempfinden.

greetz
matthias

topschrott

Ehrenuser

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Motorrad: Suzuki RGV 250, GSX-R 1100

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6

Samstag, 24. Mai 2003, 08:47

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

Hi,
und hier eine Top seite über
Jarno
http://home.wanadoo.nl/jarno.saarinen/index11.htm

MfG

7

Samstag, 24. Mai 2003, 10:22

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

Bewunderstwerte Seite!!!!

So sieht eine In-Memorie-Seite aus.





8

Montag, 26. Mai 2003, 23:11

Re: Heute vor 30 Jahren - In Memoriam Jarno Saarinen

also erstmal: super text!!!
mir war der schreckliche unfall bisher unbekannt (war ja auch nicht meine zeit). aber ich denk schon, dass man mehr von verunfallten motorradlegenden hören könnte.

errinnert mich auch an das rennen in südafrika, (roberts ölspur) man hat wohl gelernt!


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