Poggiali hat in jedem Fall das beste Motorrad und vor allem die beste Teamunterstützung im Feld. Hier drängen sich Parallelen zu seinem Vorgänger Melandri und vor allem Vorvorgänger Rossi auf. Im Vergleich zu seinen Vorgängern scheint Poggiali ein Nobody zu sein und wird sicher von den meisten unterschätzt. Ich bin jedoch der Meinung, dass Poggiali diese derzeitige herausragende Stellung eher als seine Vorgänger verdient, da er schon in der 125-er Klasse auf mehr oder weniger unterlegenem Material (Derbi) sein Können unter Beweis stellte (WM 2001, Vize 2002), auch wenn man den damaligen Einfluß von Bartol nicht unterschätzen sollte.
Da das Teilnehmerfeld der 250-er Klasse im Moment nicht gerade berauschend stark besetzt ist, kam neben ihm vor der Saison eigentlich nur Elias für diesen Posten in Frage. Poggiali ist (nahezu) Italiener - somit war die Besetzung eigentlich klar. Poggialis Fahrstil ist nicht so spektakulär wie der Rossis, worin sicher ein Grund für seine (noch) fehlende Popularität liegen dürfte, doch er ist erfolgreich - und dies auch im ersten 250-er Jahr, was nicht unbedingt vorhersehbar war.
Poggialis Entwicklung verläuft vielversprechend, doch die kommenden Jahre könnten dabei ziemlich entscheidend sein. Auf keinen Fall sollte er sich demnächst in die MotoGP- Klasse absetzen. Dort würde er sofort ins "kalte Wasser" geworfen und wäre ohne die bevorzugte Behandlung, die einem Rossi zuteil wurde, und er selbst jetzt in der 250-er Klasse genießt, auf verlorenem Posten (wenn auch mit einigen Euronen mehr). Bestes Beispiel dafür ist im Moment Melandri. Versucht man dann, den an sich selbst gestellten Maßstab mit erhöhtem Einsatz wettzumachen, kann es schnell passieren (gerade in der MotoGP-Klasse), dass man die Grenzen der Physik überschreitet (vor Jahren gab es einmal einen fulminant in der 500-er Klasse auftauchenden Okada). Setzt sich dann die resultierende Erfolgslosigkeit über einen längeren Zeitraum fort, kommen Motivationsprobleme (siehe Roberts, sicher auch Haga) hinzu. Egal, welchen Weg dann der Fahrer geht, er ist schnell "verheizt" (gegen diese Gefahr Barros, Roberts und Haga auf andere Maschinen!). Eigentlich konnten sich nur Biaggi und m.E. Checa gegen diese (wohl) Gesetzmäßigkeit auf Dauer wehren - ein Capirossi z.B. brauchte nach seinem Debakel bei Yamaha wieder etliche "Aufbaujahre".
Aus den eben geschilderten Gründen - und auch, weil die Königsklasse sowieso schon im Vergleich zur 250-er Klasse überragend besetzt ist - sollte Poggiali, auch wenn er WM wird, noch etwa 2 weitere Jahre bei den 250-ern bleiben. Hier ist das Umfeld für ihn ideal, er könnte in Ruhe lernen und reifen und zwangsläufig bei vorausgesetztem (wahrscheinlichen) Erfolg den Übergang in die MotoGP-Klasse in einem "höheren Etablissement" vollziehen.