Revit Shop FC-Moto Offroadforen Community Spidi Shop Givi Shop Blauer Shop MOMODESIGN Helme Motorrad Videos
Arai Helmets Airoh Helmets AGV Helmets Alpinestars Shop FOX Racing Shop HJC Helmets Nolan Helmets Oneal Helmets Puma Boots Alpinestars Spidi Gaerne Boots Lazer Helmets Dainese Shop

Du bist nicht angemeldet.

Wolfgang Schilling

Mo24-Probefahrer

  • »Wolfgang Schilling« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1

Registriert: 7. Dezember 2017

Motorrad: VS1400 Intruder

  • Private Nachricht senden

1

Freitag, 8. Dezember 2017, 20:46

Urteil nach Unfall auf Rollsplit außerorts

Liebe Freunde,

ich fahre seit ungefähr 40 Jahren Motorrad und habe dabei so einiges erlebt. 2008 hatte ich einen der ganz schweren Unfälle an meinem Geburtstag, als ein Opa eine rote Ampel überfuhr und mich dann auch. Mit Gottes Segen habe ich mit reichlich Blessuren überlebt und habe seit diesem Tag zwei mal Geburtstag.

Am 18.8.2012 befuhr ich eine schöne Kreisstraße im Harz, die auf 70km/h limitiert war und die mir gut bekannt war. Es war nicht meine erste Begegnung mit Rollsplit, aber eine folgenreiche. Der Sturz war aus meiner Sicht unvermeidbar, da die Baubrigade das Rollsplitschild 12m vor dem aufgetragenen Material gestellt hatte. Ich erlitt einen Armbruch, eine Gelenkfraktur, diverse Prellungen und versuchte die Sache mit dem Bauhof des Landkreises gütlich beizulegen, da an der Intruder recht wenig kaputt gegangen war (Apehanger und 2 Blinker, Fußraste, kleinere Lackschäden). Doch da hatte ich mich getäuscht. Für alle die, denen ähnliches widerfahren ist, habe ich hier das rechtskräftige Gerichtsurteil in aller Kürze beschrieben. Die meisten Biker geben auf, wenn sie es mit dem Kommunalen Schadensausgleich und deren Anwälten zu tun bekommen. Ich war angesichts der für mich klaren Rechtslage so naiv, es auf eine Klage ankommen zu lassen. Ich möchte allen Mut machen, es im begründeten Fall ebenfalls wie ich zu tun, denn am Ende hätte ich mit weniger Glück und fahrerischem Können Tod sein können. Dass erst vier Jahre nach dem Unfall eine abschließende Regelung gefunden wurde, hätte ich nicht gedacht. Bei Recherchen stellte ich fest, dass es nur wenige Gerichtsurteile zu solchen Fällen gibt, deshalb möchte ich Euch darüber informieren:



Das Landgericht Magdeburg hat am 26.5.2016 gegenüber dem
Landkreis Harz für Recht erkannt, dass er eine Amtspflichtverletzung/Verletzung
der Verkehrssicherheitspflicht bei der Beschilderung eines Rollsplittfeldes auf
einer Kreisstraße außerorts grob fahrlässig zu verantworten hat. Der Kläger
(ich) verunfallte schwer (Armbruch und diverse weitere Prellungen, Handgelenk
defekt, sowie Motorradschäden), weil erst 12m vor dem Rollsplittfeld erstmals
ein Schild stand. Der Gesetzgeber fordert ein Hinweisschild zwischen 150-200m
vor der Gefahrenstelle. Die Klage wurde zugelassen und ich erhielt 65% der
geforderten Schadensumme. Das Urteil ist rechtskräftig (Geschäfts Nr. 10 O
1512/14). Der Weg dorthin war sehr aufwändig, da sich die verklagte Seite
über den Kommunalen Schadenausgleich und die damit beauftragten Anwälte mit
allen möglichen Finessen einer Verurteilung entziehen wollte und selbst
eindeutige Ansprüche in Frage stellte. Ich hätte nicht für möglich gehalten,
dass es Anwälte gibt, die sich derart dreist im Rechtsraum D bewegen. Ein
bestellter (motorradfahrender!) Gutachter hat ebenfalls zur Verringerung der zu
zahlenden Schadenssumme beigetragen, da er behauptete, man hätte die verwendete
VS1400 Intruder trotzdem ohne Sturz zum Halten bringen können, da ich angeblich
die Handbremse benutzt habe. Zu Prüfung der Sachlage war er bei schönstem
Sommerwetter mit einer Honda Dominator angereist und machte auf der Jahre
später (2014) natürlich völlig anders strukturierten Straße „Fahrversuche“. Mein
Angebot, dies mit meinem Motorrad unter Zeugen auf der präparierten Strecke
vorzuführen, lehnte er allerdings aus guten Gründen ab... Die Rechnung, die er
für sein Gutachten, das einige Fragen aufwarf und ihn zu einem
weiteren Gerichtstermin zitierte, war horrend. Leider ließ es sich wegen der
umfassenden Beweisaufnahme nicht vermeiden.


Allein, dass es
zwischen dem Unfall am 18.8.2012 und der Urteilsfindung 4 Jahre gedauert hat,
bis ich Recht bekommen habe, spricht schon Bände.


Ich möchte alle Biker ermuntern, ihr Recht zu suchen, auch
wenn der Weg dahin fast immer steinig sein dürfte. Die allgemeine
Beschilderungspraxis ist weiterhin oft sehr schluderig und entspricht häufig
nicht den Erfordernissen. Eine Rechtsschutzversicherung kann sehr hilfreich
sein, ich hatte sie leider damals (noch) nicht.
Gruß
Wolfgang

kleiner Chris

aka nERDANZIEHUNG

Beiträge: 8 022

Registriert: 22. Juni 2008

Wohnort: Rheinland-Pfalz

Motorrad: BMW R 1200 GS (K50)

  • Private Nachricht senden

2

Freitag, 8. Dezember 2017, 20:52

Zitat

Allein, dass es
zwischen dem Unfall am 18.8.2012 und der Urteilsfindung 4 Jahre gedauert hat,
bis ich Recht bekommen habe, spricht schon Bände.


Da heutzutage jeder wegen allem vor Gericht geht ganz normal. Wie lange dauerte denn die eigentliche Verhandlung?

Wir können auch mehr Steuern eintreiben um mehr Richter einzustellen... finden dann viele aber auch wieder doof.

Gesendet vom Schmartfon

3

Samstag, 9. Dezember 2017, 00:25

Ich glaube hier ist das Hauptproblem, dass ein kommunaler Dienstleister ein offensichtliches Versäumnis nicht zugibt und einen Rechtsstreit damit heraufbeschwört. Die Sachlage war doch wohl offensichtlich, oder? Kann man da nicht sein Versäumnis einräumen und für den Schaden aufkommen? Warum muss man wegen sowas 4 Jahre rumstreiten? Armes Deutschland.

Von "Gutachtern" kann ich auch ein Lied singen. "Wessen Brot ich ess' dessen Lied ich sing' ..."

blahwas

MO24 Sektion Fahrverbot

Beiträge: 29 400

Registriert: 17. Juli 2005

Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Motorrad: Kawasaki Versys 650, Honda NTV 650

  • Private Nachricht senden

4

Samstag, 9. Dezember 2017, 09:36

Danke für den Bericht. Schön, dass zumindest zum Gutteil Recht bekommen hast und hoffentlich wieder fit geworden bist. Sowas kann einen ganz schön aus dem Leben reißen.

Zitat

Eine Rechtsschutzversicherung kann sehr hilfreich sein, ich hatte sie leider damals (noch) nicht.

Die Erfahrung habe ich gerade auch gemacht :S

henne

Mo24-Bewohner

Beiträge: 1 459

Registriert: 20. August 2009

Wohnort: Hamburg

Motorrad: CBR 1100 XX, XL 250 S

  • Private Nachricht senden

5

Samstag, 9. Dezember 2017, 11:50

Vielen Dank für den Bericht! Das Gutachten ist so wie du es beschrieben hast witzlos; leider hat man privat nicht immer die Mittel sowas vollständig zu widerlegen. Das soll nicht zynisch klingen, aber vier Jahre sind jetzt auch nciht übermäßig lange wenn man berücksichtigt dass sogar ein (lächerliches) Gutachten erstellt wurde. Unser letztes (dienstliches) Gerichtsverfahren hat inklusive dem Berufungsverfahren, allerdings ohne Gutachten, immerhin knapp 6 Jahre gedauert.

Die Webseite des Landgericht Magdeburg ist ja mies; ich kann den Fall dort nicht finden. Mich würden die Entscheidungsgründe mal interessieren....
Der Norden fängt da an, wo die Leute aufhören zu

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »henne« (9. Dezember 2017, 11:59)


baser

Mo24-Inventar

Beiträge: 2 514

Registriert: 23. April 2006

Wohnort: Berlin

Motorrad: Suzuki DR 800 BIG

  • Private Nachricht senden

6

Samstag, 9. Dezember 2017, 11:57

In meinem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht hat es mehr als vier Jahre bis zur ersten mündlichen Verhandlung gedauert. :D Die Verwaltungsgerichte sind teilweise hoffnungslos überfordert, auch gerade angesichts der dort anhängigen Asylverfahren.

thomas-30

Mo24-Fan

Beiträge: 241

Registriert: 9. August 2014

Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Motorrad: Suzuki Bandit 650 GSF Sa

  • Private Nachricht senden

7

Mittwoch, 27. Dezember 2017, 04:55

Hallo Zusammen,

Recht haben und Recht bekommen ist immer schwer.

Gruß
Thomas
:rocker: :musik: :motorrad:

Ralf53

Mo24-Hobbyist

Beiträge: 75

Registriert: 23. Oktober 2006

Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Motorrad: Honda Silver Wing FJS 600

  • Private Nachricht senden

8

Donnerstag, 28. Dezember 2017, 12:24

4 Jahre sind eindeutig zu lang, auch wenn es sicher viele Gründe dafür gibt.
Das Problem ist ja auch, dass man - im Gegensatz zu den Personen der Gegenseite - alleine das Prozess- und Kostenrisiko trägt.

Gruß Ralf
Sag deinen Problemen, dass du nach dem Frühstück kommst und sie nicht auf dich zu warten brauchen - echt nicht !


mopedbaer

Mo24-Fan

Beiträge: 463

Registriert: 13. November 2010

Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Motorrad: mehrere

  • Private Nachricht senden

9

Freitag, 29. Dezember 2017, 19:49


Das Problem ist ja auch, dass man - im Gegensatz zu den Personen der Gegenseite - alleine das Prozess- und Kostenrisiko trägt.


Das ist das eigentliche Problem. Die Leute, die letztendlich bei den Behörden entscheiden, dass man den Kläger am langen Arm verhungern lässt, tragen überhaupt keinerlei Risiko.

Home MotoGP Superbike IDM Motocross Motorradbekleidung Verkehrsrecht Motorradtests Motorrad Reisen Aprilia BMW Buell Ducati Harley-Davidson Honda Kawasaki KTM MZ Suzuki Triumph Yamaha 125er Sportler 125er Chopper 125er Enduro 125er Tourer Roller Piaggio Mofa Biete Suche Gewerbliche Kleinanzeigen Versicherung Motorrad Versicherung Auto Versicherung Roller Versicherung