Wer sich über Rossis Dauersiegerei aufregt und das langweilig findet hat wahrscheinlich die Doohan-Ära vergessen. Da ging es in der Regel auch nur darum, wer hinter der Doohan-Repsol-Werkshonda Zweiter wurde.
Und Seriensieger Agostini? Auch langweilig?
Werke wie Kawasaki und Suzuki machen ihre Hausaufgaben halt weniger gründlich als Honda, Yamaha und Ducati. Wobei Ducati noch das kleinste Werk ist, verglichen mit Kawasaki Heavy Industries, Yamaha, Honda und Suzuki. Und trotzdem stehen die Italiener seit ihrem Einstieg in die MotoGp besser da als die Grünen oder die Blau-Weißen.
Aprilia ist am falschen Ansatz gescheitert und hat sich mit übertrieben eingesetzter Formel1-Technologie in die falsche Richtung bewegt. Laut Haga und Edwards war die MotoGP-Aprilia unberechenbar und kaum zu beherrschen, weil die Elektronik-Systeme der Maschine regelmäßig ein Eigenleben entwickelten. Dieser Flop hat Unsummen Geld verschlungen und zusammen mit dem Engagement in den Zweitakt-Klassen und der Superbike-WM zu großen finanziellen Problemen geführt, weshalb Aprilia die MotoGP und auch die Superbike-WM aufgegeben hat. Obendrein hat das Werk den Besitzer gewechselt.
Würden noch mehr Kawas und Suzis in der MotoGP herumfahren wäre das längst keine Konkurrenz zu Rossi.
Die einzige Chance für mehr Abwechslung auf dem Siegerpodest sind die nachrückenden jungen Fahrer, die allesamt noch heiß und hungrig sind und es ihren Vorbildern nachtun wollen, und aufzeigende Stammfahrer wie Marco Melandri, bei dem anscheinend der Knoten geplatzt ist. Ob er Rossi 2006 die Stirn wird bieten können wird sich noch zeigen.
Von den Alteingesessenen ist dazu kaum jemand in der Lage. Vielleicht der eine oder andere Podestplatz oder gar ein Sieg wenn Rossi unter Diarrhöe leidet oder die Quali vergeigt und von weit hinten starten muss.
Capirossi ist für mich zwar ein ganz heisser Pilot, aber nicht beständig genug.
Gibernau hat zu viel Hollywood im Kopf, Biaggi hat 2006 vielleicht gar kein Motorrad mehr (höchstens ein nicht konkurrenzfähiges, wie immer), Barros, Checa und Co. schaffen es seit Jahren nicht, egal auf welchem Material. Einzig Barros konnte gegen Saisonende 2003 auf einer gleichwertigen Honda dem rasenden Doktor aus Tavullia einige Male das Heck zeigen.
Vielleicht findet Wunderboy Hayden in 2006 sofort zu der Form die ihn am Saisonende 2005 hat gut aussehen lassen.
An Pedrosa glaube ich (noch) nicht. Der muss jetzt im Winter zunächst viele Kohlehydrate zu sich nehmen und Muskulatur aufbauen, sonst wehts ihn bei Vollgas einfach vom Bock.
Aus Toni Elias könnte vielleicht was werden, einen prima Teamkollegen hat er ja mit Melandri.
Alex Hofmann vermisse ich nicht wirklich, auch wenn er der einzige deutsche Fahrer gewesen ist. Da kam einfach zu wenig. Abgesehen von den Ausreden. Und eine seiner Verletzungen in dieser für ihn so wichtigen Saison hat er sich aufgrund eigener Dummheit zugezogen als er mit seinem Race-Bike mit kalten Slicks bei einer Stadt-Präsentation aus einer 180°-Kehre heraus das Moped für die Galerie mal eben in ein Wheelie stellen wollte und dabei auf die Fresse geflogen ist.
Ehrlich gesagt - da kann ich eine gewisse Schadenfreude nicht verleugnen.
Kenny Roberts ist fett und satt und hat seit seinem 2000er WM-Titel kaum was gerissen. Hopkins sieht wie das ewige Talent aus, seit dramatischer Einstieg damals in das 500er Red Bull Yamaha Team von Peter Clifford liess dei Fachwelt aufhorchen. Danach ein Versinken in die Bedeutungslosigkeit mit hin und wieder gezeigten spekatulären Stürzen garniert mit einem spärlich aufblitzenden Beweis der eigentlich in ihm schlummernden Fähigkeiten.
Was solls.
Hauptsache die Action stimmt. Wer den Titel gewinnt ist mir eigentlich wurscht. Ich denke aber dass kaum ein Weg an Rossi vorbei führt.
Eine weitere Möglichkeit die angebliche Langeweile abzuschaffen wäre schon der Austausch der meisten Bildregisseure bei den Übertragungen.
Viel mehr noch als das zeitweise dahinplätschernde und manchmal uninformative Geplapper der deutschen Kommentatoren - wobei ich Leberkern und Raudies meist als erträglicher empfinde als die WOK-WM-Stimme Ringguth - ist für mich die oft unsensible Bildregie. Was interessiert mich die Dauereinblendung des mit reichlich Vorsprung fahrenden Führenden wenn im Mittelfeld die Positionskämpfe toben?
Hier könnte bereits der Anti-Langweile-Hebel angesetzt werden.
Und jeder, der selber mal im Rennsport aktiv gewesen ist - gleich, ob Hobby- oder Seriensport, IDM, oder sonstwas - weiß, dass es manchmal Läufe gibt wo sich kaum was tut nachdem die Positionen bezogen sind. Für den Fahrer ist so ein Rennen trotz weniger Zweikämpfe und so weiter trotzdem nicht langweilig weil er sich konzentriert, für den Zuschauer siehts allerdings anders aus.
Glück auf!
pofpof