Anlässlich labetes Empfehlung an den Töff, sich doch ein hübsches Domizil in Otzenrath zu suchen entstand die Idee, einmal eine Geisterstadt-Tour zu machen.
Otzenrath, für die, denen der Name nichts sagt, war ein Dorf am Rand des Braunkohle-Abbaugebietes Gartzweiler II von Rheinbraun.
War! Mittlerweile ist Otzenrath nicht mehr da. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht, und der Bagger nähert sich der ehemaligen Dorfgrenze langsam aber sicher, um das Erdreich über dem Braunkohlevorkommen abzutragen.
So, wie Otzenrath vor einem Jahr (ich war mit meiner Familie dort zu einem Sonntagsausflug) ist jetzt Holz eine verlassene Ortschaft, in der die Häuser abgesperrt und zugenagelt sind. Sehr eindrucksvoll, wenn auch etwas beklemmend.
Ein weiterer Ort ist teilweise verlassen. Die ersten Häuser sind bereits "gesichert", und die letzten Bewohner, die noch nicht umgezogen sind oder sich noch weigern(?) ihre alte Heimat zu verlassen, vermitteln den Anschein, dass eigentlich alles in Ordnung ist...
An der Abbruchkante nahe dem ehemaligen Otzenrath kann man dem Schaufelrad des Baggers aus ca. 15m Entfernung beim Entfernen der Erdschicht zusehen. Das 48 km² große Abraumgebiet mit Kohlekraftwerken am Horizont ist beeindruckend.
Ein paar Daten:
Kohleinhalt: 1,3 Mrd t
Fördermenge: ca. 40 Mio t im Jahr
Abraum: 6,5 Mrd m³
von Umsiedelung insgesamt betroffen: 7.600 Menschen in 18 Ortschaften
Am vergangenen Samstag war ich mit RedSnapper auf eine kleine Abendtour in der Gegend, um das Gebiet zu erkunden.
Zur Tour:
Wir starten in Düsseldorf und fahren über Neuss in Richtung Grevenbroich.
Dort befindet sich die eine Moto Cross Strecke die wir, kurz besuchen können. Allerdings ist schon der Weg dahin nicht unbedingt etwas für jedermann und jede Maschine (Ich hab's mit Straßenreifen ganz passabel durch den Sand geschafft, für Sportler wäre das aber nichts). Daher können wir diese Station auch auslassen...
Weiter geht es über eine - wen wundert's? - wenig befahrene Straße parallel zur Autobahn bis nach Holz.
Von dort aus geht es weiter nach Otzenrath, oder dem, was davon übrig ist.
Dort fahren wir so nah an die Abbruchkante heran, wie es für alle machbar ist und gehen den Rest zu Fuß.
Danach schauen wir uns noch ein wenig in der Gegend um und finden vielleicht ein paar "neue" Stellen...
Ach ja: Die abgetragene Autobahn ist natürlich auch eine Pflichtstation.
Geplanter Zeitpunkt für die Tour ist ein Sa oder So im Herbst, wahrscheinlich Oktober, denn im September sind noch zu viele Termine.
Fahrerisch anspruchsvoll wird der Ausflug allenfalls dadurch, dass wir es gelegentlich mit "ungewohntem Untergrund" zu tun bekommen.
Die Straßen sind weitgehend noch vorhanden und auch in einem passablen Zustand, aber man muss immer damit rechnen, dass hinter der nächsten Kurve eine unangenehme Überraschung wartet.
Und schmutzig werden die Maschinen bei der Tour auf jeden Fall. - Am nächsten Tag wird also Reinigung und Kettenpflege angesagt sein.
Für Kurvenjunkies bietet sich vorher oder nachher (je nach Tageszeit für die Tour) eine kleine Eifelrundfahrt an.
So. Wer kommt mit?