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Coyote

Langstreckencoyote

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1

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:02

Bratwursttest

Zuallererst: @bratwurst: du bist nicht gemeint. #keineMissverständnisse #immerArtig :grin:

Tag 1 - Auf, auf und davon!

Letzten Sommer hatte ich drei Wochen Urlaub, ohne dass ich wusste, was ich damit großartig anfangen sollte. Irgendjemand hatte kurz zuvor einen Laden erwähnt, der sich "Die letzte Bratwurst vor Amerika" nennt. Ein Schnellimbiss irgendwo unten links in Portugal. Hm,[i] dachte ich mir, [i]den könnte ich mir mal anschauen. Das Ziel ist immerhin genauso gut wie jedes andere. Zudem es ja noch einige Orte in Europa gibt, die ich gerne mal sehen möchte. Und nochmal zum Ace Cafe oder mal wirklich auf den Eiffelturm statt nur darunter... naja. Wenn es sich ergibt, okay. Aber nicht jetzt.

Circa eine Woche vorher begann ich, mich intensiv auf die Tour vorzubereiten: ich kaufte mir einen Satz Givi-Koffer für die VFR, markierte ein paar POIs in Google Maps und kaufte bei Kik die billigste Wäsche, die ich bekommen konnte (was erstaunlich schwierig war).

Den linken Koffer belud ich mit einem Paar Sneakers, einer Regenhose, einer Jeans, meinem Kulturbeutel und einer Plastiktüte mit Ladegeräten für Handy und Kamera. Dazu kamen noch drei Vakuumpäckchen befüllt mit je drei T-Shirts, drei Unterhosen und drei paar Socken, dazu nochmal ein weiterer Satz Wäsche ohne Vakuumpäckchen. Die Päckchen schaffen ordentlich Platz, aber da es nervt, sie jedesmal wieder halbwegs luftdicht zu verschließen, habe ich meine Wäsche auf mehrere Päckchen portioniert. Öffnen, Wäsche rausnehmen, Päckchen leer in den Koffer legen und Wäsche nach und nach "verbrauchen". "Verbrauchen" im wahrsten Sinne des Wortes - ich hatte keine Lust, die Schmutzwäsche den knappen Platz im Koffer wegnehmen zu lassen, sie wurde also direkt nach dem Ausziehen entsorgt. Je leerer der Koffer mit der Zeit wird, um so angenehmer ist es.

Der rechte Koffer blieb leer, sodass ich Navi, Helm, Handschuhe und Proviant darin verstauen konnte, wenn ich mich mal vom Motorrad entferne. Den Tankrucksack ließ ich daheim, nur die Basisplatte mit dem Kartenfach als gute Ablage für Papierkram wie Parktickets ließ ich dran. Und um es gleich vorwegzunehmen: die Koffer und diese Art sie zu nutzen entpuppten sich für mich als die beste Idee seit langem.

Und Montag morgens um 6 Uhr machte ich mich auf den Weg, nachdem ich zusammen mit Carina das Haus verlassen hatte. Sie fuhr zur Arbeit, ich fuhr nach Portugal. Läuft bei mir. :thumbup: Zuvor wollte ich aber nochmal kurz zu meiner Wohnung bei Stuttgart, um meinen Reisepass mitzunehmen (sicher ist sicher), der in Rollcontainer unter meinem Schreibtisch liegt. Außerdem wollte ich gucken, ob 1&1 nach mehreren Wochen offline endlich meine Internetschaltung hinbekommen hat. Alles kein Problem, liegt ja auf dem Weg. Die A81 muss ich sowieso runter. Nur dass ich, dort angekommen, feststellte, dass mein Reisepass eben doch nicht im Rollcontainer lag, sondern nach dem letzten Urlaub in Carinas Wohnung verblieben ist. Argh! Aber egal, hab ja meinen Perso. Internet lief auch, also wieder raus aus der Bude und weiter.

Der erste Wegpunkt war der Col de la Schlucht, nachdem der Regenrabe mir ihn empfohlen hatte. Also auf nach Frankreich! (Auch wenn es bei Pforzheim erstmal regnet.) Mein Navi brauchte ich noch nicht verwenden, denn das alte TomTom hat nicht genug Speicher für die gesamte Europakarte. Die Kartenausschnitte, die ich wählen kann, beinhalten entweder Deutschland und Österreich oder Spanien und Portugal, aber nicht alle vier gleichzeitig. Aber es gibt ja Google Maps, in Österreich war sowieso nichts geplant und in Deutschland kenne ich mich auch ohne Navi gut genug aus, um Frankreich zu finden, also halb so wild. Sieht aber unterwegs in Grenznähe lustig aus:



Den Col de la Schlucht bin ich dann letztlich rauf...





... und wieder runter...



... und hatte meine ersten Probleme. Erstens: ab Gerardmér schüttete es wie doof. Zweitens: wenn man erstmal in Gerardmér ist, ist man sowas von am AdW, dass an ein schnelles Vorwärtskommen erstmal nicht zu denken ist. Irgendwann war ich in Besançon, warf mich für ein paar Minuten in den örtlichen McDonald's (WLAN, Flüssigkeit, und, für diejenigen, die wie ich des Französischen so gar nicht mächtig sind, mehrsprachige Bestellautomaten) und zog dann weiter Richtung Südwesten.

Die Strecke zwischen Lyon nach Clermont-Ferrand kannte ich ja von der letzten Tour noch ganz gut, nur dass ich sie diesmal auch im Tageslicht sehen konnte. Und wie schon letztes Mal blieb ich an einer Mautstation stecken, weil die Karte nicht lesbar war. Das sollte mir aber noch öfter passieren, und inzwischen war ich auch diesbezüglich schon abgebrüht.

Irgendwo hinter Lyon hielt ich an einem Rastplatz an, um mir einen Snack zu gönnen. Aus Neugierde und in dem Wissen, dass die Franzosen jedem englischen Wort ein französisches entgegensetzen können, fragte ich den Jungen an der Kasse, wie die Sandwiches eigentlich hier genannt würden... "pain" oder so? Er sah mich nur verwirrt an und sagte "Sandwich". Ziemlich unspektakulär.

Ich musste weiter, ich hatte noch ordentlich Strecke vor mir und sollte mich besser etwas beeilen. Das dachten wohl auch andere:


Eine Familie hatte ihren Bus auf dem Parkplatz hinter einer Mautstation neben meinem Motorrad angehalten und vertrat sich etwas die Füße. Als sie wieder losfuhren, blieb ein paar Schuhe zurück. Ich hab dem Bully noch hinterhergewunken, aber sie haben mich wohl nicht bemerkt. Leider blieb mir dann auch nicht anderes übrig, als die Schuhe stehen zu lassen (sonst wundern sie sich, falls sie umkehren um sie einzusammeln) und weiterzufahren.

Ein paar hundert landschaftlich sehr schöne Kilometer später näherte ich mich dann endlich so langsam meinem Tagesziel. Es war längst dunkel geworden und ich bewegte mich gerade "La Méridienne" entlang, da sah ich ein Schild: "Aire du Viaduc de Garabit"... oha. Sieht spannend aus. Also mal runter von der Autobahn und geschaut - da steht da doch tatsächlich ein riesiges beleuchtetes Eisengestell in der Gegend herum, und freundlicherweise haben sie den Parkplatz mit bester Aussicht darauf gebaut:



Wurde einst von Eiffels Gustl höchstpersönlich dort hingestellt und irgendwie nie abgeholt. Schicke Brücke, aber tatsächlich interessierte mich diese hier viel mehr:



Man kann es nicht erkennen, weil sie nur sehr dezent, aber gleichzeitig auch sehr elegant beleuchtet ist, aber dies ist die höchste Brücke der Welt (gemessen an der Bauhöhe), der berühmte Millau-Viadukt. Da wollte ich bereits rüber, als ich noch mit Schnute und H-Man auf dem Weg in die Pyrenäen drunterher und drumherum fuhr. Diese Nacht hab ich es mir dann endlich gegönnt und hab nach der kostenpflichtigen Überquerung des Viadukts in Millau übernachtet.

Wegpunkt zwei erreicht.
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Coyote

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2

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:03

Tag 2 - Pfadfinder

Am nächsten Morgen, früh, noch bevor die ganzen Touristen kommen und der Rastplatz seinen Betrieb aufnimmt, siehts dann so aus:





Ich schickte Bilder von den Viadukten von Millau und Garabit an Klanor, der mich seinerseits zwei Wochen zuvor mit dem Bild vom Millau-Viadukt davon neidisch gemacht hatte. Bei meiner nächsten Stopp nahe Lazarc sah ich dann seine Antwort: "sehr schön - ich bin grad südlich von Andorra mit Kurs auf Ripoll". Ripoll waren nur zwei Stunden Umweg, aber mir fehlte die Zeit. So hab ich ein Zufallstreffen mit einem Freund fernab der Heimat leider verpasst.

Es wurde mal wieder Zeit für einen Tankstopp, meine Reserveanzeige blinkte. Also tippte ich "nächste Tankstelle als Zwischenziel" ins Navi. Es leitete mich auch artig an der Ausfahrt von Paulhan von der Autobahn und empfahl mir, im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt zu nehmen. Ein ausgewaschener Feldweg. Aber na gut, das ist vermutlich eine landestypische Verbindungsstraße. :p Sperrschilder waren jedenfalls keine zu sehen. Landschaftlich hübsch war es auf jeden Fall:



Aber Tankstellen sah ich keine. Der Feldweg führte immerhin irgendwann hinter einem Supermarkt und einer Autowerkstatt vorbei, und das Navi sagte, dass ich, sobald ich hinter der Werkstatt auf die befestigte Straße komme, solle ich links abbiegen und den folgenden Kreisverkehr "außen" auf einem kleinen Weg umfahren, um dann bei der Tankstelle am Ortseingang von Paulhan landen. Nur dass es weder den kleinen Weg noch die Tankstelle gab. Dort, wo sie sein sollte, war lediglich eine Wiese. Naja, dachte ich mir, die wird wohl irgendwo in Paulhan sein. Ich fuhr etwas in den Ort rein, sah aber nichts. Auch Google Maps half nicht weiter. Seufzend programmierte ich mein Navi um auf die nächste Tankstelle zwei Orte weiter, in der Hoffnung, dass mein Sprit noch so weit reicht. Ewiges Suchen konnte ich mir nicht erlauben, drei Liter sind auf der VFR schnell verbraucht. Ich verließ Paulhan wieder in die Richtung, aus der ich gekommen war, und als ich auf der Hauptstraße an Werkstatt und Supermarkt vorbei beschleunigte, entdeckte ich dann endlich die Automatentankstelle auf dem Supermarktparkplatz. Nochmal seufzen, dann Wenden auf der Landstraße und zurück zum Kreisverkehr. Erleichterung. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich im Supermarkt mit ein paar Coladosen und Erdnüssen zu versorgen und erstmal eine ordentliche Pause zu machen. Für einen Moment wunderte ich mich, warum die Coca-Cola in Frankreich nur ein paar Cent im Sixpack kostet, nur um später zu bemerken, dass die bekannt-roten Dosen in Wirklichkeit zur Carrefour-Hausmarke gehörten. Was ihnen geschmacklich überraschenderweise aber gar keinen Abbruch tat.


So sah die Stelle aus, wo der (inzwischen asphaltierte) Feldweg hinter der Werkstatt wieder auf zivilisierte Flächen traf. Wer genau hinschaut, erkennt die Tanke in der anderen, kaum einsehbaren Richtung.

Ich fand, dass ich jetzt endgültig genug Zeit vertrödelt hätte, und machte mich auf Richtung spanischer Grenze. Etwa bei Narbonne fiel mir auf, dass sich mein Navi trotz Ladekabel langsam aber sicher entlud. Verfluchtes Kabel! Ich hatte es erst zwei Wochen vorher ausgetauscht, weil das alte einen Wackelkontakt hatte. Wenn ich jetzt an der richtigen Stelle gegen den Stecker drückte, gabs Kontakt, sonst nicht. Bei La Palme hielt ich auf einem Rastplatz, um ein Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss zu kaufen, um das Ladekabel zu überbrücken - einen USB-Stöpsel für die Bordsteckdose hatte ich dabei. Die Kabel gibts ja an jeder Ecke zu kaufen... nur nicht dort. Als Positivpunkt konnte ich aber immerhin von dort das erste Mal das Mittelmeer sehen. Ich klagte meiner Frau über WhatsApp mein Leid und meine Position, versuchte, mir mittels eines geschickt eingeklemmten Papierstücks zu behelfen (ging eher schlecht als recht), und düste weiter. Jetzt muss ich mich aber wirklich sputen!

Etwa 15 km später hielt ich dann wieder an. Da stand eine höchst interessante Festung neben der Autobahn, die musste ich mir einfach ansehen. Fort de Salses hat tatsächlich seinen eigenen Autobahnrastplatz. Ich verstaute meinen Kram im leeren Koffer und folgte der Unterführung trotz der mediterranen Wärme im Laufschritt auf die andere Seite der Autobahn. Nicht weiter wissend, joggte ich einen kleinen Weg berghoch - Mist, der führt nur zum gegenüberliegenden Rastplatz. Wieder runter und einen anderen Weg genommen - der endete vor einem verschlossenen Tor in einem Zaun. Dort verwies ein Schild auf einen Eingang auf der anderen Seite eines Wäldchens. Klang weit, aber jetzt war ich halt schonmal hier. Ich lief zwischen Wald und Zaun entlang und wurde unterdessen fast taub vom Zikadengezirpe, bis ich endlich am Eingang zum Festungsgelände ankam. Von da aus waren es nur noch wenige hundert Meter bis zu einer Stelle, an der ich das Fort gut sehen konnte.



Und in die andere Richtung: die Silhouette der Pyrenäen. Ich näherte mich der spanischen Grenze.



Wurde auch Zeit. Wegpunkte drei und vier lagen in Barcelona. Bei Städten gehe ich ja gerne mal so vor, dass ich einen kurzen Besuch mache und "reinschnuppere". Gefällt mir der erste Eindruck, nehme ich vor, mal mit mehr Zeit zurückzukommen. Und von Barcelona hatte ich viel Gutes gehört, entsprechend neugierig war ich auf das "hineinschnuppern". Und tatsächlich, für eine verkehrsreiche Großstadt war das Durchqueren erstaunlich entspannt, und was ich von der Stadtautobahn herunter so erspähen konnte (z. B. den Friedhof von Montjuïc), war sehr sehenswert.

Der erste Stopp war der Torre Telefónica auf dem Montjuïc, ein von Santiago Calatrava entworfener Fernsehturm auf dem Olympiagelände bzw. Europaplatz. Ich hatte mir als Parkplatz ein laut Navi nahegelegenes Einkaufszentrum mit Motorradparkplätzen und U-Bahn-Anschluss ausgesucht. Ich fuhr also den Montjuïc rauf in eine sehr ruhige Parklandschaft mit verschiedenen Stadien und an Kreisverkehren parkenden Polizeiautos, fand aber nirgendwo weder das Einkaufszentrum noch irgendwelche anderen Parkplätze. Immerhin sah ich den Turm und einen Zufahrtsweg dorthin. Da dachte ich mir: pfeif drauf, ich bin Touri, ich fahr da jetzt einfach mal hin, auch wenn es nur wie "Zulieferer frei" aussieht. Aber: Mist, wieder Polizei genau an der Zufahrt. Ich bin Touri, ich kenne mich nicht aus, fertig. Die Polizei hat es nicht interessiert, offenbar war alles völlig legal. Ich parkte dann letztendlich zwischen den Autos von irgendwelchen Bediensteten genau unterm Fernsehturm und dem Europaplatz mit seinen Säulen und Brunnen. Auch das juckte keinen.







Blick auf Barcelona:


Ich wollte allerdings auch noch zur Sagrada Familia, was der Grund war, weswegen ich mir einen Parkplatz in U-Bahn-Nähe ausgesucht hatte. Nur, dass ich diesen eben nicht fand. Am Europaplatz gab es allerdings Schilder: "Metro, Plaça d'Espanya, 10 m Fußweg". Ich fuhr ein Stück in die grobe Richtung und parkte irgendwo an der Straße, nur um festzustellen, dass ich immer noch recht weit von der Haltestelle entfernt war. Also nochmal los... irgendwann kam ich am Fuße des Montjuïc in der Innenstadt von Barcelona an und bog auf eine sehr, sehr breite Prachtmeile mit zwei Türmen an ihrem Ende und vielen Autos an den Seiten. Der erste Gedanke war "juhuu, da gibts bestimmt Parkplätze", der zweite war "Mist, da steht alles voll"[i] und der dritte [i]"Mist, da steht alles voll und es ist auf den vier Spuren bestimmt ein Mordsverkehr"[i]. Aber, oh Wunder: dort war tote Hose. Ich sah eine Lücke in der Gegenrichtung, wendete in aller Ruhe über den Boulevard und stellte meine VFR stumpf quer zwischen zwei Autos, mit genügend Platz für beide, um noch bequem auszuparken. Als ich endlich Gelegenheit hatte, mich umzusehen, fiel mir die Kinnlade runter:



Der Nationalpalast, Museum und Ausstellungshalle. Und in der Gegenrichtung die Plaça d'Espanya:


Die venezianischen Türme sind reine Deko. Und hinter ihnen waren das lange von mir gesuchte Einkaufszentrum und die Metrostation. Von dort aus machte ich mich auf den Weg zur Sagrada Familia auf ein schnelles Foto. Ein Besuch war kaum denkbar, Zutritt bekommt man aufgrund des Besucheransturms nicht sofort - eher erst am nächsten Tag, wenn man ein Online-Ticket bestellt. Soviel Zeit hatte ich nicht.



Sieht live übrigens weit weniger gruselig aus als es den Eindruck macht.
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Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:03

Nach einer weiteren kurzen Colapause im Hard Rock Cafe Barcelona fuhr ich weiter, mein plan war, nicht allzu spät abends in Valencia einzutreffen, um einen britischen Bekannten zu treffen, der dort seit Jahren lebte. Auch Valencia steht auf meiner "mal reinschnuppern"-Liste aufgrund der vielen spannenden Bauwerke dort. Nur dass ich meinen Kumpel schon den ganzen Tag nicht erreichen konnte. Aber darüber konnte ich mir Sorgen machen, wenn ich da war. Ich wollte eh nur mit ihm zusammen irgendwo essen und dann schauen, wie weit ich danach noch komme, idealerweise bis Benidorm oder so. Aber auch hier stoppte mich ein spontaner Stopp an der "Teufelsbrücke" am superschnellen Vorwärtskommen:



Ein alter römischer Aquädukt bei Tarragona, der noch recht gut erhalten ist. Hätte ich gewusste, dass der Fußweg dorthin weniger Kletterei zu sein scheint als es vor Ort den Eindruck machte, hätte ich ihn wie die anderen Leute vielleicht auch über- und unterquert. So begnügte ich mich mit dem Foto vom Autobahnrastplatz aus.

Ich näherte mich Valencia, aber von Peter weiterhin keine Spur. Ich wusste, dass er zeitnah in den Urlaub fliegen wollte - offenbar war heute der Abreisetag. Schade. Aber mir gab es auch mehr Reisezeit. Ich umfuhr Valencia und beschloss, in Murcía zu übernachten. Auf dem Weg dorthin stoppte ich an fünf oder sechs Raststätten, immer auf der Suche nach Ladekabeln mit Mini-USB. Mein Naviakku ging immer weiter in die Knie, die Ladephasen waren immer nur ein paar Minuten lang. Und ale Raststätten hatten immer die gleichen Läden, und die Läden immer das gleiche Sortiment: Bordsteckdose ja, aber immer nur Micro-USB als Gegenstück. In ganz Spanien schien es kein Mini-USB-Ladekabel zu geben. Mmmpf. Ich gabs auf und folgte der schier endlosen Autobahn.

Es dämmerte, es wurde dunkel... und ich fiel vor Schreck fast vom Bock, als ich aus den Augenwinkeln eine riesige Silhouette auf einem Hügel gegen den Nachthimmel bemerkte. Umpf - da stand ein riesiger Stier. Riesig im Sinne von "zirka 10 m hoch". Also riesig. Diese Aufsteller stehen als "Markenzeichen" in Spanien überall herum, aber hier hatte ich nicht damit gerechnet. Kurz schütteln und weiterfahren. Bis Murcía war es noch weit, und irgendwo essen wollte ich auch noch. Als Futterkrippe hatte ich mir einen Burger King bei Elda (nahe Alicante) ausgesucht. Ich verließ die Autobahn und fuhr dorthin, wo der Burger King laut Navi sein sollte. Da stand jedoch ein McDonald's. Ich war bockig. McDonald's möchte ich nicht, alles andere hat eh schon zu - ich will Burger King. Ich schaute mich kurz um, aber außer einer Tankstelle und einem Einkaufszentrum ein Stück weiter war dort nichts. So langsam wurde mir klar: die Südeuropa-Karten von TomTom (und auch Google Maps) sind nur mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Also muss ich wohl weiter bis Elche oder Murcía für mein Abendessen. Ich fuhr wieder auf die Autobahn - und in dem Moment sah ich den Burger King im Einkaufszentrum. Ich verlies die Autobahn an der nächsten Abfahrt erneut, durchquerte das gefühlt erstaunlich große Elda und kam endlich zu meinem Essen. Frisch gestärkt buchte ich ein Hotelzimmer, programmierte die Hoteladresse ins Navi und düste weiter.

Endlich in Murcía angekommen, folgte ich den Navianweisungen runter von der Autobahn, durch zwei Kreisverkehre, eine kleine Straße Richtung Stadtrand hinunter und landete deutlich nach Mitternacht irgendwo in den dunklen, steilen Kopfsteinpflastergassen eines kleinen Ortes vor einer unbeleuchteten Tür. Das kann nicht richtig sein, dachte ich. Die Karte von HRS stimmte dem zu, das Hotel war irgendwo ganz anders. Ich suchte mir eine andere Adresse in der Nähe des Hotels raus, gab diese ins Navi ein und fand damit auch letztlich kurz vor 1 Uhr meine Unterkunft im Stadtzentrum. Merke: die Südeuropa-Karten von TomTom und Google Maps sind mit Vorsicht zu genießen. Vor allem die in Spanien ständig auftauchenden und nicht unbedingt als solche erkennbaren Abkürzungen für irgendwelche Generäle oder Präsidenten in den Straßennamen bringen das Navi durcheinander. Da findet es schonmal eine "Cal de Gen Ruíz" nicht, weil Ruíz nicht "Gen" sondern "General" mit Vornamen hieß und die "Calle" in Wirklichkeit eine "Avenida" ist. Der eine behauptet also "Cal de Gen Ruíz", der andere "Avenida de General Ruíz", und beide erkennen das jeweils andere nicht. Man selbst muss auf die Unterschiede überhaupt erst einmal kommen.

Aber, wie gesagt, ich habs geschafft, stöpselte noch müde Handy und Navi an die Ladegeräte und fiel ermattet in mein Bett. Es war immerhin schon halb 2 morgens und der Wecker sollte um 7 wieder klingeln.
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4

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:05

Tag 3 - Run for the hills!

Der Wecker war umbarmherzig... also stand ich auf und bewunderte erstmal den Sonnenaufgang über Murcía.




Duschen, anziehen, noch ein letzter Blick aus dem Hotelfenster zur großen Jesus-Statue, die ich letzte Nacht schon beleuchtet über der Stadt gesehen hatte...



... dann ausschecken und runter in die Tiefgarage. Los gings!

Oder auch nicht. Vor Ewigkeiten ist an meiner Jacke mal der Reißverschluss-Griff abgerissen, ich hatte es notdürftig mit einer Büroklammer repariert. Nichts hält so lange wie ein Provisorium, aber auch Provisorien segnen irgendwann mal das Zeitliche. In diesem Moment war es für die Büroklammer soweit. Dumm nur: ohne die Büroklammer bekomme ich den Reißverschluss nur geschlossen, aber nicht wieder geöffnet. Und obwohl ich noch in der recht kühlen Tiefgarage stand, kam jetzt schon der erste Schweiß. Ich ging wieder rauf zur Rezeption.
"Haben Sie etwas vergessen?"
"Nein, aber haben Sie zufällig eine Büroklammer für mich?"

Verwirrung folgte, aber ich konnte meine Jacke reparieren und nun endlich gefahrlos losdüsen.



Mein erstes Ziel war Granada, denn hier gabs einen Mediamarkt. Und wo es einen Mediamarkt gibt, gibts auch USB-Kabel. Bis dorthin war es aber noch ein gutes Stück, durch eine Landschaft, die mich stark an manche Regionen der USA erinnerte. Einmal hielt ich an, um die Landschaft zu genießen.





Allerdings geschah das Anhalten etwas ungeschickt. Mein Plan war, kurz auf der Sperrfläche neben der Einfahrt zum Kreisel am Ende einer Autobahnabfahrt zu parken, möglichst weit rechts an der Leitplanke natürlich, damit ich selbst dem schlechtesten Fahrer nicht im Weg stehe. Die Sperrfläche war ziemlich uneben, also klappte ich den Seitenständer aus und versuchte, mein Motorrad an eine Stabilität versprechende Stelle zu füßeln. Dabei bemerkte ich nicht, wie ich mit dem rechten Koffer immer näher an die Leitplanke kam, während links der Seitenständer auf eine Wölbung auflief. Ergebnis: das Motorrad klemmte sich rechts wie links ein und bewegte sich erstmal keinen Millimeter mehr - ich konnte es nicht vom Seitenständer nehmen, weil ich bereits nach rechts gegen die Leitplanke drückte, und ich kam nicht von der Leitplanke weg, weil der Seitenständer satt auf dem Boden stand und sich zum Lösen erst noch zu seinem Totpunkt und darüber hinaus bewegen müsste. Was ja wiederum nicht ging, weil die Leitplanke ein Vorankommen verhinderte.

Absteigen und etwas Lenkerwackeln halfen letztendlich, aber peinlich war das Ganze schon - und es hat nur wenige Tage gedauert, bis ich meine nagelneuen Koffer das erste Mal zerschrammt hatte. Gut, dass ich mich nicht entschlossen hatte, sie zu lackieren. Werde ich wohl auch nicht mehr tun...

Aber wenn ihr denkt, ich würde schon Dummheiten machen - an jeder Autobahnauffahrt steht so ein Schild:


In Portugal wird das Viergestirn übrigens noch durch einen Reiter und eine Kutsche erweitert.

In Granada fand ich den Mediamarkt in einem großen Gewerbegebiet am Stadtrand, sogar mit eigenem Parkhaus. Allerdings: Zufahrt für Motorräder verboten. Und außen gabs keine Parkplätze. Ich parkte die VFR letztlich auf den Gehweg auf der anderen Straßenseite. Und da ich den Weg zum Mediamarkt von dort aus nicht fand, lief ich kurzerhand durchs Parkhaus - nur um festzustellen, dass ich der einzige der fünf anwesenden Motorradfahrer war, der sich um das Zufahrtsverbot gekümmert hatte. :p Immerhin bot die rote VFR in der Sonne aus dem dunklen Parkhaus heraus betrachtet einen netten Anblick.



Zudem nutzte ich die Gelegenheit um mehr von der Carrefour-Cola zu kaufen und fand zufällig auch die leckeren Kekse, in die ich mich auf Teneriffa verliebt hatte (und von denen mir jener Freund aus Valencia letzten Winter ein großes Paket voll zuschickte). Jibbie! :D



Nun aber weiter... Granada? Da war doch was? Genau, die Alhambra. Kurz ins Wiki geschaut... nö, wollte ich nicht. Von außen sieht sie auf den Bildern ziemlich unscheinbar aus und für eine Besichtigung von innen hatte ich leider keine Zeit. Also fuhr ich schnell weiter, denn es war ja nicht so, dass ich nicht auch so noch Pläne hätte.

Eine Weile später verließ ich die Autobahn und begab mich in die andalusische Sierra. Ich freute mich auf einige geschlungene Bergsträßchen... tja. Überall "Tempo 50". Anfangs flucht man noch, nach einer Weile wird man aber mutiger und genießt die Kurven und die Landschaft.





In einem Ort hielt ich an einer Tankstelle, um mich aufzutanken - eine konstante Versorgung mit Wasser wurde zunehmend wichtiger, während die Temperaturen stiegen, und fand hinter der Tankstelle einen kleinen Hügel mit einem alten Wachturm, den ich mir, mit der Wasserflasche in der Hand, erstmal in Ruhe anschaute.



Der Turm wird von allen im Dorf wohl nur "das Kastell" genannt und keiner weiß so genau, wer ihn eigentlich gebaut hat.

Nach goldenen Landschaften...



... kam ein weiterer spontaner Stopp am "Ausblick des Försters", der abseits einer netten Passstraße ausgeschildert war und von mir in voller Montur bei Bruthitze erklommen wurde. Bei so etwas kann ich ja nie "nein" sagen. Zu sehen gab es, neben einem Ausblick über die Hügel, eine hübsche, aber leider etwas demolierte Statue eines Försters, der einem kleinen Jungen die Landschaft zeigt. Gefiel mir.





Eine halbe Stunde später erreichte ich meinen vierten Wegpunkt, die "neue Brücke" von Ronda, einem beschaulichen alten Städtchen irgendwo im Nirgendwo. Ich hatte sie auf einem Bild gesehen und dachte mir "da möchte ich hin". Zunächst einmal sah ich von der spektakulären Brücke nicht viel - das war so, wie damals in Toronto, als ich zu einer Freundin sagte "ihr habt doch hier so einen schicken Viadukt, den würde ich gerne sehen". Und sie machte einen kleinen Ausflug mit mir, führte mich eine Straße entlang und meinte "hier ist er!" Ich muss nicht begeistert ausgeschaut haben, denn sie fragte: "was ist? Du scheinst nicht begeistert aus." Ich antwortete: "nun ja... weißt du, wenn man jemandem eine Brücke zeigen will, dann stellt man ihn normalerweise nicht oben drauf sondern unten davor". Wie gesagt, so ähnlich war es hier auch, ich hab sie überquert, und außer vielen Touristen und hohen Seitenmauern sah man nicht viel. In Ermangelung eines Parkplatzes parkte ich neben zwei BMWs mitten auf dem Dorfplatz, packte meine Sachen wieder in den leeren Koffer und ging einen kleinen Weg entlang, der parallel zu der Schlucht lief, welche die Brücke überspannt. Leider ist die Brücke so groß, dass sie weder im Hochformat noch im Querformat ein gescheites Foto abgab.



Google Maps sagte mir allerdings, dass ich, wenn ich die Brücke wieder querte und dann nach rechts in die engen Gassen abbog, irgendwann zu einem kleinen Park käme, von dem aus man einen Fußweg Richtung Brücke in die Schlucht hinein begehen konnte. Also parkte ich die Maschine mal eben zu diesem Park um, allerdings nicht, um nicht zuvor kurz die historische Stierkampfarena zwei Gassen weiter anzugucken. Ich fand sie allerdings recht unspektakulär (nur eine weiße Mauer), weswegen ich auch kein Foto gemacht habe.

Am Park angekommen, bewunderte ich erstmal den Blick über den Eingang der Schlucht hinweg in die Landschaft.





Dann folgte ich, lediglich Helm, Navi und Handschuhe im Koffer lassend (also mit Jacke, Rückenprotektor, Stiefeln und Lederhose an), bei etwa 30 °C in praller Sonne dem steilen Pfad zur Schlucht, wobei ich aus irgendeinem Grund sehr viele staunende Blicke auf mich zog. Vielleicht wegen der Coladose in meiner Hand (warme Cola? Ich war längst wieder an einem "egal, es ist flüssig, mehr muss es nicht sein"-Punkt). Und der Pfad wandte sich und stieg steil ab... ich überlegte für einen Moment umzukehren, immerhin muss ich den ganzen Weg ja auch wieder raufklettern. Aber wenn ich schonmal da war, dann zog ich es auch durch. Ich traf auf ein kleines Plateau, auf dem Mauerreste standen. Irgendwie von Neugier getrieben, ging ich durch die Ruinen anstatt den Weg noch wer weiß wie weit zu folgen. Hinter den Ruinen kam zu einem Pfad durch ein kleines Dickicht, und am Ende des Pfades hatte ich diesen Ausblick:



Endlich - mein Foto. Glücklich kletterte ich wieder zurück, und es war tatsächlich nur halb so schlimm und anstrengend, wie ich befürchtet hatte. (Und später fand ich heraus, dass, wenn ich stattdessen doch dem Pfad gefolgt wäre, nach vielleicht 50 m zum "offiziellen" Aussichtspunkt auf die Brücke mit einer noch besseren Sicht gekommen wäre. Mist! Ich dachte, der Weg führt weiter runter in die Schlucht.)
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Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:05

Jetzt musste ich mich aber beeilen, immerhin hat mich das alles viel Zeit gekostet. Ich nahm Kurs Richtung Süden, und zwar so lange, bis ein riesiger Felsen am Horizont auftauchte.



Gibraltar. Mein Wegpunkt Nummer 5. Gibraltar ist eine enge, zu 90% vertikal angeordnete Landzunge in britischem Besitz. Natürlich braucht das britische Militär einen Flughafen, und die einzige Stelle, an der man hier einen Flughafen errichten kann, ist quer über die Landzunge knapp unter ihrer Verbindung zum Festland. Mit dem Ergebnis, dass die einzige Verbindungsstraße von Spanien nach Gibraltar erst durch den Zoll, und dann quer über die Piste des Flughafens führt. Die ganze Situation ist so absurd, dass ich mir das unbedingt mal live anschauen wollte.

Ich stellte mich brav in der Schlange am Zoll an - es herrscht dort reger Pendelverkehr -, wurde problemlos durchgelassen, überquerte den Flughafen und parkte gleich auf der anderen Seite an einer Tankstelle. Dort betrachtete ein Bauarbeiter, der gerade Pause machte, bewundernd meine VFR, während ich den Flughafen und die ihn kreuzende Straße erforschte.







Und das Ganze funktioniert so: es strömen unaufhörlich erstaunliche Fahrzeugmassen die vierspurige Winston Churchill Avenue entlang, die einzige Verbindung zwischen dem spanischen La Linea de la Concepción und dem britischen Gibraltar. Dabei git es zwei Hindernisse: erstens den Zoll, zweitens den Flughafen. Denn immer wieder mal gibt es einen Signalton, und die Schranken zu beiden Seiten des Flughafens senken sich wie bei einem Bahnübergang. Der sich auf dem Feld befindliche Verkehr fließt noch ab, die Fußgänger müssen die Piste ebenso verlassen, dann wird die Straße ganz geschlossen. Und dann kreuzt ein Flugzeug...

... oder eine Kehrmaschine. Meistens eher letzteres. Alle paar Minuten fährt sie unmotiviert von links nach rechts oder von rechts nach links, und jedes Mal wird die Straße für sie gesperrt.



Der Rest von Gibraltar ist nicht minder irre. Gibraltar muss man sich vorstellen, als ob man den Hamburger Hafen, den Flughafen Münster-Osnabrück, Teneriffa, Neapel und ein halbes Dutzend italienische Passstraßen nimmt und auf ein paar wenige Quadratmeter quetscht. Überall sind Strände. Überall vor den Stränden liegen Fracht- und Tankschiffe auf Reede. Die kleine, verwinkelte Stadt wird von wild fahrenden Rollerschwärmen durchzogen. Und der große Felsen, an den sich auch die Stadt kauert, ist so durchlöchert von unbeleuchteten, feuchten und grob aus dem Fels gehauenen Tunneln, dass man sich in den Dolomiten wähnt. Nur dass man eben praktisch jederzeit den Blick auf den nächsten Strand hat. Ein faszinierender Ort.

Ich beschloss, zum Europa Point, der Südspitze der iberischen Halbinsel, zu fahren und eventuell noch die Seilbahn den Berg (den berühmten Affenfelsen) hinauf zu nehmen. Das mit der Seilbahn klappte aus Zeitgründen leider nicht (und weil ich sie nicht auf die Schnelle gefunden habe), und inzwischen ärgere ich mich etwas, weil ich nicht genau genug auf die Karte geschaut habe - offenbar kann an auch den Berg ganz einfach hochfahren. Aber ich sah auch so einiges:

Eine maurische Festung...


... riesige Artilleriestellungen...






... eine große Moschee...


... schwebende Schiffe...


... einen Leuchtturm...


... und Afrika.


Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, eine Fähre von Algeciras nach Tanger zu nehmen, aber ohne Reisepass dürfte das eher eine schlechte Idee sein, auch wenn ich für Marokko kein Visum bräuchte. Ich wäre auch stehenden Fußes wieder umgekehrt. Aber immerhin hätte ich sagen können, dass ich mit der VFR in Marokko war.

So fuhr ich stattdessen erst zurück über die Grenze nach Spanien, aß einen Happen, fotografierte noch ein Arbeiterdenkmal, und verließ die Gegend.




(Einer von den Stieren, von denen mich ein Exemplar nachts so erschrocken hatte.)

Ich fuhr noch ein Stück durchs Land bis nach Sevilla, orientierte mich dort und beschloss, diesmal in Huelva zu übernachten, kurz vor der portugiesischen Grenze. Das sollte mir erlauben, pünktlich zur Imbisseröffnung bei der "Letzten Bratwurst vor Amerika" anzukommen. Allerdings wurde es auch hier fast 1, bis ich endlich im Hotelbett lag.
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6

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:07

Tag 4 - Frisch Gegrilltes

Nachdem ich vorm Einschlafen noch die "Letzte Bratwurst vor Amerika" genauer nachgeschlagen hatte und mir merkte, dass sie um 10:30 Uhr eröffnen, plante ich, meine Abfahrt passend zu timen. Ich würde etwa 2,5 Stunden bis zum Cabo de São Vicente brauchen, also passte mein Muster: aufstehen um 7, duschen, anziehen, Nachrichten und Mails lesen, und um spätestens 8 abfahren.

Zunächst einmal verfuhr ich mich bei dem Versuch, auf die Autobahn zu kommen, und bog versehentlich Richtung Süden nach Punta Umbria ab. Das merkt man natürlich nicht sofort, was bedeutet, dass man um so weiter zurück fahren muss. Irgendwann fand ich aber die richtige Richtung und war wieder auf der Autobahn zur Grenze. Die bestand aus wenig mehr als einem Willkommenstor über die Autobahn.

Die Autobahn in Portugal entpuppte sich als spannend. Es gibt dort fast flächendeckend eine rein elektronische Maut. Kurz hinter der Grenze hält man an einer Mautstation an, füttert einen Automaten mit seiner Kreditkarte, und der registriert über Kameras den Fahrzeugtyp und das Kennzeichen. Immer, wenn man danach an einer Mautbrücke vorbeifährt, wird das Kennzeichen erkannt, die Kreditkarte dazu rausgesucht und fleißig abgebucht. Sehr bequem, aber auch ziemlich teuer - ich hab die Mautgebühren nicht nachgerechnet, aber sie schienen mir in Portugal relativ hoch zu sein.

Bei dem Versuch, die VFR zu registrieren, scheiterte allerdings die Nummernschilderkennung. Meine Registrierung sagte klar und deutlich: "Kennzeichen: ERROR".



Auch ein erneuter Versuch brachte nichts. Nichtsdestotrotz ging vor mir die Schranke auf und die Ampel zeigte grün. Was soll ich also großartig tun? Ich verstaute den Zettel gut, für den Fall, dass es heißt, dass ich mich nicht registriert hätte, und fuhr weiter. An vielen kamerabewehrten Mautbrücken vorbei. Die würden mir schon eine Rechnung schicken, so oder so - da war ich zuversichtlich.

Die Fahrt zum Kap war eine ziemliche Tortur. Es war heißer als irgendwo sonst bisher, und irgendwann muste ich runter von der Autobahn und eine gefühlt ewig lange Landstraße herunterzuckeln - nur geradeaus von Kreisverkehr zu Kreisverkehr, alles vollgestellt mit Autos, Bussen und Wohnmobilen. Dazu Überholverbote, so weit das Auge reicht. Ich verlor massig Zeit und kam mit 45 Minuten Verspätung am 27.07.2017 um 11:15 Uhr am Wegpunkt 6 an:



3530 km, 77 Stunden und 15 Minuten seit Abfahrt am 24.07.2017 um 6:00 Uhr (laut Navi 3498 km bei 35 Stunden und 42 Minuten Fahrzeit, damit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 98 km/h). Jetzt wusste ich, wie lange ich im Notfall brauchen würde, um wieder heim zu kommen bzw. wieviel Zeit ich mir für den Rest der Tour nehmen kann. Und noch während der ganzen Rechnerei meldete sich mein Magen und bat um prompte Versorgung. Letztlich sollte der vorgebliche Zweck meiner Reise ja endlich auch erfüllt werden. Doch ich musste feststellten: Portugal liegt tatsächlich im Gegensatz zu Spanien in einer anderen Zeitzone! Damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Statt also 45 Minuten zu spät zur Imbisseröffnung zu kommen, war ich tatsächlich 15 Minuten zu früh da - es war gerade erst 10:15 Uhr Ortszeit.

Ich vertrödelte die Zeit damit, mich etwas am südwestlichsten Punkt Europas umzuschauen, ein wenig herumzuknipsen und zuzusehen, wie sich das Sträßchen so langsam mit Touristen füllte. Als ich auch mal ein Blick auf mein Motorrad warf, stellte ich entsetzt fest, dass das Profil meines Hinterreifens auf 2 mm runterradiert war. Okay, der war eh nicht mehr taufrisch, aber etwas mehr hätte er dann doch wegstecken dürfen. So komme ich sicher nicht mehr legal heim. Aber bis dahin hatte ich noch Zeit, mir etwas einfallen zu lassen. Jetzt musste ich mich erstmal um wichtigere Dinge kümmern, und die wichtigeren Dinge hießen Bratwurst und Cola.



Nachdem die Bude mit der zu erwartenden Pünktlichkeit endlich eröffnet war, bat ich dann die deutsche Auswanderin, die den Imbiss betrieb, um jene spezielle Bratwurst, die es nur hier gibt. Ich war allerdings etwas enttäuscht, dass es keine Pommes dazu gab. Dafür aber ein Zertifikat, dass man vor Ort gewesen ist. Und sein Getränk holt man sich mit einer Wertmarke am Stand nebenan - ein interessantes Konstrukt der Arbeitsteilung. Apropos Arbeit: tatsächlich verschwendete ich einen Gedanken an die Kollegen und das damals sehr harte Projekt daheim. Und grinste in mich hinein und dachte mir: "egal, wo ihr grad seid und was ihr grad macht und wofür ihr mich gebrauchen könntet: weiter von euch entfernt könnte ich in Westeuropa nicht sein." :grin:

In der altehrwürdigen Tradition aller kapcurrywurstfutternden motorradreisenden Kaniden opferte ich dem Boden etwas Ketchup und machte mich wieder vom Acker.






(Die Treppe nach Amerika, etwas abseits des Kaps. Ab hier muss man schwimmen.)

Ich folgte der nervigen Landstraße wieder ein gutes Stück zurück, um die Autobahn Richtung Norden zu erreichen. Die Fahrbedingungen wurden auch auf dem Rückweg nicht besser, dafür wurde es rapide heißer. Die Hitze stregte mich schon an. Ich hielt etwa 1,5 Stunden später an einem Rasthof, und zwar relativ ungeschickt. Schlau, wie die Südländer nunmal sind, überdachen sie ihre Parkplätze mit Blechdächern. Jeweils zwei Reihen von Stellplätzen liegen sich gegenüber und werden von einem Dach beschattet, dass im Querschnitt einem plattgedrückten V gleicht, der Winkel des V lief die Grenzlinie zwischen den zwei Reihen entlang. Unter dieser Kante waren ein paar Stahlstützen, die das Dach in der Luft hielten. Die Reihen vor mir waren leer, also machte ich das, was jeder Autofahrer gerne tut: ich fahre auf den einen Stellplatz drauf und überquere ihn zum gegenüberliegenden Stellplatz, sodass ich automatisch "rückwärts eingeparkt" und damit abfahrbereit stehe.

Wie gesagt, alles war sehr schattig überdacht. Damit entsprechend dunkel. Gegenüber der wahnsinnigen Helligkeit draußen. Und damit hab ich auch nur im allerletzten Moment den Stahlträger gesehen, der auf Augenhöhe quer zwischen den Säulen hing und auf den ich schwungvoll zufuhr... hätte ich mich nicht sofort flach auf den Tank gelegt, wäre es wohl schmerzhaft und peinlich geworden. So sah es dagegen aus wie geplant. :klasse: :grin:

Das Essen an dem Rastplatz machte mich nicht an, aber immerhin konnte ich wieder einen Liter kühlschrankkühlen Wassers nachschütten. Das war dringend nötig. Und dann ging es gleich weiter, denn die nächsten Ziele lagen bei Lissabon: der große Jesus (Cristo Rei) und Cabo da Roca.

Kurz vor Lissabon wurde die Autobahn plötzlich sehr voll und sehr breit - 20 Spuren voller Autos, die durch eine herkömmliche Mautstelle bei Almada wollten. Da sich auch sonst niemand durchschlängelte oder die Spuren wechselte, ließ ich es ebenso bleiben und briet artig vor mich hin, bis ich endlich selbst mit der Mautzahlung dran war. Direkt hinter der Mautstelle kam die Abfahrt für Almada, und unmittelbar dahinter die große Brücke des 25. April über den Tejo nach Lissabon.

Ich verließ also die Autobahn, den Navianweisungen zum Cristo Rei folgend. Ich fuhr ein wenig durchs Stadtgebiet, kam zu einem Kreisel, verließ diesen wieder auf eine Hauptstraße und verpasste eine Abbiegung - weil ich schlicht keine Straße dort gesehen habe. Etwas weiter vorne kam ein weiterer Kreisverkehr in dem ich wenden konnte, und auf dem Rückweg sah ich eine kleine Gasse zwischen den Wohngebäuden verschwinden. Sowas kannte ich ja schon von Murcía und Ronda. Ich fuhr einen erneuten Anlauf durch den ersten Kreisel, bog in jene Gasse ein und rollte bei etlichen Leuten vor Haustür und Küchenfenster her. Das kann doch nicht der reguläre Zufahrtsweg zum Cristo Rei sein, dachte ich mir. Ein großer Touristenmagnet, und die Reisebusse quetschen sich alle hier durch? In diese Gassen und Winkel passen sie doch überhaupt nicht rein. Und während ich so überlegte und durch das Wohngebiet rumpelte, tat sich vor mir plötzlich ein großer Parkplatz auf und Jesus stand vor mir. Der Parkplatz war ziemlich leer, ich war also zu einem guten Zeitpunkt dort. Ich parkte die VFR irgendwo, wo es mir gerade genehm war.






Blick auf Lissabon.

Die große Statue (beinhaltet eine kleine Kapelle und Aufzüge zur Aussichtsplattform, ich war aber nicht bereit Eintritt zu zahlen) auf ihrem Hügel hoch über dem Tejo wird von vielen Kunstwerken und Plaketten umgeben.


(Zwei Rechtschreibfehler, ein Grammatikfehler und eine fehlende Präposition - in Bezug auf Rechtschreibung sind Päpste keinesfalls unfehlbar.)

Das Ganze bietet, wie oben schon gezeigt, auch einen schönen Ausblick auf den Tejo, etwas Atlantik, Lissabon und Belém sowie die Brücke des 25. April. Und ich stand auf dem Hügel, der meinen Wegpunkt 7 markierte, schaute auf die Hängebrücke hinunter und wunderte mich doch etwas über den Verkehrslärm. Ja, es ist eine sechsspurige Autobahn, aber sie ist immerhin ein gewisses Stück weit weg. Trotzdem war es erstaunlich laut.

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7

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:08

Irgendwann machte ich mich auf, Almada zu verlassen, und stellte mir die Frage: was nun? Ich hatte zwei Möglichkeiten: zum einen würde ich mir gerne, wo ich schon hier bin, das Seefahrerdenkmal und den Torre de Belém angucken, andererseits könnte ich im Hard Rock Cafe Lissabon etwas essen. Falls sich jemand darüber wundert, dass ich dort so gerne hingehe: die Getränke sind free refill, es ist klimatisiert, ich weiß, was es dort gibt, Preis und Leistung sind kalkulierbar konstant und die zucken nicht einmal mit der Wimper, wenn man verschwitzt, in Motorradklamotten und mit übler Helmfrisur dort aufläuft. Der Slogan "love all, serve all" wird also tatsächlich gelebt. Das Ambiente ist gut, die Musik hat mir auch oft neue Künstler erschlossen, man spricht Englisch - ergo ist es für mich ein beliebter Anlaufpunkt auf Reisen. Außerdem sammle ich "Besuche", aber nur "weil ich es kann", nicht, weil es dafür brauchbare Gutsies gäbe.

Ich war hungrig, also machte das HRC in der Innenstadt von Lissabon das Rennen. Es liegt an einer breiten Prachtstraße, und ich suchte mir eine Tiefgarage in der Nähe aus um zu parken. Das wurde ins Navi programmiert, dann fuhr ich los. Den Berg hinunter und durch die Gassen und letztlich wieder auf die Autobahn und damit die große Brücke. Und dann bemerkte ich, warum der Verkehr so laut war: die gesamte linke Spur und die Hälfte der rechten Spur bestanden nur aus Trittgittern! Deswegen war die linke Spur für Motorräder auch verboten. Und Reifen auf Trittgittern machen einen Heidenlärm. Die Brücke endet direkt in Stadtgebiet, wer dort wohnt, tut mir wahrhaft leid. Und ich war dankbar, dass die Brücke zweistöckig ist und unter dem Autobahndeck noch eine Bahnlinie verläuft. Einen freien Blick auf das Wasser 70 m unter mir hätte ich nicht gebraucht.

In Lissabon erreichte ich die Avenida da Liberdade, an der das HRC lag, und begann die Suche nach der Tiefgarage. Doch ich bemerkte schnell: am Rand der Avenida, hinter dem Flanierpflaster mit seinen vielen Bäumen, Brunnen und Skulpturen, waren großzügige Parkreihen mit gelegentlichen freien Parkplätzen. Also stellte ich die Suche ab, bog in die Randstraßen ein und stellte mich ordnungsgemäß auf einen Parkplatz. Danach suchte ich den nächsten Parkscheinautomaten. Ich fand auch einen, nur ein paar Schritte entfernt, und stellte mich artig hinter dem älteren Herrn an, der auch ein Parkticket zog. Und er tippte auf den Automaten ein. Und werkelte. Und werkelte. Und werkelte. Und werkelte. Gott, nee, Opa, komm endlich in Wallung! Er werkelte und werkelte. Das kann doch nicht so schwer sein, ein Parkticket zu ziehen! Endlich ging er von dannen, und ich trat an den Automaten. Und ich versuchte es mit Kleingeld. Und mit Kreditkarte. Mehrfach, minutenlang, wärend hinter mir schon zwei weitere warteten. Und es klappte alles nicht. Das gibts doch nicht! Opa, verzeih mir, ich bin auch nicht schlauer als du. Ich kriegs auch nicht auf die Kette.

Ich schaute etwas ratlos die Avenida rauf und runter nach dem nächsten Automaten, da sah ich drei Bäume weiter ein Motorrad auf dem ewig breiten gepflasterten Flanierweg zwischen den Bäumen parken. Gute Idee! Mache ich auch. Ich bin in Südeuropa, Motorradfahrer jucken da eh keinen, wie man sieht. Also ging ich zurück zu meiner Maschine, fuhr vom Parkplatz runter und den Bürgersteig hoch aufs Pflaster. Ich stellte die Maschine neben dem nächsten Baum ab, während eine Autofahrerin dankbar meinen Parkplatz übernahm. Sie kämpfte mit dem Parkscheinautomaten, während ich mich zum HRC trollte.









Eine leckere Mahlzeit und viel kühle Pepsi Max später kam ich wieder zurück zu meiner Maschine - und stockte. Neben dem Motorrad drei Bäume weiter stand ein Polizist, inspizierte die Maschine, ruckelte am Lenker und sprach in sein Funkgerät. Oh oh. Kurzer Check: hängt an der VFR irgendwo ein Knöllchen? Nein... puh. Glück gehabt. Dann sollte ich jetzt aber verschwinden, bevor er mich sieht.

Nur wie? zwischen den Pollern durch zur Straße konnte ich nicht, der Parkplatz dazwischen war ja durch ein Auto blockiert. Der einzige Weg runter vom Pflaster war gleich neben dem anderen Motorrad. Also versuchte ich möglichst unauffällig und mit Standgas an Motorrad und Polizisten vorbeizurollen...

... was natürlich überhaupt nicht klappte. Der Polizist sah mich - und ignorierte mich danach einfach. Das andere Motorrad war wohl viel interessanter.

Ich tippte Cabo da Roca ins Navi, den westlichsten Punkt Europas, und fuhr los. Etwas Gewühl und eine Unterquerung der Brücke des 25. April später stellte ich fest, dass ich auf einer Straße parallel zur Uferpromenade des Tejo und damit genau am Seefahrerdenkmal und dem Torre de Belém vorbeifuhr. Ich wendete bei nächster Gelegenheit und parkte in Denkmalnähe - wo ich schon hier bin, nehme ich mir auch die Zeit, es mir anzusehen. Und zu sehen gab es einiges:


Ponte 25 de Abril und Cristo Rei. Und einen etwas lächerlich aussehenden Sitz-Segway.


Das Seefahrer. oder besser: Entdeckerdenkmal. Der Typ vorne ist Heinrich der Seefahrer, und nicht Kolumbus, was ich eigentlich erwartet hätte. Tatsächlich ist Kolumbus dort gar nicht dabei. Generell befindet sich auf der Westseite keine einzige Person, deren Namen mir etwas sagt. Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und Franz Xaver kannte ich - aber die sind auf der anderen Seite.


Eine riesige gepflasterte Kompassrose.


Der Torre de Belém, einer von ursprünglich zwei historischen Türmen an der Mündung des Tejo in den Atlantik.


Kunst.


Und den "Fitnesspark".

Ich hatte Wegpunkt 8 also doch noch erwischt. Aber genug gesehen - ich stieg wieder auf die VFR und fuhr weiter Richtung Cabo da Roca. Die Route führte mich aus aus Belém und durch verschiedene Orte immer höher in die örtlichen Hügel, bis ich sehr dichte Wolken sehr schnell in der Nähe vorbeiziehen sah. Das sieht ungemütlich aus, hoffentlich komme ich nicht da rein! Immerhin war ich eher sommerlich angezogen, und aus Erfahrung wusste ich, dass es in Wind und Wolken sehr frisch wird, egal welche Gluthitze das Umland ansonsten bereithielt.

Ich hatte Glück und blieb immer wenige Dutzend Meter unter der Wolkendecke - ich konnte das deswegen so gut beurteilen, weil ich einen Hügel umfuhr, dessen Gipfel die Wolken so stürmisch einhüllten. Kurz bevor ich dann Cabo da Roca erreichte hielt ich an und machte ein Foto von den Wolken (und sogar ein Video, weil das Foto nicht ausreicht um die Ziehgeschwindigkeit der Wolken aufzuzeigen):



Die Wolken sind eigentlich leicht erklärt: ich bin gerade am westlichsten Zipfel Europas, der etwas wie eine Nase heraussteht. Der gerade wehende Nordwind treibt feuchte, kühle Meeresluft auf das Land hinter dem Kap mit seinen Hügeln. Die Luft steigt auf, kühlt noch weiter aus und das Wasser kondensiert zu Wolken. Auf der anderen Seite sinkt die Luft wieder ab, erwärmt sich dabei, und die Wolken lösen sich wieder auf noch bevor sie Belém erreichen.

Und so sieht Wegpunkt 9, das Ende der Alten Welt dann aus:







Ich nahm mir die Zeit, um nach einen Motorradreifenhändler in Madrid zu suchen. Wenn nicht dort, wo dann sonst? Ich fand auch mehrere, allerdings waren alle Webseiten auf Spanisch. Kaum überraschend, aber brachte mich nicht weiter. Vielleicht könnte mir eine Bekannte in Madrid weiterhelfen; ich schrieb sie über Telegram an.
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8

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:09

Während ich (für heute vergeblich, wie sich herausstellte) auf ihre Antwort wartete, plante ich in Ruhe meine weitere Route und schätzte, dass ich es heute noch bis zur spanischen Grenze zurückschaffen könnte. Und spürte plötzlich, dass ich ein seltsames Problem hatte: ich habe den entferntesten Punkt meiner Tour in kurzer Zeit erreicht; ich könnte mir alle Zeit der Welt für den Rest nehmen. Doch ich kam aus diesem "anschauen, schnell weiter, Strecke machen"-Modus nicht mehr raus. Irgendetwas trieb mich immer weiter. Und ich fühlte mich nicht einmal unwohl dabei weil ich die ein oder andere Sehenswürdigkeit nicht genug sah und würdigte (oder gar verpasste), es machte mir Spaß. Die langen Autobahnstrecken, alleine mit sich selbst, ohne Musik oder sonstige Ablenkung, durch fremde und meist sehr leere Landschaften, und dabei gleichzeitig das Gefühl, etwas einzigartiges, rekordverdächtiges zu tun - ich konnte nicht aufhören.

Mit neuem Kurs auf Guarda, einem Städtchen in Grenznähe auf dem Weg Richtung Madrid, fuhr ich weiter. Salamanca in Spanien wäre sicherlich zu weit für die Tagesetappe gewesen, und ich machte mir nicht die Mühe, außerhalb größerer Orte nach Hotels mit Nachtportier zu suchen. Man will ja nicht vor verschlossenen Türen stehen (und auch niemanden aus dem Bett klingeln).

Es war längst dunkel geworden, als ich irgendwo in Portalegre plötzlich Grillgeruch wahrnahm. Aber nichts deutete auf dessen Ursprung hin. Naja, so etwas kenne ich vom Stuttgarter Max-Eyth-See ja auch - bei gutem Wetter kommen Horden von Leuten mit ihren Grills, pflanzen sich auf die Wiese und lassen halb Hofen in einer Rauchwolke verschwinden. Aber um 10 Uhr abends? Okay, die Iberer essen ohnehin sehr spät. Mag sein. Aber dennoch: hier war nirgendwo ein Ort. Ich schaute umher und fühlte mich plötzlich an eine Szene aus M*A*S*H* erinnert (ich glaube, aus dem Abschlussfilm der Serie), in der Colonel Potter Klinger bei seiner Nachtwache besuchte:

Klinger: "Colonel, sehen Sie sich den Sonnenuntergang an. Was für ein schönes Ende für einen schönen Tag!"
Potter: "Es wäre ein netter Sonnenuntergang, wenn er dort drüben wäre."
Klinger: "Sie meinen...?"
Potter: "Solange ich denken kann, war der Sonnenuntergang immer im Westen."
Klinger: "Was ist es dann?"
Potter: "Ich habe so einen Schein schon einmal gesehen, im Wald in den Ardennen. Am nächsten Tag war kein Wald mehr da."





Waldbrände. Riesige Waldbrände. Stellenweise leuchtete locker ein Drittel des Horizonts um mich herum rot. Einmal sah ich Feuerschein aus einer bewaldeten Senke unmittelbar neben der Autobahn, vielleicht 200 Meter entfernt. Stellenweise konnte man Ketten von Blaulichtern an den Hügeln aufblitzen sehen. Es war apokalyptisch. Mich hatte lange nichts mehr so beeindruckt wie der Anblick der Flammenwände überall in der nachtschwarzen Landschaft. Man wollte es nicht sehen, aber es war auch gleichzeitig zu faszinierend um wegzuschauen. Und ich wurde etwas nervös: konnte ich sicher sein, dass die Autobahn nicht irgendwann auch in einem brennenden Gebiet landete? Würde sie rechtzeitig abgesperrt sein?

Weiter, einfach weiter. Weg aus dieser Gegend!

Und ich fuhr und fuhr... und dennoch kam ich nicht so schnell davon. Überall waren Feuer am Horizont zu sehen. Ich glaube, die zogen sich letztendlich über 60 bis 80, vielleicht sogar 100 Kilometer. Als ich endlich in Guarda ankam, steckte mir diese Erfahrung immer noch im Kopf. Ich erzählte der Rezeptionistin davon, sie nickte traurig. Die Waldbrände seien überall in den Nachrichten und, obwohl nichts grundsätzlich Unbekanntes, dieses Jahr wohl besonders schlimm.

Dann fiel mir etwas ein. Ich fragte die Rezeptionistin, ob sie Spanisch spräche. "Etwas, wieso?"
"Mein Motorrad braucht einen neuen Hinterreifen. Ich fahre nach Madrid, da gibt es Reifenhändler - aber ich verstehe deren Websites nicht. Könnten Sie für mich vielleicht mal nachgucken?"
"Ja, kann ich tun. Aber Moment mal..." Sie ging fort, um mit einem Kollegen zu sprechen. "Was für ein Motorrad fahren Sie?"
"Eine Honda."
"Hier ist ein Honda-Händler im Ort, genaugenommen gleich um die Ecke. Der öffnet morgen um 9, fahren Sie einfach dorthin."
Ich dankte für den Tipp und machte mich auf zu meinem Zimmer, Nummer 214, zweiter Stock.

Im zweiten Stock trat ich aus dem Aufzug und blickte auf zwei prominente Schilder an der Wand:
< 201-215
216-225 >

Ich wandte mich nach links, ging an Tür Nummer 215 vorbei... und an Nummer 213... und Nummer 212... und Nummer 211... was zum Geier!? 210, 209, 208, 207... Ich ging nochmal zurück. Aufzug und Schild, 215, 213, 212, 211. Nochmal zurück. Nochmal keine 214. Nochmal zurück. Dann seufzte ich.



:sostupid:

Das war ja noch übler als die Tankstellengeschichte in Paulhan, und es brauchte nicht einmal ein Navi.

Ich betrat mein Zimmer, stellte die Koffer ab und fiel praktisch ins Bett.
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9

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:10

Tag 5 - Gib Gummi!

Ich hatte es mir abends nochmal überlegt: ich war weiterhin überzeugt davon, in Madrid meinen Reifen zu bekommen. Und ich war überzeugt davon, dass ein Hondahändler in Guarda vermutlich keinen Reifen hat. Und ich hatte keine Lust, bis 9 Uhr zu warten um das herauszufinden. Also stand ich wieder um 7 auf und fuhr weiter zu meinem nächsten Ziel, die Stadtmauer von Avíla. Eine große, uralte und noch vollständig erhaltene Mauer rund um ein kleine Städtchen. Die wollte ich früher schonmal sehen, und als ich meiner Bekannten in Madrid das damals erzählte, meinte sie nur: "Avíla? Das liegt doch in den Bergen. Dort ist es kalt, wer will schon dort hin?"

Daheim hatte ich mittels Google Streetview geschaut, von wo aus ich wohl den besten Blick auf die Mauer hätte. Die ideale Stelle bereitete mir allerdings verkehrstechnisches Kopfzerbrechen: es gibt Parkplätze auf einem abgetrennten Seitenstreifen in Gegenrichtung zu der Richtung, aus der ich kommen würde. Die Zufahrt schien rätselhaft - ich müsste laut der Pfeile, die auf dem Satellitenbild sichtbar waren, in einen Kreisverkehr rein, dann eine Ausfahrt "zu früh" raus, dann wenden und dann in der Kreiselzufahrt auf den Streifen abbiegen. Ziemlich unübersichtlich - und mir graute es vor den Touristenhorden, die bestimmt auch alle dorthin wollen. Ob ich so wirklich dort hinkomme, wo ich hin will?

Die spanische Autobahn führte mich irgendwo an irgendeinem Industriegebiet vorbei. Und ein Unternehmen warb "neumáticos - coche, moto, quad", mit Reifenstapeln rund ums Gebäude. Jibbie! Ich verließ die Autobahn, stoppte vor dem Laden und ging etwas verschüchtert in die Halle. "¿Qué pasa?" begrüßte mich ein Schrauber, halb neugierig, halb unfreundlich. Ich fragte, ob er Englisch spräche. Er verneinte. Ich versuchte es mit den paar Worten Spanisch, die ich noch kann und die ich in den letzten drei Minuten gelernt hatte: "ehrm.. ¿neumático por mi moto?" "Frente o bajo?" "Uh, bajo." Er schüttelte den Kopf - nicht auf Lager. Ich dankte ihm trotzdem und wollte schon gehen, da bedeutete er mich, ins Büro zu kommen. Er sagte, es gäbe einen Laden in der Nähe, der bestimmt Reifen hat, und suchte ihn auf Google Maps, fand ihn aber nicht.

Ich dachte an Madrid - dankepasstschonschönentagnoch - aber er wollte unbedingt weitersuchen. Minuten später fand er den Laden sogar und versuchte, mir die Strecke zu erklären. Ich merkte mir sie sogar - zurück auf die Autobahn, ein paar Abfahrten weiter, im Kreisel Richtung Ort raus und dann auf der linken Seite - dankte ihm nochmal und rollte los. Ich kann ja mal schauen, wenn es klappt, hätte ich eine Sorge weniger.

Den Laden fand ich dann auch, und letztlich war es die spanische Version von ATU. Und wie es bei ATU zumindest bei mir üblich ist, braucht es Ewigkeiten, bis man mal jemanden zu sprechen bekommt. In meinem Fall eine freundliche junge Dame, die praktischerweise ebenfalls kein Englisch sprach. Ich fragte: "Uh... ¡Holá! Uh... ¿Uno neumático bajo por mi moto, por favor?" :O Sie fragte, was mit meinem Reifen los war. Verdammt. Mir fiel gerade nicht einmal das Wort auf Englisch ein. Ich deutete mit den Fingern ein dünner werdendes Profil an. "Done... fini... usado..." Ich war hilflos. Sie fragte: "punctured?" Nein, kein Loch. Ich versuchte es nochmal mit der Geste. "Worn?" Ja! das wars! "Sí, sí!" Erleichterung. Sie sagte, sie wolle es sich mal anschauen. Na toll, auf den Gedanken, sie aus dem Laden zu holen, hätte ich auch gleich kommen können.

Sie schaute sich den Hinterreifen an, notierte sich die Daten, ging wieder rein an ihren Computer und suchte etwas passendes. Geistesgegenwärtig surfte sie gleichzeitig zu Google Translate, sodass wir fortan unsere jeweiligen Worte einfach in den Übersetzer eingeben konnten, was sehr gut klappte. Dann bot sie mir drei Reifen zur Auswahl.

Mir schwante schon, was kommt, deswegen fragte ich: "¿ahora?" Sie schüttelte den Kopf. Nichts auf Lager, tippte sie. "Ah, okay. Voy a Madríd..." ich begann zu schreiben, aber sie hatte schon verstanden und wünschte mir viel Glück und eine gute Reise. Und so fuhr ich ohne neuen Hinterreifen weiter.

Als ich etwas später in Avíla ankam, bemerkte ich: Avíla ist winzig klein, die Zufahrt zum Parkstreifen total easy und vor allem: außer mir war niemand dort. Ich hatte die ganze Stadtmauer samt Wiese davor für mich alleine. Völlig relaxt am Wegpunkt 10.



Außerdem war es angenehm kühl. Ich trank in Ruhe eine Dose Cola und begann, erneut nach Reifenhändlern zu googeln. Der erste ging nicht ans Telefon. Der zweite ging ans Telefon, sprach sogar ein wenig Englisch und fragte mich nach der Reifengröße. Ich gab die Daten durch und er sagte, er würde mal schauen und mich zurückrufen. "Zurückrufen ist schlecht", meinte ich, "ich bin ja auf der Maschine unterwegs, da kann ich nicht rangehen. Ich bin grad noch in Avíla. Geht auch E-Mail?" Er notierte sich meine E-Mailadresse und versprach, sich zu melden.

Bevor ich Avíla verließ, stoppte ich nochmal an einer Art Schrein, ein Pavillon aus vier Säulen um ein Kreuz. Hier wurden Sankt Teresa von Avíla und ihr Bruder als Siebenjährige von ihrem zufällig vorbeikommenden Onkel aufgehalten, als sie in den Krieg gegen die Mauren ziehen und dort als Märtyrer sterben wollten. Vom Schrein aus hat man einen erstklassigen Ausblick auf die Stadt - und mein Timing war super, denn zwei Minuten später hielt dort ein Reisebus. Bevor mir die die ganzen Touristen weiter durchs Bild tanzen, machte ich mich lieber vom Acker.





Ich durchquerte die Berge nach Madrid in einem recht langen Tunnel, und auf der anderen Seite fiel mir nach einem Blick in die Landschaft die Kinnlade runter. Da stand irgendwo entfernt auf einem Berg ein Kreuz. Ein großes Kreuz. Ein verdammt großes Kreuz. Ein Kreuz, das so hoch aussah wie der Berg, auf dem es stand. Es sah aus wie direkt aus einem Fantasy-Film. Leider war es ein gutes Stück von der Autobahn weg, so dass ich immer nur kurze Blicke erhaschen konnte. Genauso wenig konnte ich von den Schildern her herausfinden, wo oder was es war. Ich wusste nur: es war der Hammer, und wenn die Zeit es zuließe, musste ich unbedingt hierher zurückkehren und es mir genauer ansehen.

Nicht mein Foto:

Quelle: RTVE.es

Ich hielt am nächsten Rastplatz an und googelte ergebnislos. Dafür hatte ich inzwischen eine Mail vom Reifenhändler bekommen: er hatte einen Bridgestone und einen Michelin, zu akzeptablen Preisen, und ich solle ihn zurückrufen, was ich auch tat. Er sagte mir nochmal die Reifentypen, Michelin Pilot Power 2CT. Kenne ich, ist passt, nehme ich. Er fragte, wann ich denn käme. Ich sagte, ich wäre kurz vor Madrid und würde so gegen halb 1 dort sein. Das war insofern wichtig, als dass er ab 1 Siesta bis 4 macht. Für ihn war das völlig okay.

Ich beeilte mich und fand nach ein wenig Suchen (die Sache mit den Straßennamen mal wieder) die Werkstatt, leise über die Mittagshitze der Ebene fluchend. Der Mechaniker empfing mich freundlich und schob die VFR gleich in die Halle.





Er fragte, wo ich denn herkäme und wo ich noch hin wolle. Als ich "Deutschland" sagte, zögerte er kurz. Ich dachte noch wasnnu?m da meinte er: "dann würde ich dir den Pilot Power nicht empfehlen. Nimm den Bridgestone, der ist haltbarer." Stimmt, guter Hinweis! Ich hatte Pilot Power und Pilot Road verwechselt. Also dann, Bridgestone. Er bewunderte noch, wie leicht mein Rad von der Einarmschwinge zu montieren sei, und wenige Minuten später hatte ich eine neue Pelle drauf. Ich drückte dem Mechaniker dankbar sein Geld in die Hand, legte noch ein ordentliches Trinkgeld oben drauf - damit hat das Ganze dann genausoviel gekostet wie ich in Deutschland gezahlt hätte (sollte jemand in Madrid einen Reifen brauchen: ich kann ihn nur empfehlen) - und fragte ihm noch nach dem Kreuz, das ich in den Bergen gesehen hatte. Er wusste allerdings nicht, wovon ich sprach. Wir verabschiedeten uns und ich zog weiter. Allerdings nur um die nächste Straßenecke, um zu parken und zur nächsten U-Bahn-Station zu laufen. Ich freute mich auf einen Hamburger und ein, zwei, drei Colas im Hard Rock Cafe Madrid. Meine Bekannte hier konnte ich heute nicht treffen - sie ist just an diesem Tag mit ihrer Tochter und ihrem finnischen Lebensgefährten nach Boston gezogen. Schlechtes Timing mal wieder.


Kunst.


Mehr Kunst. Alles am Plaza de Colón, dem Kolumbusplatz, mitten in Madrid. Ich war ja vor ein paar Jahren schonmal hier, machte mir also nichts aus Sightseeing.
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10

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:10

Nach meiner Mahlzeit, immerhin die erste des Tages, kehrte ich zur VFR zurück und verließ Madrid. Ich hatte beschlossen, in Andorra zu übernachten. Von der Pyrenäen-Tour wusste ich noch, dass es dort endlos viele Hotels gab, die im Sommer völlig leer standen. Dort sollte ich bestimmt ein günstiges Zimmer bekommen.

Bis dorthin hatte ich aber noch ein gewaltiges Stück vor mir, und die Meseta quälte mich. Die Temperatur stieg auf 40 °C und höher. Egal wieviel Fahrtwind man sich aussetzte, es gab einfach keine Kühlung, und langsam aber sicher überhitzte ich. Ich stoppte regelmäßig an Tankstellen, um abzukühlen und mir neues Wasser zu kaufen. Wobei mir dann irgendwann auffiel, das just eine meiner beiden Abblendlichtbirnen verstorben war. Ich hatte noch gut in Erinnerung, wie qualvoll der Wechsel der Dinger ist, also entschloss ich mich, das Problem zu ignorieren bis ich wieder zurück daheim war. Ich hatte ja zwei davon, zur Not auch nochmal zwei separate Fernlichtscheinwerfer, und dass an einem Motorrad nur ein Abblendlicht brennt, sollte niemandem als ungewöhnlich auffallen. Ich kanns ja auch während der Fahrt gut kontrollieren, weil sich die Lampen etwas in der Scheibe spiegeln.

Ich fuhr und schwitzte und schwitzte und fuhr... ich musste daran denken, wie unsäglich heiß ich Südportugal empfunden hatte. Hier war es noch heißer. Ich fuhr und schwitzte und schwitzte und fuhr. Unmittelbar vor Saragossa auf einem kleinen Bergrücken verließ ich kurz die Autobahn. Ein Windpark, genau vor einen kleinen Ort gestellt, hatte es mir angetan. Und hier oben wehte wenigstens ein angenehmer Wind.



Da nörgelte niemand über Schattenschlag und Mindestabstände. Der Ort hieß lustigerweise noch La Muela - man kann raten, was es heißt: nämlich "der Backenzahn". Nix "Mühle", auch wenn dort ein Windgeneratormuseum und das Restaurant "Don Quixote" stehen.

Ich fuhr und schwitzte... aber so langsam wurde es immerhin wieder etwas kühler. Bei Lleida verließ ich zusammen mit einer Gruppe anderer Motorradfahrer, dummerweise hinter mir, die Autobahn und fuhr eine todlangweilige Landstraße Richtung Nordosten zu den Pyrenäen, die Motorradfahrer im Schlepptau. (Irgendwann wurde es mir zu doof und ich hielt an, um sie nonchalant vorbeizulassen.) Es wurde dunkel, als ich die ersten Hügel erreichte. Irgendwann setzte sich ein SUV vor mich. Anfangs freute ich mich, weil er mit seinen LED-Lichtern alles so schön ausleuchtete. Das endete aber schnell, als ich feststellte, dass diese LED-Lichter Unmengen an Mücken anlockten, die dann alle unweigerlich in meinem Visier einschlugen. Jetzt wurde es aus zwei Gründen dunkler; zur Abenddämmerung kam auch noch ein zugekleckstes Visier dazu. Ich hielt in einem Dorf an einer Tankstelle an, zum einen, um den SUV loszuwerden, zum anderen, weil ich mir Wasser und eine Schwamm erhoffte. Gabs dort aber nicht, die Tankstelle hatte schon zu. Ich probierte es im nächsten Ort, mit derselben Ergebnislosigkeit. Es schlugen immer noch Mücken ein, aber immerhin nicht mehr ganz so viele wie hinter dem LED-Licht. Ich hoffte, dass meine Restsicht hielt, bis ich Andorra erreichte. Nervös schaute ich immer zwischen Straße und Reststreckenanzeige auf dem Navi hin und her.

Endlich sah ich eine Tankstelle, in der noch Licht brannte. Ich hielt an, und ein älterer Herr kam heraus. Er fragte mich irgendetwas auf Galicisch, ich verstand kein Wort. Ich sagte "agua" und zeigte auf mein Visier. Er nickte und deutete an den Rand der Tankstelle. Ich ging dort hin, fand aber keinen Wassereimer oder ähnliches. Ich ging nochmal zurück zum Tankwart. Er schaute mich an, hob den Zeigefinger, sagte etwas und verschwand in seinem Kabuff. Dann kam er mit einer Sprühflasche voll Insektenentferner wieder heraus. Ich dankte und machte eine wischende Bewegung. Ich weiß nicht mehr, was er sagte, aber ich wusste, es hieß: "ah, Papier!" Er ging nochmal rein und gab mir ein paar Papiertücher. Gerettet! Ich gab ihm etwas für die Kaffeekasse und waren beide glücklich.

Ich fuhr weiter bis Andorra la Vella - an sich ja ein fürchterlicher Ort, nachts allerdings erträglich ruhig. Bevor ich mich ins Hotel verabschiedete, beschloss ich, noch ein Getränk zu mir zu nehmen. Natürlich im Hard Rock Cafe Andorra.



Damit hatte ich an einem Tag Spanien durchquert, habe einen Reifen gewechselt bekommen und bin zweimal im Hard Rock Cafe eingekehrt. Keine schlechte Tagesleistung, finde ich. Ich sag ja, aus dem "weiter, weiter, weiter"-Modus kam ich nicht mehr raus. Und wollte es auch gar nicht.

Ich machte mich auf zum Hotel, fand die Straße nicht (Navi, Karte, Südeuropa, ihr wisst schon - und es war weit und breit niemand, den man fragen konnte), sah aber nach einer Ehrenrunde das Hotel, parkte auf den Motorradparkplätzen an der Plaça Guillemó in der Nähe, holte mir noch einen Döner als Betthupferl und checkte ein. Eine schöne, lauschige Nacht in 1000 m Höhe.
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11

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:11

Tag 6 - Fronkraisch, Fronkraisch

Von Andorra la Vella gings früh morgens wieder zurück nach Seu d'Urgell, und von dort aus Richtung Westen. Ich wusste noch nicht genau, wo ich hinwollte, wollte aber auf jeden Fall ein bisschen die Pyrenäen genießen. Entspannt rollte ich die Landstraße entlang und bewunderte die Landschaft.



Irgendwann näherte ich mich der französischen Grenze und bog erneut ab, auf die ziemlich geniale Passstraße des Collada de Toses nach Ripoll. Etliche Kilometer wilder Kurvenjagd auf gut geteerter, aber wenig genutzter Straße. Kurz vor Ripoll musste ich aber unbedingt nochmal anhalten, als ich aus den Augenwinkeln eine ziemlich schicke alte Brücke sah. Um das Foto zu machen, musste ich die VFR im Galopp auf eine schlecht gewartete Schottereinfahrt abbiegen, sie abstellen und dann ein paar Meter die unübersichtliche Landstraße an der Leitplanke entlang laufen, um mich dann in den Scheitelpunkt einer engen Kurve zu stellen. Nicht schön, aber es ging.



In Ripoll stand ich erst ein ziemlich langes Stück auf einer engen Straße im Stau, warum auch immer (Touri-Ansturm, vermutlich). Ich beschloss deshalb, mal kurz im örtlichen Supermarkt vorbeizuschauen und mir ein Sandwich oder ähnliches zu kaufen. Dann kämpfte ich mich weiter bis an den Ortskern, um dort dann endlich gegen den Strom abbiegen zu können und wieder freie Bahn zu haben. Anstatt den verlockenden Col d'Ares nach Frankreich zu nehmen, wollte ich aber lieber wieder Zeit gut machen und fuhr bei Figueres wieder auf die Autobahn nach Frankreich.

Dies entpuppte sich als taktischer Fehler, denn ich steckte mitten in einer Reisewelle. Stau so weit das Auge blickt. Als ich mich endlich bis über die Grenze geschlängelt hatte, fuhr ich dort auf einen Rastplatz bei Le Boulou. McDonald's mag ich ja gar nicht mal so, aber die Geschwindigkeit, die mehrsprachigen Bestellautomaten und die Klimaanlage sind echt praktisch. Allerdings war aufgrund des Staus auch dieser Rastplatz völlig überrannt. Ich machte also auf dem Absatz kehrt und wollte einfach nur weiter - ging aber nicht, weil auch die Abfahrt vom Rastplatz dicht war... und endlich konnte ich sehen, warum: eine hoffnungslos überrannte französische Mautstelle. Naja... irgendwann kam ich auch hier durch und war im fließenden Verkehr Richtung Perpignan unterwegs. Und nahm mir vor: der nächste Stopp wird ein Burger King. Der kam aber wohl erst in Montpellier, es dauerte also noch eine Weile. (Zufällig musste ich in La Palme zum Tanken stoppen, also genau der Parkplatz, an dem ich auf dem Hinweg auch schonmal gehalten und das Mittelmeer gesehen hatte.) Tja, und irgendwas an der Autobahnführung bei Montpellier, in der frühzeitig eine Abfahrt auf eine Schnellstraße gezogen wurde, welche ich ignorierte (immerhin wollte ich nach Montpellier-Ost, und ich war noch deutlich westlich der Stadt), sorgte dafür, dass ich geschickt um Montpellier und den Burger King herumgeleitet wurde. Leicht frustriert aß ich dann in einem McDonald's an irgendeinem der folgenden Rastplätze.

Weiter ging es, auf Avignon zu. Auch hier wurde ich wieder ein Opfer der Verkehrführung: man fährt über eine lange Rhône-Brücke an den Stadtrand von Avignon, wird auf eine Straße geführt, verwirrt sich zwischen fehlender Naviführung und Ausschilderung, folgt seiner Spur, landet wieder auf der Rhône-Brücke (allerdings in Regenrichtung), fährt auf der Île de Piot runter, in Gegenrichtung wieder rauf und versucht danach sein Glück nochmal. Diesmal klappts. Ich umrundete Avignon, fuhr sogar unter der berühmten Brücke (oder das, was davon übrig ist) durch, und sah mein nächstes Ziel in der Ferne:



Mont Ventoux, Wegpunkt 11.

Auf der Tour mit Schnute und H-Man hab ich den auch schonmal aus der Ferne gesehen, wie er so auffällig und dominant dasteht, und naturgemäß mit "ich will da rauf!" kommentiert. Die beiden ließen sich allerdings nicht erweichen, sie hatten ja eine Tour in die ganz andere Richtung geplant. Aber heute... heute war mein Tag. Bis auf den Umstand, dass ein paar Kilometer vom Berg entfernt meine Reserveanzeige wieder zu blinken begann. Naja, ich hab ja noch 3 Liter Zeit, und irgendwo wirds wohl schon eine Tankstelle geben. Zunächst konzentrierte ich mich ganz darauf, den Mont Ventoux zu erklimmen. Eine tolle Strecke mit Megaausblick erwartete mich.











Außer Ausblick gibts da oben allerdings auch nichts.

Das Coole am Mont Ventoux ist, dass man ihn nicht nur rauffahren kann, sondern auch runter - und zwar auf der anderen Seite. Da auf dem Weg rauf keine Tankstelle mehr gekommen war, hoffte ich auf mehr Erfolg beim kraftstoffsparenden Herunterrollen. Der war mir allerdings nicht beschieden; auch ein Schild, das eine Tankstelle im nächsten Ort auswies, zeigte letztlich ins Leere. Das Navi kannte allerdings eine Carrefour-Tankstelle in Aubignan. Carrefour-Tankstellen kannte ich ja, das waren die Automatentankstellen, die sich hinter Supermärkten verstecken. Also folgte ich meinem Navi nach Aubignan und auf den Parkplatz des Carrefour. Wo alles mögliche war, aber keine Tankstelle.

Das war jetzt doof. Zumal es ja auch schon relativ spät wurde, auf jeden Fall zu spät für die durchschnittliche französische Dorftankstelle.

Ich fragte ein paar Jugendliche, ob es hier eine Tankstelle gäbe.

"Na klar! 200 m die Straße runter, da ist eine Automatentankstelle..."

Ich fuhr nochmal los, und tatsächlich, da war jene Carrefour-Tanke, die beim Supermarkt hätte sein sollen. Hat vermutlich den Supermarkt als Geschäftsadresse und ist so dann falsch im Kartenmaterial gelandet. Ich füllte die VFR auf und kehrte nochmal zum Carrefour zurück, um 10 Minuten vor Ladenschluss noch kurz etwas einzukaufen.



Der lachte mich halt an... ich blieb auf dem Parkplatz, sah zu, wie die letzten Leute verschwanden und der Laden geschlossen wurde, trank den Mojito (schmeckte gar nicht mal so unübel) und suchte mir ein Hotel in Grenoble raus, bevor ich Aubignan Richtung Orange und Autobahn verließ.

Ich folgte der französischen A7 und kam irgendwann an eine Mautstation, die letzte auf dem Autobahnteilstück. Wie zu erwarten funktionierte mein Ticket mal wieder nicht. Routiniert drückte ich die Hilfetaste, fragte, ob der Mensch am anderen Ende der Leitung Englisch sprach, und hatte eine sehr sympathisch klingende Dame an der Strippe.

"Was steht denn für eine Zahl auf der Rückseite Ihres Tickets?"
"Öh... gar keine."
"Wie, gar keine?"
"Da steht gar keine. Die ist weiß. Die einzige Zahl auf dem Ticket ist eine Telefonnummer als Teil eines Werbeaufdrucks."
"Oh. Wo sind Sie denn auf die Autobahn aufgefahren?"
Öh. Ich grübelte. Irgendwo in Frankreich halt. Was weiß denn ich wie die Auffahrt hieß?
"Nun, ich war grad auf dem Mont Ventoux, falls es hilft, aber ich hab keine Ahnung, wo ich aufgefahren bin."
"Können Sie sich an irgendwas erinnern?"
"Nicht wirklich... aber ich komme aus der Richtung Avignon."
"Avignon, das passt, das hab ich auf der Liste! Das macht dann €2,60."
Bei dem Kleingeld diskutierte ich dann auch nicht mehr, dass ich doch irgendwo nördlich von Avignon aufgefahren sein muss.
Die Dame wünschte mir noch fröhlich eine gute Reise und ich ihr einen schönen Abend.

Ich zuckelte noch ein wenig die Autobahn entlang und näherte mich den Alpen, mit dem Effekt, dass es nicht nur dunkel, sondern auch ziemlich nasskalt wurde. Aber dank Griffheizung hält man das ja aus.

Das Hotel in Grenoble war auch wieder spannend. Ich betrat den kleinen Raum und fragte mich als allererstes: "Wo ist das Bett"? Ich sah nur ein kleines Sofa. 8| Bei genauerem Hinsehen fand ich dann, was als "Queen Murphy Bed" beschrieben wurde. Ich hatte mich bei der Buchung per App noch gefragt, welche Königin den Namen "Murphy" trug und warum ein Queen-size-Bett nach ihr benannt wurde, aber bei den Briten halte ich ja einiges für möglich. Tatsächlich ist ein Murphy Bed ein Schrankbett und Queen halt die Größenangabe. Beides zusammengestellt reicht aus für ein paar Minuten Coyotenverwirrung.



Ich tat wie geheißen und wurde fast vom Bett erschlagen.

Und dann sah ich rot.


Krasseste. Hotelzimmertapete. Ever.
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12

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:12

Tag 7 - Der Berg ruft!

Am nächsten Morgen klappte ich mein Bett wieder in den Schrank und machte mich vom Acker. Mein nächstes Ziel war gar nicht mal so weit entfernt, aber die Fahrt dorthin war hart. Langweilig, unspannend, und zum Schluss endlos bergauf durch irgendwelche Hoteldörfer, die verschlafen auf die Wintersportsaison warteten, voll mit Einbahnstraßen, Zebrastreifen und Kreisverkehren. Aber ich war guter Dinge. Ich fuhr zu etwas, auf das ich mich besonders freute. Den Flugplatz von Courchevel, mein Wegpunkt 12.



Ein kleiner, hochgelegener Flugplatz, den nicht jeder anfliegen darf. Und zwar deshalb:



Ja, der ist genau so schief und absurd, wie er aussieht. 18% Gefälle im Schnitt, auf einer 500-Meter-Piste. Starten geht vermutlich relativ leicht, man muss nur den Hang runterrollen. Landen wird viel spannender - man sollte die untere Schwelle vermutlich punktgenau treffen, sonst wirds unsanft. Dafür hilft die Schwerkraft beim Bremsen. Die 2000 m Höhe helfen dagegen bei wohl so ziemlich gar nichts. Und wer die Schwelle nicht trifft, bekommt keinen zweiten Versuch.








(Zu deutsch: Torschlusspanik)



Ich schaute mich dort noch etwas um - es gab tatsächlich ein Sträßchen, das noch weiter den Berg hinauf führt. Und zwar nach Cap Horn:









Ich kehrte den ganzen nervigen Weg bergab zurück nach Salins-les-Thermes und machte auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums erstmal eine Frühstückspause in der Sonne, bevor ich weiterfuhr.



Ich setzte Kurs auf den Kleinen St. Bernhard. eine Weile fuhr ich durchs Tal der Isère, dann begann die Straße, zum auf 1850 Meter gelegenen La Rosière hochzuklettern. Der Ortseingang bot einige Haltebuchten mit einem schönen Ausblick auf die Alpen:



Im Ort stand eine Automatentankstelle, die mich allerdings diesmal nicht interessierte. Mein Tank war frisch gefüllt. Allerdings ging es jemand anderem anders - ein Motorradfahrer winkte mir hilfesuchend zu. Ich hielt an und er fragte mich, ob ich Italienisch, Französisch oder Englisch spräche. Englisch passt... er sagte, er sei kurz vorm Liegenbleiben, der Tank seiner KTM sei leer. Und die blöde Automatentankstelle, wie so ziemlich alles in Frankreich, akzeptiere seine Schweizer Kreditkarte nicht. Er fragte, ob er auf meine Karte tanken und mir das Geld in bar (Franken oder Euro?) zurückgeben könne.

Naja. Da ich das Problem nur zu gut kenne, meine Kreditkarte nicht aus der Hand geben musste und das so ziemlich Schlimmste, was passieren konnte, wäre, dass er für €20 Sprit klaut und abhaut (und dabei seine Sozia stehenlässt), hatte ich damit kein Problem. Ich aktivierte den Automaten, er tankte seine KTM voll und verfluchte den hohen Spritverbrauch und kleinen Tank der Maschine. Dann gab er mir deutlich zuviel Geld in bar zurück ("mir egal, ich habs nicht kleiner - außerdem bin ich froh, wieder Sprit zu haben"). Wir unterhielten uns noch ein bisschen, dann verabschiedete er sich zusammen mit seiner Sozia nochmal ausgiebig und trat dann weg von der Tankstelle um noch eine zu rauchen. Ich fuhr derweil weiter zum Kleinen St. Bernhard, und irgendwo unterwegs holte der Schweizer mich dann ein und zog winkend an mir vorbei.

Ich fuhr weiter durch die nun italienische Alpenlandschaft Richtung Chamonix.



Etwas Landstraße und einen langen Tunnel später kam ich auch dort an und schmuggelte mich an einer Schranke vorbei auf einen Parkplatz. Ich stellte meine Maschine direkt unter einer Seilbahnstation ab und lief in das Zentrum von Chamonix. Der Montblanc sollte Wegpunkt 13 sein, beziehungsweise die "Mittagsspitze" Aiguille du Midi, ein Berg direkt daneben. Dieser ließ sich per Seilbahn befahren und bot einen hervorragenden Blick auf den Montblanc.

Die Seilbahn war allerdings gerade nicht in Betrieb, die Ticketverkäuferin informierte mich, dass sie wegen schlechten Wetters einen Betriebsstop hätten und erst ab 15 Uhr wieder fahren. Es war zwar inzwischen schon 13 Uhr, aber so lange wollte ich auch nicht warten. Die auf- und Abfahrt würde mich ja auch nochmal viel Zeit kosten.

Ein Touripärchen bekam mit, dass man mir gesagt hatte, was los sei. Sie riefen mir zu und fragten "Entschuldigung, was haben sie gesagt, wann fahren sie wieder?" "15 Uhr!"

Ein anderes Touripärchen bekam mit, dass ich einem Touripärchen gesagt hatte, was los sei. Sie riefen mir zu und fragten "Entschuldigung, was haben sie gesagt, wann fahren sie wieder?" "15 Uhr..."

Ein weiteres Touripärchen bekam mit, dass ich zwei anderen Touripärchen gesagt hatte, was los sei. Sie riefen mir zu und fragten "Entschuldigung, was haben sie gesagt, wann fahren sie wieder?" "15 Uhr..."

Das erste Pärchen war inzwischen ziemlich peinlich berührt und entschuldigte sich dafür, mich zur Informationssäule gemacht zu haben. Was solls, es gibt Schlimmeres.

Ich nahm mein Handy in die Hand und öffnete das Regenradar. Es war tatsächlich ein großer Regenschauer unterwegs, der die Aiguille du Midi traf und dann vom Montblanc abgelenkt wurde. Die Prognose sagte, dass nach dem Regengebiet erstmal eine kleine Pause kam, bevor die nächste Regenzelle eintraf. Ich trank in Ruhe eine Cola, machte ein Foto von dem bisschen, das ich vom Montblanc sah, und nahm mir vor, die Regenlücke zu nutzen um in die Schweiz zu kreuzen und den Großen St. Bernhard auch noch zu überqueren.

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13

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:13

Als ich Chamonix verließ, sah es Richtung Westen so aus:



Ungemütlich, aber nicht schlimm.

Ein paar Kilometer weiter konnte ich zwischen den Bergen eine herannahende Regenwand erkennen. Es begann außerdem, zu tröpfeln. Und wie immer, wenn es zu regnen droht, bremsen die Autofahrer einen noch mehr aus als sonst, damit man ja nass wird. Zudem erreichte ich die Schweizer Grenze und brauchte ein paar Minuten, bis ich abgefertigt und wieder auf der Landstraße war. Nur wenige Augenblicke später hatte die Regenwand mich erreicht. Es prasselte nur so auf mich ein.

Ich begann, aggressiver zu fahren und mehr zu überholen, ich wollte wieder Vorsprung gegenüber dem Regen bekommen. Wenige Dutzend Meter vor mir sah ich einen etwa einen halben Meter breiten Streifen spritzenden Wassers auf der Straße, der sich bewegte. Ich kam ihn immer näher, bis ich ihn Sekunden später überfuhr. Und jenseits - war es trocken. Die Regenfront hatte offenbar eine sehr klar definierte Grenze. Faszinierend... Ich rettete mich in einen kleinen Tunnel und an dessen anderen Ende fühlte ich mich frei... ich war zuversichtlich, dem Regen zu entkommen, wenn ich meine Geschwindigkeit in diese Richtung beibehalten konnte.

Dann machte die Straße eine Kehre und führte mich wieder voll in die Wasserwand. :durchgeknallt:

Es prasselte noch und nöcher und Zweige und kleine Äste fielen neben mir zu Boden. Ich dachte mir: "Zeit für eine Pause". Gottseidank kam ein kleines Café, in dem ich einkehren konnte. Wobei mindestens 20 Wanderer dieselbe Idee hatten und der Laden in wenigen Minuten überfüllt war. Ich stand mitten drin, mit einer Cola in der Hand und nicht wagend, in der Schweiz irgendetwas anderes zu bestellen um kein Vermögen ausgeben zu müssen, und tropfte schweigend vor mich hin.

Etwa eine Dreiviertelstunde später war der Spuk weitgehend vorbei, der Sturm hatte sich in Nieselregen verwandelt und es wurde wieder heller. Ich fuhr weiter und erreichte Martigny wenige Kilometer später wind- und sonnengetrocknet und guten Mutes. An einer Gabelung hatte ich die Wahl: entweder fuhr ich nach links Richtung Bern und damit Richtung Heimat, oder ich fuhr nach rechts Richtung Großer St. Bernhard und Italien. Noch eine halbe Stunde vorher hätte ich die Nase voll gehabt, aber jetzt dachte ich mir: jetzt oder nie... immerhin ist der Regen vorbei. Ich bog rechts ab.



Wegpunkt 14, der Große St. Bernhard, 2473 m. Ich hielt auf einem Parkplatz hinter dem Passschild und überlegte, was ich hier oben eigentlich tun soll, als ich sah, wie ein Radfahrer das Passschild ebenfalls erreichte, sich umsah und mir dann zuwinkte. Schon klar, der hat alles dabei, nur kein Stativ. Kein Problem.

Er sprach mich auf Englisch an und fragte, ob ich ein Foto von ihm mit dem Schild machen könne, was ich dann auch tat. Er dankte und wir unterhielten uns noch etwas. Ich äußerte Respekt vor seiner sportlichen Leistung. Er sagte, der Pass sei mit dem Fahrrad gar nicht mal so schlimm zu befahren, von seinem Anhänger mal abgesehen. Ich glaubte ihm kein Wort. Dann fragte ich ihn, wo er herkäme.

"Zurich."
"Ach nee. Dann hätten wir auch gleich Deutsch sprechen können."
"Ja, das hätte vieles vereinfacht..."

Dann stellten wir fest, dass ich in Altstetten gearbeitet habe und er nur einen Ort weiter lebte. Die Welt ist halt ein Dorf. Ich verabschiedete mich und fuhr weiter... ich wollte nun Richtung Aosta und dann auf die Autobahn Richtung Osten.

Auf halben Weg den Großen St. Bernhard hinunter bemerkte ich, wie dichte Wolken mit hoher GEschwindigkeit über die Berggrate krochen. Ich dachte an den Radler und war verdammt froh, nicht dort oben ins Unwetter geraten zu sein. So sah es hinter mir aus:



Und so vor mir:


Dort wollte ich hin. Wenn ich es schnell genug nach Aosta und auf die Autobahn schaffe, dann kann jedem Wetter davonfahren.

Ich schaffte es nicht einmal annähernd, bis ich wieder im Regen saß, und kurz nachdem ich auf die Autobahn auffuhr, zog das Unwetter alle Register. Der Regen war unglaublich, die Autos trauten sich kaum vorwärts, es blitzte und donnerte und der Wind zerrte an mir. Ich versuchte, auf einem Rastplatz Unterschlupf zu finden, aber es gab einfach keinen. Nicht einmal ein Toilettenhäuschen. Die Autobahn war voller Baustellen, erlaubte also auch kein Durchschlängeln - und dann staute es sich. Ein frischer Baum lag auf der rechten Spur, gottseidank mit niemandem darunter. Mir war verdammt unwohl, nicht nur wegen der Nässe und der Kälte.

Endlich kam eine Raststätte. Zusammen mit zwei anderen Motorradfahrern verließ ich die Autobahn und suchte Unterschlupf unter dem großen Dach, doch der Tankwart scheuchte uns weg, obwohl wir niemandem im Weg standen. Er bedeutete uns, unter einem separaten Dach zu halten, unter dem die Dieselsäulen standen.



Ganz dolle Sache. Wer genau hinschaut, sieht, dass das Dach derart undicht war, dass es darunter auch nicht weniger regnete. Wir ließen die Maschinen stehen und setzten uns ins Bistro, wo ich unter erstaunlichen sprachlichen Schwierigkeiten versuchte, mir an der Theke zwei Stückchen Pizza Salami zu bestellen. Das war ich selbst aus Frankreich nicht gewohnt. 8| Es dauerte noch einmal eine oder eineinhalb Stunden, bis das Wetter sich besserte. Ich hatte währenddessen ein Hotelzimmer in Como gebucht. Ich folgte also der Autostrada erst Richtung Südosten, dann Richtung Osten. Und vor mir...



Der hellste und deutlichste Regenbogen, den ich je gesehen hatte. Immer genau vor mir. Ewig.

Eigentlich logisch, ich fuhr nach Osten, die Sonne ging grad im Westen unter. Vor mir war viel Wasser in der Luft, hinter mir war alles abgeregnet und die Sonne hatte freie Bahn. Ideale Bedingungen.

Das bedeutete im Umkehrschluss aber auch: je klarer der Regenbogen wurde, um so näher kam ich dem Unwetter wieder. Irgendwann begann ich, wieder ein paar Regentropfen einzusammeln. Das war für mich dann das Zeichen, auf einen Rastplatz rauszufahren und ein paar Minuten Pause zu machen. Dann begann die Aufholjagd von neuem.

Kurz vor Mailand ließ sich das schlechte Wetter aber nicht mehr vermeiden. Ich ignorierte den Regen, bog Richtung Norden weg und kam kurze Zeit später endlich in stabiles gutes Wetter. Ich erreichte Como trocken und entspannt. Es machte mir nicht einmal etwas aus, dass mein Hotelzimmer keine Fenster hatte. Ich war ja eh nur zum Schlafen da.
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14

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:13

Tag 8 - Ausgerollt

Mich zog es so langsam wieder heim - ich hatte zwar noch den ein oder anderen POI in Italien platziert, aber irgendwie fehlte mir der Antrieb, sie aufzusuchen. Sie waren mir auch nicht so wirklich wichtig. Also beschloss ich, nordwärts weiterzuziehen.

Como zu verlassen war gar nicht so leicht. Die Verkehrsführung kann dort schon recht verwirrend sein. Aber ich schaffte es irgendwann auf die Autobahn und nur wenige Minuten später erhielt ich auch schon die freundliche Chance, eine Schweizer Autobahnvignette zu erstehen. Ich hatte es eilig, ich dachte im Traum nicht daran, die Schweiz auf Landstraßen zu durchqueren, also schlug ich zu und pappte mir so ein Ding unter den Sitz (könnte ich so langsam mal wieder entfernen, jetzt, wo ich es erwähne :rolleyes: ).

Jetzt hatte ich eigentlich nur noch ein Zwischenziel offen - den Gotthardpass. Ich hatte auf der Karte geschaut, und die hier vielfach besprochene Tremola sah spannend aus, also klimperte ich diese ins Navi. Den Gotthard kann man ja auf drei Wegen queren - durch den Tunnel, über die Schnellstraße und eben über die Tremola. Ich fand die Tremola offen gesagt ziemlich öde und enttäuschend, zudem voll mit Radlern und Wanderern, die sich durch mich ziemlich in ihrer Ruhe gestört fühlten. Stellenweise bekam ich so böse Blicke, dass ich mich fragte, ob ich irgendein Schild verpasst habe und hier gar nicht fahren dürfe. Aber dann kam mir ein Motorrad entgegen und ich fühlte mich wieder auf dem rechten Weg. Und so rumpelte ich an mehr oder weniger versteckten Bunkern und Geschützstellungen vorbei über das Kopfsteinpflaster auf die Gotthardhöhe.


On restless trips I rode alone/Narrow streets of cobblestone...

Und dann war ich halt oben:


Der fünfzehnte und letzte Wegpunkt.

Sehr unspektakulär. So unspektakulär, dass ich beschloss, die Schnellstraße auch nochmal auszuprobieren. Die war jedoch noch unspektakulärer. In gefühlt zwei Minuten ist man unten und nach weiteren zwei Minuten wieder oben. An der Nordrampe gab es mit der Teufelsbrücke und der Schöllenenschlucht wenigstens noch etwas fürs Auge. Wikipedia sollte mich später darüber aufklären, dass der Pass nur aufgrund jener Schlucht überhaupt eine Herausforderung darstellte und ansonsten quasi eine Art altertümliche Alpenautobahn dargestellt hätte. Da muss ich nicht nochmal hin.

Ich durchquerte Andermatt und folgte der Autobahn bis Schattdorf, kurz vorm Vierwaldstätter See. Den und Luzern wollte ich mir irgendwann auch nochmal anschauen, aber so weit ist er nicht weg, dass ich nicht mal spontan hinfahren könnte. Dort holte ich mir einen Snack im örtlichen Supermarkt, tankte nochmal auf und überquerte dann den Klausenpass Richtung St. Gallen/Bregenz/Lindau.


(Alp Aesch und Stäubenfall)



Das Fahren in Bodenseenähe entpuppte sich als die übliche nervige Gurkerei dort (immerhin konnte ich Vaduz per Autobahn umgehen, Liechtenstein ist auch von seiner fahrerischen Attraktivität her etwa vergleichbar mit Andorra). Ich öckelte durch Bregenz und erinnerte mich daran, dass Lille mir mal sagte, wie sie Bregenz elegant und anspruchsvoll umfährt - nur war Österreich nicht in einem Navi vertreten, sodass ich mir nicht die Mühe machte, nach dem Weg zu suchen. Das führte allerdings auch dazu, dass ich in Nordbregenz einem Schild Richtung Lindau folgte - und mir dämmerte sofort, dass ich nicht auf dessen Farbe geachtet hatte und mich nun auf einer Autobahnauffahrt befand. Ohne Vignette. Ist ja nicht so, dass die die paar Kröten dafür nicht übrig gehabt hätte, aber ich hatte einfach nicht damit gerechnet. Autobahnauffahrt Nummer 2 bedeutete: es kam noch eine Abfahrt, und ich nahm mir vor, die auch zu nehmen, bevor ich an der Grenze aufschlage. Denn wenn sie irgendwo kontrollieren, dann dort. Und im Pfändertunnel war ich vor Kontrollen vermutlich vergleichsweise sicher. Wie gut, dass man auch ganz gut über Land von Abfahrt 1 (Hörbranz) bis nach Lindau fahren kann... aber eigentlich hätte ich einfach nur auf der Durchgangsstraße bleiben und sämtliche Schilder ignorieren müssen.

Aber letztlich gelang mir die unkontrollierte Einreise nach Deutschland auch ohne Navi, und ab da war die Welt wieder in Ordnung. Ich meldete mich daheim an und gab Gas. Jetzt hieß es nur noch "ankommen" und zwar so bald wie möglich.

Und so endete meine Tour... einmal Bratwurst und zurück in 8 Tagen, 13 ¾ Stunden und 7433 km.

Warum auch nicht?
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Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:14

...

...

...

...

...

War es das?

Nein, das war es noch nicht ganz.



Und wer möchte, kann sich alles nochmal auf Flickr anschauen:
https://www.flickr.com/photos/thecoyote/…th/25075462757/

:motorrad:
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Mittwoch, 14. Februar 2018, 22:04

Wow, toller Bericht! Vielen Dank fürs teilen. :)

Du könntest noch versuchen ein paar EURO der Reisekosten von der Kette Hardrock Cafe zu bekommen, so viel Werbung wie Du hier für die gemacht hast. :)

Coyote

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Mittwoch, 14. Februar 2018, 22:07

Och, beim HRC habe ich auch so schon genug kassiert - wenn man weiß, wie. Hab da schon mehrfach gratis und fast immer preisreduziert gefuttert. :) Ich hätte mir mit dem Schreiben mehr Mühe geben können, aber es ist so verdammt viel und ich schreib hier alles gerade zum zweiten Mal. (Das erste Mal war die Beschriftung der Bilder auf Flickr.) Ich entschuldige mich hiermit also für die geringe Qualität - dafür hat es auch nur bis Februar gedauert, bis ich Fotos und Bericht fertig hatte.

Was ich übrigens noch schreiben wollte, aber vergessen habe: ich bin nicht zu dem fast 150 m (!) hohen Kreuz zurückgekehrt, weil ich in Madrid herausfinden konnte, dass es das Mausoleum von Francisco Franco ist, das er sich selbst errichtet hat. So einen Faschistenkram wollte ich nicht mit meinem Besuch ehren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Valle_de_los_Ca%C3%ADdos
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Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Coyote« (14. Februar 2018, 22:16)


timmae

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Donnerstag, 15. Februar 2018, 00:19

Coole Aktion, nicht meine Art des Motorradurlaubs aber gut.

Schön ist es, die vielen bekannten Ortsnamen zu lesen. Besonders Ripoll, da hätte ich ein gutes Café gekannt. ^^

Bei dem Reisetempo wundert das Knöllchen nicht. ;-)

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19

Donnerstag, 15. Februar 2018, 04:44

Sehr cooler Bericht! Danke fürs Teilen.
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Lille

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20

Donnerstag, 15. Februar 2018, 08:02

Eine typische Coyoten-Aktion. :thumbsup: Sowas bringst nur Du fertig!

Interessant Reisen und spannender Bericht - Danke für's mitnehmen. :rolleyes:
*Lille*

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