Hallo Tobi,
da habt Ihr Euch ein wirklich interessantes Ziel ausgesucht für 2010. Ich war 2007 bis Gibraltar (Reisezug bis Narbonne) und 2008 in Marokko (Fähre ab Sète). Beide Reisen habe ich in sehr guter Erinnerung.
Zu Deinen Fragen:
Original von Tobi0815
1. Zu welcher Jahreszeit wäre dies am Sinnvollsten?
Die südlichen Länder bereise ich immer gerne im Frühjahr. Man kann da den Sommer etwas vorziehen und die Landschaft dort ist schon am aufblühen aber noch nicht so verbrannt. Außerdem sind die Einheimischen noch nicht von der Saison gesättigt. In Marokko war ich im April. Ich hatte praktisch jeden Tag die Griffheizung an und habe die Gore-Innenjacke nie ausgezogen. Da ich immer in Hotels untergekommen bin kann ich zu den Nacht-Temperaturen im Freien nicht viel sagen. Der von ReinhardS erwähnte Daunenschlafsack scheint mir aber angebracht zu sein. Erkundige Dich danach, wann in Marokko Ramadan ist. Zu dieser Zeit ist es tagsüber praktisch unmöglich, was Essbares zu kriegen, das behindert dann etwas. Wenn man sich beim Essen sehen läßt kommt bei den Einheimischen wahrscheinlich nicht die wahre Freude auf.
Original von Tobi0815
2. Hat jemand schon Erfahrung mit der überfahrt nach Marokko gemacht? Muss man was beachten?
Ich war organisiert in einer großen Gruppe unterwegs und wir sind ab Sète gefahren. Die Fähre schippert recht gemütlich und braucht gut 40 Stunden. Zur Überfahrt ab Gibraltar wurde ja schon weiter oben was geschrieben. Ist sicher einfacher aber Du musst halt die ganze Strecke bis da runter fahren. Sehr schön, aber dauert. Wenn Du die Zeit hast (6 Wochen?) ...
Ich hatte im Vorfeld gelesen, man müsse Navigationsgeräte mit einem speziellen Formular anmelden. Das Formular konnte ich aber nicht auftreiben und hab' mich dann entschieden, den Navi zu schmuggeln. War kein Problem, es waren sogar einige Navis an den Motorrädern montiert, die ebenfalls nicht angemeldet wurden, da hat sich kein Grenzer drum gekümmert. Was immer hilft sind dort kleine "Geschenke". In unserem Fall wurden die Einreiseformalitäten (Angabe der Farbe, der Fahrgestell-Nr., der Reifentypen, ... immer verbunden mit einem neuen Gang zum Motorrad) abrupt beendet, als der Wachhabende eine Kaffeemaschine geschenkt bekam

. Wie man das als Einzelreisender macht weiß ich auch nicht so genau. Mit Kulis kann man an dieser Stelle vielleicht nicht so viel erreichen. Im Land selbst sind die sehr begehrt - ebenso wie Bonbons.
Original von Tobi0815
3. Ist es dort halbwegs sicher, oder muss man angst haben, das hinter jedem Busch ein Taliban steht …
Da wir in einer angemeldeten Gruppe unterwegs waren, hatten wir überhaupt keine Probleme. Man hatte den Eindruck, dass die überall rumstehenden Polizisten auf uns gewartet haben und uns in Folge auch immer freundlich durchgewinkt haben. Mancherorts werfen Kinder mit Steinen, was auch nicht immer so witzig ist - ist aber eher die Ausnahme. Im mittleren Atlas (bei Chefchaouen) wird viel mit Rauschgift gehandelt. Wenn man dort anhält wird man praktisch sofort darauf angesprochen. Man sollte sein Motorrad dann auch nicht aus den Augen lassen damit nicht irgendeiner was drin versteckt, das seine Kumpels in Spanien dann wieder rausholen wollen ...
Bei Stadtbesichtigungen und über Nacht waren unsere Motorräder bewacht. Das ist dort wohl nötig.
Wenn Ihr vorhabt im Freien zu campen dann geh' mal nicht davon aus, dass man da unbemerkt irgendwo stehenbleiben kann. Auch wenn das ganze Land wüstenartig ist, so ist es doch so dicht bewohnt, dass innerhalb von wenigen Minuten ein marokkanisches Kind neben Dir steht und zuschaut was Du da machst

. Geklaut wurde mir nie etwas, was ich aber so gehört habe kann das schon vorkommen. Schließ also die Koffer zu wenn Du durch die Städte fährst und binde Wertsachen an.
Mir sind die Marokkaner (vor allem die Kinder) sehr freundlich in Erinnerung. Man kann sich mit den Kindern sehr gut auf französisch unterhalten. Mehrmals haben sie mich ausgefragt wo ich herkomme und wie es dort so aussieht, ob es Schulen gibt, wie lange die Kinder dort zur Schule gehen usw. Ich war sehr beeindruckt von der Offenheit dieser Kinder. Natürlich freuen sie sich wenn sie auch was geschenkt bekommen (wie oben schon erwähnt eignen sich Kulis, Bonbons etc.), das stand aber oft gar nicht im Vordergrund (manchmal aber schon

).
Original von Tobi0815
4. Kann man das Atlasgebirge mit Straßenbereifung umfahren ?
Welches Altasgebirge meinst Du denn? Der mittlere Atlas (ganz im Norden des Landes) ist von Landwirtschaft geprägt und schön grün. Die Straßen sind den kleinen französischen Departement-Straßen recht ähnlich. Im hohen Atlas geht es schon karger zu. Es gibt dort zahllose Offroad-Strecken. Wir sind von Marrakesh nach Quarzazate über den Tizi'n'Tickka-Pass gefahren. Der ist ganz normal geteert und läßt sich gut fahren. Ein Mitfahrer hatte dort allerdings einen unsanften Abstieg. Es ist also schon Vorsicht geboten. Marokko ist überhaupt nicht das Land um Geschwindigkeits- oder Schräglagenrekorde aufzustellen. Im Notfall kannst Du stundenlang auf eine Ambulanz warten und was die dann mit Dir machen steht auch in den Sternen. Einen Auslands-Schutzbrief solltest Du auf jeden Fall dabei haben damit im Notfall der "Not-Aus"-Knopf auch funktioniert

.
Oben wurde schon eine Endurostrecke auf Quarzazate erwähnt. Wenn da die Strecke gemeint ist, die nach dem Tizi'n'Tichka links ab geht und in Ait-Ben-Haddout rauskommt, dann würde ich Dir die mit Zurückhaltung empfehlen. Ich bin sie mit meiner Fazer ein Stück weit reingefahren, musste dann aber umkehren. Trotz Trockenheit waren die Straßen sehr ausgewaschen und mit groben Steinen übersät. Es ist nicht unmöglich da durchzukommen (die GS-Fraktion hat es auch mit ein paar Ramponierungen geschafft), ist aber anstrengend. Falls Ihr das macht werdet Ihr mit landschaftlichen Eindrücken belohnt, die sich gewaschen haben. Zum Antiatlas kann ich nichts sagen, was ich aber so gehört habe geht es dort sehr wüstengeprägt zu. Sandverwehungen oder auch Pisten gehören da zum Standard. Ich meine, dass man da mit Straßenbereifung nicht die wahre Freude hat. Ganz im Süden wird es dann politisch umstritten. In die Grenzregion nach Mauretanien sollte man eigentlich nicht unbedingt fahren. Auch nach Algerien sollte man sich nicht reinmogeln. Dort weht ein anderer Wind als in Marokko.
Ich sehe gerade: Du schreibst "umfahren". Welches Gebirge möchtest Du wie umfahren? Mein Geschreibsel bezieht sich auf "durchqueren". Ich lass' es jetzt aber trotzdem mal stehen.
Original von Tobi0815
5. Weitere Fragen kommen bestimmt noch.
Gruß Tobi
Immer gerne. Wenn ich so darüber schreibe würde ich am liebsten gleich wieder losfahren.
Zu Spanien: wenn Ihr Euch da genug Zeit einplant, dann könnt Ihr dort Straßen und wenig Verkehr genießen wie man es hierzulande überhaupt nirgends mehr findet. Für mich war das ein wahrer Traum. So richtig was für "Straßenbereifung"

.
Ich wünsch' Euch viel Spaß bei den Vorbereitungen und dann auch bei der Durchführung der Reise.
Viele Grüße vom T1000