blahwas Leisereitung
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Posts by blahwas

    Die Saison neigt sich dem Ende zu. Die Versys hat alles tapfer ertragen, bis auf einen zeitweilig zickenden hinteren Bremslichtschalter und den leeren Tank vom Kettenöler. Der Lenker ist krumm, aber das ist er wohl schon länger. Die Bremscheiben vorne sind runter, und es stehen 87000 km auf dem Tacho. Da wäre das Ventilspiel fällig, und da kommen dann bald die Wehwehchen wie Kupplung usw... Aktuell kriegt sie frisches Öl und ich halte die Augen offen nach einer baugleichen mit wenig km.

    So, bei mir ist es bald auch so weit. Ich kann günstig ein Wilbers 641 Competition Federbein für die Versys bekommen. Nachteil: Die Feder blau. Die Versys ist rot. Nope!


    Haben die inzwischen hier vertretenen Werkstattonkels und -tanten eine Meinung um Lackieren der Feder?

    Das Ding sieh eigentlich ganz sinnvoll aus, und ein Headset und Fernsteuerung ist auch schon mit drin. Ein gutes Headset kostet alleine schon 230 Euro. Für die Fernsteuerung nimmt Sena absolut unverschämte 73 Euro (für 4 Tasten), Das sind schon 303 Euro.


    Wenn das Gerät dann noch ein Navi ersetzt, bzw. eine von diesen Handyhalterungen für 100-200 Euro, wird's noch besser.


    Bei der Menge der Umbauten am Helm würde ich mich aber wünschen, dass man ein fertiges Set aus Helm und Headset kaufen kann. (Was leider natürlich teurer ist als die Summe aus beidem, eh klar...).

    Wenn irgendwas überdeckt wird, was ich sehe möchte, bin ich raus. Das fängt beim Kies auf der Fahrbahn auf und geht über Schatten oder Lichtkegel, die aus der Einmündung rauskommen und hört bei Wasserlauf oder Pfütze auf der Fahrbahn noch lange nicht auf. Es ist beeindruckend, was für eine Wahrnehmung man entwickeln kann. Das kann sich kein Softwareentwickler vorstellen und ich zweifle auch an, dass eine bezahlbare Kamera und mobile KI das kann.


    Für Schulungszwecke kann ich mir das gerade noch vorstellen. Da aber vielleicht auch eher im Video oder Computerspiel.


    Es gibt übrigens auch ein Dakar Computerspiel, wo man Navigaton mit Roadbook üben kann - hab ich im "Pegaso Reise"-Podcast neulich gehört. Muss ich mir mal anschauen.

    Ich sollte meine Haltung der Schweizer Straßennutzung überdenken

    Seit der Einführung des Paragrafens zum "Autorennen" ist es in Deutschland doch auch nicht besser. Nur Bagetellverstöße sind teurer. Davor kann man sich schützen, wenn man innerorts aufpasst und auf der Autobahn irgendwem hinterherfährt. Außerorts habe ich keine Kontrolle gesehen.

    Mit diesem Reisebericht enden auch drei Wochen mit jedem Abend einen Reisebericht. Früher habe ich ja auch fertige vollständige Berichte am Block veröffentlicht. Damit habe ich für Spanien 2021 aufgehört, weil ich unterwegs eh nichts anderes zu tun hatte. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich dann nicht noch nach der Reise "Arbeit" vor mir her schiebe, ggfs. bis zum Beginn der nächsten Reise, so dass ich irgendwann einen Bericht über die vorletzte Reise hätte schreiben müssen.


    Mögt ihr lieber Live oder Fertig?


    gnome

    Von mir gibt's 5 Sterne für die Unterkunft :1:


    Herzlichen Glückwunsch zum Landespreis Schweiz. Und vielen Dank für den kurzweiligen und interessanten Bericht.

    Gilt so ein Landespreis lebenslang oder müsstest Du den jedes Jahr neu machen?

    Was für verrückte Hobbys manche haben.

    Den gibt's wenn man alle Pässe in einem Land in einem Jahr gemacht hat. Eine jährliche Wiederholung ist nicht nötig. Bring die Organisatoren vom Passknacker bitte nicht auf Ideen :O

    Ich habe noch 20 Tage Urlaub dieses Jahr 8)


    Frankreich und Italien sind mir eine Nummer zu groß. Portugal und Griechenland bieten sich für "fliegen und mieten" an. Aber Portugal könnte man gut mit einer epischen Anreise durch den Spanischen Norden kombinieren. Da gefällts mir richtig gut, und manches habe ich bisher leider nur im Nebel gesehen.

    Welche Landespreise fehlen Dir eigentlich noch?

    Die meisten :( Alle Inseln, und von den Nachbarländern Deutschlands Frankreich und Österreich. Im Osten Rumänien, im Süden Italien, Griechenland, Portugal und der ganze Balkan außer Slowenien. Im Norden fehlen Norwegen, Island, Faröer. Der restliche Balkan und/oder Rumänien wäre evtl. ein Thema für 2022.


    Oder, als Grafik, das Lebenswerk (rote Punkte habe ich noch nie gefahren, daher auch keinen Landespreis dort - umgekehrt nicht zwangsläufig richtig):

    18.10. St Gallen - Nach Hause


    Ein letztes Mal einpacken, aufrödeln und losfahren. Der Fahrtag beginnt wieder mit Nebel. Es ist aber weniger kalt als die letzten Tage. Nach 90 Minuten erreiche ich den erste Passknackerpunkt, und quasi 300 Meter vorher tauche ich aus der Nebelsuppe auf und habe Sonnenschein. Sehr schönes Gefühl.



    Es folgen 12 Punkte zwischen St. Gallen und Bregenz. Das ist wieder mal viel Almland, aber eher dicht besiedelt. Es ist also viel Verkehr, es stehen Ampeln im Weg und an Baustellen wird gearbeitet. Meine letzte Tour durch diese Region habe ich deswegen sogar abgebrochen, aber heute ertrage ich es geduldig. Bisher kam in diesem Bericht ein Aspekt zu kurz: Es gibt erstaunlich viele Kühe in der Schweiz.



    Klar, Schweizer Käse ist weltberühmt, aber dass man dafür SO viele Kühe braucht, ist schon erstaunlich. Da kommt ja selbst Frankreich kaum mit.


    Hier in der Gegend hat man immer wieder Ausblick auf gezuckerte Gipfel, z.B. hier am St. Anton.



    Hier ist endlich auch mal meine tapfere Versys 650 im Bild, die trotz ihrer 14 Jahre und 86000 km tapfer alles mitmacht, was ich von ihr verlange.


    Der letzte Schweizer Punkt heißt Walzenhausen. Das vorgeschlagene Motiv ist der Bahnhof. Okay, aber mit Selfie:



    Geschafft! Große Erleichterung! Der Landespreis Schweiz 2021 ist mir sicher! :)


    Oder habe ich nicht doch etwas vergessen? Dazu lädt man eigentlich die Nachweise auf der Webseite oder per Telegram hoch... aber jetzt gerade habe ich kein Handynetz. Vermutlich es verwirrt davon, neben dem Schweizer auch Österreicher und einen Hauch deutsches Handynetz zu empfangen. So bin ich dann halt mal 45 Minuten offline, warum treibe ich mich auch im Grenzgebiet rum. Danke, Infrastruktur.


    So, was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag? Es ist 12:30, ich habe 3 Stunden nach Hause. Zunächst ist der Tank so hungrig wie ich, also gibt's in Österreich einen vollen Tank und eine belegte Laugenstange. Ab jetzt habe ich wieder die gewohnte Kaufkraft ;) Ich fahre "über schön" durchs Allgäu. Normalerweise muss ich mich nach Urlaub in Italien, Frankreich, Spanien dahingehend resozialisieren, dass ich nicht zu schnell fahre. Nach 10 Tagen Schweiz ist es eher umgekehrt. Im Allgäu ist es jedenfalls schön.




    Da gibt's echt nette Strecken, wenn's auch mal dreistellig sein darf. Die Reifen haben beide noch Profil, wenn auch nicht an allen Stellen, wo ursprünglich mal welches war. Kaum zurück in Deutschland beginnt der Umleitungsterror. Eine davon kostet mich sagenhafte 45 Minuten, weil erst ganz am Ende einer Strecke klar ist, was genau gesperrt ist, und danach merkt man erst, dass alle vorherigen Abzweige nur für landwirtschaftlichen Verkehr sind. "Gesperrt in 7,3 km" wäre zu einfach, lieber schreibt man den Familiennamen vom Bauern an, dessen Hof der letzte erreichbare ist. Das ist für Auswärtige sicherlich tootaal hilfreich.


    Danach kommen 2,5h Autobahn, was erstaunlich kalt ist. Und nach 10 Tagen Schweiz auch erstaunlich stressig. Können Deutsche nicht einfach in Frieden die Straße entlang fahren...? Ich mache Rast bei McDonalds für heiße Schokolade und Apfeltasche, zum Aufwärmen. Das hält etwa 10 Minuten vor. Naja, da muss man durch. Dabei habe ich immer den Gedanken: Ich hätte das hohe Windschild montieren sollen. Auf der Autobahn geht die Sonne unter. Der Tank wird knapp, daher tanke ich an der Autobahn nach: Für 1,999 pro Liter gerne auch nur 2 Liter. Podcasts halten mich wach bis 15 Minuten vor daheim, dann versagt dem Sena der Akku. Aber ich habe den Landespreis Schweiz 2021!


    Ein Fazit folgt noch zur gegebener Zeit.

    Ich bin jetzt mit der Versys 24 Tage und 9000 km unterwegs, einschließlich eine Woche Schotterpässe in den Alpen. ohne das am Motorrad irgendwas gemacht wurde außer Benzin auffüllen, Reifendruck und Ketten spannen. Okay, einen Schluck Öl gab's auch mal, aber nur, weil eh gerade ein KTM-Fahrer in der Nähe war der täglich damit hantiert, und ein Spritzer WD40 ins Schaltgestänge, weil sich es nach den Staubetappen manchmal gegen mehrmaliges Herunterschalten ohne Einkuppeln gewehrt hat. Sonst einfach morgens Motor starten und abends Motor abstellen. Sie darf auch bei 0° draußen stehen. Das ganze bei km-Stand 86000 und mit 14 Jahren auf dem Buckel.


    Ein Hoch auf japanische Motorräder! :japan:

    17.10. Bern-Winterthur


    Der Tag beginnt mit einem gemütlichen Frühstück. Der Gastgeber im BNB unterhält sich noch nett mit mir. Er organisiert Busreisen für Thailänder, der er hier im Haus einquartiert. Das Haus hat er gekauft, weil es je eine Fahrstunde von Bern, Interlaken und Luzern (?) liegt. Er fragt nach meinem Reiseplan, und ich erkläre es ihm gern. Er hat so eine 3D-Landkarte der Schweiz. Da sieht man mal, wie verknittert das ganze Land eigentlich ist, und wie unfassbar Grimmsel, Furka & Co sind.


    Heute gibt's ungefähr die gleiche Route wie gestern, nur andersrum, und ein Stück weiter südlich. Und morgens geht's 1x um Bern herum, und danach einen Abstecher nach Süden. Vor Fahrtantritt wische ich gern die Sitzbank ab, das ist heute aber nicht nötig bzw. möglich, weil angefroren. Ein Fall für den Wasserkocher! Protipp: Nicht auf dem Wasser ausrutschen, dass man dabei verschüttet ;) Was steht heute auf dem Menü?



    Heute sind es 23 Passknackerpunkte, aber 509 km. Die letzten 100 km bzw. 1 Stunde sind Autobahn nach Winterthur, die kann ich auch im Dunkeln mit einem sicheren Gefühl fahren. Die ersten beiden Punkte liegen recht einsam westlich von Bern. Manche Leute haben morgens öfters einen Kater - ich habe morgens öfters Nebel.



    Ich komme an dieser netten Brücke vorbei, und auch sonst ist alles gewohnt pittoresk und hübsch harmlos.



    Deutlich südlicher liegen dann drei Punkte recht hoch. Ich hatte da Angst vor Schnee, das war aber völlig unbegründet. Die Strecke ist bestenfalls an manchen Stellen nass, und dabei auch wenig griffig, aber es liegt mal neben der Straße Schnee.



    Ich weiß nicht genau was ich von diesem Schild halten soll... andere Länder, andere Sitten.



    Dann gibt's einen Abstecher zurück Richtung Bern für zwei Punkte, was anscheinend schneller ist als andere umgekehrte Reihenfolge, weil die Nord/Süd-Verbindungen besser sind als die West/Ost-Verbindungen. Naja, ohne die beiden wäre mein Tag nicht schlechter gewesen. Dann geht es Richtung Osten wieder ins Almland.



    Der Schallenberg ist offensichtlich ein Motorradtreffpunkt, und wird auch gern genommen von Fans anderer Fortbewegungsmittel.



    An diesem sonnigen Sonntag ist natürlich viel Betrieb. In einer Kurve steht ein junger Motorradfahrer und macht das internationale Handzeichen für "Uffbasse!". Ich halte an und frage was los ist: Es gibt eine Ölspur, die man schlecht sieht, er ist gerutscht, sein Kumpel gestürzt. Die Feuerwehr ist verständigt. Oha. Also fahre ich uffbassend weiter und stelle fest, dass in den schärferen Linkskurven tatsächlich eine recht frische Ölspur ist.


    So schraube ich mich mittels überwiegend sehr kleiner Straßen über die Almen. Das ist bestimmt nicht schlecht, aber leider mache ich das die letzten 9 Tage sehr häufig und ausdauernd. Die hohen Gipfel in der Ferne versprechen da mehr...



    Da kann man auch mal Pause machen.



    Überhaupt lade ich ständig die Passknacker-Nachweisfotos hoch und prüfe, dass ich ja nichts vergessen habe, denn ich bewege mich seit 11 Uhr nur noch Richtung Heimat. Alles klappt, aber ich werde müde. Außerdem geht langsam das Licht aus...



    Die Sonne geht gerade unter, als ich den letzten Pass heute und in dieser Region knacke: Mettenberg. Der Sonnenuntergang lockt auch andere Naturfreunde an auf diesem kleinen Aussichtspunkt (im Almenland). Das ist ein echter Meilenstein für diese Reise und das Projekt Landespreis. Jetzt sind nur noch Punkte zwischen St. Gallen und Bregenz übrig, also direkt am Bodensee. Quasi garantiert schneefrei. Wenn jetzt etwas schief geht, könnte ich die bequem an einem Wochenende von daheim aus machen, auch mit meinm Zweitmotorrad (siehe Tessin).


    So! Jetzt noch den Tag hier zu Ende spielen! Ich habe mich wieder nach Winterthur eingeladen, weil das eh auf dem Weg zum nächsten Punkt liegt, und natürlich weil's beim Gnome so schön ist ;) Ich nutze das Dämmerlicht für den Weg zur Autobahn. Mit Wildwechsel muss man hier nicht wirklich rechnen, es ist alles eingezäuntes Kulturland. Auf der Autobahn passiert eh nichts. Ich wähle ein hinterreifenschonendes Tempo von 100 km/h und starte einen Podcast. Die Stunde zieht sich verdammt lang in der Dunkelheit, und wärmer wird's auch nicht. Die Regenjacke habe ich nachmittags ausgezogen, aber inzwischen längst wieder an. Es zieeeeht sich. Und zieieeht sich. Und 20 Minuten vor dem Ziel ist der Akku vom Sena Headset leer. Das passiert schon mal nach 10h Dauerbeschallung. Ich habe aber nicht den Nerv mit Kabel am Helm rumzufahren, darum bin ich unter dem Helm jetzt wieder alleine mit meinen Gedanken.


    Irgendwann komme ich dann doch an und mache mich direkt über den bereitgestellten Tee und die Dosenravioli her. Nomnom. Schlemmern wie ein König. Auch die Katze des Hauses zeigt sich und interagiert mit mir. Auf dem Tisch liegt ein "Knigge für Deutsche und Schweizer zur Vermeidung grober Missverständnisse". Oha? Habe ich da was falsch gemacht? Ich habe mich ja im Ruhrgebiet sehr wohlgefühlt. Dort ist es die höchste Forum von Anerkennung, wenn man sich am laufenden Meter gegenseitig grob beleidigt (siehe z.B. Podcast "Alliteration am Arsch") Dass das anderswo nicht so gut ankommt, habe ich inzwischen gelernt.


    Morgen fahre ich das Ding in Ruhe nach Hause. Das Navi zeigt knapp unter 6h an, nur Schweizer Punkte. Zur Verlängerung hatte ich alter Optimist (mit Spaß an Routenplanung) diverse Varianten vorbereitet. Der Hinterreifen hat tatsächlich noch immer sichtbares Profil, und an einem Montag im Oktober rechne ich nicht damit, dass an jeder Ecke jemand steht und nachmisst. Und es ist weiterhin kein Regen angesagt! Der Wahnsinn, 10 Tage Motorradurlaub ohne eine Minute Regen - allerdings nur, weil es zu kalt ist um regnen zu können.


    42 Passknackerpunkte heute

    96,8% Landespreis Schweiz

    noch 12 Passknacker in 1 Fahrtag zum Landespreis

    16.10. Winterthur-Bern


    Der Tag beginnt mit einem gemütlichen Frühstück. Die Nacht war für meine Verhältnisse ruhig, lässt meinen Gastgeber aber an meiner gesundheitlichen Eignung zweifeln. Diese Zweifel kann ich aber zerstreuen. Nach dem Packen und dem Abschied geht's auf direkt Weg zur Autobahn. 44 Passknackerpunkte östlich von Bern wollen eingesammelt werden. 378 km sind geplant. Einfach anfangen!


    Der erste Punkt heute ist der Engelberg. Fortan gibt es alle 3-7 km einen Passknackerpunkt. Anfangs geht es auf kurvigen Landstraßen durch die Wälder, man kommt gut voran.



    Dann tauche ich leider irgendwann in Nebel ein, aber noch recht milde...



    Der ist aber bald ist der auch wieder vorbei.



    Beim gelegentlichen Hochladen der Nachweise merke ich, dass einer fehlt. Das ist aber nicht schlimm, ich fahre ja morgen durch die gleiche Region wieder zurück. Ich darf es nur nicht vergessen.


    Allerdings werden die Straßen immer schmaler und verwinkelter. Bald sind es wieder Almen, Almen und Almen. Damit schrumpft nun auch die Restzeit immer langsamer. Das wird nach hinten raus ein langer Tag, fürchte ich, und buche mir um 14 Uhr eine Unterkunft. Erstmals ein BNB, aber anscheinend ein professionell geführtes, nicht Opas alter Hobbykeller. 59 Franken inkl. Frühstück ist einfach zu verlockend. Es liegt zwar mitten auf der Route, aber leider zu früh, also zu weit im Osten. Ich will die Route so zu ändern, dass ich nicht vom letzten geplanten Punkt auf gerader Linie über vorher schon besuchte Punkte zur Unterkunft fahre. Die Änderung direkt am Navi ist mühselig und dauert etwa 10 Minuten. Dafür reduziert sich die Fahrzeit um 10 Minuten. Sowas in der Art hatte ich befürchtet :)


    In der Nähe von Bern ist dann wieder merklich PKW-Verkehr und ich habe oft bummelnde Autos vor mir. Irgendwann wird das alles recht spät und ich hole mir um 17 Uhr in einem Aldi mein Abendessen. Ich bin so ziemlich der letzte an der Kasse, denn 17 Uhr wird geschlossen. Oops.


    Jetzt muss ich die Zähne zusammenbeißen und noch 8 Punkte eintüten, sonst wird's morgen arg lang. Das klappt auch gut, allerdings mit schwindender Konzentration, und die Schatten werden auch immer länger...



    Immer wieder habe ich das Gefühl, dass ich genau hier doch schon war. Desorientierung ist ein Warnsignal für Müdigkeit. Vielleicht bin ich auch langsam mental durch mit Schweiz, manches ähnelt sich doch. Um 18:30 rolle ich beim BNB auf der Parkplatz. Es ist ein Möbelhaus? Der Gastgeber empfängt mich in der ca. 100 qm großen Küche, wo er normalerweise Thai-Gruppen empfängt. Er erklärt mir die Zapfanlage, da gibt's Freibier aus seiner Brauerei. Thailändische Ehefrau, eigene Brauerei, Africa Twin vor der Tür - es gibt schlimmere Schicksale :)


    Mein Zimmer hat ein eigenes Bahn, das WLAN ist stark, aber die Heizkörper im Zimmer sind kalt. Dafür dauert die Dusche eben länger, und ich gönne mir großzügig Tee aus der Gemeinschaftsküche.


    Nur noch zwei Tage! Endspurt! Ich dachte ja, da käme nichts hohes mehr, aber morgen früh habe ich drei Punkte im Naturpark Gantrisch. Die Pässe gehen bis 1680 Meter hoch. Die Schneefallgrenze war vor 3 Tagen bei 1400 Meter. Oops! Darum probiere ich abends nach der Kettenpflege meine Schneeketten aus - die scheinen sogar zu passen, zumindest reicht die Freigängigkeit rund ums Hinterrad aus. Mehr als Schrittgeschwindigkeit ist damit aber nicht empfehlenswert. Der Hinterreifen hat jetzt noch etwa 1 mm, also 10% vom Neuzustand, und rollt bereits grob über jeden Brösel, hält aber wohl noch bis daheim dicht. Der Vorderreifen braucht in Linkskurven besonders viel Überzeugung. Ich dachte darauf, nur mit dem rechten Arm zu lenken, denn links meckert die Schulter.


    42 Passknackerpunkte heute

    91% Landespreis Schweiz

    noch 52 Passknacker in 2 Fahrtagen zum Landespreis

    15.10. Schwyz


    Der Tag beginnt damit, dass ich verschlafe. Das ist vermutlich auch mal gesund. Also eilig das Hotelfrühstück verschlungen und 9:20 das Motorrad gesattelt. Der Tank ist noch immer leer, gestern hatte ich keine Zeit zum Tanken.


    Der erste Punkt hört auf den schönen Namen "Mörderrain". Okay?



    Es folgen drei weitere Punkte in der Region. Alles recht sonnig und warm. Hier wird auch Wein angebaut. Danach geht es 2h über Hauptstrecken und Autobahnen nach Süden, den Rest vom Kanton Schwyz abfahren. Die liegen zwar nicht wirklich gut am Weg im großen Plan, aber am Wochenende darf man hier viele Punkte nicht fahren, zumindest nicht von 8-18 Uhr, was die Gesamtplanung doch sehr verkompliziert, wenn man es versuchen würde. Das am Montag zu fahren würde den Montag insgesamt sehr lang machen, denn ich habe noch ein paar Punkte vor Bregenz und heim muss ich auch noch. Daher nehme ich mir heute diesen Tag nur dafür.


    Die Punkte hier im Kanton Schwyz liegen eher hoch und sind schwer anzufahren. Es ist also eher Alpin. Mit See und Puderzucker.




    Hier liegt Pragelpass, einer von den höchsten die ich noch offen haben. Den wollte ich schon am Weg nach Italien vor 4 Wochen fahren, aber da wusste ich noch nicht, dass man die Ostseite nicht am Wochenende befahren darf. Jetzt bin ich wieder hier, extra Mo-Fr! Und was sehen meine trüben Augen?



    Gesperrt Mo-Fr von 8-11.30 und 13-16 Uhr. Es ist 13:30. Schöne Schei...! Da könnte man doch glatt au die Idee kommen, zu gucken, ob man nicht doch...? Nach ein paar Kurven steht ein Bagger mittig in der Straße und der Fahrer parkt sie sogar noch etwas weiter zu, als er mich sieht. Ich wundere mich. Dann kracht 200 Meter weiter vorne ein 50 Meter hoher Baum vom Berg her auf die Straße. Alles klar, Holzarbeiten. Das wird nichts. Das dürfte einer der kompliziertesten Punkte in der Landeswertung sein, nur befahrbar Mo-Fo 16-8 und 11:30-13 Uhr. SEUFZ! Da muss ich wohl später noch mal hin. Ich lege mir den Punkt ans Ende der Route, die dadurch auch mal glatt ZWEI STUNDEN länger wird, verdammte Axt. Aber irgendwie am Montag am Rückweg hier noch mal vorbei zu fahren, aber nicht im Dunkeln und nicht zu den Sperrzeiten ist mir zu unsicher. Naja, hilft ja nix, dann mal weiter im Plan. Haggenegg verwöhnt mit Aussicht, und die Versys feiert ihren 85000. Kilometer in einem gediegenen Umfeld.



    Zur "Schwyzerhöchi / Rüti" will das Navi einen Weg fahren, der aber wegen Baustelle gesperrt ist. Grrr.



    "Anwohner frei bis Baustelle" - na dann versuchen wir das mal. Das ist etwas holprig, aber keiner arbeitet. Ich komme zum Punkt und stelle fest, dass man den auch außenrum anfahren können hätte, so wie das Navi auch weiter will. Hauptsache Foto im Kasten. Es folgt etwas entspannende Autobahn bis zum nächsten Einstieg die Alpenlandschaft. Es geht kurvig und eng durch Wald zur Zuger Alpi und Rossalmig. Hier raste ich etwas länger. Da ich später noch nach Südosten zum Pragelpass muss, könnte ich jetzt eigentlich die Reihenfolge etwas optimieren und Zugerberg & "Hünggigütschsätteli" von Süden her anfahren. Das finde ich, das findet auch mein Navi, aber nach ein paar Kilometer findet ein Schild, das hier wäre eine Einbahnstraße, und zwar andersrum. Wenn's läuft, dann läuft's, als wieder rüber über Rossalmig... Nach einer ätzend langen Ortsdurchfahrt von Oberägeri (immerhin mit Blick auf See) klappt das von Norden dann gut. Und dann liegt der Kistenpass auch gleich in der Nähe, aber von Norden her...



    ... ist es mal wieder gesperrt. Herrgottsackra! Also mal wieder außenrum, nochmal durch Oberägeri, es ist viel Verkehr und staut sich auch, mir geht langsam das Tageslicht aus. Immerhin ist es deutlich nach 16 Uhr, damit müsste der Pragelpass offen sein. Der ist klar das Highlight des Tages.


    https://abload.de/img/20211015173037pragelp4ij54.jpg


    Nach oben hin wird es kalt und winterlich. Es liegt Schnee neben der Straße.



    Leider liegt er auch AUF der Straße...



    ... aber die Autos haben Spuren reingefahren. Mit meinen 1,6 mm brauche ich nicht versuchen, neue Spuren zu schaffen. Ich habe zwar Schneeketten dabei, aber vorher nicht probiert, ob die überhaupt zwischen reifen und Auspuff passen... Ich erreiche die Passhöhe, knippse mein Beweisfoto und fahre die gleiche Seite wieder runter. Ist wohl schneller. Unterhalb vom Schnee ist es sehr grün.



    Danach kommen 1:30 Überführung nach Winterthur, wo ich bei einem freundlichen Gnome unterkomme. Mein Navi hat dabei noch die prima Idee, dass es der schnellste Weg wäre, mitten durch Zürich zu fahren, und zwar direkt am Hauptbahnhof vorbei. Ich komme am Fahrradständer vorbei, wo die Versys kürzlich 2 Wochen stand. Ich bin aber zu müde, im Navi nach Alternativen zu suchen und achte lieber darauf, in der Dunkelheit keine Fußgänger umzuwemsen. 478 km heute. Das Headset meckert bereits über seinen Akkustand und gibt 3 Minuten vor dem Ziel auf. Gnome empfängt mich mit ausgezeichneter Gastfreundschaft. Ich werde bekocht und erhalte auch einen anheiternden Absacker. Darum dauert's heute etwas länger mit dem Reisebericht ;)


    Die nächsten beiden Tage fahre ich nach Bern und dann wieder zurück. Das ist eher Flachland unter 1000 Meter. Der Pragelpass war der letzte schneegefährdete Punkt dieser Reise, soweit ich weiß. Damit bin ich auf der Zielgeraden für den Landespreis.


    14 Passknackerpunkte heute

    79,9% Landespreis Schweiz

    noch 94 Passknacker in 3 Fahrtagen zum Landespreis