Yamaha XJ 600 S/N

  • Da ich erstaunlicher Weise zu der guten XJ noch gar keinen Bericht hier gefunden habe, hab ich mich mal an die Arbeit gemacht.
    Eine ganze Weile zögerte ich bzgl. der Veröffentlichung hier, da es sicherlich hier welche gibt, die mit der Maschine schon mehr KM runter und Zeit verbracht haben. Aber die haben ja die Möglichkeit zu ergänzen und irgendwer muss ja mal den Anfang machen ;)



    Wieso die XJ 600?
    Bei mir waren es die Umstände, sie war zu rechten Zeit, am rechten Ort und ich hatte schon viel Gutes gehört.
    Zum einen ist da das recht simple Motorkonzept. 4 Zylinder, 600ccm, Vergaser, welcher in meinen Augen zum Erlernen der ersten Schrauberfähigkeiten sehr gut geeignet ist. Im Gegensatz zu vielen neuen Motoren ist sie nicht so verschachtelt, alles liegt offensichtlich und ist gut zu erreichen.
    Man muss mal an den Luftfilter? Kein Problem, drei Schläuche vom Tank ab, drei Schrauben gelöst und schon ist man da. Wunderbar Nerven schonend :D


    Dazu gesellt sich hohe Zuverlässigkeit, wie andere sicher bestätigen können, zeichnet sich die Reihe durch sehr hohe Laufleistungen ist. Gute Pflege tut jedem Motor gut und dieser dankt es einen mit vielen Kilometern ohne großartige Werkstattbesuche.
    Die Leistung steht bei dem Motorrad nicht im Vordergrund und auch das Drehmoment reißt jetzt keine Löcher in den Asphalt. Ist aber schön berechenbar, bis 4.000U/min tut sich recht wenig, ab 5.000 fängt sich langsam an munter zu werden und spannt bis zum Ende spürbar die - zugegeben kleinen - Muskeln an. Ich persönlich kann sie auf der Landstraße sehr gut zwischen 5.000-7.500 Umdrehungen bewegen, da macht es wirklich Laune. Oberhalb von den 7,5 verliert sie bei mir leider spürbar an Druck, was ich aber auf die Drossel und den damit verbunden Ansaugblenden zurück führe. Vielleicht mag ja noch jemand, der sie offen bewegt, etwas dazu sagen. ?(


    Was den Verbrauch angeht, schaff ich es da sehr zu schwanken. Wie überall bestimmt vor allem die Rechte wie viel sie sich genehmigt. Von unter 4l bis knapp 6l hatte ich alles. Im Durchschnitt, über die breite Bank, nicht nur bei mir, kristallisieren sich so 5,5l heraus. Ein annehmbarer Wert.
    Wie der Verbrauch schwankt auch die Reichweite, von unter 200 bis über 300 hatte ich alles, zuzüglich Reserve 3l (gesamt 20l).
    Öl genehmigt sie sich an sich nur wenig, leider aber auch hier wieder eine Ausnahme. Bewegt man sie lange Zeit im oberen drittel des Drehzahlbereiches, wie es z.B. auf Autobahnen der Fall ist, ist sie doch recht gierig was den wertvollen Tropfen 10W40/50 angeht.



    Tipps u. Eigenarten:
    Aber nichts ist perfekt, so hat auch die XJ 600 ihre Macken.
    Was einen als erstes beim Aufsitzen auffällt, ist die sehr weiche Federung. Besonders vorne. Ich bin ein echtes Fliegengewicht und krieg die Federung schon sehr weit runter, auch beim etwas härteren Anker werfen, taucht das ganze "Schiff" sehr weit ein. Bei manchen ging sie schon auf Block und das ist nicht schön, wenn doch noch eine Unebenheit kommt und keine Reserve in der Federung mehr da ist. :durchgeknallt:
    Abhilfe schaffen ein paar neue Federn vorne, Wilbers z.B. sind schon für unter 100€ bei ebay zu ersteigern und sind sicher eine Überlegung wert.


    Die nächste Sache ist der Motor, der bei etwa 4000U/min ganz eklige Vibrationen erzeugt. Das zieht sich dann bis etwa 5000 hin und kann schon mal für einschlafende Hände sorgen. Denn im 6. Gang entspricht das etwa 80-100km/h, nicht gerade ein Bereich in den man wenig fährt =/
    Dagegen gibt es auch kein wirkliches Mittel, außer den Bereich zu vermeiden, zumindest langfristig und sich damit anfreunden.
    Ebenso mit der sehr kurzen Übersetzung, denke jeder XJ 600 S/N Fahrer wird mir hier zu stimmen, dass man den ersten gang als bald möglich verlassen sollte. Ist das nicht möglich und man muss wieder vom Gas, immer mit der Kupplung spielen, sonst schaukelt man sich im wahrsten Sinne des Wortes grün und blau. Die weiche Federung+kurzer erster -> da haut einen die eigene Motorbremse hin und her, man fühlt sich an die erste Fahrstunde erinnert :P


    Die Serienbereifung, bin ich zum Glück nie gefahren. Aber man muss nur einmal ein Blick in die Foren werfen und weiß das sie grottig ist. So schnell wie möglich runter mit den Gummis und ordentliche Schlappen von Bridgestone aufgezogen. Die allseits beliebten BT45 verbessern das Fahrverhalten extrem, zum Positiven. Lässt sich damit super leicht umlegen, haften auch bei Nässe sehr gut - was bei einen Tourer sicher nicht unwichtig ist - und lassen einen nie im Stich. In der Laufmitte ist die Mischung etwas härter, was der Laufleistung zu Gute kommt, manche sprechen von weit über 10.000km, meiner war nach 5.000km hinten am Ende. Wieder eine Frage der Fahrweise und des Luftdrucks (hab 2.5/2.8 Bar)
    An den Flanken ist er weicher, damit die Haftung einfach besser ist. Von sommerlichen 25°C bei trockener Straße bis hin zu -5°C und auch nassen Fahrbahnen, hab ich ihn überall bewegt und nie hat er mich hängen lassen. Kündigt Wegrutschen sehr gut an. Eine Investitionen die man vor allen anderen Dingen am Motorrad unbedingt tätigen sollte.


    Manche bemängeln noch die etwas schwache Bremse vorne, ab '98 hat Yamaha das eingesehen und endlich Doppel-Scheibenbremsen verbaut. Meine hat noch eine und ich kann sagen, es geht. Aber bissig ist was anderes, gerade mit Zuladung muss man schon mal ganz gut an der Bremse ziehen. Trotzdem machbar ;)
    Die letzte Sache die ich noch anmerken möchte: Der Motor kann nach längerer Standzeit und kalten Wetter beim Start recht zickig sein. Einfach eine Weile länger orgeln, dann erwacht sie auch dann irgendwann zum Leben, nur sollte man im Winter da nicht vergessen die Batterie regelmäßig an Ladegerät zu hängen. Oder kurz auf PRI stellen.


    Alles in allem ein einfach zu handhabendes Motorrad, was im Unterhalt und der Anschaffung echt preiswert ist. Hat man sich mit den Eigenarten abgefunden und kennt sie, macht es echt Spaß. Auch bei längeren Fahrten tut einem der Allerwerteste dank der tollen Polsterung nicht weh.
    Ist man sicher die Gute noch eine Weile zu bewegen, hier noch ein paar - mehr oder weniger - sinnvolle Umbaumaßnahmen:


    - BT 45
    - Wilbers o.ä. Federn
    - Stahlflex
    - Blinker u. KZH sowie ESD (z.B. Hurric)
    - 150er Hinterreifen benötigt Felge der FZ6, passt aber in die Schwinge >150 brauchts schon ne neue Schwinge




    P.S. Rechtschreibfehler dürfen behalten werden :P, Ergänzungen erwünscht.

    Edited once, last by Eldariel ().

  • Fahre auche ien XJ600S Bj 97.


    Mein Tank hat übrigens nur 17l, 14l normal 3l Reserve ;)


    Habe die Wirth Federn drinne und das Federbein auf der maximalen Stellung. Die XJ ist dadurch viel ansprechender geworden. Endlich bekomme ich eine ordentliche Rückmeldung vom Fahrwerk.


    Die BT45 sind echt eine gute Anschaffung, kann man nur bestätigen.


    Habe auch nur eine Bremsscheibe vorne, und ich schaffe es sogar "standing Stoppies" zu machen, wobei ich dabei fühle wie es der XJ bestimmt weh tut :O



    Ein wirklich toller Bericht, alles aufgeführt, was mir so im Kopf rumschwirrt.

  • Irgendwie schwirrten mir 20l im Kopf herum.


    Wäre schön wenn man hier das "20 Minuten Edit Limit" abschaffen könnte.

  • Guter Bericht, alles Wissenswerte ist eigendlich drin, ich möchte nur noch etwas ergänzen:


    Als Motorenöl verwendet man besser eine rein mineralische Sorte der (vorgeschriebenen) Viskositäten 20W40 bzw 15W 40.
    Besonders die älteren Baujahre vertragen teilsynthetisches Öl nicht besonders gut was der Motor schnell mit Inkontinenz quittiert.


    Die vordere Bremse mit einer Scheibe ist für die Motorleistung für meinen Eindruck völlig ausreichend, eine Verbesserung bringen da natürlich noch die angesprochenen Stahlflexleitungen und ein paar gute Beläge aus Sintermetall statt der organischen. Allerdings ist dann mit etwas höherem Bremscheibenverschleiß zu rechnen.


    Als Alternative zu den Bridgestone-Reifen kann ich den Michelin Pilot Active empfehlen, sehr guter Grip und eine Laufleistung des hinteren Reifens von etwa 13000 km sprechen für sich.

    Alles in allem:
    Wer mit der XJ 600 Rennen gewinnen will, sollte sich besser nach einer anderen Maschine umsehen, mit offenen 61 PS stellt man sich heutzutage in Sachen Motorleistung eher weiter hinten an. Als unkompliziertes, anspruchsloses und zuverlässiges Alltagsmotorrad mit dem man auch mal auf längere Touren gehen kann, ist sie jedoch absolut zu empfehlen.

    Greets,
    Frank


    "Da hinten wird´s hell..."

  • Quote

    Original von NipponBiker


    Als Motorenöl verwendet man besser eine rein mineralische Sorte der (vorgeschriebenen) Viskositäten 20W40 bzw 15W 40.
    Besonders die älteren Baujahre vertragen teilsynthetisches Öl nicht besonders gut was der Motor schnell mit Inkontinenz quittiert.


    Jop, teilsynthetisches Öl ist fast Gift für den Motor und die Dichtungen.


    Quote

    Original von NipponBiker


    Als Alternative zu den Bridgestone-Reifen kann ich den Michelin Pilot Active empfehlen, sehr guter Grip und eine Laufleistung des hinteren Reifens von etwa 13000 km sprechen für sich.


    Die beliebte Reifenfrage^^ meine steht auf Metzeler Lasertec, den hinteren musst ich bei rund 10.000km wechseln.


    Quote

    Oberhalb von den 7,5 verliert sie bei mir leider spürbar an Druck, was ich aber auf die Drossel und den damit verbunden Ansaugblenden zurück führe.


    Das liegt wirklich an der Drossel, also bei meiner kommt da nochmal nen kleiner Schubs ;)

  • Wichtig bei der XJ ist noch das richtige Warmfahren wegen der guten Luftkühlung.
    Die Strecke, auf die ich immer wieder gestoßen bin, beträgt 30km.


    Ich fahre eine XJ600S 4BRA mit BT45 und Stahlflexbremsen.
    Mit den alten original Reifen bleibt man besser gleich Zuhause.
    Die BT's hingegen sind wirklich ein segen. Mit den Bremsen habe ich die
    gleichen Erfahrungen gemacht wie die anderen hier: Knackig ist was anderes - trotz Stahlflex.

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