MO24-Reifentest-Thread

  • bratwurst

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  • Juhu, 10 Jahre Meinungen zu 10 Jahre alten Reifen :( Na dann, schreibe ich doch mal was frisches ;)


    ContiRoadAttack 3, kurz CRA3, ist ein moderner Tourensportreifen und die richtige Antwort auf eigentlich jede Reifenfrage. Außer wenn echt Gelände oder Rennstrecke gefahren werden soll. Oder wenn's billig sein muss. Der Reifen ist eine unfassbare Kombination der Vorteile von Sport- und Tourenreifen, mit deutlich mehr Profiltiefe als andere Reifen und clevere Technik. Andere Reifen haben eine harte Mischung in der Mitte und eine weiche am Rand. CRA3 hat nur eine Mischung, die aber unteschiedlich thermisch behandelt wird, um in der Mitte härter und am Rand weicher zu sein. Vorteil davon: Der Übergang ist stufenlos. Es gibt keinen plötzlichen Schlupf beim Aufrichten am Kurvenausgang bei Vollgas in tiefen Gängen. Und der Hinterreifen wird durch Kurvenfahren nicht eckig. Das Handling bleibt bis zum Ende neutral, und das Ende kommt ähnlich spät wie bei anderen Tourensportlern, obwohl der CRA3 weicher ist und bei Hitze auch gerne Brösel und Würste zieht. Er hat halt mehr Profil. Für schwere Bikes gibt's den ContiTrailAttack 3, der etwas steifer und weniger spitz ist - stabiler statt agil, sonst ziemlich das gleiche. Angebliche Offroadeignung ist Augenwischerei und bei beiden vergleichbar. Nette Leckerli dazu, Warmfahren muss man den CRA3 überhaupt nicht, und er wird vollständig angeraut ausgeliefert - vorsichtiges Rumeiern auf den ersten Kilometern entfällt. Der CRA3 ist der Sportler unter den Tourensportreifen, aber ohne die Nachteile der Sportreifen.


    Conti TKC70, der Reisenenduroreifen in vielen vielen Größen, auch in typischen Straßenmoppedgrößen. Ist auf der Straße praktisch genauso griffig wie ein Tourensportler, kann sich aber auf losem Grund ein bißchen verzahnen. Zumindest vorne, der hintere hat in der Mitte einen durchgehenden Steg für ruhigen Geradeauslaunf und lange Lebensdauer. Die Variante "TKC 70 Rocks" ohne diesen Steg gibt's nur in Endurogrößen, z.B. 150/70-17, aber nicht 160/60-17 oder 180/55-17. Alleine einen Vorderreifen mit Grip im Staub oder auf Split drauf zu haben beruhigt schon sehr, wenn man Schotterwege fährt, weil man trotz ABS ganz normal bremsen kann.


    Der Bridgestone S21 ist ein Sportreifen mit sehr agiler Auslegung und natürlich genug Grip, um den Reifen ohne Nagel an die Wand hängen zu können. Die Haltbarkeit liegt bei etwa 1/3 bis 1/2 von einem CRA3 hinten und etwa 1/2 bis 2/3 von einem CRA3 vorne. Für seinen Nachfolger S22 gilt das sicherlich ebenso.


    Der Michelin Pilot Power 3 ist unter den Sportreifen der Tourist, hält lange und bleibt neutral. Etwas weniger Grip als S21, was aber nur wichtig wird, wenn man auf den Fußrasten rumhobelt.


    Mit all den oben beschriebenen Reifen muss man im Regen oder bei Kälte keine Angst haben. Kommen wir nun zu den etwas älteren Reifen, für die das weniger gilt:


    Bridgestone BT023 - war mein erster Radialreifen auf der NTV und ich bin ihn später auch auf der Versys noch eine Weile gefahren. Heute ein guter Budgettipp. Der Reifen ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Die letzten 20% der Lebensdauer waren leider oft eine Quälerei, weil er sich ungleich abgenutzt hat.


    Bridgestone T30 Evo - ist der Nachfolger der BT023 - da konnte ich keine Vorteile gegenüber BT023 entdecken, außer dass er länger Hält bis er auf 1,6 mm ist. Die Reifen wurden bei mir vorne und hinten schnell unrund und ich habe mich damit lange gequält. Die lange Haltbarkeit nutzt mir nichts, wenn ich keinen Fahrspaß mehr habe.


    Michelin Pilot Road 4 - als großer Regenkönig beworben, habe ich mich damit bei Regen auf die Nase gelegt. Auch Kälte mag er nicht. Die letzten 30% der Lebensdauer waren eine Quälerei, weil er sich ungleich abgenutzt hat. In meinen Augen überbewertet. Auch hier gilt, die lange Haltbarkeit nutzt mir nichts, wenn ich keinen Fahrspaß mehr habe.


    Michelin Pilot Power - ein Klassiker im positiven Sinn. Ganz guter Grip, neutrales Handling, im Regen okay, hält aber nicht lange und nutzt sich ungleich ab. Die Version Michelin Pilot Power 2CT ist am Rand weicher und nutzt sich noch ungleicher ab.


    Kommen wir nun zu noch älteren Reifen, die ich als veraltet bezeichnen würde, weil sie den Vergleich mit modernen Reifen nicht stand halten. Sowas würde ich mir nicht aufziehen, schon alleine wegen der Sicherheit (Bremsweg, Nässe), oder weil ich wegen der reduzierten Haltbarkeit mehr Montagekosten und -aufwand erbringen müsste.

    -Bridgestone BT45

    -Dunlop D202

    -Metzeler Lasertec

    -alles was "für Anfänger", "für Oldtimer" oder "für kleine Motorräder" vermarktet wird, nach dem Motto, die werden es schon nicht merken.


    Bitte beachtet, dass Erstbereifung oft nicht das ist, was drauf steht. Da ist gern weniger Gummi/Profil drauf, und manchmal sind es auch ganz andere Reifen. Teilweise haben sie eine Sonderkennung (Bridgestone S20 "M" auf der MT-09), teilweise nicht.


    Ich kann keine genauen Laufleistungen angeben, weil ich mehrere Radsätze habe und das nicht akribisch verfolge. Laufleistungen lassen sich zwischen zwei Fahrern aber eh kaum vergleichen, weil unterschiedliche Stile, Strecke, Motorräder und Zuladungen gefahren werden. Ich habe etwa 20 Stück CRA3 verfahren, 10 BT023, 6 Pilot Power, 2 Pilot Power 3, 6 BT45, 4 S21.


    Noch kurz zu abweichenden Dimensionen: Das darf man nicht ohne weiterse, kann man aber machen. Schmalere Reifen machen das Motorrad handlicher, breitere stabiler. Dafür bieten breitere Reifen ein präziseres Handling, wenn man erst mal in Schräglage ist, und man kommt nicht so leicht auf die Kante. Mehr Querschnitt hinten macht das Motorrad handlicher, kostet aber etwas Beschleunigung. Schmale Reifen und solche mit hohem Querschnitt vergrößern die Schräglagenfreiheit. Weniger Querschnitt vorne macht das Motorrad handlicher. +/- 10 mm Breite klappt normalerweise ohne Änderugnen, und auch die Steuergeräte verdauen veränderte Dimensionen. Bevor man also sein Motorrad im Urlaub abschleppen lässt, weils nach einem Schaden keinen passenden Ersatz gibt, ruhig mal übers "fremdgehen" nachdenken. Solche Änderungen kann man recht unproblematisch eintragen lassen.

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