Probefahrt Yamaha YZF 1000R Thunderace

  • Es ist schon ein bißchen bizarr. Aber manchmal weiß man eben, ob ein Motorrad passt oder nicht, selbst, wenn eigentlich gar nichts gepasst hat. Was das heißen soll? Folgendes:


    Der ein oder andere hat es vielleicht mitbekommen: Ich mache ab und an gerne Probefahrten. Ob das ein Selbstzweck ist, oder nicht - diese Frage konnte ich mir selbst schon nicht mehr beantworten. Eigentlich hatte ich ja schon immer den Anspruch, vom Motorrad abzusteigen und begeistert zu sein. Stattdessen schrieb ich kritische Probefahrtberichte, lobte die jeweils neue Technik, stellt aber dann auch fest, dass das betreffende Motorrad nichts für mich ist.


    Diesmal ist es andersrum. Immer noch steht zur Debatte, die FZR zu ersetzen. Sie hat viele kleine Mängel und ich möchte nicht mehr so viel Geld in sie reinstecken. Allerdings gestaltete sich die Suche nach einem neuen Mopped immer schwierig, weil es genau das, was ich haben wollte überhaupt nicht zu geben schien. Eigentlich suchte ich genau meine FZR 600R mit einem Tick mehr Hubraum für längere Fahrten, einem besseren Fahrwerk (wobei ich langsam merke: Das der FZR taugt wirklich!). Die Kandidaten, unter anderem:


    - YZF 750 (nicht gefahren): die Lenkerstummel liegen tiefer als bei meiner, wegen der USD-Gabel passen meine Austauschlenkerstummel nicht, der Verbrauch liegt bei 7l und der Ölverbrauch bei bis zu 1l auf 1.000km


    - VTR 1000 (nicht gefahren): ebenfalls hoher Verbrauch, mir gefällt die Optik des Motors nicht und ich war immer Vierzylinderfreund


    - CBR 600F PC35 (gefahren): Sitzposition zu aggressiv, von Leistung und Handling kaum Unterschied zu meiner FZR


    - VFR 800 RC46 (gefahren): Langweiliger Motor, störrisches Kurvenverhalten


    - CBR 900 SC33 (gefahren): Sitzposition zu aggressiv, mit dem 16"-Vorderrad nur Reifen möglich, die ins Museum gehören.


    - CBR 900 SC44 (gefahren): hoher Verbrauch, schlechte Gasannahme, viel zu aggressive Sitzposition mit einem engen Lenker, der jedes Einlenken zum Gewaltakt machte, Motor fast angseinflößend stark


    Dazu kommt, dass ich mich ja nun in einigen Diskussionen hier dazu eingelassen habe, wie unsinnig Spitzenleistungen von 147PS im Straßenverkehr sind und dass ich keine Lust hätte, die Landstraßen über die Leerlaufdüse aufzuschnupfen. Und sowieso.


    Und nun das: Yamaha YZF 1000R Thunderace.


    Viel mehr Hubraum als ich haben wollte. Viel mehr Leistung als ich bei der SC44 handlen konnte. Viel mehr Gewicht als sämtliche der genannten Motorräder. Batterie platt. "Ich hab sie vorhin schonmal angeschmissen, aber ich musste überbrücken, weil die Batterie platt ist", sagte der Händler. Alles klar, also besser nicht abwürgen, sonst habe ich ein Problem. Also schmiss er die Möhre erneut an. Kein Probefahrtvertrag, kein Ausweis - ich hätte das Ding einfach mitnehmen können. ;-)


    Schon beim Anheben des Geräts vom Seitenständer merke ich: Das Ding ist zwar nicht leicht, aber der Schwerpunkt ist tief. So kenne ich das auch vom Vergleich Thundercat/FZR 600R. Das hat mir schonmal gefallen! Also, Kupplung gezogen, Gang eingelegt und los. Moment - muss man nicht erst auskuppeln, bevor es losgehen kann? Hier nicht. Die hydraulische Kupplung muss voller Luft, Wasser und was-weiß-ich-was gewesen sein, jedenfalls war sie weitestgehend ohne Funktion und trennte nicht. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Motor zu killen und den Verkäufer wieder ranzuholen. "Ach, Mist, genau das habe ich natürlich nicht geprüft", sprach's, startete den Bock erneut und dampfte ab. Kurz darauf kam er wieder: "Geht wieder."


    Also dann, aufsteigen, anfahren und merken: Obwohl die Stummel unter der Brücke sind, ist die Sitzposition wirklich entspannt. Der Sozia gefiel es auch ("noch nie so bequem gesessen!"). Dann den Motor antesten: Schiebt ordentlich nach vorne, und trotz Fünfganggetriebe hat man nicht das Gefühl als bliebe die Drehzahl im Keller. Ich hatte ja beim Bericht über die SC44 geschrieben, dass viele Käufer seinerzeit enttäuscht waren, weil statt der versprochenen 147PS eher 137PS am Prüfstand herauskamen. Bei der Thunderace hingegen habe ich einem Bericht gelesen, demnach statt angegebener 145PS tatsächlich 149PS auf die Rolle kamen. Ich hatte also einen Heidenrespekt. Und dann habe ich Gas gegeben: Alles kontrollierbar! Kein in den Himmel schießendes Vorderrad, immer gleichmäßiger, gutmütiger Druck. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Kurz habe ich sogar überlegt, ob die Maschine auf 98PS gedrosselt war. Dann habe ich aber mal einen Gang etwas weiter gedreht und wusste: Öhm, nein, offen. Ja, genauso sollte das sein. Jetzt waren auch die 1000 Kubik, die mich anfangs eher in Richtung 750er, 800er und 900er haben tendieren lassen kein Problem mehr. Volles Drehmoment, volle Kontrolle.


    Und das Kurvenfahren? Schnelle Schräglagenwechsel schienen nicht so flockig von der Hand zu gehen wie mit der FZR. Aber immerhin war ich mit Sozia unterwegs. Dafür konnte man den Hobel problemlos in die Kurven drücken, es war nicht wie bei RC46 und SC44, dass man das Motorrad eigentlich kaum runter bekam. Das war richtig gut.


    Sodann wollte ich wenden. Ich kannte mich nicht aus und wollte auf der Landstraße umkehren. Ich bog also ein eine Seitenstraße, wendete dort, ließ dann aber die Kupplung nur 0,5mm kommen - Motor aus.


    Aufgabe: Starten Sie ein Big Bike ohne Kupplung und Energiequelle! Schieben war nicht drin, weil ich ja nicht auskuppeln konnte. Ich überlegte und dann kam mir in den Sinn, was der Verkäufer gemacht haben musste, als er vor der Abfahrt eine Runde um den Block drehte, wiederkam und sagte: "Geht wieder". Er kann ja nur ein bißchen gepumpt haben. Also machte ich das auch und bearbeitete den Kupplungshebel nach Kräften. Dann funktioniert es wieder 1-2 mal, genug, um anzuschieben. Die Kiste lief also wieder. Aber nur kurz. Als ich an einer Kreuzung rechts abbiegen wollte, konnte ich nicht mehr runterschalten. Ich musste also im ersten Gang sein. Tatsächlich trennte die Kupplung nur nicht. Durch mein Gefriemel am Gangheben landete ich dann im Leerlauf, mitten in der Kurve. Also wieder den 2. reingetreten, mit Gewalt, denn anders ging es ja nicht.


    Dann habe ich noch ein paar schöne Kurven genossen, und bin zurück zum Händler. Ich war kaum 20 Minuten unterwegs, aber ich wusste: Das ist sie. Ich wollte fast gar nicht weiterfahren, weil ich nach diesem genialen Appetithappen nicht gleich die ganze Fahrfreude "verschlingen" wollte. Stattdessen stand fest: So eine muss ich haben. Und dann werde ich sie richtig auskosten. Wo waren wir? Auf dem Weg zum Händler. Wer war da noch? Ein Stoppschild. Wo war die Kupplung? Scheiße! Seid ihr auch schonmal ganz langsam auf ein Stoppschild zugerollt und habt gehofft, dass es grün wird, wenn man nur fest genug dran glaubt? Ich habe nicht fest genug geglaubt - Motor aus. Selbes Spiel wie kurz zuvor, nur war der die Kupplung diesmal noch ein bißchen störrischer. Aber auch diesmal hat es irgendwie geklappt. Über den zweiten Gang bin ich dann auf dem Rückweg nicht mehr hinausgekommen. Ich wollte vermeiden, beim Runterschalten das Getriebe zu malträtieren.


    Habe ich eigentlich was zu den Bremsen gesagt? Bremsen. Das ist ganz komisch. Bei sämtlichen anderen Berichten spielte solche - Details will ich sagen - immer eine große Rolle. Ich glaube, das war aber nur deshalb so, weil mich das jeweilige Motorrad so wenig begeistert hat, dass ich vollkommen nüchtern über Bremsen, Fahrwerk und co. sinnieren konnte. Im konkreten Fall hätte Entlüften gut getan, aber das ist ja ein Aufwand von 5 Minuten.


    Trotzdem jetzt noch ein paar Daten zur Ace:


    - Flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder, DOHC, 5(!) Ventile pro Zylinder


    - 145PS bei 10.000 U/min und 108nm bei 8.500 U/min


    - Fünfganggetriebe


    - Gewicht fahrfertig: 233kg


    - Verbrauch ca. 5 - 5,5l


    Übrigens: Als ich nach der Fahrt wieder auf der FZR saß, habe ich auch deren Qualitäten wieder zu schätzen gelernt. Der Motor ist aggressiver, aber eben alleine durch den geringeren Hubraum zu kontrollieren. Und dank meines Lenkers ist sie leichtfüßiger als die Ace. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich sie hergeben möchte, wenn denn mal eine Ace auf dem Hof steht. Für die schnelle Runde zwischendurch würde ich auch als Ace-Treiber bestimmt dann und wann mal zur FZR greifen wollen.


    Ich werde sie nun erst einmal kostengünstig soweit reparieren, dass sie technisch einwandfrei ist. Und dann muss ich mal sehen, ob ich sie verkaufe. Am liebsten wäre mir fast, wenn sie jemand aus dem Forum kauft, dann weiß ich immer, wo sie ist...

  • Wieder ein schöner Bericht Horneburg ! Liest sich klasse.


    Scheint ein ähnliches Fahrerlebnis gewesen sein wie dass mit der TRX die ich damals gefahren bin. Aber das Problem mit der Kupplung hätte MICH von einer Probefahrt abgehalten, du hast ja ein richtiges Abenteuer erlebt. Das Problem sollte sich aber auch schnell beseitigen lassen oder ?


    Zu den 5 Ventilen: Die TRX hat auch 5 Ventile. Bei der ist das Intervall für die Ventilspielprüfung von Yamaha viel zu lang angegeben worden. Ist das bei der Thunderace ähnlich ?



    Gruß, Phil

  • Danke dir.


    Ich denke auch, da muss nur mal ordentlich entlüftet werden, dann sollte das gegessen sein. Das Ding auf dem ich da gesessen habe werde ich aber wohl eh nicht kaufen. Mir ist mittlerweile eine über den Weg gelaufen, die mir besser passt.


    Die Kupplung hat mich alleine deshalb schon nicht abgehalten, weil ich ja eine nicht unwesentliche Anreise zu der Probefahrt hatte. Und da fahre ich dann nicht gleich wieder nach hause, weil die Kupplung nicht will wie ich. Hochschalten geht ja auch ohne. Nur das Runterschalten, das war echt unangenehm, die Gänge da so reinkloppen zu müssen. :wacko:


    Was das Ventilspiel angeht, da weiß ich gar nicht, welche Intervalle Yamaha da angibt. Bei der FZR sind es ja auch 48.000km, was mir ziemlich lang erscheint. Ich werde bei dem betreffenden Motorrad einfach mal fragen, wann da zuletzt eingestellt wurde.

  • Danke, das liest sich gut mit der Ace. Sachma, stande die beim Händler einfach so rum und du hast vorher gesagt: die würde ich gerne mal? Wieviel gibt ein Händler da einem Zeit?

  • Ich habe vorher angerufen und gefragt, ob wir einen Termin vereinbaren können. Er sagte, ich solle einfach spontan mal anrufen, wenn ich Zeit hätte (also am Morgen desselben Tages) und dann solle ich vorbei kommen. Ich habe dann vor Ort gefragt, wie lange ich wegbleiben darf. Er fragte dann, wie lange ich wolle. "30 Minuten", sagte ich und das fand er OK. Ich denke, ich hätte auch länger gedurft.

  • Moin, ich fahre seit 1998 die YZF 1000 R, hatte vorher auch die FZR1000, habe mir die YZF als TourenMotorrad zugelegt da ich zu dem Zeitpunkt noch ein V-Max und eine GTS 1000 mein eigen nannte und die GTS eigentlich stillegen wollte.


    Die YPse ist aber eher ein Sportmotorrad denn ein Tourer, habe sie mit hoher Scheibe nachgerüstet, Sitzposition bei 194cm Körpergröße ist ok,
    aber man muss schon eine Mindestgeschwindigkeit von 100km/h fahren ansonsten führt die Belastung der Handgeleke bei mir zu Problemen auf längeren Strecken.


    Habe sie bis auf Grund von Bandscheibenoperationen und Problemen selten genutzt hat erst 8000km auf der Uhr da ich meine anderen Moppeds immer noch nutze.


    Hoher Ölverbrauch bei zügiger Autobahnfahrt bis zu 1 Liter auf 1000km ist wg der Kolbenringe normal, Sitzposition für Sozius nur ok, wenn dieser kleiner als 170cm ist


    Hinterradabdeckung wurde auch nachträglich montiert, nutze die YPse nur 2 oder 3 mal in der Saison, werde sie aber auch nicht wieder hergeben, längere Touren fahr ich lieber auf der GTS.


    Wenn sich eine kostengünstige Möglichkeit ergibt werde ich einen hohen Lenker (Gabelbrücke) nachrüsten, Kosten für Inspektion 42000km (Ventile) liegt bei 600.- beim Händler deines geringsten Misstrauens,
    oder du hast eine fachkundigen Freund der dir dabei hilft, wg WHB kannst du mir eine PN schicken.


    Batteri wurde vor 6 Jahren gegen eine Gel-Batterie getauscht die noch immer zur vollsten Zufriedenheit ohne nachladen über Winter funktioniert.


    Die YZF 1000 R ist auf dem Gebrauchtmarkt recht günstig zu bekommen, kann dir auch noch einige Tipps zum Gebrauchtkauf zusenden.


    Googel mal nach ThunderaceClub dort gibt es viele gute Tipps :roller:


    gruß Stecki

  • Hi,


    henne: Nee, ich war in Lauenbrück, der Name fällt mir gerade nicht ein.


    @streckenbrunzer: Ich war bei einer auf Elektrobucht (man darf nicht mal das Wort schreiben? Irre!) schon Höchstbietender, aber der Mindestpreis wurde nicht erreicht. 2.500 war das Höchstgebot, 3.900 wollte er haben - Wahnsinn. Die hatte auch einen höheren Lenker, so wie ich ihn im Moment auch an der FZR habe. Deshalb war ich da so scharf drauf. Aber bei dem Preis lohnt es eben nicht, da kann ich den ggf. selbst nachrüsten, zumal ich die Sitzposition auf der Probefahrt fast als angenehm empfand. Mit anderen Worten: Es wäre zwar schön wenn einer dran wäre, aber auch kein K.O.-Kriterium, wenn der Lenker fehlt.


    Im Thunderace-Club bin ich schon. Im Gegensatz zu anderen Foren gibt es da aber keine Technikdatenbank. Ich hatte nach der Modellhistorie gesucht (auch gegooglet, klar) und dabei nur herausgefunden, dass der Ölverbrauch ab Bj. 1997 in den Griff bekommen worden sein soll und dass es seit 1998 eine weitere Ölbohrung am dritten KW-Hauptlager gibt, weil es wohl einige GTS-Motoren mit Motorschäden deswegen gab. Vielleicht hat hier noch jemand einen Link zur vollständigen Modellhistorie?


    Beim Ventileeinstellen bin ich mein eigener fachkundiger Freund. ;-) Wenn du noch einen Tipp hast zum T-Ace-Kauf: Immer her damit!

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