Alles hat seinen Preis! Aber wieso ist ein Motorrad so teuer?

  • Komme gerade von ner längeren Dienstreise mit dem Auto zurück und hatte da etwas Zeit zum Nachdenken. Mir war nämlich unterwegs ein Plakat eines grossen Autoherstellers (derjenige, der das Fliessband erfunden hatte) aufgefallen, wo das kleinste Modell für rund 10.000,-Euro angeboten wird. Meine F800GS kostet neu rund 11.000,-Euro. Die neue Yamaha FZ8 soll auch rund 8.500 Euro kosten. Kaum ein Mittelklassemotorrad ist heute also für unter 8.000 Euro zu haben. Etwas exklusivere Modelle mit mehr Schnickschnack (BMW 1200GS, Duc Mulitstrada, Yamaha 1200 Tenere...) kommen schnell mal auf 15.000 Euro.


    Moment mal...!


    Ein Auto wiegt rund 1.400kg, ein Motorrad 200kg. D.h. der Bau des Autos braucht rund 7mal so viel Material.


    Ein Motorrad fährt einfach nur. Ein Auto hat zahlreiche Zusatzfunktionen und -Aggregate, z.B. Scheibenwischwasch, Heizung&Klima, verstellbare beheizbare Sitze, Infotainment usw.


    Ähnlich wie beim Material sind damit beim Auto ein Vielfaches an Mannstunden bei der Entwicklung und zur Herstellung der Teile und zur Endmontage nötig.


    Wieso sind unsere heutigen Motorräder also so unverschämt teuer? Weil wir bereit sind, soviel für ein eigentlich unnötiges Fahrzeug auszugeben? Sind die Gewinnspannen so viel höher? Oder liegts an den viel kleineren Produktionsmengen?


    Vielleicht gibts ja hier nen motorradfahrenden Wirtschaftsfachmann (und damit mein ich jetzt nicht nen Bierfachmann! :P ) der uns das mal erklären kann!

  • Das würde mich auch mal interessieren. Hier haben wir vor einiger Zeit mal drüber diskutiert. Schlüssig erklären konnte mir das noch niemand, aber ich bin leider auch nicht besonders geschäftstüchtig veranlagt ;)

  • Vieleicht weil ein Auto ein gebrauchsgegenstand ist und ein Motorrad ein Luxusartikel?`Zumindest würde ich Motorräder als Luxusartikel bezeichnen.

    Bremsen ist sinnlose Umwandlung von Bewegungsenergie in Wärme!

  • Ich könnt mir vorstellen das es daran liegt das die Stückzahlen so gering (Topseller BMW R 1200 GS mit 4.339 Neuanmeldungen in 2009, VW Golf als Topseller hatte 366.230) sind und die Modellpaletten so breit gefächert. Das will halt auch bezahlt sein.

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  • Bei einem Gespräch mit meinem Freundlichen hatten wir das Thema beiläufig.
    Dabei hat er gemeint, dass die Produktion der Motorräder nicht mit einer Autoproduktion vergleichbar sei. Die Fertigung würde weitaus mehr mit Handarbeit ablaufen. Wenn man die Stückzahlen eines Automodells mit einem Motorrad vergleicht, kann ich mir das durchaus vorstellen.


    Das bedeutet höhere Produktionsstückkosten wegen der geringeren Rationalisierung.



    Edit: Das nächste mal muss ich doch etwas schneller schreiben.

  • Moin,


    wenn man sich die produzierten Stückzahlen anschaut und die Produktions- und Entwicklungskosten dagegen stellt, dann sind die Stückkosten beim Mopped einfach höher als beim Auto. Die millionenfach in Asien verkauften Kleinkrafträder sind ja auch spottenbillig. Aber wenn ein Modell nur in 5stelligen Stückzahlen produziert wird..........


    edith sagt, zu spät

  • Könnte es vielleicht auch mit der Fahrzeugart als solcher zu tun haben?
    Weil ich denke ein Motorrad hat auch weniger Platz etwas einzubauen. Dementsprechend müssen bestimmte Teile kleiner oder anders gebaut werden und sind dadurch teurer in der Produktion? Zudem wird ja auch auf die Fahrbarkeit geachtet womit ich z.B. die Lenkergewichte zuzähle, Schwerpunkt und so.
    Da steckt denke ich so vom physikalischen mehr drin (blöd formuliert, aber ich denke ihr wisst wie ich das meine :P) und dazu kommen noch die bereits erwähnten niedrigen Verkaufszahlen.


    Der Nils..
    ..spekuliert

  • Genau das würde mich auch interessieren, darüber haben wir am wochenende auch nachgedacht, nachdem ich von einem Händler kam wo ich die preisliste mal durchgeschaut hab.

  • Könnte es vielleicht auch mit der Fahrzeugart als solcher zu tun haben?
    Weil ich denke ein Motorrad hat auch weniger Platz etwas einzubauen. Dementsprechend müssen bestimmte Teile kleiner oder anders gebaut werden und sind dadurch teurer in der Produktion? Zudem wird ja auch auf die Fahrbarkeit geachtet womit ich z.B. die Lenkergewichte zuzähle, Schwerpunkt und so.


    Eher nicht, moderne Autos sind nicht minder komplex und kompakt gebaut. Schau doch mal unter die Motorhaube, da ist auch nicht mehr viel Platz. Es sind die Stückzahlen, und da die Einzelteile auch nur in geringeren Menegen zugekauft werden können, auch der Einkaufspreis der Teile. Und natürlich die regionale Preispolitik. Ein Möp ist in Deutschland teurer als in Bhangladesh. Für den Hersteller ist das aber auch eine Mischkalkulation, nur mit den Margen aus Bhangladesh wirds für ihn auch eng.

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

  • Und dann hätten wir da noch die Sicherheitsanforderungen an ein Auto. Während wir immer noch über Sinn (und wie manche meinen Unsinn) von ABS am Motorrad diskutieren, höre ich gestern dass die Unfallzahlen im Autoverkehr in Relation zur Anzahl Autos gewaltig gesunken ist, einfach aufgrund der besseren Technik. Aber: Ne Knautschzone will halt auch berechnet werden und 10 Airbags kosten auch nicht gerade wenig Geld, machen das Auto also auch teuerer.


    Sind wir also wieder bei den Stückzahlen! Gibts hier keine Produktionsingenieur, der sowas mal mit Zahlen belegen kann? Würde mich schon interessieren!

  • Ich finde, neben der Stückkostenkalkulation sollte auch das Tragfähigkeitsprinzip nicht vernachlässigt werden, das wird auch den einen oder anderen Teil dazu beitragen.
    Motorräder sind, wie bereits weiter oben erwähnt wurde, durchaus Gegenstände, für die mehr Geld gezahlt wird, als sie wert wären.
    Wer das als Unternehmer nicht ausnutzt, um finanzielle Resreven abzuschöpfen, ist selbst schuld, die Konklurrenz wird es nämlich tun.


    Servus,


    Holger

    Vor zehn Jahren: Quidquid agis, prudenter agas, et respice finem!
    Heute: Quaestiones ne curamus, sed solvimur.

  • Quote

    Ein Motorrad fährt einfach nur. Ein Auto hat zahlreiche Zusatzfunktionen und -Aggregate, z.B. Scheibenwischwasch, Heizung&Klima, verstellbare beheizbare Sitze, Infotainment usw.

    Naja seh das mal anders..... meine Bandit mit 98 PS (rechnen wir mal 100) mit 260Kg hat ein Leistungsgewicht von ca 0,4 PS pro KG.... rechne das auf ein Auto mit 1500Kg um -> 1500 Kg * 0,4 ps = 600PS ..... so... was kostet ein 600 PS Auto !? :D


    Wie erwähnt spielt auch die Produktion eine Rolle... da laufen keine "Millionen" vom Band womit auch die Einzelteile im Vergleich zum Auto ein gutes Stück teurer ein dürften, der Zusammenbau dürfte auch nicht voll automatisiert ablaufen....


    Ein 15 000€ Supersportler lässt jeden "Supersportwagen" für eine viertel Milion alt aussehen -> sicher bekommt man dafür auch schon einen Neuwagen.... aber in der Preislage dürfte dieser bedeutend länger als 3 sek von 0-100 brauchen ^^ -> dazu brauchts aber nichtmal einen Supersportler ^^


    Vergleichbar mit einem 10 000€ Neuwagen (das nötigste auf 4 Räder) wären dann eher die 125er oder etwas größere Roller (das nötigste auf 2 Räder) - diese sind dann auch schon bedeutend billiger.

    Edited once, last by Garagoos ().

  • Hi,


    ein Aspekt ist auch: weil die Dinger nicht ausreichend ausgereift und ausgetestet auf den Markt geschmissen werden.


    Ich erinnere jetzt an Rückrufaktionen, Nachbesserungen beim Kunden, Mobilitätsgarantien, bewilligte "Kulanzanträge" (z.B. bei undichten Kardans, Probleme mit den Bremsen...; da denk' ich jetzt mal an die blauweißen, die in diesen Punkten besonders auffallen) - das muss ja alles jemand bezahlen! Natürlich wird das erst mal auf den Preis drauf geschlagen - anders geht es ja gar nicht, sonst wäre ja jedes Motorrad ein Verlustgeschäft.


    Bei Autos hat man i.A. nicht so viel Scherereien mit Nachbesserungen.


    Reinhard

  • Ach, mit Autos kann man dieselben Scherereien mit Rückrufaktionen etc. haben, ebenso mit anderen teuren Geräten. Computer sind da ganz schlimm: wenn mein Motorrad mal einfach so abstürzen würde.. :grin: .da gäb´s Ärger, aber so richtigen.... beim Computer nimmt man´s einfach so hin und startet neu...


    Klar ist das ein Haufen Geld für ein Luxushobby, aber ich finde sogar, dass Motorräder relativ preiswert sind im Vergleich zu Rennrädern.
    Wenn ein richtig gutes Rad, 7kg leicht mit fast nichts dran, ohne Motor, bereits vier- bis fünftausend Euro kostet, da finde ich doch, dass ich mit meinen 223kg recht viel für´s Geld bekommen habe. :grin:
    Aber mal im Ernst: es ist die Handarbeit, die immer noch dahintersteckt, die geringeren Stückzahlen und die Entwicklungskosten.
    Und Fehler gibt es leider überall. Wer ein billiges Motorrad will, muss eines nehmen, das komplett in Billigländern produziert und von großen Marken kopiert wurde, so dass für die Anbieter keine Entwicklungskosten anfallen. Das sollte man halt mit seinem Gewissen vereinbaren. Ich jedenfalls möchte auch für meine Arbeit anständig bezahlt werden und gönne das anderen auch.


    liebe Grüße
    Buckbeak

  • Im Gegensatz zum Computer über den man gnadenlos schimpfen darf, kriegt man beim Motorrad hier aber gerne zu hören, dass man sich gefälligst mit dem Teil etwas auskennen sollte, wenn man es schon fährt. :p Gerne auch von den gleichen Personen, die sich über die "Unfähigkeit" von Navis lustig machen.


    Das Stückzahlproblem betriebswirtschaftlich zu belegen ist relativ leicht.
    1) Fixkostenumlage. So eine Motorradherstellung hat ja nicht nur die Kosten für die Einzelteile plus Arbeitszeit. Allein die Kosten für die Fabrikhallen sind ein Beispiel dafür, dass auch Ausgaben anfallen, die allgemeiner Natur und damit "einfach da" sind. €10000 auf 10000 Stück umgelegt sind €1 pro Stück. Bei 100 Stück sind es eben €100. Natürlich steigen die Kosten meist mit der Stückzahl (größere Halle), aber naturgemäß ist es so, dass das Preis-Kapazitätsverhältnis mit zunehmender Größe günstiger wird. Eine Fabrikhalle mit 5000 m² ist pro Quadratmeter gesehen günstiger als eine mit 500. Eigentlich auch nur wieder ein sogenannter Skaleneffekt.


    2) Einkauf. Die Einzelteilpreise haben eine ziemlich große Hebelwirkung. Je nach Wertschöpfungstiefe (wieviel also am Produkt selbst hergestellt wird) können wenige Prozent (Beispiele rechnen gerne mit 1-2%) Differenz im Einkaufspreis locker mal 10% Erhöhung der Gewinnspanne ausmachen. Je mehr Teile dazugekauft werden, um so gravierender der Hebel. Ich müsste in meinen Unterlagen nachschauen (oder einfach mal Ruhe haben), um es mal konkret vorrechnen zu können, aber ich durfte das für verschiedene Fälle schon durchexerzieren.


    Und da man 100 Teile nicht so günstig kriegt wie 100 Teile (Skaleneffekte gelten ja auch für Zulieferer) bleibt einem weniger Luft für die Preiskalkulation.

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

  • Im Gegensatz zum Computer über den man gnadenlos schimpfen darf, kriegt man beim Motorrad hier aber gerne zu hören, dass man sich gefälligst mit dem Teil etwas auskennen sollte, wenn man es schon fährt. :p Gerne auch von den gleichen Personen, die sich über die "Unfähigkeit" von Navis lustig machen.

    Für Motorräder muß man ja auch einen langwierigen Führerschein machen während man auf PC`s normalerweise völlig unvorbereitet losgelassen wird. ;)

  • Hallo

    Ein Möp ist in Deutschland teurer als in Bhangladesh. Für den Hersteller ist das aber auch eine Mischkalkulation, nur mit den Margen aus Bhangladesh wirds für ihn auch eng.

    Natürlich ist das eine Mischkalkulation. Aber, ginge es rein um die Wirtschaftlichkeit, würden die Hersteller vermutlich nur noch kleine Moppeds für den asiatischen Markt bauen. Die werden nämlich schon seit Jahrzehnten auf längst abgeschriebenen Maschinen ohne gravierende Weiterentwicklungskosten in riesen Stückzahlen gebaut . Damit verdient man Geld.
    Die Motorradproduktion für Europa und Amerika ist da viel eher ein Prestigeobjekt. Um damit Geld verdienen zu können, müssen die Produkte schon ein bisschen teurer sein.Das es offenbar nicht so leicht ist, mit Motorrädern ein Geschäft zu machen, zeigen ja einige italienische Hersteller, die regelmäßig wegen finanzieller Schwierigkeiten den Besitzer wechseln. Aktuell z.B. Moto Morini.


    Bei der PKW-Produktion kommt noch hinzu, das häufig in Plattform-Bauweise entwickelt wird, so dass Bauteile modellübergreifend innerhalb eines Konzernes oder sogar darüber hinaus verwendet werden können. Das senkt die Entwicklungs- und Produktionskosten. Im Motorradberiech gibt es das zwar auch ansatzweise, aber längst nicht so ausgeprägt. Die Modellzyklen sind im PKW-Bereich auch ein wenig länger.


    Grüße


    Hawkeye

  • Wenn es sich für die Japaner wirtschaftlich nicht mehr lohnen würde, die Möps zu bauen, würden sie es nicht mehr tun. Prestige hin oder her. Sie verdienen vielleicht nicht übermäßig an Kohle, aber sie verdienen dran.


    Dass die Italiener mit dem Geld nicht klarkommen liegt auch wieder an der Stückzahl. Der Nachteil von Exklusivität ist nunmal, dass man dann nicht viele Kunden hat.


    Und die Motoren werden ja auch in leicht geänderter Weise in anderen Maschinen verbaut. So gesehen gibt es auch da Plattformen.

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

  • Auf der anderen Seite fine ich schon das es sehr teure Marken gibt... BMW z.B. ....


    Sicher...die Verarbeitung etc ist Top und die Inspektionsintervalle sind länger als bei manch anderer Marke... aber wie diese Teils 60-100% teureres Modell gegeüber der Konkurenz rechtfertigen bleibt mir ein Rätsel....


    Beispiel:
    R 1200 RT:
    http://www.bmw-motorrad.de/de/de/index.html (16 200€)


    Suzuki Bandit:
    http://motorrad.suzuki.de/index.php?id=1011&tx_mcproducts[motorrad_uid]=171&cHash=a57644661a (9 300€)


    Dann gibts auch noch den großen Sporttourer von Kawasaki -> 1400 GTR: (16 900€)
    http://www.kawasaki.de/1400GTR


    .... hier habe ich aber schon bedeutend mehr Leistung als bei den beiden oberen und nette Spielereien wie eine Automatisch verstellbare Frontscheibe / Boardcomputer etc....
    Da kann ich ja noch halbwegs verstehen wo der Preis herkommt. (Ich glaube das wird irgendwann meine nächste Maschine ^^)
    ?(

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