Bei Protestaktion gegen Helmpflicht, Unfall und Tod

  • Die Vorschriften kommen nicht vom Staat, sondern vom Arbeitgeber, betroffen ist nicht die Solidargemeinschaft,


    Nicht ganz, sie kommen von einer Versicherung...denn nichts anderes ist eine Berufsgenossenschaft und sie ist eine Solidargemeinschaft.
    Sinn und Zweck der UVV und aller Vorschriften (Pflichten) sind zum Schutz des Kapitals der BG gedacht...und das Kapital sind die Beitragszahler, schlicht und einfach bleibt es aber Geld.


    bibo
    Aber eine süße Oma :cool:

  • Nochmal, niemand bezweifelt, dass durch Helmpflicht weniger schwere Kopfverletzungen passieren! Wahrscheinlich auch nicht Coyote. ABER DAS IST SACHE JEDES EINZELNEN! Die Amerikaner wollen eben möglichst wenig Eingriff vom Staat, für uns Deutsche mit unserem staatlich verordneten "Rund-um-sorglos-Paket" ist das schwer vorstellbar aber die wollen das eben so. Ist bei der Krankenversicherung vom Obama genauso, die Amis wollen nicht das der Staat sich einmischt und wie mal ein Freund meinte: "Aber die müssen doch einsehen, dass das besser ist wenn der Staat für jeden vorsorgt." kann man nur sagen:"Am deutschen Wesen soll die Welt genesen." soll sie nicht.
    Übrigens denke ich bei Mopedfahrern ohne Helm immer an meinen Fahrlehrer, der sagte mal zum Thema Punkte und Raser "Die sortieren sich aus." auf die Frage was mit denen sei, die nie erwischt werden war "Die sortieren sich aus" die Antwort, gefolgt von "gibt ja noch Bäume."
    vielleicht is der Ami auch soinst nur mit Helm gefahren und hat nur wegen dieser Protestaktion den Helm daheim gelassen, dann wäre die Helmpflicht schuld.


    Grüßle, der Hilm

  • Gibt es eigentlich irgendwo eine Statistik darüber, wieviel schwere Kopfverletzungen es zu der Zeit, als der Helm in Deutschland noch keine Pflicht war, gab ? Ich habe da nichts gefunden.Es würde mich aber mal interessieren. Entweder war das Sicherheitsdenken zu der Zeit noch komplett anders- ich erinnere mich an nicht eben langsame Fahrten auf der Bahn in Jeans, Shirt und ohne Helm...( ja, war halt so... :O )...oder solche Unfälle wurden einfach nicht thematisiert...ich weiß es einfach nicht.


    Jedenfalls würde ich heute auch ohne Helmpflicht nicht mehr ohne Helm fahren, und ich bin absolut dagegen, das solche Sachen zur Pflicht gemacht werden.Ich würde mich auch ohne Gurtpflicht im Auto immer anschnallen und ich denke, das es den meisten Leuten so geht.


    Fischi
    Danke... :O ...und auch noch zweifache...uiui... ;):)

  • vielleicht is der Ami auch soinst nur mit Helm gefahren und hat nur wegen dieser Protestaktion den Helm daheim gelassen, dann wäre die Helmpflicht schuld.


    Ach und bei einer Demo pro freien Waffenbesitz wurde ein paar erschossen, also war das Verbot von Waffen daran Schuld, sonst hätt man ja nicht demonstriert :rolleyes:
    Du hast den Ironie Modus vergessen ;)


    Immer wieder erstaunlich für was Freiheitsliebe alles herhalten muss....und so anders wie der Ami ist der Deutsche ganz und gar nicht, oder wieviele Länder sind bekannt in denen man auch ganz legal 300km/h fahren darf? Das ist unsere heilige Kuh....aber wir können das ja und unsere Autos sind sowieso die besten der Welt...


    Ach ja, triefender Sarkasmus....

  • ...Es gibt Leute, die haben zu jeden Thema ein Meinung und die feste Überzeugung, genau Bescheid zu wissen. Die kennen alle Statistiken, wissen bestens über die Zusammenhänge und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen Bescheid und teilen das oft, gern und mit Nachdruck allen anderen mit.

    ^^ In der Tat, die gibt es...

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    ..Und genau deswegen gibt es Vorschriften, einfach aus der Abwägung heraus, dass bestimmte Eingriffe in Freiheiten angesichts des Nutzens gering genug sind, um gerechtfertigt zu sein. Schwarz/Weiß-Denken ist wie so oft wenig hilfreich und die absolute Freiheit gibt es in einer Wertegemeinschaft nun mal nicht.

    Auch ein schöner Allgemeinplatz. Aber "wie so oft nun mal" überflüssig, weil selbstverständlich. ;)


    Niemand hat hier bisher geschrieben, dass Vorschriften unsinnig sind, sondern lediglich, dass damit sparsam umgegangen werden sollte, weil die persönliche Freiheit ein hohes Gut ist.
    Wer aus welchen Gründen auch immer bereit ist, seine persönliche Freiheit mehr als andere einschränken zu lassen, kann dies gerne tun.
    Aber weder mit Statistiken noch mit Fakten lässt sich die Allgemeingültigkeit von Eingrenzungen oder gar deren absolute Notwendigkeit begründen. Es gibt IMMER Argumente dagegen. Das muss man nicht verstehen oder einsehen und auch nicht gut finden, aber man muss jedenfalls die Einstellung anderer Menschen dazu akzeptieren. Alles andere ist Bevormundung, und die akzeptiere ich freiwillig nicht einmal von einem Staat.


  • Niemand hat hier bisher geschrieben, dass Vorschriften unsinnig sind, sondern lediglich, dass damit sparsam umgegangen werden sollte, weil die persönliche Freiheit ein hohes Gut ist.


    Wird ja auch. Wenn damit nicht sparsam umgegangen würde, könnten wir uns wahrscheinlich das Motorradfahren komplett von der Backe putzen. ;)

  • @plysred, labete: danke. Und Fischi wohl auch - wenigsens ihr wisst, worum es geht.


    mopedbaer: auch wenn du anscheinend nicht in der Lage bist, dich ohne persönliche Angriffe mit mir auseinanderzusetzen:

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    Und sie zeigt, dass die gern und häufig aufgestellte These "Die Leute werden sich schon aus reiner Vernunft daran halten" nicht haltbar, sondern sehr naiv ist.


    Keine Ahnung wer die These aufgestellt hat. Ich war es sicher nicht.


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    Ein deutlicher Rückgang der Helmträger in Verbindung mit einem deutlichen Anstieg von Kopfverletzungen bzw. deren Schwere lässt keinen vernünftigen Menschen an einem direkten Kausalzusammenhang zweifeln.


    Zur Kausalität hab ich auch nichts gesagt. Die Statistik, wenn der Artikel sie vollständig zitiert hätte, wird vermutlich genau das aussagen, was du meinst und was ich erwarte. Hat er aber nicht, damit hängt sie rein formal daneben. Ist aber egal, ich zweifle die Aussage "Helmpflichtabbau führt zu mehr Toten" keinesfalls in Zweifel. Ich akzeptiere die Zunahme der Toten einfach nur.


    Als kleine Randinfo: in "den USA" gibt es soweit ich weiß keine Helmpflicht. Denn wenn die Amis etwas noch weniger leiden können als ein Gesetz, dass ihre persönlichen Belange regelt, dann ist es ein Bundesgesetz, dass ihre persönlichen Belange regelt. Der ist für die Rahmenbedingungen und die Außenpolitik zuständig. Entsprechend ist das Sache der Bundesstaaten, und Pennsylvania mag die Helmpflicht abgeschafft haben (man überlege hierbei, wie groß der Aufwand ist, ein Gesetz wieder loszuwerden. Das waren nicht nur eine Handvoll Spinner, die das Gesetz gekippt haben), aber gleichzeitig gibt es (wenige) Bundestaaten, die AFAIK nie eine Helmpflicht hatten und auch immer noch nicht haben.


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    Die Freiheit des Alleswissers wird erkauft mit vielen Opfern unter den Leuten, die nicht in jedem Lebensbereich selber einschätzen können, was besser mit Nachdruck befolgt werden sollte und was nicht. Und letztendlich ist er selbst auch betroffen, wenn seinen eigenen Angehörigen Opfer ihrer Fehlentscheidungen werden.


    Das stimmt so ganz auch nicht. Um den Führerschein zu bekommen, hast du einen Theorieunterricht durchlaufen. In diesem wurde dir vermutlich nicht nur mitgeteilt, dass du einen Helm tragen musst, sondern dass auch ansonsten Schutzkleidung keine dumme Idee ist. Insofern ist die Entscheidung nicht mehr ganz so uninformiert. Selbst Nicht-Motorradfahrer wissen das. Wie die Person seine Verantwortung gegenüber seinen Angehörigen sieht, ist auch wieder seine Sache. Immerhin geben, sobald es Nachwuchs gibt, das Möpfahren ganz auf. Das ist enorm vernünftig, das kann man wohl kaum abstreiten. Hat es deshalb vielleicht auch Gesetzespotenzial?


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    Klar, es ist natürlich alles etwas ganz anderes. Die Vorschriften kommen nicht vom Staat, sondern vom Arbeitgeber, betroffen ist nicht die Solidargemeinschaft, sondern der Arbeitgeber und überhaupt ist die Einschränkung der persönlichen Freiheit über den Umweg "Staat->Arbeitgeber->Coyote" dann doch wieder etwas gaanz anderes...


    Was private Akteure unter sich ausmachen, ist deren Sache.


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    Ich weiß, was als Nächstes von Dir kommt: Du musst ja nicht dort arbeiten, kannst ja etwas anderes machen, wo Du keine solchen Vorschriften gemacht bekommst.


    Das wird wohl nicht so ohne weiteres möglich sein. Aber der Unterschied ist, dass nicht "die Solidargemeinschaft" - ein wirklich sehr abstraktes Gebilde - beeinträchtigt wird, sondern ganz konkrete Akteure. Wie Fischi schon sagte, die meisten Auflagen kommen von der BG und richten sich an den Arbeitgeber, der sie umsetzen muss. Halte ich mich nicht dran, bin ich nicht versichert (ebensowenig, wie ich kaum auf Schmerzensgeld wegen einer Kopfverletzung wegen Fahren ohne Helm pochen kann) - aber es ist nicht strafbar. Es kommt kein Polizist vorbei und kassiert €35 zusätzlich zu den Nachteilen, die ich ohnehin dadurch erleide. Und auch die übrigens aus eigener Ignoranz, denn auch hier wird mir der Arbeitgeber gesagt haben, wie ich mich verhalten muss.


    Schutzgesetze sind immer dann fraglos sinnvoll, wenn:


    1) der Einzelne die Gefahren für sich nicht überblicken kann, bzw. eine Informationsassymetrie besteht. Das gilt für Helm, Gurt und Rauchen z. B. überhaupt nicht. *Jeder* weiß, dass es schädlich ist. Anders zum Beispiel AGBs mit "überraschenden Klauseln", bei denen der Käufer arglistig überrumpelt wird. Theoretisch kann man sagen, dass auch hier der einzelne vor dem Kauf die AGB genauestens prüfen könnte, aber in der Praxis haut das einfach nicht hin. Deswegen gibts gegen den entsprechenden Paragraphen im BGB aus meiner sicht überhaupt nichts einzuwenden.


    2) wenn weitere Personen gefährdet werden. Weite Teile der StVO gehören da genauso zu wie Vorschriften, wie der Bergwerksbetreiber seine Stollen zum Schutz seiner Bergleute abzusichern hat. (Falls das gesetzlich geregelt ist, keine Ahnung.) Oder das Rauchverbot in Kneipen. Für Helm- und Gurtpflicht trifft dieser Punkt nicht zu.


    Daraus ergibt sich eine Ausnahme, die ich jederzeit vertreten würde: Minderjährige oder anders Unmündige oder Abhängige müssen der Helm- und Gurtpflicht unterliegen. Genau aus diesem Punkt: sie selbst können eben keine informierte und freie Entscheidung treffen, sondern sie wird ihnen oftmals vorgesetzt. Deswegen akzeptiere ich auch ein Standesamt, dass ein Veto einlegt, wenn ich meine Kinder Tick, Trick und Track nennen möchte - wenn die Eltern nicht die Interessen der Kinder vertreten, muss es jemand anderes tun.


    Jetzt gibt es aber interessanterweise Bereiche, wo Schutzgesetze nach deinem Standpunkt kaum weniger nötig wären als die Helmpflicht. Ich kenne zumindest kein Gesetz, dass verbietet, Drachen unter Hochspannungsleitungen steigen zu lassen. Oder im fünften Stock auf dem Fenstersims zu stehen und die Fenster zu putzen. Oder auf selbstgebastelte Konstruktionen zu klettern um die Zimmerdecke zu streichen. All diese Dinge geschehen fraglos, und gehen auch schief. Trotzdem wird es nicht reguliert. Warum nicht? Weil die o.g. Punkte 1 und 2 nicht ziehen. Der Gesetzgeber sagt "selber schuld, so einen Kram muss ich dir doch nicht vorschreiben, das weißt du auch selber besser". Oder wie es der Polizist nach meinem zweiten Unfall ausdrückte: "Sich selbst verletzen, das dürfen Sie." Warum wird der Körperverletzungsparagraph nicht auf die eigene Person ausgeweitet? Weil eben wieder jeder weiß: sich selbst verletzen ist schlecht, es beeinträchtigt aber niemand anderes.


    Nur im Straßenverkehr ist plötzlich alles anders. Da braucht es anscheinend Gesetze, dass man Helme und Gurte tragen muss. Aber selbst für Prüfungen werden an sonsten nur noch "hohe Schuhe" vorgeschrieben, ansonsten darf man in Badehose unterwegs sein. Dabei, von Kleinkrafträdern mal abgesehen, kosten großflächige Hauttransplantationen díe Sozialgemeinschaft wohl mehr als das Aufwischen des Schädelinhalts. Aber Schutzkleidung ist noch schwieriger zu regulieren als Helme - und das ist schon nicht leicht.


    Das Problem, dass ich bei der ganzen Sache mit "der Solidargemeinschaft" als Geschädigten sehe, ist, dass es einfach viel zu abstrakt und allgemein ist. Die Sozialgemeinschaft wird auch sehr stark durch Alkoholkonsum geschädigt. Oder durch verletzungsintensive Sportarten wie Skifahren, Handball oder Extremsport. Wenn man mir - und ich bin immerhin Mitglied der Solidargemeinschaft, und das mit einem keinesfalls geringen Anteil - bei Strafe vorschreibt, dass ich zum Wohle eben dieser nur mit Helm fahren muss, damit unser aller Versicherungsbeiträge gering bleiben, dann stellt sich mir doch zwangsweise auch die Frage: was können denn andere, die ebenso Gefährliches machen was aber eben nicht gesetzlich reguliert ist, tun, um die Beiträge gering zu halten? Es kann doch nicht angehen, dass sich jedes Jahr Tausende von Leuten beim Skifahren die Haxen oder Schädel brechen oder ihre Leber wegsaufen (gerne auch in Verbindung miteinander) und dies auch kommentarlos tun dürfen, während ich angehalten werde, dass ich niemandem zusätzlich zur Last falle? Ein generelles Alkoholverbot wäre sicher gar nicht mal schlecht. Andere Drogen sind ja immerhin auch verboten. Aber da sieht man wieder, was eigentlich gefährdet? Ach ja, die persönliche Freiheit und die Tradition. Der Unterschied zum Helm war nochmal welcher? Industrieinteressen und politische Popularität. Ist das nicht wesentlich zynischer?


    Das nach meiner Auffassung bisher einzige Argument für die Helmpflicht ist: die Solidargemeinschaft muss es nicht ausbügeln (wie verantwortungsvoll ich mit meinen Angehörigen umgehe ist ohnehin nicht geregelt). Ist insoweit grundsätzlich natürlich nachvollziehbar. Allerdings verstehe ich dann nicht, warum es so viele andere Dinge gibt, wo anscheinend kein Regelierungsbedarf besteht, und warum man gerade bei Helmen und Gurten die Grenze zieht und der Ansicht ist, dass man es regulieren muss.

  • Nur noch eine kurze Antwort auf die einzigen neuen Aspekte der Diskussion, die sich trotz (oder wegen?) vieler Worte im Kreise zu drehen beginnt:



    Schutzgesetze sind immer dann fraglos sinnvoll, wenn:


    1) der Einzelne die Gefahren für sich nicht überblicken kann, bzw. eine Informationsassymetrie besteht. Das gilt für Helm, Gurt und Rauchen z. B. überhaupt nicht.


    Die Informationsasymmetrie besteht durchaus, denn niemand hat für alle derzeit mit Vorschriften behafteten Tätigkeiten die Unterlagen verfügbar, die zur Einführung dieser Vorschrift geführt haben. Und nicht nur das, auch die Bewertung des Risikos erfolgt bei Laien durchaus falsch, denn das ist viel zu abstrakt. Sonst gäbe es nämlich die starken Rückgänge der mit Helm zurückgelegten Motorradfahrten nicht, sonst wären die Gurtanlegequoten vor der Einführung der Pflicht schon so hoch gewesen wie danach. Es gibt nämlich kaum jemanden, der im Nachhinein - nach dem Unfall mit schweren, vermeidbaren Folgen - weiter der Meinung ist, dass die geringe Einschränkung der Handlungsfreiheit den durch die weggelassene Sicherheitseinrichtung verursachten Schaden wert war (sofern man den Betreffenden noch fragen kann). Damit ist auch objektiv die Informationsasymmetrie bzw. die falsche Risikobewertung belegt.


    Der Vergleich mit lebenslangen Handlungen, die praktisch schon den Kern der Lebensführung berühren (Rauchen, Essverhalten) ist da auch überhaupt nicht vergleichbar. Das Kosten/Nutzen-Verhältnis für den Einzelnen und auch die Gemeinschaft ist dabei ganz anders (und ungleich schlechter) als bei wenig störenden Vorsichtsmaßnahmen bei ganz bestimmten Tätigkeiten.


    2) wenn weitere Personen gefährdet werden. Weite Teile der StVO gehören da genauso zu wie Vorschriften, wie der Bergwerksbetreiber seine Stollen zum Schutz seiner Bergleute abzusichern hat. (Falls das gesetzlich geregelt ist, keine Ahnung.) Oder das Rauchverbot in Kneipen. Für Helm- und Gurtpflicht trifft dieser Punkt nicht zu.


    Die Einschränkung auf "Gefährdung" ist rein willkürlich und fehl am Platze. Es gibt unendlich viele Vorschriften und Gesetze, die sich nicht auf einer Gefährung begründen, sondern ganz einfach auf nicht akzeptablen Seiteneffekten auf andere. Ob die finanzieller Art sind (Solidargemeinschaft, Familie), eher persönlicher Art (Familie, Freunde) oder ganz einfach nur dem gesellschaftlich (nicht) akzeptierten Risiko (Ziel zu Senkung der Anzahl an Opfern von Verkehrsunfällen) Rechnung tragen, ist dabei unerheblich.


    Das nach meiner Auffassung bisher einzige Argument für die Helmpflicht ist: die Solidargemeinschaft muss es nicht ausbügeln (wie verantwortungsvoll ich mit meinen Angehörigen umgehe ist ohnehin nicht geregelt). Ist insoweit grundsätzlich natürlich nachvollziehbar. Allerdings verstehe ich dann nicht, warum es so viele andere Dinge gibt, wo anscheinend kein Regelierungsbedarf besteht, und warum man gerade bei Helmen und Gurten die Grenze zieht und der Ansicht ist, dass man es regulieren muss.


    Das ist zum Einen eine Diskussion der Art "Warum werde ich für Ladendiebstahl bestraft, wenn andere Omas die Handtaschen klauen (und dabei nicht erwischt werden)?"
    Zudem wird die Frage, welche Einschränkungen durch welchen Nutzen gerechtfertigt ist und wo nicht, für die meisten Dinge recht isoliert betrachtet. Darüber kann man sich grundsätzlich aufregen, aber zur Infragestellung aller möglichen Vorschriften taugt das nicht wirklich überzeugend.

  • Darüber kann man sich grundsätzlich aufregen, aber zur Infragestellung aller möglichen Vorschriften taugt das nicht wirklich überzeugend.


    Wieso eigentlich (schon wieder) "alle möglichen Vorschriften"? Es geht mir erstmal nur um Gurt- und Helmpflicht. Deine Analogie mit "Ladendiebstahl"/"nicht erwischt beim Handtaschenklau" verstehe ich nicht. Beides ist gesetzlich verboten, und zwar zu Recht.


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    Die Einschränkung auf "Gefährdung" ist rein willkürlich und fehl am Platze. Es gibt unendlich viele Vorschriften und Gesetze, die sich nicht auf einer Gefährung begründen, sondern ganz einfach auf nicht akzeptablen Seiteneffekten auf andere. Ob die finanzieller Art sind (Solidargemeinschaft, Familie), eher persönlicher Art (Familie, Freunde) oder ganz einfach nur dem gesellschaftlich (nicht) akzeptierten Risiko (Ziel zu Senkung der Anzahl an Opfern von Verkehrsunfällen) Rechnung tragen, ist dabei unerheblich.


    Da hst du Recht - "gefährdet" ist der falsche Begriff. "Geschädigt" trifft es eher. Aber "die Solidargemeinschaft" ist niemand, zu dessem Wohl man sich Gesetze ausdenken sollte, denn sonst kannst du dir das Möpfahren tatsächlich abschminken. Und du wärst erstaunt, was "zum Wohle der Solidargemeinschaft" noch alles verboten und reguliert werden würde wenn man die Politiker nur lässt. Schau dir nur den "Kampf gegen den Terror" an. Die Argumentation ist ein gefährlicher Freibrief für alles.


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    Die Informationsasymmetrie besteht durchaus, denn niemand hat für alle derzeit mit Vorschriften behafteten Tätigkeiten die Unterlagen verfügbar, die zur Einführung dieser Vorschrift geführt haben.


    Jetzt sag bitte nicht, ein Gesetz sei gerechtfertigt, weil niemand weiß, warum es eingeführt wurde. Außerdem geht das schon wieder in die Richtung der Fragestellung "ist ein Helm sinnvoll oder nicht", die von der Fragestellung "ist ein gesetzlicher Eingriff erforderlich oder nicht" zumindest für mich deutlich abweicht.


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    Und nicht nur das, auch die Bewertung des Risikos erfolgt bei Laien durchaus falsch, denn das ist viel zu abstrakt. Sonst gäbe es nämlich die starken Rückgänge der mit Helm zurückgelegten Motorradfahrten nicht, sonst wären die Gurtanlegequoten vor der Einführung der Pflicht schon so hoch gewesen wie danach.


    Nein, überhaupt nicht. Soweit ich mich entsinne, gibt es hier auch etliche Leute, die nicht in voller Schutzkleidung ihre Brötchen holen fahren. Sie wissen, dass es im Zweifel nicht gut ausgeht. Aber sie entscheiden sich trotzdem dagegen. Folglich wird die freiwillige Quote nie so hoch ausfallen wie die Verpflichtende - der Witz der Entscheidungsfreiheit ist ja, dass man sich auch anders entscheiden kann. Du sagst dagegen anscheinend, dass eine Pflicht immer dann sinnvoll ist, wenn nicht alle automatisch zu der gleichen Entscheidung kommen. Das hast du eigentlich immer, wenn du jemandem eine Entscheidung ermöglichst.


    Die starken Rückgänge der Fahrten ohne Helm oder Gurt kommen einfach durch die Strafandrohung, aber sicher nicht durch gesteigerte Vernunft.


    Du beschreibst, eine Pflicht sei deshalb okay, weil der Einzelne entweder a) davon nicht berührt wird, weil er ohnehin immer den Helm aufsetzt, oder b) falls er ihn doch nicht aufsetzt, damit offensichtlich zu dumm ist, um sich "richtig" zu entscheiden. Hat etwas von Catch 22, finde ich. Jedenfalls beurteilen wir wohl die Informationsasymmetrie unterschiedlich. Und auch die Frage, ob man jemandem vorschreiben muss, dass er sich nicht selbst verletzen darf, zum Wohle der Solidargemeinschaft.


    Denkbar wäre ja immerhin auch, dass die Helmpflicht während der Probe- oder Drosselzeit gilt. Drosselzeit ist da ein schöner Punkt: da wird auch gesagt, ein Anfänger könnte die Gefahren nicht einschätzen. Allerdings geht der Gesetzgeber immerhin davon aus, dass er es nach a) zwei Jahren oder b) ab einem gewissen Alter sehr wohl tun kann. Auch hier wurde aus der Drossel keine generelle Vorschrift. Es geht also auch anders, als Kompromiss zwischen unseren beiden Standpunkten.


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    Es gibt nämlich kaum jemanden, der im Nachhinein - nach dem Unfall mit schweren, vermeidbaren Folgen - weiter der Meinung ist, dass die geringe Einschränkung der Handlungsfreiheit den durch die weggelassene Sicherheitseinrichtung verursachten Schaden wert war (sofern man den Betreffenden noch fragen kann). Damit ist auch objektiv die Informationsasymmetrie bzw. die falsche Risikobewertung belegt.


    Du vermischt die Fragen "hältst du eine generelle, gesetzliche Helmpflicht im Nachhinein für sinnvoll" und "hättest du im Nachhinein lieber einen Helm getragen". Das sind zwei unterschiedliche Qualitäten, und ich halte diese Unterscheidung für wichtig. Ich z. B. halte auch aus meiner Erfahrung große Hartschalenrüpros mit Überstreckschutz für enorm sinnvoll. Und hiermit lege ich dir ganz ernsthaft nahe, dir so einen zu besorgen. Ich bin auch froh, bei meinem ersten Unfall so einen getragen zu haben. Aber ich finde deshalb nicht, dass es ein Gesetz geben muss, dass jeder bei jeder Fahrt so einen Rüpro tragen müsse. Du weißt jetzt, was ich darüber denke und was ich für "vernünftig" halte und könntest damit ggf. helfen, meine Krankenkassenbeiträge zu reduzieren - aber ich möchte dir gleichzeitig auch die Chance lassen zu sagen "zu unbequem, passt nicht richtig, zu teuer, außerdem fahre ich nur 3 km mit dem Roller durchs Dorf - das ist einfach nicht das Richtige".
    Der Punkt an dem ich dir Recht gebe: was ist mit denen, denen ich das nicht sagen kann? Da gäbe es Schulungsbedarf. Diese Leute sind aber bitte nicht mit denen zu verwechseln, die einfach sagen "ich weiß, dass er hilft, aber ich trage ihn trotzdem nicht".

  • Nur kurz am Rande: Arizona ist ja für seine langen und geraden und leeren Highways bekannt, aber eben auch für die Wüste. In dem Staat gibt es auch sowas wie Helmpflicht, da muss man als Möppfahrer ne Brille tragen. Begründung ist folgende: Wenn dir ein Sandkorn ins Auge fliegt und du nichts mehr siehst gefährdest du andere (Gegenverkehr usw) wenn du aber aus welchen Gründen auch immer stürzt und dir die Rübe eindellst, tja ist halt deine Rübe, denen vollkommen wurscht. Daher in AZ Brille muss Helm kann.
    Meiner Meinung nach schlüssige und coole Argumentation.
    Grüßle Hilmar

  • Wenn man jetzt wieder auf die Bevormundung zurückkommt, müsste es dort dann auch Pflicht sein beim Motorradfahren 2 Liter Wasserflaschen mitzunehmen.


    Man könnte ja ne Panne haben und verdursten auf Kosten der Allgemeinheit :P

  • Die Pflicht Wasser dabei zuhaben gibt es tatsächlich, allerdings auf dem arabischen Subkontinent....zum einen um liegen gebliebene zu versorgen und für den Eigenbedarf, hab da aber auch nie jemanden gesehen der nicht ein paar Liter "moja" dabei hätte....


    @Plysred
    Warnweste und Dreieck machen da vermutlich auch nur wenig Sinn ;)

  • Hier der Stand in Sachen Helmpflicht in den USA Anno 2007. Die meisten haben Helmpflicht für Minderjährige, viele (städtischere) Staaten allgemeine Helmpflicht. Manchen Staaten befreien dich von der Helmpflicht, wenn du eine Krankenversicherung hast (netter Twist!).


    Ich persönlich würde höchstens Strecken <1 km und < 50 km/h ohne Helm fahren, wenn es erlaubt wäre.

  • Jeder vernünftige Mensch fährt mit Helm und kann sich vorstellen, was im Falle eines Unfalles ohne passiert. Mit einem zermatschen Arm oder Bein kann man weiter leben, mit einem zermatschen Kopf? Für die anderen die das nicht kapieren muss man halt Gesetze erlassen, um sie vor ihr eigenen Uneinsichtigkeit zu schützen!

  • Mit exakt der gleichen Argumentation müsstest du das Motorrad fahren komplett verbieten, oder Motorräder ohne ABS und Bergsteigen und Skifahren und Sex ohne Kondom und Oltimer fahren und Inliner und und und...


    Alles um die Menscheit vor sich selbst zu schützen :shocked: :whistling: ?(

  • Naja, nicht ganz deren Problem. Die Sanierung des womöglich reparablen Schädelbruchs trägt unter Umständen die Allgemeinheit mit, sollte derjenige in einer gesetzlichen Krankenversicherung sein oder gar kein Geld haben.
    Und weitere Anstiege der Krankenversicherungen und Ausschluss der Übernahme vieler Behandlungsmethoden bedeuten wieder Ungerechtigkeiten, die alle betreffen...


    Aber unnötig detaillierte Gesetzgebungen halte ich auch für überzogen. So wird man zu unmündigen Bürgern erzogen, die umgekehrt alles für "erlaubt" halten, was nicht verboten ist, anstatt mal den eigenen Kopf einzusetzen.
    Ich fahre keinen Meter ohne Helm und Schutzkleidung - und würde das ganze Zeugs auch in den Ländern tragen, wo es diesbzgl. keine Gesetze gibt.


    liebe Grüße
    Buckbeak

  • Warum sollte man Menschen per Gesetz "vor sich selbst" schützen ?


    Deren Schädel - deren Problem....


    Menschen haben i.A. einen Umfeld, und von vielen Menschen sind andere auch abhängig, sei es als Erzieher, Ernährer, Chef, etc.


    Klar, das ist eine Abwägung, und die geht in den USA halt traditionell mehr in Richtung "Recht auf individuelles Risikoverhalten, wenn dabei niemend direkt gefährdet wird".


    Schlechter Vergleich, aber für mich gerade sehr aktuell: In meinem Umfeld stirbt gerade jemand _sehr langsam_ an den Folgen des Tabakrauchens - auch nicht gerade schön für viele außer ihm. :(

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