Bei Protestaktion gegen Helmpflicht, Unfall und Tod

  • Das war vermutlich weniger ein Protest gegen Helme, sondern eher ein Protest gegen die Pflicht. (Ich kenne keinen Ami, der für die Gurtpflicht wäre. Ich kenne aber auch keinen, der ohne Gurt fahren würde.) Vorschriften, die ausschließlich die betreffende Person selbst schützen, sind für viele Amis ein Graus.


    So gesehen ist der Unfall schon tragisch, womöglich ist er nur ausnahmsweise ohne Helm gefahren um gegen die Bevormundung durch den Staat zu demonstrieren. Kann ja auch sein.

  • Das war vermutlich weniger ein Protest gegen Helme, sondern eher ein Protest gegen die Pflicht. (Ich kenne keinen Ami, der für die Gurtpflicht wäre. Ich kenne aber auch keinen, der ohne Gurt fahren würde.) Vorschriften, die ausschließlich die betreffende Person selbst schützen, sind für viele Amis ein Graus.

    Diese Vorschriften sind auch für mich ein Graus! Es gibt schon genug Verbote und Gebote. Die Risikoabwägung sollte bei jedem selbst liegen, solange niemand anderes gefährdet wird.
    Das Argument der mit Unfallfolgen verbundenen Kosten könnte man konsequenterweise auf alle "unsicheren" Tätigkeiten ausdehnen, wie Rauchen, Fahrradfahren, Autofahren, zu Fuß in der Stadt umherlaufen usw. von Risikosportarten mal ganz abgesehen. Ich denke das regelt die Natur (siehe Darwin-Award) von ganz allein.


    Aufklärung ist ok, aber Verbote sollte man sich soweit wie möglich sparen.

    So gesehen ist der Unfall schon tragisch, womöglich ist er nur ausnahmsweise ohne Helm gefahren um gegen die Bevormundung durch den Staat zu demonstrieren. Kann ja auch sein.

    Dann könnte man sagen, er ist für seine Überzeugung gestorben (das nenne ich zynisch). Das hätte Monty Phyton auch nicht besser machen können...

  • Wenn man das Beispiel Helmpflicht jetzt mal genauer betrachten will, dann muss man m.E. mehrere Punkte in Betracht ziehen: Ist der Adressat der Regelung geneigt, eine Entscheidung zu treffen (also ohne Helm zu fahren), die ihn unverhältnismäßig stark gefährdet? Im Verhältnis zu was wird die Gefährdung beurteilt? Zum Leben im Allgemeinen, zur Teilnahme im Straßenverkehr, zum Autofahren oder zum Motorradfahren? Sollte man vielleicht eher das Motorradfahren selbst verbieten? Kann eine Helmpflicht den Fahrer soweit einschränken, dass der Reiz des Motorradfahrens für ihn verlorengeht? Kann ein Mensch sich bewusst dazu entscheiden, die enormen Risiken des Motorradfahrens an sich auf sich zu nehmen, dann aber verpflichtet werden, dieses ggf. überhaupt nicht fassbare Grundrisiko um einen wiederum abstrakten Faktor zu reduzieren? Kann das Gesetz selbst einen gesellschaftlichen Umdenkprozess (wie bei Gurtpflicht etc.) einleiten, der dazu führt, dass der Helm soweit akzeptiert wird, dass die Pflicht wiederum unnötig wird? Betrifft das auch die Gruppe von Fahrern, die sich durch eine Helmpflicht eingeschränkt fühlt? Wenn ja, ist darauf Rücksicht zu nehmen und das Gesetzt wieder fallen zu lassen?


    Soweit die offenen Fragen. Weil die aber offen sind, sollte man auch seine Meinung dazu kundtun. Das hat der Fahrer in ordnungswidriger (aber nicht unverhältnismäßiger) Weise getan. Dass er dabei umgekommen ist, ist tragisch. Ich und viele andere Motorradfahrer können froh sein, dass wir keinen Reiz darin sehen, ohne Helm unterwegs zu sein. Allerdings fahre ich ein Motorrad mit über 98PS und ich würde nicht wollen, dass man mir das verbietet. Der Grund dafür ist ähnlich trivial wie der, ohne Helm fahren zu wollen: Es ist reizvoll. Daher die letzten offenen Fragen: Sollte man vielleicht die Mortalitätsrate des Fahrens ohne Helm mit der Mortalitätsrate des vollverkleideten Supersportfahrens gegenüberstellen? Würden die Ergebnisse eure Meinung über die Abschaffung der 98PS-Grenze ändern?

  • In einem Land, wo Politiker beispielsweise eine gesetzliche Krankenversicherung als sozialistischen Unsinn bezeichnen?


    Robert, nochmal: die Frage ist nicht "Krankenversicherung ja/nein" sondern "gesetzlich ja/nein". Es dürfte wohl niemand dort gegen das Konzept einer Krankenversicherung demonstrieren.

  • Solidaritätsprinzip. Diejenigen die hohe Beiträge zahlen, finanzieren damit auch diejenigen die nicht zahlen (können). Insofern ist der gesetzliche Zwang eine ganz tolle Einrichtung. Diejenigen die nicht versichert sind, tun das selten weil sie nicht wollen.


    LG
    Thilo

  • Das war vermutlich weniger ein Protest gegen Helme, sondern eher ein Protest gegen die Pflicht. (Ich kenne keinen Ami, der für die Gurtpflicht wäre. Ich kenne aber auch keinen, der ohne Gurt fahren würde.) Vorschriften, die ausschließlich die betreffende Person selbst schützen, sind für viele Amis ein Graus.


    Dass es nur um den Eigenschutz ohne jegliche Seiteneffekte auf andere geht, ist eine reine Illusion. Solche Unfälle haben in aller Regel ganz erhebliche Folgen für Leute, die keinen direkten Einfluss auf das Schutzverhalten der Unfallopfer haben.



    So gesehen ist der Unfall schon tragisch, womöglich ist er nur ausnahmsweise ohne Helm gefahren um gegen die Bevormundung durch den Staat zu demonstrieren. Kann ja auch sein.


    Bei solchen Geschichten fällt mir immer sofort ein: Darwin-Award. Und er hat wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich erreichen wollte. Blöder geht es wirklich kaum noch...


    Robert, nochmal: die Frage ist nicht "Krankenversicherung ja/nein" sondern "gesetzlich ja/nein". Es dürfte wohl niemand dort gegen das Konzept einer Krankenversicherung demonstrieren.


    Das Solidaritätsprinzip sollte bei etwas so Grundlegendem wie einer Krankenversicherung in einer zivilisierten Gesellschaft selbstverständlich sein. Dass das natürlich dem Geschäftsmodell von privaten Versicherungen widerspricht, überrascht nicht. Überraschend ist eher, wie viele sich vor den Karren dieser Firmen spannen lassen.

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