Bremsbeläge - Sinter oder organisch?

  • Hallo,


    die Guzzi braucht vorne neue Bremsbeläge. Nun gibt's sowohl Sinter als auch organische.


    Was ist besser, was ist schlechter?


    Könnt Ihr mir bei der Entscheidung helfen?


    Grüße & Dankeschön. :rolleyes:

    *Lille*

  • Organisch: "schlechte" Bremsleistung, Bremsbelag verschleißt schnell, Bremsscheibe langsam, viel Bremsstaub auf den Felgen, preiswert


    Sinter: gute Bremsleistung, Belag verschleißt langsam, Bremsscheibe etwas schneller als bei organischen, viel weniger Bremsstaub, teuer

  • Kommt auf die Härte der Scheibe an.
    Bei Edelstahl wirst du wahrscheinlich Sinterbeläge nehmen können.
    Ansonsten nimm lieber organische, denn eine neue Scheibe kostet wesentlich mehr, als ein Abo für Beläge.

  • Für Gussscheiben nimmt man organische....die Guzzi hat eine Brembo mit ganz gewöhnlichen Graugussscheiben, Sinterbeläge sind schon deutlich besser und neigen wesentlich weniger zum Fading, dafür fressen sie Guss regelrecht auf....Sinter und Stahl ist eine gute Paarung, organisch und Guss die andere...

  • Ich würdeSinter nehmen. Organische von Louis und Polo haben kaum Bremsleistung auf meiner NTV hinten oder einer mir bekannten CBR vorne. Ob Sinter wirklich schneller die Scheiben verbraucht hat seit 30 Jahren kein Mensch mehr verglichen. :wacko:

  • Ob Sinter wirklich schneller die Scheiben verbraucht hat seit 30 Jahren kein Mensch mehr verglichen.


    Ich glaube da geht man einfach nach den Materialeigenschaften und Reibwerten, um grundsätzliche Aussagen über die Bremsleistung und den Verschleiß zu machen, siehe Fischi!


    Die exakten Werte bzw. überhaupt den exakten Werkstoff seiner Bremsanlage kennt man sowieso nicht, also sagt man dann "die und die Tendenz". Bei der Maschine meines Bruders haben wir von organisch auf sintergefertigt getauscht und die Bremsscheibe verschleißt bisher nicht stärker, als mit organischem. Und die Scheibe ist, glaube ich, aus Guss. Der erste Sinterbelag war, wie hier mal dargestellt, nach wenigen hundert Kilometern defekt, man hat richtig gesehen, wie das Material an den Rändern aufgeschmolzen war. Außerdem war die Struktur wirklich sehr grob, so dass ich Louis und dem Hersteller geschrieben habe, dass meiner Meinung nach, irgendwas nicht richtig war bei dem Belag. Ob jetzt die Mischung, die Herstellung oder die Wärmebehandlung - keine Ahnung. Sofort neue bekommen, aber okay, war eben Louis. :thumbup: Weil die Dinger geschmolzen waren, habe ich jedenfalls geschrieben, dass ich mir vorstellen könnte, die Legierung war nicht gut gemischt, weil sich dadurch der Schmelzpunkt nach unten verschieben kann. Erschien mir logisch. :|


    Fazit: Die Faustregel von Klanor ist gut, aber die Erfahrungen aus einschlägigen Modellforen sind auch nicht schlecht. :)

    Der siebte Sinn der Westfalen: Der Starrsinn.

  • Richtig, Guss ist nicht gleich Guss...deswegen schrieb ich ja auch von Grauguss, daraus sind die meisten Gussscheiben und vor allem die von Brembo.
    Weißén Guss, sogn. Temperguss kann man optisch ohnehin kaum von Stahl unterscheiden, dabei wird die Oberfläche mit Sauerstoff wärmebehandelt und der sehr hohe Kohlenstoffanteil, der das Unterscheidungsmerkmal zwischen Guss und Stahl ist, nimmt in der Randzone deutlich ab....diese Beläge fährt man ohne Einschränkung mit Sintermetall Belägen....


    Der große Unterschied ist dabei die Kristallstruktur des im Material vorhanden Graphit, bei Grauguss sind das lamellenartige Strukturen aus reinem Graphit, bei Globular Grauguss (GGG) analog kugelförmige und bei Temperguss entsteht das eigentlich dem Stahl zugeordnete Zementit...im Prinzip also aussen Stahl innen Guss, ist allerdings die dünne Schicht erstmal runter geht´s mit Tempergussscheiben rapide den Berg runter...


    Gussscheiben sind wegen ihrer Hitzeleitfähigkeit kleiner ausgelegt als Stahl bei gleicher Leistung, Sintermetalle können deshalb in Extremsituationen tatsächlich zum Gefügezusammenbruch neigen wenn sie auf Guss gefahren werden...sie könnten schmelzen...dazu braucht es dann aber auch einen Bremsfetischisten und einen schier endlosen Pass. ;)

  • dabei wird die Oberfläche mit Sauerstoff wärmebehandelt und der sehr hohe Kohlenstoffanteil, der das Unterscheidungsmerkmal zwischen Guss und Stahl ist, nimmt in der Randzone deutlich ab....diese Beläge fährt man ohne Einschränkung mit Sintermetall Belägen....


    Für eine Bremsscheibe ist die Dicke ja sehr entscheident. Oder eigentlich ist die Dicke für die Wärmebehandlung entscheident, weil "entkohlt" wird das Werkstück durch die Sauerstoffatmosphäre nur (oder vor allem) in der Randzone. Wenn die Scheibe tendenziell dünn ist (sind Bremsscheiben ja), dann erreicht man im Verhältnis zur Gesamtdicke eine ordentliche Entkohlung der Randschicht, so dass vielleicht bis an die Verschleißgrenze der entkohlte Werkstoff ist. Innen wird zwar durch Diffusion auch C entzogen, aber nur aufgrund dieses Konzentrationsausgleichs mit der Randschicht.


    Ein Quailitätsmerkmal köööönnte die Dauer der Wärmebehandlung sein. Je länger, desto mehr Zeit hat das C, nach außen zu diffundieren und sich mit O2 zu CO2 zu verbinden und aus dem Werkstoff zu verschwinden, was die Randzone sehr zäh macht. Oder die O2-Durchsetzung der Atmosphäre, damit mehr reagieren kann!?



    Ist das ganze eigentlich sehr viel preiswerter, als eine Stahlscheibe auszulasern und dann wahnsinnig wärmezubehandeln? ?(

    Der siebte Sinn der Westfalen: Der Starrsinn.

  • So. Mittlerweile hab ich mich im Guzziforum zusätzlich schlau gemacht.


    Die alten Guzzen der 70/80iger hatten noch Guss.
    Die modernen wie Brevinchen haben Stahlscheiben.


    Also doch Sinter. War auch der mehrheitliche Vorschlag der Guzzianer. :thumbup:


    Gesendet von meinem SP-60 mit Tapatalk 2

    *Lille*

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