Fahrbericht KTM 1190 Adventure

  • Wie schon geschrieben, konnte ich letztens die Kati einen Tag lang testen. Eigentlich von Freitag bin Montag Abend, aber am Wochenende fahre ich ja nicht. :P
    Am Freitag Morgen vor Fahrtbeginn erst einmal eine kurze Begutachtung. Das ganze Mopped strahlt Offroad aus, allerdings wären die Reifen auf einer feuchten Wiese schon am Ende. Okay, solche Maschinen sehen im Normalfall auch höchstens einen Feldweg, die Reifen müssen für die Straße taugen.
    "Die Kiste ist noch jungfräulich, jage sie nicht so" meint der Freundliche. Das Display zeigt allerdings 1015 km. Eine Minute später 1016. Noch eine Minute später.... Okay, das war die Uhr. :grin: Die Anzeige für den Kilometerstand habe ich nie gefunden.
    Die Sitzposition ist hoch. Ich komme zwar mit beiden Füßen auf die Straße, aber das ist definitiv nichts für kleine Mädchen. Rollt die Fuhre erst einmal, ist die Sitzposition erst einmal sehr entspannt. Allerdings klingt die Antriebseinheit der Kati im kalten Zustand bei niedrigen Drehzahlen unschön, als ob sie es nicht mehr lange machen will, was die Entspannung etwas stört. Ist weg, wenn der Motor warm ist, keine Ahnung, ob das so muss. Ansonsten fährt sich die Adventure so, wie man drauf sitzt: Es passt sofort! Von Anfang an fühlt man sich wohl und hat in den ersten Ecken sofort ordentlich Schräglage drauf. Aber erst mal nur Heim, Montag geht es weiter.
    Montag früh geht es eigentlich via Autobahn Richtung Kassel. Na gut, ich "kürze" etwas ab und fahre ein gutes Stück Landstraße. Das Spektrum reicht von schnellen geschwungenen Etappen, bis zu Serpentinen. Der Belag von super bis na ja. An der linken Lenkerhälfte füttert mich ein Mäusekino mit allen möglichen Informationen. Dämpfung und Motor stehen im Modus "Sport", ich lasse es so. Der Ritt durch die Kurven macht mächtig Laune. Die Kati donnert mit mächtig Bums aus den Kurven. Ist auch nicht wirklich verwunderlich, da man den Motor fast zwangsläufig im Drehzahlbereich hält, wo gut Drehmoment anliegt. Schaltfaules Herausbeschleunigen mit niedrigen Drehzahlen mag sie nämlich nicht. Unter 3000 U/min schüttelt sich der Motor eher unwillig. Also ist fleißig Schalten angesagt. Die Fahrweise macht auch Spaß, der allerdings durch die langen Schaltwege ein wenig getrübt wird. Zwei Gänge vor der Kurve runter klappt nicht sofort, weil ich den Fuß tatsächlich leicht anheben muss, damit der zweite Gangwechsel klappt. Trotzdem bin ich mit genügend Begeisterung unterwegs, so dass der gut sichtbare und niedrig eingestellte Schaltblitz ein- zwei Mal in Funktion tritt. Einfahren ist damit echt schwierig.
    Dann geht es auf die Bahn. Tempo 130-140 ist angesagt. Wofür ist eigentlich diese dämliche Scheibe an der Front? Niemand wird die Kati mit 200 über die Bahn jagen, eigentlich braucht man sie nicht. Dafür macht sie aber mächtig Lärm. Gehörschutz ist Pflicht, der Helm liegt in der Wirbelzone. Vielleicht kann man das durch eine andere Position mildern, habe ich nicht ausprobiert.
    Der Rückweg ging dann kreuz und quer durch das Hessische Bergland. Ich wollte es etwas ruhiger angehen lassen und habe die Dämpfung auf "Komfort" gestellt. Immerhin, das ging ohne Handbuch, das Menü erklärt sich selber. Und schon wird aus dem Abenteuer ein Wohnzimmersessel. Erstaunlich, wie sanft sie selbst über extrem schlechte Straßen rollt. Auch ein speziell getestetes Wegstück, wo es mir auf der ZZR fast die Stummel aus den Händen haut, fühlt sich an, wie eine Ostautobahn nach der Wende. Allerdings meint Wohnzimmersessel auch das Fahrverhalten von einem Wohnzimmersessel. Als ich kurz nach Fahrtbeginn vor einer schönen Kurvenstrecke noch schnell einen PKW überholte und auf holprigem Belag die Kurve deswegen kräftig anbremsen musste, verwandelte sich der Asphalt in zähen Teig. Die Kati schwamm regelrecht auf die Kurve zu, ich musste ohne jedes Gefühl für die Straße in Schräglage. Adrenalin ist was Geiles! Wenn man darauf vorbereitet ist und es einige Male geübt hat, geht es. Aber das ist eben der Nachteil, wenn die Dämpfung geöffnet wird. Blöderweise habe ich es während der Fahrt nicht hinbekommen, die Einstellung der Dämpfung zu ändern. Wenn so etwas über einen Kippschalter ginge, wäre ich sofort Fan davon. So aber würde ich die Dämpfung immer auf "Sport" stehen lassen. Da liegt die Maschine sauber aber nicht zu straff auf der Straße. Die mittlere Stellung "Street" habe ich deshalb nicht getestet, konnte nur schlechter sein, als "Sport". Ein Gimmick ohne Wert für mich.
    Fazit:
    Die Kati macht Spaß, viel Spaß! Aber auf Dauer wäre der V2 nichts für mich. Ich mag auch mal mit 80 über die Straße bummeln, oder schaltfaul über die Landstraße schwingen. Das ist nichts für die KTM. Sie will andauernd gefordert werden und fordert andauernd. Wer daran Spaß hat, wird auch Spaß mit der KTM haben.
    Zudem bin ich durch die Sitzbank in eine feste Position gezwungen. Nach einer Stunde hatten sich erste Anzeichen einer Sitzfleischermüdung gezeigt. Auf der Sitzbank der ZZR kann ich verschiedene Positionen einnehmen. Da gehen auch lange Strecken. Ich befürchte, dass ich auf der KTM hinten Aua bekomme.

    Gruß
    Zottel

  • Unter 3000 kann so ein V2 schon mal ein besserer Plombenzieher sein. :) Die großen Tourenscheiben werden von vielen Fahrern bemängelt, ich hab auch eine kleine 33 cm Scheibe dran gebaut. Ist leiser und reicht völlig aus, im Gegensatz zur 50 cm Tourenscheibe die out of the Box dran war.


    Den KM-Stand kriegst Du sicherlich auch über das Menü angezeigt, wenn man sich damit etwas beschäftigt, gewöhnt man sich recht schnell daran, zumindest ging es mir so.


    Dämpfung wird über den Fahrmodus gleich mit geändert, auch das geht über das Menü. Ob das bei der KTM während der Fahrt geht, weiß ich nicht. Die Freunde der elektronischen Dämpfung haben so in null komma nix von Solobetrieb auf 2-Mann mit viel Gepäck umgestellt. Hat sicherlich auch was.


    Hmm, mit 80 od. 100 ist es auch mit dem V2 der Multi kein Problem über die Landstrasse zu gondeln. Was genau kann die KTM da nicht? An die feste Sitzposition gewöhnt man sich, ich bin vermutlich durch die Monster und vorherige Multi schon etwas dran gewöhnt. Kannst Du die Sitzbank in der Höhe verstellen?

  • Die Freunde der elektronischen Dämpfung haben so in null komma nix von Solobetrieb auf 2-Mann mit viel Gepäck umgestellt.


    Das ist kein Thema und sicherlich ein Vorteil der Technik. Ich meinte das schnelle Umstellen der Dämpfung während der Fahrt. Bin gemütlich am Gondeln, aber die nächsten zwei Kilometer will ich es krachen lassen. Da halte ich nicht vorher an, das sollte so gehen. Geht vielleicht auch mit genügend Übung, ich las etwas von "Gas muss zu sein" (So ähnlich natürlich :) ), als ich es versucht hatte. Soll also nicht während der Fahrt gemacht werden, kenne ich von den Leistungsmodi der ZZR. Da mache ich auch nichts mehr dran, auch nicht an der Traktionskontrolle, ist mir zu aufwändig.

    Den KM-Stand kriegst Du sicherlich auch über das Menü angezeigt, wenn man sich damit etwas beschäftigt, gewöhnt man sich recht schnell daran, zumindest ging es mir so.


    Klar. Ich fand es eher witzig, dass ich Uhr mit Kilometerzähler verwechselt habe. :P

    Hmm, mit 80 od. 100 ist es auch mit dem V2 der Multi kein Problem über die Landstrasse zu gondeln. Was genau kann die KTM da nicht?


    Mit dem Tempo will ich generell nicht über 3000 U/min anliegen haben. Zumindest im Sport-Modus des Motors wird dann auch jede noch so kleine Bewegung der rechten Hand in Vortrieb umgesetzt. Das führt zu einer unrunden Fahrweise. Geht sicherlich in einem anderen Modus besser, aber das will ich nicht. Auch wenn ich trödele, gibt es noch langsamere. Und da will ich direkt vorbei. Dieses Umhergeschalte in den Motormappings finde ich albern und störend. Ich fahre auch im Winter mit der ZZR im Power-Modus. Ist kein Problem, so viel Gefühl habe ich in der rechten Hand.


    Kannst Du die Sitzbank in der Höhe verstellen?


    Habe ich nicht versucht, die Sitzhöhe war völlig in Ordnung.

    An die feste Sitzposition gewöhnt man sich


    Möglich. Ich mag es trotzdem, nach 250 km mit dem Hintern etwas nach hinten zu rutschen. ;)

    Gruß
    Zottel

  • Ich den Sinn und Zweck dieser Leistungsmodi nie verstanden. Nochmal, ich fahre die ZZR auch bei winterlichen Straßenverhältnissen im höchsten Leistungsmodus. Die Charakteristik des Motors macht das problemlos möglich. Ansonsten findet die Regelung zwischen den Ohren statt.
    Die Lösung, einen Modus anzubieten, wo der Motor volle Leistung hat, und einen Anderen, wo man die Leistung beschneidet und damit eine Motorcharakteristik erzeugt, die besser zum Cruisen geeignet ist, ist ja durchaus legitim. Ist allerdings nichts für mich, da ich für so etwas viel zu faul bin. Geht ja gar nicht gegen die KTM. Das können Andere ja durchaus mögen. Aber ich eben nicht. :P

    Gruß
    Zottel

  • Das mit den Leistungsmodi ist mir bei der Tracer aufgefallen. Die hat B, Standard, A. A ist sehr aggressiv und es wird jeder Gasstoß in Power umgewandelt. In der Ortschaft fast nicht fahrbar. Standard geht im Ort aber außerorts hätte man auch gerne A... Also immer umschalten. Nix für mich.


    Ich kann dich zottel genau verstehen was du meinst.

  • Man gewöhnt sich dran, die DD fahre ich seit Jahren auch nur noch im S Modus. Am Anfang hat man da noch kein Händchen für . . .

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

  • Sinn und Zweck liegt bei der KTM wohl darin, das die eben keinen Gaszug mehr hat, sondern die Drosselklappe elektrisch angesteuert wird. Und bei Sport finde ich die Gasannahme für "normales" gemütliches Fahren schlicht zu direkt. Das mag auf der Rennstrecke oder der Kurvenhatz gut sein, im Alltag nicht.
    Drum wird mein Kürbis auch nur in Street bewegt.


    Ob man es braucht oder nicht sei dahingestellt, ich bräuchte es wohl nicht, da ich eh nur in einem Modus fahre, der andere mag das lieber direkter. Ich hab auch schon mit einer gesprochen, die fährt die KTM nur im Regenmodus, weil ihr der Motor sonst zu brutal ist.

  • Softwaremanagement und Drive by Wire macht das alles möglich. Wer braucht einen Tempomaten beim Moped? Dachte ich auch, wenn man es ausprobiert, ist es vor allem in Baustellen zum Halten der Geschwindigkeit nicht unpraktisch.


    In den verschiedenen Modi sind auch die Traktions- und Wheeliecontrol sowie das ABS anders eingestellt. Ich fahre die Multi auch immer im Touringmodus, Leistung und der Rest sind vollkommen in Ordnung für mich. Den Sportmodus brauch ich nicht, ist viel zu ruppig beim Fahren.

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