Standard in Asien

  • Wie die meisten mitbekommen haben, habe ich vor wenigen Monaten meinen Wohnsitz nach Osten verlegt, so 9000km weit weg. Der Thread hier ist als fortlaufender Reisebericht geplant, wie kam es dazu, was erlebe ich hier etc. Außerdem nutze ich die Gelegenheit um den im Juli versprochenen Bericht der ersten Tour zu liefern.
    Zum Diskussionsthread geht’s hier lang: klick mich

  • Anfang Juni 2018 in einem Münchner Büro Gebäude:


    "Hast du schon von dem Projekt in China gehört? Ja? Gut, ist jetzt deins. Flieg mal rüber und bring die Kiste zum Laufen und mach die Chinesen glücklich!".
    So oder so ähnlich hat sich das Gespräch mit meinem Chef zugetragen. Vorbildlich wie ich bin habe ich natürlich nicht direkt einen Flug gebucht, sondern wollte erst mal den aktuellen Stand der Lage ermitteln. Frag 4 Leute, bekomme 5 Antworten…


    In der zwischen Zeit hat der Chef-Chef angefangen zu fragen wann ich denn endlich fliege und was ich noch hier in Deutschland mache. Will der mich loswerden? Das geht aber billiger als mich um den halben Erdball fliegen zu lassen…
    Lange Rede ohne Sinn: Ich gehe zum Rathaus (ha! Dorf lohnt sich halt manchmal doch) und beantrage einen Reisepass, geliefert am besten bis gestern. Während ich auf den Reisepass warte, breite ich die Visaunterlagen für China vor: was Google und Facebook von einem sammeln darf man hier im Antrag nochmal freiwillig angeben. Das waere die Option fuer euch auf den Chinesisch Markt zu draengen!
    Zum Arzt zum Durchchecken lassen muss ich auch noch, gleich mal alle Impfungen auffrischen lassen. Am Ende habe ich am 21.06 meinen Reisepass in der Hand, am 29.06 das Business Visa drin und bereits am 07.07 landet meine Air China Maschine am Flughafen PEK. Da sagt nochmal einer im Großkonzern sei alles langsam.

  • 07.07.2018
    Da ich bisher noch davon ausgehe dass der Trip eine einmalige Aktion ist und der Flug deutlich günstiger war, konnte ich bereits Freitagmittag in München aufbrechen und lande somit Samstag früh.
    Nach langem Warten konnte ich dann auch irgendwann einreisen (Pro Tipp: fliegt business class, da habt ihr weniger Leute vor euch) und nach einem kurzen Transfer per Flughafenbahn komme ich auch schon an die Gepäckbändern an, wo mich mein Koffer bereits erwartet.


    Da Taxifahrer kein Englisch sprechen und der lokale Head of IT uns da haben will, stellt er seinen Fahrer und lässt mich am Flughafen abholen. Ich leg eine steile Lernkurve hin: Ah Koffer nimmt er, einladen tut er auch und dann noch Tür aufhalten, na gut. Ich werde direkt zum Hotel gefahren, was sehr bequem ist. Allerdings wird mir hinten im BMW schon ein paar mal anders beim Fahrstil der anderen Verkehrsteilnehmer, das hier stellt alles in Europa in den Schatten, aber erstaunlicherweise passiert so gut wie nichts gravierendes.
    Ich komme zwar im Crowne Plaza unter (alternativ hätte es noch ein Marriott fußläufig zur Arbeit gegeben) aber auch die haben um 9 Uhr morgens noch kein Zimmer frei. Also erst mal Koffer abstellen und ab in die Stadt, ist schließlich früh und ich will was von der Stadt sehen!


    Ich schau auf meine OSMAnd Karte und wähle den Himmelsaltar (Eng. Temple of Heaven) als erstes Ziel für heute aus. Das bisschen Bargeld welches ich am Flughafen gewechselt habe wird im Hotel noch schnell am Geldautomaten aufgestockt und im Supermarkt gegenüber gegen Wasser getauscht. Trinken ist wichtig und es ist bereits jetzt verdammt warm.
    Leider ist das U-Bahn Netz ähnlich schlecht wie die DB und ich muss gefühlt 100 Mal umsteigen. Immerhin fährt nur eine Bahn pro Gleis und die Stationen stehen auch in Englisch auf den Schildern. Nach einer kurzen Orientierung finde ich schnell den Eingang, ignoriere gekonnt die Händler die einem Plunder andrehen wollen und kaufe das Eintrittsticket und nehme auch gleich einen Audio Guide mit, kann ja nicht schaden ist aber vergleichsweise teuer.


    Quote


    Der Himmelstempel bzw. Himmelsaltar (chinesisch 天壇 / 天坛, Pinyin Tiāntán) ist eine Tempelanlage in Peking, in der die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien jedes Jahr für eine gute Ernte beteten.


    Himmelsaltar


    Was ich nicht ganz bedacht habe ist der Fakt dass man doch irgendwann müde wird wenn man praktisch keine Nacht hatte und wenn in einem fremden Land, mit fremder Kultur ganz viele neue Eindrücke auf einen einprasseln. Ich setz mich mal auf eine der Bänke hi…. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen habe, aber es tut gut und ich fühle mich gleich viel besser.


    Zum Abschluss geht es noch zum Tiananmen Square, ist auch nur ein großer voller Platz. Irgendwo habe ich wohl noch etwas zu essen aufgetrieben, zumindest bin ich nicht verhungert.


    Hinweis: Bilder werden nächste Woche nachgeliefert

  • Hinweis: Bilder werden nächste Woche nachgeliefert


    Besser spaet als nie





    Der eigentliche Tempel



    Drachen sind ein wiederkehrendes Motiv in China



    sag ich doch



    und hier auch



    Die Figuren am Dach sind Daemonen und sollen schuetzen und boeses abwehren



    Ein Pavillion im Park um den Tempel

  • Heute kommt mein Kollege Kevin an, allerdings haben wir es nicht geschafft und tagsüber zu treffen. Nachdem ich lange geschlafen habe, Jetlag ist schon lustig, packe ich meine Sachen und fahre zur Verbotenen Stadt.




    Hilfe was sind hier viele Menschen! Scheinbar hat es auch keine einzige Wolken am Himmel, aber dank Smog sieht man davon nichts, einzig die Sonne brennt einem kräftig auf die Birne. Heute wird mir zum ersten Mal klar, was Luftverschmutzung und Smog eigentlich bedeutet…
    Bin ich froh in München bzw. Westeuropa zu leben, wo Smog, vom Neckartor abgesehen, kein wirkliches Thema ist.



    Da hier alles Holz ist braucht es Behälter für Löschwasser



    Sagte ich schon dass Drachen ein beliebtes Motiv sind?






    Ein Kollege hat die Stadt mal so beschrieben: Du geht’s durchs erste große Tor und staunst erst mal über die Größe und die unbekannte Architektur. Nach dem zweiten Tor fragst du dich aber schon ob du nicht gerade im Kreis läufst. Ich finde das trifft es ganz gut, einmal sehen und abhaken.
    Was mich besonders gestört hat, ist das außer durch den Audioguide kaum Informationen zu bekommen sind. Der Audioguide selber ist nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern auch ganz klar pro Chinesisch eingestellt. Nach dem 5 Mal hören wie geil die Bauleute und die alte Dynastie doch war wird es nervig. Vielleicht hätte es mir besser gefallen, wenn weniger Leute da gewesen wären (im Juli haben die Chinesen Sommerferien), es etwas kühler und ich nicht immer noch müde wäre. Allerdings ist deckt sich mein Eindruck der Stadt mit dem aller anderen die bisher auch dort waren. Fazit: Kann man machen, muss man aber nicht und man darf nicht erwarten den ganzen Tag beschäftigt zu sein.


    Zum Abendessen schaffen Kevin und ich es uns am Hotel zu treffen. Gefuttert wird Nudelsuppe mit Stäbchen in einem kleinen Laden direkt vor unserem Hotel. :essen:

  • Kurzes Arbeits-Intermezzo währenddessen es ist viel zu warm geworden ist. Die Klimaanlage regelt das aber schon, doof nur dass man irgendwie vom Hotel zur Arbeit muss…

  • 14.07.2018


    Ich bin müde aber quäle mich in der Früh aus dem Bett, heute geht es zur Mauer. Zum Glück habe ich es gestern geschafft, mich bereits um 1 abzusetzen und auch die Menge an Bier hielt sich in Grenzen. Expats trinken viel…
    Eine chinesische Kollegin hat einen Fahrer organisiert, der uns in der Früh am Hotel abholt und raus zur Mauer (die viel besser als Trumps ist) fährt. Da Badaling extrem voll und brutal touristisch erschlossen ist, geht es für uns zum Abschnitt bei Mutianyu (der kaum weniger erschlossen ist, Seilbahn hoch muss es in China mindestens sein).



    Wir entscheiden uns, ganz un-chinesisch, zu Fuß zur Mauer hoch zu gehen. Jetzt ist es zum Glück noch früh und es sind kaum Menschen da. Der Weg nach Oben ist dennoch anstrengend, vor allem bei der Luftqualität, gut dass ich nicht noch zusätzlich rauche!



    Nicht zu sehe auf dem Bild ist das Schild unter dem Baum, welches darum bittet keine Münzen in das Ding zu kloppen. Funktioniert gut :sostupid:


    Leider kommen zum Smog noch Wolken dazu was die Sicht stark einschränkt, dennoch ist die Mauer beeindruckend! Eine nicht ende Schlange aus Ziegel und Mörtel windet sich in beide Richtungen über die Bergketten nördlich der Stadt. An unserem Abschnitt kann man offiziell bis zum Turm mit der Nummer 21 gehen. Das machen wir auch, allerdings hat sich die chinesische Kollegin schon abgesetzt, die hat keinen Bock auf dutzende verschieden hohe Stufen. Keuchend kommen wir oben an und treffen einen Deutschen (was sonst) der eine Fremdenführerin mit hat und wir können einige Details abgreifen. Wusstet ihr, dass dieser Mauerabschnitt von beiden Seiten bedroht war und daher auch Zinnen auf beiden Seiten hat um die Soldaten zu schützen? An anderen Stellen sieht es wieder anders aus.



    Da ist das lange Ding




    geschafft!



    Gegen Mittag füllt sich die Mauer so langsam mit weiteren Besuchern und wir machen uns auf den Weg zurück. Der Plan auch noch zum anderen Ende der Mauer zu gehen geben wir aber schnell auf. Es ist einfach zu voll und alle Teenies wollen ein Bild mit dem bärtigen weißen Mann. Ich bin mir sicher, dass ich auf mehr chinesischen Selfies zu sehen bin als auf eigenen Fotos…
    Wir treffen die Kollegin beim Besucherzentrum und futtern erst mal eine Runde leckerer Dumplings! Nomnomnom, Essen machen können die Chinesen. Vielleicht ein Ziel für die Futtertruppe? :P


    Da wir noch Zeit haben, fahren wir auf dem Weg zurück bei einem Buddhistischen Tempel vorbei und klettern wieder viele, viele Stufen hoch. Glaube bedeutet also auch hier Anstrengung... Aber der Park um die Tempel ist schön angelegt und es ist nicht ganz so voll.






    Das heißt so viel wie Glück und Erfolg, oder war es Nudelsuppe ?(?(?(



    alles fake hier




    Gegen 17:00 kommen wir wieder am Hotel an und sind platt. Es wird noch ein, zwei Bier im Supermarkt besorgt und wir quatschen etwas über die Erfahrungen und Erlebnisse von heute und der vergangene Woche. Heute geht es wieder früh ins Bett, für morgen wollen wir sehen wie wir wach werden und wonach uns ist. Alles ganz agile flexibel.

  • 15.07.2018


    Sowohl Kevin als auch ich sind immer noch müde, daher lassen wir uns Zeit mit dem Aufstehen und Frühstücken. Aber nur rumgammeln können wir uns dann auch nicht vorstellen, also auf die Karte geschaut. Nach kurzer Beratung fällt die Wahl auf den (neuen) Sommer Palast im Nordwesten Beijings.





    Sagte ich schon dass das U-Bahn Netz suboptimal ist? Wir brauchen ewig bis wir da sind, immerhin ist es günstig, 5 RMB sind umgerechnet immerhin weniger als 1 EUR.
    Ratet mal was man hier machen kann. Richtig, hoch auf einen Hügel steigen. Aber die Aussicht über den See ist schön, und noch besser wäre es ohne den Smog :/



    Hab ich die Drachen schon erwähnt?




    Dümmliches Grinsen! :grin:


    Wir streifen noch etwas um den See, aber Kevin hat wohl noch immer Probleme das Essen vom Straßenstand zu verarbeiten und fühlt sich nicht gut genug. Wir trennen uns und ich mache mich allein auf den Weg alles zu umrunden, ich hab schließlich Zeit. Je weiter man vom Haupteingang weg kommt, desto weniger Menschen hat es. Sehr angenehm!



    Da oben waren wir




    Marmor Bootchen, schwimmt bestimmt gut


    Als Problematisch sollte sich noch herausstellen, dass ich sehr weit von der U-Bahn raus gekommen bin. Rückblickend waren meine Vorbehalte gegenüber Bussen als Transportmittel vollkommen unbegründet, heute nehme ich jeden Morgen einen Bus um zur Arbeit zu fahren. Aber im Juli war ich mir unsicher in welche Richtung der Bus fährt und welche Station die nächste ist. Einfach aufs Handy mit Karte schauen wäre auch viel zu einfach gewesen.

  • 6.07.2018 – 20.07.2018
    Erneutes Arbeiten, muss auf einem Businesstrip auch mal sein.


    21.07.2018
    Heute geht es zurück nach Deutschland. Wir haben im Buero jemanden kennen gelernt, der zufälligerweise im selben Hotel ist und ebenfalls mit dem Lufthansa Flug LH723 zurück nach München muss. Wir werden rechtzeitig vom Fahrer abgeholt und checken ein. Der Kollege nimmt uns beide mit in die Businessclass Lounge (für uns gibt es leider nur Holzklasse) und die Wartezeit lässt sich gut überbrücken. Der Flug nach München im A380 ist, vom coolen Flieger abgesehen, unspektakuläre und geht erstaunlich schnell rum, da Kevin und ich noch viel über die letzten 2 Wochen sprechen und den ein oder anderen Powernap mit einschieben.
    Bis in dann endgültig zuhause bin vergehen noch einige Stunden aber an Schlaf ist immer noch nicht zu denken. Das Hackstück ist mit Bembel, Kühltruhe und Festivalgerödel auf dem Weg. Morgen geht es schon wieder weiter auf die Metaldays nach Tolmin (genialer Ort um ein Festival zu veranstalten) und am Wochenende vom 27. habe ich noch ein Offroadtraining in Thüringen.



    Zwischenfazit
    Damit endet meine erste Reise außerhalb Europas. Ich hab extrem viel mitgenommen, nicht nur Kulturell, sonder auch beruflich. China ist gerade für mich, als jemand der aus einer Zentralabteilung kommt, extrem spannend. Was in Deutschland entschieden wird ist hier weit weg, außerdem hat es hier eine Regierung die uns dazu zwingt eigene Lösungen zu nutzen. Scheinbar habe ich auch guten Eindruck hinterlassen, der Head of IT will mich gleich schon wieder vor Ort haben :cool:

  • Juli bis Oktober 2018
    Die nächsten 3,5 Monate verbringe ich in München und auf der Adria Tour mit Hackstück – Der könnte mal mit dem Reisebericht dazu beginnen

  • Der Beitrag zuvor ist abgeschnitten, daher nochmal :rolleyes:


    Juli bis Oktober 2018
    Die nächsten 3,5 Monate verbringe ich in München und auf der Adria Tour mit Hackstück – Der könnte mal mit dem Reisebericht dazu beginnen :grin:
    Derweilen läuft in China das von uns begonnene Datawarehouse Projekt weiter. Durch die Aufgaben in Deutschland und die Distanz kann ich kaum unterstützen und es dauert relativ lange bis die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen. Man möchte mich nun länger in China haben und nicht nur auf Dienstreise schicken. Ich soll mir überlegen wann ich meine Koffer packen kann und wie lang ich vor Ort bleiben möchte. Gerne doch: geht auch gestern schon?


    Während wir auf die Unterlagen warten hat sich mein Chef-Chef angewöhnt jedes Mal Nachzufragen was ich denn noch in Deutschland mache und wann ich wieder nach China fliege… Lange Rede ohne Sinn, es gibt eine zweite Tour, China reloaded!


    China, zweite Tour, Oktober 2018
    Mein Visum erlaubt mir zwei Einreisen bis Dezember 2018. Also buche ich kurzfristig und auf Drängen der Führungskräfte den Flug und das Hotel für 2 Wochen. Meinen Geburtstag will ich in Deutschland verbringen, bevorzugt natürlich in Stuttgart mit Klausuren schreiben.
    Da ich auf Sightseeing keine wirkliche Lust habe, vieles bereits gesehen habe und die Chancen sehr gut stehen ab nächstem Jahr eh in Beijing zu leben, fliege ich diesmal erst montagabends. Das hat den Vorteil dass der Flug günstiger ist als sonntags und ich ein zusätzliches Wochenende zu Hause habe. Schließlich ist es auch ein gutes Argument weshalb es ein Upgrade in die Premium Economy notwendig ist, ich kann schließlich nicht ohne Schlaf vom Flughafen direkt ins Büro gebracht werden.
    Dadurch dass eh nur ein Wochenende geplant war geht es diesmal auch nicht weit weg. Ein bisschen nach Sanlitun in Kneipen und besonders zum Irish Pub direkt vorm Hotel. Kurze Wege sind immer zu bevorzugen. Der war im Juli noch geschlossen und hat jetzt wieder geöffnet. Die alten Expats bestätigen mich darin, dass die Entscheidung her zu kommen die richtige war/ist, außerdem muss jemand mal den Altersschnitt senken und als Jüngster her kommen.
    Diesmal habe ich sogar Glück mit dem Wetter, strahlend blauer Himmel. Dafür aber auch sehr windig und damit kalt. Lediglich am 03. November fängt es an wieder schlechter zu werden, aber das ist mir egal, für mich geht es zurück nach München.

  • Deutschland bis Februar 2019

    In den nächsten Wochen bereite ich alle meine Unterlagen die die Behörden benötigen vor. Dazu gehört auch ein umfangreicher Gesundheitscheck. Immerhin jetzt bin ich sicher, dass ich Kerngesund bin und auch nie an Krankheiten gelitten habe, sogar alle Rippen sind bisher nie angeknackst gewesen. Mein Impfschutz wird, wo notwendig aufgefrischt und um einen Tollwut-Schutz erweitert, die Firma zahlt (Leute lasst euch impfen!).
    Am 04.01.2019 habe ich mein Ausreisegespräch in Erlangen und fahre dafür extra 3 Tage früher als geplant aus dem Saarland zurück. Die Zeit in der alten Heimat konnte ich aber noch nutzen um meine Eltern und Freunde zu besuchen! Erholung sieht aber natürlich anders aus.
    Ursprünglich war der 1.2 als Vertragsbeginn angepeilt, aber das musste auf den 1.3 durch Verzögerungen bei der Ausstellung des so genannten Z-Visums verschoben werden. Da in China das Neujahresfest dieses Jahr im Februar ist, war die ursprüngliche Idee um den 11.2 einzureisen, das wurde jetzt auf den 18.2 verlegt und ich lande am 19.2 pünktlich in Beijing. Das Verschieben kommt mir entgegen und ich fliege am 04. Februar nochmal nach Lissabon lecker Meeresgetier verspeisen, das Team ein letztes Mal persönlich treffen und die Übergabe meiner Themen sauber abschließen.



    im Anflug auf Lissabon






    Moped-Kontent!



    Abflug, ein letztes Mal Pastel de Nata und Espresso


    Etwaige zusätzliche Businesstrips im Januar die mal im Raum standen haben wir nicht machen können, was aber meinen Chef-Chef nicht weiter daran hindert regelmäßig nachzufragen wann ich endlich weg sei.
    Mein Auto wird noch an meinen Bruder abgedrückt, ein Händler zahlt mir dafür nichts und für einen Privatverkauf fehlt mir die Zeit. Die Bude fange ich auch an Auszuräumen, aber einen Untermieter werde ich erst am Juni haben. Die Versys und die DR werden noch einmal liebevoll gestreichelt und verräumt. Allzu viel lasse ich mir nicht rueber bringen, trotzdem geht es mit zwei Koffern und Rucksack los.



    Da stehen sie nun



    tschüssi



    Alle 7 Sachen sind zusammen


    Es kann losgehen! :cool:

  • Ankommen
    Die ersten Wochen in China sind anstrengend: Wohnungen besichtigen, Unterlagen vorbereiten und arbeiten. Die chinesischen Kollegen unterstützen mich mit einer solchen Hingabe und sind extrem Hilfsbereit, sodass das Ankommen leicht fällt. Bereits zum 1.3 kann ich in eine eigene Wohnung ziehen und muss nicht mehr im Hotel wohnen. Ganz besonders toll an der Wohnung: Die in-house Bar. Das Feierabendbier ist damit gesichert!



    Feierabendbier!



    Mit Weißwurstfrühstück fühlt man sich doch gleich schon wie zuhause


    Mit mir haben noch zwei weitere Kollegen im März begonnen, auch das hilft ungemein beim Ankommen: 3 vollkommen Ahnungslose! Immerhin ist einer davon ursprünglich aus China, lebt aber seit seinem 8. Lebensjahr in Deutschland. Er versteht wenigstens die Leute um uns und ist fleißig als Übersetzer tätig.
    Definitiv Verbesserungswürdig ist das zur Verfügung stellen der lokalen Bankkarte, aber das liegt an unseren internen Prozess. Ohne Bankkarte gibt es nur kein WeChat Pay und ohne WeChat Pay ist man in China nur ein halber Mensch ;)
    Nachdem ich dann irgendwann rausgefunden hatte, dass ich den Apple Appstore nach China verlegen muss um an die korrekte DiDi-App (Chinesische Uber Version) bin ich auch unabhängig von Bus und Bahn und muss nicht darauf hoffen dass mir nachts ein Kollege ein Auto bestellt um heimzukommen. Achtung: Fahrt nur mit den offiziellen Taxen, niemals mit den Vögeln die euch ansprechen, außer natürlich ihr wollt den 10 fachen Preis zahlen.


    Und hier ein paar Impressionen der ersten Wochen im neuen Land:



    Kaum Verkehr



    Das perfekte Stadtauto, Q7 und Co können einpacken!



    Futtern!




    Die vielen guten Tage nutzen und dümmliche Selfies machen :grin:



    Durmtower , oder doch der Belltower?




    Und zum Abschluss noch Irishfolk in einer Kneipe in China

  • 29.03.2019

    Vor der Ausreise hatte ich ein Interkulturelles Training, ein ganzer Tag wird für uns spendiert, um uns irgendwie auf ein Leben in China vorzubereiten. Es ist eine interessante Geschichtsstunde, aber eine Vorbereitung ist es nicht wirklich. Dort lerne ich Christina kennen, die bereits ab Februar in China sein wird. Wir beschließen das wir uns gegenseitig Besuchen werden.
    Am 29.03 mache ich nach der Mittagspause Feierabend und begebe mich zur „Beijing South Railway Station“. Die U-Bahn bei der Arbeit fährt zwar dort hin, aber ich bin faul und lasse mich vom Taxi runterfahren. Für gut 10€ kann man das schonmal machen.
    Der Bahnhof ist riesig und hat einen Sicherheitsbereich ähnlich wie Flughäfen. Man findet sich auch als Ausländer recht einfach zurecht und ich stelle mich an. Die Bahnfahrt verläuft problemlos und ist absolut pünktlich, hier ist ja auch nicht die DB der Betreiber. In Nanjing stellt es sich das Treffen noch als Herausforderung heraus, da das Ding hier verschiedene Ebenen hat und Christinas SIM Karte nicht aufgeladen worden ist.
    Wir schaffen es, trotz widriger Umstände, uns zu treffen und fahren zur Expat-Kneipe in Nanjing. Hier gibt es noch eine Runde Bier, Gespräche und exploding Kittens. Genächtigt wird in Christinas Apartment im lokalen Marriott Hotel, nett wenn das noch im Budget liegt, Peking ist da leider teurer



    30.03.2019


    Für heute ist Suzhou geplant, das Zugticket habe ich für uns bereits gekauft gehabt und wir müssen nur noch zum Bahnhof. Da wir uns nicht auskennen wurde es ein verdammt knappes Ding, aber wir erwischen unsere Bahn doch noch irgendwie.
    Suzhou soll das Venedig Asiens sein, kann ich noch nicht ganz nachvollziehen, aber was solls. Wir kommen gegen 12:00 Uhr an und leider ist alles voller Smog. Bevor wir uns zum „Humble Administrator Garden“ aufmachen, gibt es noch etwas zu trinken und ein schnelles Mittagessen.



    Tor der Stadtmauer bei Tag...



    und bei Nacht



    etwas Zucker muss sein


    Der Garten ist ähnlich den Gärten, die ich in Beijing gesehen habe, extra dafür würde ich nicht nochmal nach Suzhou fahren. Aber passt schon, man ist unterwegs, sieht etwas von China und unterhält sich über Gott und die Welt.
    Um 20:20 geht der Zug zurück nach Nanjing und diesmal wollen wir nicht zu spät sein, das Abendessen lassen wir uns teilweise einpacke und schaffen es dieses Mal ohne Zeitdruck an den Bahnhof. In Nanjing geht es dann zügig in die Falle. Gute Nacht!





    31.03.2019


    Um halb 5 abends geht es für mich heute zurück nach Hause, aber davor sind wir noch zum Brunchen mit Kollegen aus Nanjing verabredet die uns heiße Tipps für Reisen in Asien geben werden. Sehr nett, danke! Witziger Weise stellt sich hier nochmal heraus, dass mein Chef in Deutschland bekannt ist wie ein bunter Hund
    Die Heimfahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist absolut unspektakulär und zuverlässig. Verspätungen sind hier, im Gegensatz zu Deutschland, die Ausnahmen und nicht die Regel…
    Ich bin früh genug in Beijing, dass die U-Bahn noch fährt. Ist halt doch deutlich günstiger als ein Taxi. Schön war es in der südlichen Hauptstadt!

  • 06.04.2019 – Tagestour zur Glasboden Brücke



    Nur in Beijing unterwegs sein ist auf Dauer doch langweilig, außerdem
    gibt es diverse Anbieter für verschiedene Tagestouren um die Stadt rum. Dieses
    Mal werden wir zur Dritt unterwegs sein und haben uns für „Hiking on
    glas-bottom bridge“ entschieden. Die Anmeldung erfolgt, wie fast alles hier in
    China, per WeChat: man fügt einen offiziellen Account hinzu, sagt wie viele
    Personen welche Tour machen wollen und erhält einen Link über den man (per
    WeChat Pay) bezahlen kann. Und in Deutschland muss ich erst mal Bargeld abheben
    gehen…



    Am Tag der Tour sind wir rechtzeitig am Treffpunkt, ermitteln nach
    etwas Aufwand den richtigen Bus und steigen zu. Leider heißt Tour aus Beijing
    raus auch, dass man erstmal aus der Stadt rauskommen muss. Die Fahrt ist
    unspektakulär und viel zu lange, aber man kann nochmal etwas schlaf nachholen.
    Am Ziel angekommen, kann man sich überlegen, ob man heute eher Chinese oder
    eher Westler sein will. Das unterscheidet sich dann darin ob man zu Fuß den
    Berg bezwingt oder sich per Gondel hochfahren lässt. Was Gondel fahren mit
    Hiking zu tun hat weiß ich zwar nicht, aber es ist halt auch China!



    Ich will hoch gehen und mich bewegen, außerdem bin ich armer Student!
    *hust* der Rest der heutigen Truppe gibt sich geschlagen und kommt auch zu Fuß
    mit. Wovon man sich hier wohl verabschieden muss, ist sowas wie naturbelassene
    Umgebung. Klar die Berghänge sind nicht gemacht, aber der gesamt Weg nach oben
    ist gepflastert bzw. richtig befestigt. Kieswege wie in den Alpen sucht man
    vergeblich. Da die Luftqualität halbwegs gut ist, haben wir sogar den ein oder
    anderen Fleck blauen Himmel über uns!




    Auch wenn der Weg nichts mit meinem Verständnis von Hiking und Natur zu
    tun hat, ist es echt schön sich zu bewegen und mal etwas anderes als Stadt zu
    sehen. Die Glasbrücke ist wenig vertrauenerweckend und knarzt ganz schön, das
    hindert uns aber nicht daran sie todesmutig zu überqueren, wird schon nicht
    schief gehen… oder?





    Wir schauen noch dass wir auf den höchsten Punkt
    kommen und machen uns dann auch wieder an den Abstieg um noch etwas kleines zu
    Essen bevor wir wieder zwei Stunden zurück fahren müssen. Alles in allem war es
    okay, aber man darf um diese Zeit keine grüne Landschaft erwarten oder gar
    echte Natur. Ich vermisse richtige Wälder und Motorrad fahren, besonders jetzt
    wo in Deutschland endlich der Schnee schmilzt und all wieder anfangen Bilder zu
    zeigen


  • Die Zentralregierung hat beschlossen, dass ein kommunistisches Land
    nicht nur ein einzigen freien Tag am Tag der Arbeit haben darf und die Leute
    doch ein langes Wochenende haben sollten. Das heißt in China natürlich nicht,
    dass man einfach weniger arbeiten muss, sondern dass man diese zusätzlichen
    Tage vor- bzw. nacharbeiten darf. In diesem Fall waren es die Sonntage am 28.04
    und 05.05.


    Da hier alle frei haben, wollen auch viele weg. YiGang, einer der
    Expats der ebenfalls seit März aus Deutschland hier ist, wollen dieses Mal
    zusammen los ziehen. Unsere erste Idee ist Thailand, aber während der Buchung
    werden die Tickets deutlich teurer und wir schauen nach Alternativen.
    Ulaanbaatar ist die günstigste Destination in diesem Zeitraum von Beijing aus.
    Trifft sich gut, gibt’s einen weiteren Länderpunkt und wir brauchen nicht mal
    ein Visa. Der deutsche Reisepass ist einfach klasse!


    https://www.passportindex.org/byRank.php


    01.05.2019



    Unser Flieger geht am 01.05 um 09:30, das heißt für mich früh aufstehen
    und zum Airport Express fahren wo ich mich mit YiGang treffe. Ausreise und
    Security ist alles kein Problem, so langsam kommt eine Routine rein und um
    diese Uhrzeit ist auch noch kaum jemand unterwegs. Den Flug über verbringen wir
    hauptsächlich mit schlafen, die letzten Wochen waren anstrengend.




    See you there



    Hello Mongolia!


    In Ulaanbaatar angekommen geht auch die
    Einreise ohne Probleme und wir betreten bald darauf Mongolischen Boden. Wie
    üblich wird man von Taxifahrern oder dergleichen vollgequatscht, die versuchen
    einen zu überhöhten Preisen durch die Stadt zu fahren. Da wir beide coole
    Kreditkarten haben, heben wir noch schnell 50€ ab, was bei einem Wechselkurs
    von 1 zu 3000 ziemlich viele Tögrög, bzw. Tugrik, ausmacht. In die
    Stadt bzw. zum Hotel fahren wir dann per Bus, der kommt sogar direkt und wir
    erwischen eine Haltestelle nicht allzu weit weg vom Hotel.




    Nach dem Check-in in das Hotel mit tollem Soviet
    Charme fallen wir beide platt ins Bett und dösen eine Runde, irgendwie können
    wir uns beide nicht so wirklich aufraffen. Irgendwann schaffen wir es aber doch
    los zu kommen. Erst mal Wasser kaufen und dann ein bisschen durch die Stadt
    ziehen. Das Zentrum ist ganz nett, aber es liegt über allem eine schöne
    Dieselwolke. Nicht nur wir Deutschen mögen Dieselmotoren

  • Sieht so aus als wuerde ein Teil fehlen im Post zuvor




    Zum Abendessen haben wir uns einen Irish-Pub ausgesucht: normalerweise
    ist da das Essen gut und sie haben Bier und Cider. Der Burger war auch gut,
    aber Bier will man uns keines verkaufen. Warum fragen wir, aber die Bedienung
    scheint uns nicht zu verstehen und räumt auch gleich alle Schnapsflaschen
    hinter der Bar weg. Haben die etwa ihre Alkohol-Lizenz verloren oder was ist da
    los?


    Aber zum Glück haben wir ja noch einen zweiten Pub ausfindig machen
    können, aber auch da gibt es kein Bier. Hö? Was ist in diesem Land los?
    Prohibition auf Mongolisch? Fast, scheinbar gibt es in Ulaanbaatar an jedem 1.
    Eines Monats ein Alkoholverkaufsverbot. Ah Mist! Damit reduziert sich auch
    gleich die Motivation abends auszugehen um gut 100% und wir stiefeln zurück zum
    Hotel. Wir machen wieder am Supermarkt halt, kaufen Nudelsuppe als
    Mitternachtssnack und noch eine Flasche Wasser für jeden. Unsere letzte
    Hoffnung heute ist die Minibar und da die Preise für uns Deutsche voll ok sind,
    bekommen wir doch noch unser Urlaubsbier! HAHA ausgetrickst!




  • 02.05.2019



    Wir sind zur vereinbarten Zeit in der Hotellobby, aber unser Fahrer
    braucht noch eine weitere Stunde um sich durch den Stau in der mongolischen
    Hauptstadt zu kämpfen. Als er dann da ist, muss er auch noch tanken und er
    erzählt uns auf Deutsch, dass noch zwei weitere Reisende mitkommen werden. Wir
    haben zwar nur einen kleinen Isuzu Jeep, aber das wird schon irgendwie passen.
    Er erzählt uns dann auch, dass er mit seinen Eltern eine Zeitlang in der DDR
    gelebt hat, da diese für die Botschaft dort gearbeitet haben. Dafür dass der
    gute Mann schon viele Jahre nicht mehr in Deutschland war ist sein Deutsch sehr
    respektabel, vermutlich hat er regelmäßig deutsche Touristen auf Tour (wir sind
    zwar nur 82 Millionen, aber echt Überall anzutreffen)!




    Unser Auto


    Wir wetten, dass die beiden weiteren Gäste mindestens Deutschsprachig,
    wenn nicht sogar Deutsche sind. Und was soll ich sagen, es sind Deutsche,
    lebhaft in Shanghai. Dummerweise hab wir beide das gleiche gewettet, also
    bekommt keiner etwas. YiGang ist in Shanghai geboren, zog aber als Kind nach
    Deutschland und die drei können sich gut über die Stadt unterhalten.


    Das Ziel heute ist Karakorum, das sind zwar „nur“ 360km, aber wir
    werden den ganzen Tag unterwegs sein, ist hier halt doch keine Autobahn. Wobei
    der schlechte Straßenzustand teils dem so mancher Autobahnabschnitte in der
    Heimat entspricht… Zwischen drin halten wir an einer Raststätte und es gibt
    Schaf oder Ziege mit Reis oder Nudeln, als Gulasch oder sonst wie angebraten,
    gar nicht mal schlecht das essen hier!


    Auch machen wir einen Stopp an einer Stelle wo die Straße die Wüste
    quert. Sehr interessant, links Steppe, rechts Steppe und in der Mitte Sanddüne
    und ein paar Kamele.





    In Karakorum angekommen machen wir noch eine schnelle Runde Sightseeing
    inklusive Rundfahrt (ca. 10 Minuten Dauer) mit Blick auf den Ort und ziehen
    dann in unser Ger Camp ein. Die erste Nacht in einer Jurte, allerdings ist das
    Camp hier als Hotel ausgelegt und so ganz zählt dass dann ja nicht, oder?
    Zum Abendessen gibt es wieder Schaf oder Ziege und ein Bier welches wir
    zuvor auf dem Weg hier her im Supermarkt beschafft haben.



  • 03.05.2019



    „You will visit the museum in Karakorum and spend the night with a
    nomad family”, so wird der zweite Tag angepriesen. Nach dem Frühstück machen
    wir uns zum Museum auf, wo es eine durchaus interessante Führung durch die
    mongolische Geschichte gibt. Dass die Sprache dem Türkischen ähnelt, ist uns
    schon aufgefallen, dass das aber daran liegt, dass das Mongolische Reich mal
    bis nach Europa reichte, war mir nicht bewusst. Klar Attila und die Hunnen
    kennt man, aber der hat doch nur ein bisschen Römer verkloppt und geplündert!


    Bilder vom Museum habe ich keine, aber vom Kloster neben an:



    Der nächste Punkt auf der Liste ist die Nomaden Familie und Kamelreiten. Laut
    Fahrer ist das ganz Nah. Nah heißt auf Mongolisch alles bis ca. zwei Stunden
    Fahrzeit, die Distanzen hier sind einfach einem Mitteleuropäer kaum zu
    vermitteln.


    Das Camp liegt natürlich abseits und wir brettern über Offroadpisten und verpassen
    die Jurten erst mal. Der Mann der Familie sammelt uns aber per Pferd ein und
    weißt dem Fahrer den richtigen Weg. Es ist frisch geworden und gelegentlich
    regnet es auch ein bisschen, aber zu erst geht es in die Jurte der Familie zum
    Mittag essen. Ratet mal was es zu essen gibt. Richtig Schaf oder Ziege, diesmal
    als leckerer Eintopf mit Kartoffeln, Karotten und Reis. Dazu gibt es Milchtee
    und im Anschluss noch eine dicke Mehlschwitze als Art Suppe mit Fleisch drin.


    Nächster Programm Punkt: Kamelreiten. Das Paar aus Shanghai fängt an, ist aber bereits
    nach wenigen Minuten zurück. YiGang hasst reiten, aber ich will es
    ausprobieren. Die Rund wurde grösser als ich das erwartet habe und ein Kamel
    bewegt sich echt sehr komisch. Einen Sattel gab es nicht, dafür aber Steigbügel
    die viel zu weit oben für mich angebracht waren. Heißt unterm Strich, ich kann
    mich nicht richtig aufstellen und ich werde den Ritt noch mehrere Tage lang
    spüren. Dafür war ich mit dabei, wie der Mongole seine Schaf und Ziegen Herde
    getrieben hat. Das sieht nicht nur absolut zufällig aus wie die Tiere los
    rennen, es ist es auch. Heißt dann natürlich für den Treiber immer wieder von
    einer Seite zur anderen zu reiten, aber es funktioniert.




    Zurück an der Jurte bin ich allein, der Rest ist weg. Man macht mir klar, dass sie zu
    einer anderen Jurte sind, wo wir dann auch schlafen werden. Ich bin heilfroh
    diese 500m gehen zu können. In der Jurte ist es schön warm und alle hängen müde
    rum und ich mach jetzt auch erst mal einen (Nach-)Mittagsschlaf.


    Das Pärchen ist jedoch etwas unruhig, da sie heute nochmal zurück nach
    Ulaanbaatar fahren werden und bisher noch kein weiterer Fahrer angekommen ist,
    schlussendlich kommt er doch und wir verabschieden uns. Da konnte noch keiner
    wissen, dass wir uns Samstagabend am Flughafen wieder sehen werden.


    Unser Fahrer wird von der mongolischen Familie offensichtlich gebeten ihnen beim
    Wasser hohlen zu helfen, mit dem Auto fahren ist selbstverständlich viel
    bequemer. YiGang und ich begleiten sie dabei in der Hoffnung, entweder wieder
    was von dem leckeren Beefjerky zu finden oder ein Bier für heute Abend
    auftreiben zu können. Der Laden/Kiosk an dem wir halten hat beides nicht, sehr
    schade. Als wir quasi schon auf dem Rückweg sind, kommt aber ein Mädchen aus
    einem Nachbarhaus und hat einmal eine normale 500ml Bierdose in der Hand und
    noch ein 1,5l Gebinde. Wir entscheiden uns für sechs normale Dosen, so hat
    jeder von und zwei und wir können den Fahrer mit einladen.


    Zum Abendessen gibt es wieder Ziegen oder Schaf mit der gesamten Familie, das heißt
    in diesem Fall die Eltern und 3 Kinder. Ob die alle in der selben Jurte
    schlafen?


    Den Rest des Abends verbringen wir in unserer Jurte mit einem wärmenden Dungfeuer
    und einem mongolischen Schaffellmantel. Auf unseren Betten liegen jeweils zwei
    Decken und die Mäntel sollen wir auch noch drauflegen, klingt sinnvoll da es
    bereits jetzt verflucht kalt geworden ist und das Feuer nicht lange hält… Am
    besten schaut man auch, dass man vor dem Schlafen gehen noch mal auf dem Klo
    war, Nachts raus ist nicht angenehm!


  • 04.05.2019
    Gegen 07:00 Uhr werde ich wach, nicht nur muss ich aufs Klo, sondern es ist auch die mongolische Frau in der Jurte. Sie fegt diese aus und fängt an ein Feuer zu entfachen. Da es immer noch bitter kalt ist, versuche ich mich solang vor dem Aufstehen zu drücken, bis es etwas wärmer wurde. Schlussendlich musste ich aber doch raus, hilft ja alles nix.


    Wir frühstücken wieder mit der Familie und verabschieden uns dann, da noch gut 300km vor uns liegen bis wir Ulaanbaatar erreichen und heute Abend unser Flieger zurück nach Beijing geht. Wir müssen morgen schließlich wieder arbeiten gehen.
    Auf dem Plan für heute steht eigentlich ein Nationalpark zu besichtigen und Wildpferde zu beobachten, aber nach Absprache mit unserem Fahrer ist das wohl nicht sonderlich sinnvoll. Zum einen liegt der Park viele Kilometer abseits der asphaltierten Straße, zum Anderen ist die Wahrscheinlichkeit die Pferde zu sehen sehr, sehr gering. Aber als Alternative könnte er uns zum „spitzen Berg“ bringen, das sei nicht so weit weg von der Straße und man hätte nochmal eine gute Aussicht über die Umgebung.
    Auf der Fahrt schlafen wir natürlich wieder ein Runde, es bietet sich schließlich an. Irgendwann biegen wir aber ab und unser Fahrer scheint den Weg nicht ganz zu kennen da er mehrfach nachfragen muss. Das dürfte hier aber üblich sein, so groß wie hier alles ist.
    Der Weg führt uns über tolle, rumplige Erdstraßen die jeden europäischen Enduristen schwärmen lassen würden. An einer Stelle haben wir den wohl schwierigeren Weg eingeschlagen und wir fahren über tiefe Auswaschungen. Ich sitze vorne auf dem Beifahrersitz und sehe uns hier schon festhängen, aber alles geht gut, er kennt sein Auto.



    Der spitze Berg ist eher eine vielleicht 80m hohe Felsformation in Mitten einer recht leeren Ebene. Wir stellen den klapprigen Isuzu ab und machen uns zu Fuß über Ziegenpfade auf, den Felsen zu bezwingen. SO gefällt mir das! Kaum Menschen, viele leere Natur, nur etwas wenig Bäume hier.
    Meine beiden Begleiter wollen irgendwann nicht mehr weiter, kein Wunder bei den Schuhen die sie tragen. Da ich aber noch nicht Umdrehen will, klettere ich allein weiter. Bis ganz nach oben bin ich dann aber auch nicht gekommen. Du bist was du isst stimmt zumindest bei Ziege nicht ganz ;)

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