Reisebericht Passknacker Schweiz 2021

  • Reisebericht Passknacker Schweiz 2021


    Bei der Planung meines restlichen Motorradurlaubes für 2021 spukt mir die Idee rum, mal alle Passknacker in Frankreich zu holen. In den Pyrenäen bin ich demnächst ja ohnehin, wenn ich meine Yamaha aus Madrid heimfahren und Spanien komplett mache. Allerdings ist Frankreich beim Passknacker sehr gut vertreten, es warten schlappe 888 Punkte auf einen Besuch im restlichen Jahr. Okay, nur 885, denn 3 Stück habe ich ja schon im April auf dem Weg nach Spanien mitgenommen :) Das ist ein echtes Großprojekt, riesig viel Fläche, Outlier (weit abgelegene Punkte) an der Nordsee und in den Ardennen, viele Mittelgebirge, und in den Alpen viele wenig befahrene Punkte bzw. Sackgassen, die von Schnee bedroht sind und nicht geräumt werden.


    Plan B wäre die Schweiz. Da ist die Anreise zu den meisten Punkten aus Deutschland kürzer, es gibt keine einsamen Outlier, und es liegt auf dem Rückweg aus Spanien, und außerdem auf dem Hin/Rückweg zur geplanten Italienreise im September. Das wäre realistisch machbar. Natürlich sind die Übernachtungen teuer, aber in Frankreich doch eigentlich auch, wenn es spontan sein muss. Nach intensivem Quälen des Routenplaners mit Ausplanen aller notwendigen Reiseabschnitte und Tagezählerei in Excel steht fest: Ich mache in 2021 die Schweiz komplett statt Frankreich komplett. Für Portugal komplett müsste dann eigentlich auch noch Zeit sein, aber in diesem Reisebericht geht's jetzt um die Schweiz :)


    Am 3.-6.6. ist langes WE, 4 Tage frei. Der lange geplante Besuch aus NRW sagt leider kurzfristig ab. Mein großes Topcase und mein Tankrucksack sind in Madrid bei der Yamaha. Als Ersatz verwende ich mein kleines Rollertopcase und einen extragroßen neu gekauften Tankrucksack, wo auch die Regekombi bequem reinpasst, neben Getränken für den Tag und Einkäufen für 2 Tage. Außerdem verdreht mir eine Frau so dermaßen den Kopf, dass ich ganz durcheinanderkomme, und die mich am Donnerstag besuchen möchte. Dann wird das wohl nur eine 3-Tages-Tour. Okay, also eine ziemlich spontane 3 Tage-Schweiz-Tour :) Weil mein Kopf noch immer sehr verdreht ist, habe ich die zweite Unterkunft versehentlich für die erste Nacht gebucht. Kein Problem, Route umdrehen, andere Unterkunft auch andersrum buchen, fertig!

    MO24 Team Reisen

  • Fr 4.6. Heim-Schweiz-Heim, Tag 1/3: Nürnberg-Winterthur


    Naja, nee. So einfach ist das mit dem Umdrehen einer mehrtägigen Route nicht. Der Abreisetag ist bei mir traditionell der längste. Mir doch egal wann ich abends heimkomme, wenn ich nur noch geradeaus rollen und am nächsten Tag nicht Motorrad fahren muss. Und am Hinweg heute habe ich mir per Google Maps einen Supermarkt gesucht, der auf dem Weg liegt... aber auf dem anderen Weg, den ich noch im Kopf hatte. Den Weg nach Konstanz statt nach Bregenz. Das merke ich aber erst auf dem Parkplatz des Lidl Laupheim. Im Lidl ist das totale Chaos ausgebrochen. Pandemie heißt, dass man unbedingt als vollzählige Familie einkaufen gehen muss, die Nase darf über Maske rausgucken, sonst ist das mit dem Atmen ja unmöglich, und Abstände muss man auch nicht einhalten. Immerhin werde ich gerügt, weil ich keinen Einkaufswagen für meine Wegzehrung genommen habe. Ordnung muss ja sein.


    Nach dem Snack geht’s Richtung Bregenz, da sind ein paar nette Bundesstraßen dabei, dann aber A96. Kurz vor Bregenz stelle ich fest, scheiße, ich fahre ja heute durch Österreich (wenn auch nur sehr kurz) - wie sind da überhaupt die Corona-Einreiseregeln? Die Schweiz ist ja erfrischend liberal auf dem Landweg, aber Austria? Muss man sich da anmelden?? Zum Glück kann man das alles bequem von unterwegs regeln.


    Die Autobahn um Bregenz herum bzw. unter Bregenz durch ist seit 2020 endlich mautfrei für die ersten paar Ausfahrten. Bis zu welcher genau, ist aus der Beschilderung im Vorbeifahren nicht so gut zu erkennen, und ist man erst mal auf der Autobahn, kommt da auch kein Schild mehr „hier noch mautfrei“ oder „ohne Vignette bitte JETZT abfahren“. Es ist laut ADAC bis Hohenems ohne Maut, ich meine aber ein Schild mit „mautfrei bis Dornbirn“ gelesen zu haben. Jetzt gibt’s aber Dornbirn-Nord und Dornbirn-Süd, also 1-2 Ausfahrten früher. So oder so, ich lande in Lustenau und tanke noch in Österreich voll, für ca. 1,25 Euro je Liter. Die Schweiz ist da teurer geworden.


    Hier fließt tatsächlich der Rhein, vor dem Bodensee. Das war mir bisher gar nicht bewusst. Im Rheintal ist natürlich viel Besiedelung und ich habe weder für die Schweiz nur für Austria eine Autobahn-Vignette. Die für die Schweiz wollte ich mir kaufen, habe aber vergessen an der Tankstelle zu fragen. Dann fahre ich halt ohne Autobahn bis zur nächsten Gelegenheit. Es zieht sich, bis es endlich den ersten Passknacker des Tages hochgeht: Wildhaus. Eine sehr schöne Strecke mit toller Landschaft und wenig Verkehr. 366 km bin ich jetzt schon unterwegs. Zwei andere Deutsche Motorradfahrer treffe ich an einer Baustellenampel und wir fahren etwas gemeinsam, bis ich zur Schwägalp abbiege. Ein exponierter Punkt auf 1360 Metern, ich nähere mich der Wolkendecke, bleibe aber zum Glück noch drunter.



    Ich bin jetzt im Kanton „Appenzell Ausserrhoden“. Echt schön hier. Viel Weidefläche im Gebirge bis 1300 Meter.



    Sehr wenig Verkehr und eine sagenhafte Dichte an Passknackerpunkten, z.B. 12 Punkte in 10 km Umkreis von „Arnig“. Dafür sind aber mehr 10 km Fahrtstrecke nötig ;) Aber 10 Punkte innerhalb von 50 km Fahrtstrecke ist schon recht dicht. Ich habe mittlerweile 400 km hinter mir und noch 200 km vor mir. Immerhin bleibt das Wetter trocken. Es waren den ganzen Tag Schauer angesagt, und so bin ich eigentlich zu warm angezogen, weil ich mich nicht so recht aus der Membranhose raus traue.


    Tief des Tages sind zwei PKW, die mir auf einer unübersichtlichen Bergstrecke nebeneinander entgegenkommen. Der überholende Audi hat wohl mal mit dem Überholvorgang angefangen ohne Sicht, aber unter der Annahme, dass da keiner kommt. Wegen rechts Fels und links Leitplanke mit Abgrund ist Ausweichen für mich nicht sicher möglich, aber der Audifahrer nimmt mich rechtzeitig wahr und bremst. Und der Überholte Autofahrer kriegt das entweder alles in Echtzeit mit oder gar nicht, denn er fährt unvermindert weiter – was gut ist, denn hätte er gebremst, wäre kein Platz zum Einscheren für den Audi gewesen, und ich und er hätten anhalten müssen, wofür der Platz knapp geworden wäre. So komme ich sauber, aber erschrocken durch.


    Den Punkt Hänen kann ich wegen einer Baustelle nicht von Norden anfahren, hier muss ich mir selbst eine Umleitung suchen. Zum Glück ist es kein großer Umweg, und die andere Seite hätte ich später eh fahren müssen, denn der Punkt Wasserfluh ist nur 2,5 km entfernt.



    So oft wie ich heute Restaurants und ihre Aussteller fotografiere frage ich mich manchmal, ob Passknacker nicht in Wirklichkeit ein Projekt von Motorradfeinschmeckern ist, die durch die Nachweisfotos der Teilnehmer eigentlich nur über aktuelle Angebote ihrer Lieblingsrestaurants informiert werden wollen :D



    Kurz vor Wattwill geht es wieder ins Tal, und ich fahre fast auf eine Autobahn auf. Moment, das darf ich noch nicht. Lieber anhalten. Ah, eine Tankstelle, da kann man anhalten. Und umplanen. Moment, Tankstelle? Da kann ich ja endlich die Vignette kaufen. Das macht 40 Franken für das restliche Kalenderjahr. Jetzt geht’s Richtung Zürichsee, aber kurz vorher nördlich, in einen Abschnitt sehr kurviger und schmaler Nebenstrecken zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen, man könnte auch sagen, intensives Feldwegstopler mit Durchschnittsgeschwindigkeit 30 km/h. Das ist schön zu fahren, aber es zieht sich gewaltig und ein wenig müde werde ich auch allmählich. Und dann stehe ich vor der Scheidegg Alp vor diesem verwirrenden Schild.



    „Das Fahren … ist während des Schlittelbetriebs von 14-17 und 19-22 … verboten“


    Was ist ein Schlittelbetrieb? Es ist 16:30. Warte ich jetzt 30 Minuten? Google findet zu „Schlittelbetrieb“ genau den Hinweis auf ein paar Fahrverbote und anscheinend saisonale Busangebote. Das Ganze scheint einen Wintersport-Kontext zu haben: Es ist mitunter von Schlittel- und Skibetrieb die Rede. Dann ist ein Schlittel wohl das, was in Deutschland ein Schlitten ist, ich darf jetzt hier selbstverständlich fahren, und jeder Schweizer amüsiert sich an dieser Stelle vermutlich. Die kleinen Unterschiede ;) Oben ist es dann aber sehr schön.



    Auch der weitere Weg ist augenfreundlich.



    Den letzten Punkt schnappe ich erst 18:50, was mir unangenehm ist, denn ich habe später noch eine Verabredung.



    Aber erst checke ich im Hotel ein. Das ist eine verwirrende Anlage. Zunächst ist nicht klar wo man parken soll, dann ist der Eingang auf der anderen Seite des Gebäudes, dann ist es Codeschloss statt menschlicher Rezeption, und dann passt der Code aus der Buchungsbestätigung nicht. Im Restaurant im gleichen Gebäude werde ich unwirsch abgebügelt, ich solle halt die Nummer anrufen die da angeschrieben steht. Da geht auch jemand ran und erklärt mir, dass man vor ein paar Stunden eine weitere Mail mit einem anderen Code gesendet hat. Der funktioniert dann auch. Das Zimmer ist im zweiten Stock und völlig in Ordnung. Dass andere Gäste im Gebäude und auch im Aufzug keine Masken tragen finde ich weniger in Ordnung. Ich habe zwar schon viel geschwitzt, aber jetzt kann ich ja auch noch ein paar Treppen steigen mit Gepäck. Spätestens jetzt ist aber wirklich eine Dusche fällig. Jedes Hotel hat einen offensichtlichen Nachteil, den online nicht rausbekommt, aber vor Ort sofort wahrnimmt. Offensichtlich Nachteil dieses Hotel ist die zu geringe Menge an Parkplätzen, die auch noch kostenpflichtig sind. Die Versys parkt kostenlos bei den Mülltonnen. Wird schon nicht mitgenommen werden.


    Das Hotel Swiss Star Illnau ernenne ich hiermit zum Haus des verwirrenden Eingangs und komischen Parkens. Die Restaurantkraft ist später dann doch sehr freundlich zu mir. Typisch Schweiz: Eigentlich aber doch alle sehr nett hier. Das gilt besonders für Gnome, der hier in der Nähe wohnt und arbeitet und mich zu einem Biergarten bringen möchte. Es besteht Helmpflicht. Da ist klar, was kommt: Meine erste Mitfahrt in einem Beiwagen.



    Die Kawasaki ZZR 1100 EML ist natürlich insgesamt groß, und auch das Boot ist geräumig. Meine Endloshaxen haben bequem Platz gefunden, wobei man nicht genau gerade sitzt, sondern etwas nach links. Ungewohnt ist, dass man nach links keine freie Sicht hat, und dass es nach Benzin riecht. Das Gespann hat jede Menge Kraft und man spürt den Kräftesalat in jeder Kurve. Und bei jedem Bordstein spürt man die drei Achsen. Durchaus faszinierend. Selbst fahren durfte ich nicht, aber dafür habe ich volles Verständnis. Jedes Gespann ist ein Unikat und nicht einfach so zu ersetzen. Weder der Geldwert, noch was an Arbeit, Liebe und Kreativität drinsteckt.


    Der Biergarten ist sehr nett, liegt aber verkehrsgünstig an Bundesstraße, Eisenbahnnadelöhr und auch ein paar Flugzeuge starten und landen. Der große Caeser Salad ist wirklich groß. Den Brotkorb übersehe ich zunächst. Danach lasse ich ihn mir einpacken. Voila, Frühstück! Hinterher stehen 1,50 auf der Rechnung, aber nicht fürs Brot, sondern fürs extra Spiegelei auf dem Salat. Auch sonst werde ich nicht pleite. Danke, Gnome! Zurück am Hotel bekomme ich sogar noch Wegzehrung geschenkt. Wows :) Top Reisendenempfehlung für Gnome Touri Services ;)


    Das war ein langer Tag heute. Ich habe 620 km angerissen und musste nur 2x tanken. Die Schweiz hat mir heute ihre schöne Seite gezeigt! Schöne Strecken, bestes Wetter, 29 Passknacker gesammelt und abends noch nette Gesellschaft. Gerne weiter so.


    MO24 Team Reisen

  • Sa 5.6. Heim-Schweiz-Heim, Tag 2/3: Winterthur-Aarau


    Morgens bin ich früh wach, aber nicht so richtig aus dem Quark gekommen. Nachts hat es dann endlich doch geregnet und die Straßen sind noch nass. Das darf gerne trocknen, bevor ich starte. Der Plan geht auf, als ich gegen 9 Uhr starte ist die Welt trocken, zumindest der befahrbare Teil davon. Die coolste Socke des Tages steht auch schon früh fest:



    Langgabel-Krankenfahrstuhl, wie geil ist das denn! Auch sonst ist es wieder mal schwer nicht hinzugucken.




    Auf einer winzigen Asphaltstrecke zwischen zwei Zürichsee und Sihlsee habe ich eine Mofagang am Passknackerpunkt.



    Hier werde ich interessiert befragt, wie ich denn solche Strecken finden würde, die kennen doch selbst Einheimische nicht. Tja, Passknacker, Baby! Wenn die Passknacker Administratoren demnächst zahlreiche Mofa-Nachweise freischalten müssen, wissen sie jetzt, warum ;) Das wäre gerade bei den Schweizer Strecken auch für beide Seiten eine gute Idee, die Strecken sind verkehrsarm und man kann jederzeit anhalten (oder schieben). Aber ich fahre weiter zum Sihlsee.



    Südlich von Zug gibt es leider drei Punkte, die man am Wochenende nicht mit dem Motorrad anfahren darf (zumindest von 8-18 Uhr). Da ich mich an solche Regelungen halte (und weil ich später im Jahr eh nochmal durch die Schweiz muss), fliegen diese Punkte aus der Route, z.B. und alles, was zu nah dran liegt, z.B. „Hünggigütschsätteli“, denn das wäre heute mehr Umweg als später. Den Rest ordne ich neu, und so kommen Seebodenalp und Rooterberg direkt nach Sattel. Hier hat man abwechselnd Blick auf Zugsee und Vierwaldstättersee. Aber man darf nicht runterrodeln!



    Dann darf ich mich tatsächlich mal 25 km auf der Autobahn Richtung Zürich entspannen, bis es wieder auf Nebenstrecken geht. Hier fällt mir der Albispass auf, wo eine Gastronomie extra Motorradstellplätze markiert hat. Parkt man darin vorwärts, steht man bergab vor dem Bordstein und kommt schlecht wieder weg, und parkt man darin rückwärts, steht das Motorrad fast senkrecht und kippt leicht um. Trotzdem eine schöne Gegend, wenn auch für Schweizer Verhältnisse anscheinend eine Problemstrecke.


    Nachmittags habe ich dann 2h mit Regenschauern zu tun, aber die Regenkombi über den Membranklamotten hält es ab. Auch der Ferrarifahrer von Welt hat eine Regenjacke dabei. Für’s Auto.



    Leider mag mein Smartphone nicht nachladen und hat am Ende des Tages dann auch noch den Akku leer. Für letzte Foto reicht es noch. Man darf als Passknacker keine Angst vor dreckigen Stiefeln haben.



    Mein Hotel ist in der Nähe von Aarau. Vorher fahre ich noch bei Lidl vorbei, ein Abendessen organisieren, und außerdem Frühstück und Snacks für morgen.


    Die heutige Hotel Check-In Verwirrung besteht aus zwei Gebäuden, von denen ich das richtig nicht finde, und einer Rezeption, die 1 Stunde je Tag geöffnet hat. Ich komme zufällig genau passend zur Öffnung, aber da ist niemand. Also warte ich 20 Minuten, und bekomme dann alles erklärt. Es wäre tatsächlich recht einfach gewesen das zweite Gebäude zu finden, es ist nicht nur „dahinter“, sondern auch „daneben“, und aus allen denkbaren Blickwinkeln von der Straße und dem Parkplatz aus verdeckt. Mein Zimmer heute ist eher eine Suite mit Küche und Sofa. Ich hatte schon Mietwohnungen, die kleiner waren. Auf dem Parkplatz tummeln sich Autos mit deutschen Nummernschildern. Offensichtlich Nachteil dieses Hotel ist die Dauerbeschallung mit dem Warnton eines Fußgänger-Straßenbahn-Übergangs.


    Es waren 332 km heute und ich bin ziemlich geschlaucht, obwohl ich nur von 9-17 Uhr gefahren bin. Auf diesen kleinen Strecken braucht man echt viel Konzentration und sammelt wenig Kilometer. Gesellschaft brauche ich heute Abend jedenfalls keine.

    MO24 Team Reisen

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  • So 6.6 Heim-Schweiz-Heim, Tag 3/3: Aarau-Nürnberg


    Heute ist der Rückreisetag. Punkte sammeln bis Konstanz, dann Fähre und am schnellsten Weg heim. Dabei werde ich wahrscheinlich irgendwann nass, denn ein Regengebiet zieht über halb Europa hinweg. Zusätzlich erschwert wird es durch den Defekt einer meiner beiden SIM-Karten, und zwar ausgerechnet von der derjenigen, die in der Schweiz kostenfrei nutzbar ist. Die Verwendung der anderen kostet in der Schweiz 1 Euro pro Megabyte. Da verzichte ich dann lieber auf ein aktuelles Regenradar. Es geht nach einem deftigen Frühstück, 1 Packung Pfeffersalami, früh los, denn auch heute stehen wieder viele Kleinstwege auf dem Programm und es wird insgesamt lang.


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    Grüne Landschaft und drohende Wolken bestimmen heute das Bild. Dafür sind die Straßen nahezu leer.


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    Zum Gasthof Rüsler darf man von beiden Seiten fahren, oder dort oben angekommen muss man umdrehen. Kurios.


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    Verwirrung erzeugt der Punkt Baldegg. Der ist über zwei asphaltierte Straßen anfahrbar, beide aus der Stadt Baden heraus. Das heißt Autos und Ampeln. Und leider steht an beiden Zufahrten dieses Schild:


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    Hmm. Zubringer. Darunter verstehe ich sowas wie Post, Lieferdienste, und vermutlich auch Anlieger, also Leute, die dort wohnen. Würde meine zweite SIM-Karte nicht streiken, könnte ich online nachschauen. Stattdessen warte ich hier einfach und spreche Leute an: Na klar kannst du da hochfahren! Außerdem fahren alle 2 Minuten Autos rauf oder runter. Daheim geklärt, Zubringer sind tatsächlich so definiert wie gedacht, aber hier ist es trotzdem erlaubt durchzufahren, weil oben ein Gasthof ist, zu dem man anders gar nicht hinkommen kann.


    Dann wieder Landschaft und Wolken…


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    … und mittags um 12 beginnt dann der Regen :(


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    Die letzten Punkte südlich vom Bodensee sind teilweise nur über Schotterwege verbunden. Das gibt später ordentlich was zu putzen.


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    Und dann beginnt der lange Weg nach Hause. Dass der doof wird, stand schon vorher fest: Rückreisetag von einem verlängerten Wochenende. Jenseits von Konstanz hat man die Wahl zwischen Autobahn über Stuttgart und Heilbronn, oder Fähre und Bundesstraße bis Ulm, dann A7. Irgendwann beginnen leider auch Magenschmerzen.


    Auf der Fähre Konstanz muss man das Personal aktiv ansprechen, wenn man ein Ticket kaufen möchte. Das kostet für eine Strecke 7,40 Euro, wie ich erfahre. Kann ich nicht doch lieber schwarzfahren?


    Danach dann den schnellsten Weg. Dachte ich. Aber so schnell ist der gar nicht. Arg viele Ortsdurchfahrten, teilweise mit Tempo 30, aber alle mit festen Blitzern - hier leidet man unter dem Verkehr, aber saniert sich damit auch. Es schüttet wie aus Eimern und ich habe immer wieder bummelnde Autos vor mir, und auch wieder diese verfluchten Wohnmobile, die nicht im Traum auf die Idee kämen, die aufgestaute Kolonne hinter sich irgendwann mal passieren zu lassen. Zeit für eine Pause unter dem Vordach eines geschlossenen Supermarktes mache ich Rast. Es regnet so stark, dass ich inzwischen komplett durchnässt bin, außer am Rumpf. Also hole ich mein treues Camping-Handtuch aus dem Topase und stopfe es mir in die Hose. So wird’s wenigstens dort nicht noch nasser. Hoffentlich beobachtet mich dabei keiner…


    Bei der Durchfahrt eines größeren Ortes will das Navi von der Bundesstraße runter und ich freue mich schon - wundere mich aber sehr über den Zickzack-Weg durch die Stadt. Zeit zur inneren Einkehr: Was erlauben Navi!? Es ist "Autobahn vermeiden" aktiviert. Warum, weiß ich nicht - vermutlich eine versehentliche Bedienung in der Jackentasche o.ä. Mit Autobahnen wird die Strecke gleich mal schneller, wobei der Verkehr auf der A7 natürlich schon wieder richtig dicht ist. Und wie immer an verlängerten Wochenenden sind jede Menge Leute unterwegs, die keine Ahnung von effizienter Straßennutzung haben. Jemand möchte die Spur wechseln? In MEINE Spur hinein? Das muss ich unbedingt verhindern! Wo kämen wir denn da hin, wenn alle gemeinsam die Straße nutzen würden? Alle stressfrei nach Hause, zum Beispiel. Ansonsten wird halt konsequent links gefahren, wegen 2 LKW pro Stunde (Sonntag!), und da schwankt es dann zwischen Tempo 60 und 120. Wer rechts fährt ist ein Verbrecher. Bei einer Pause sehe ich im Verkehrsbericht zwei Staus auf der A7 vor mir mit insgesamt 30 Minuten Verzögerung. Weil hier in Deutschland auf die Nutzung der Rettungsgasse mittlerweile auch ohne Behinderung eines imaginären Rettungswagens die Todesstrafe steht, wähle ich da lieber die Bundesstraße via Gunzenhausen, auch wenn es in Summe 20 Minuten länger ist. Dafür stressfrei.


    Die ersten 15 Minuten klappt das gut. Die Straße ist frei, hat ein paar Kurven, und der Regen hat auch nachgelassen. Dann steht die Feuerwehr an einer Kreuzung und zwingt jeden kommentarlos, links abzubiegen. Mein Navi protestiert. Die nächste Überlandstraße geht es rechts und dann stimmt die Richtung wieder. Jedoch stehe ich 5 Minuten später vor der nächsten Feuerwehrsperre. Jetzt suche ich das Gespräch. Es hat hier sehr schnell und viel geregnet. Die erste Sperrung war einer durch Hochwasser nicht passierbaren Unterführung. Aber hier links und vor der nächsten überlaufenen Bahnunterführung rechts und dann via Wassertrüdingen komme ich zur A6, und dann ohne weitere Katastrophen, 19:30 endlich nach Hause.


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    Fazit:


    Hoch: Schweiz ist nett. Mit etwas Planung wird man dabei auch nicht arm. Vesysfahren macht weiterhin Spaß und Freude und hat in vielerlei Hinsicht Vorteile gegenüber der MT-09, auch mit dem sehr flachem Sommer-Windschild. Außerdem habe ich alle Punkte gesammelt wie geplant, wobei meine Planung etwas unter dem Umkehren der Route gelitten hat. Gnome zu treffen war sehr nett, gern wieder :)


    Tief: Die Versys Gabel ist beidseitig ölfeucht. Das habe ich doch gerade erst machen lassen. Das gibt Mechanikerschimpfe. Und die Kette hat nach 16000 km schon Rostpickel an den Rollen und hängt etwas krumm - was’n da los? Auch das vermeintlich wasserdichte Handy stellt sich tot. Immerhin, es ist das Diensthandy, das repariert sich quasi selbst. Die Rückfahrt am Bodensee im Starkregen war echt eine miese Fahrt. Immerhin ist nichts passiert. Das ist das wichtigste. Wobei ich jetzt Magenschmerzen habe und nicht weiß, warum. Pfeffersalami? Stress? Wurde mir womöglich nicht nur der Kopf, sondern auch der Magen verdreht?


    Status: 24% von der Schweiz geknackt in 1 ganzen und 2 halben Fahrtagen. Das wird später langsamer gehen. Das spült mich mal eben auf Platz 5 der Rangliste hoch, aber natürlich nur kurz.


    Fortsetzung folgt... viel später. Nächster geplanter Schweiz-Besuch: Jura, aufm Weg von Spanien nach Hause mit der MT-09


    MO24 Team Reisen

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  • Fortsetzung folgt... viel später. Nächster geplanter Schweiz-Besuch: Jura, aufm Weg von Spanien nach Hause mit der MT-09

    Naja, nö, da hatte ich irgendwie kein Lust und Heimweh. Jetzt frage ich mich, ob ich das angebrochene Projekt noch weiterverfolgen oder abbrechen sollte. Den Ostteil und die südlichsten Punkte kriege ich im September bequem im Rahmen einer Italienreise. Bleiben noch rund 9 Tage für den ganzen Rest (ca 3600 km). Da verspüre ich aktuell jetzt ehrlich gesagt auch nicht das ultimative Verlangen, und die hohen Kosten für Übernachtungen/Essen schrecken mich auch ziemlich ab :rolleyes: Geht das im Oktober noch, wann gehen die ersten Pässe auf der Route in diesem Bild hier zu?



    Und kann mich mal jemand etwas motivieren?

    MO24 Team Reisen

    • Official Post

    Bleiben noch rund 9 Tage für den ganzen Rest (ca 3600 km). Da verspüre ich aktuell jetzt ehrlich gesagt auch nicht das ultimative Verlangen, und die hohen Kosten für Übernachtungen/Essen schrecken mich auch ziemlich ab

    Dann plane doch die Reise so, dass du jeweils in den Nachbarländern übernachten kannst. Mehrtägige Schweiz-Reise ohne Übernachtung in der Schweiz, hat doch auch mal was. Wieviele Tage hintereinander schaffst du es, die Schweiz zu durchqueren? :grin:


    Außerdem hat die Schweiz durchaus einige Pässe zu bieten, die ihren Platz in den Top 10 sicher haben. :schweiz:


    Gruß,

    Thomas

  • Also Brünigpass (33) ist ganzjährig geöffnet,

    Klausen (18) schliesst üblicherweise Mitte Oktober, kann auch noch anfangs November offen sein, je nach Wetter.

    Der Chasseral (88) hat auch eine Wintersperre, sobald da der erste Schnee liegt und nicht innert kürze weg ist, wird er gesperrt.

    Die Griesalp (37) hat meines Wissens auch keine Winterpause, allerdings dürfteste dann Schneeketten brauchen oder den freundlichen Postautochauffeur fragen, ob er dich hochschleppt ;)

    Der Pragel (16) ist eh nur werktags (Mo-Fr) befahrbar und schliesst auch im Laufe des Oktobers.

    Die anderen sind so auf die Schnelle immer befahrbar, halt ggf. mit Winterausrüstung :cool:

    Es geht immer weiter - und wenn es zurück ist. Nach dem Regen scheint die Sonne.

  • Ich habe mich entschlossen, es doch weiter zu machen :) Die Hinweise von Genome waren dabei sehr hilfreich :) Zuerst habe ich im Rahmen von Höhentreffen und Westalpenschotter Anreise, Abreise und ein paar Tagestouren durch die Schweiz genutzt. Die Reiseberichte von dort recycle ich jetzt einfach mal hier rein, aber als Zitat. Danach geht's live weiter, und zwar ab morgen Abend.



    MO24 Team Reisen

  • Am Höhentreffen habe ich insgesamt 3 Tagestouren in die Schweiz gemacht:


    MO24 Team Reisen

  • Weiter am Höhentreffen:

    MO24 Team Reisen

  • Noch weiter am Höhentreffen:

    MO24 Team Reisen

  • Am Rückweg vom Westalpen-Schotterurlaub habe ich noch zwei Tage zum Pässe sammeln in der Schweiz verbracht. Die kopiere ich hier auch mal schamlos als Zitat rein:


    MO24 Team Reisen


  • Ab morgen geht's täglich live weiter aus der Schweiz :)

    MO24 Team Reisen

  • Tja, bei mir hätte die Versys ein Plätzchen in der Garage gehabt und das Ticket zum Flughafen hätte dich auch weniger gekostet.


    Daran hat der sparsame Franke wieder mal nicht gedacht, das Fragen nichts kostet. ;)

    Es geht immer weiter - und wenn es zurück ist. Nach dem Regen scheint die Sonne.

  • Um den Passknacker Landespreis fertig zu machen, habe ich mir eine Woche plus den Montag danach frei genommen, und etwa diese Tagestouren geplant:


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    Start ist in grün ab Zürich, dann Mitte in rot, dann Rest und Heim in blau. Das überkreuzt sich, weil man manche Punkte im Kanton Schwyz nicht am Wochenende fahren darf. Und meine Tour beginnt und endet leider jeweils an einem Wochenende.


    09.10. Zürich - Interlaken


    So, die Versys steht in Zürich im Hauptbahnhof, ich bin in Nürnberg - da hilft ein Kurzstreckenflug mit 35 Minuten Flugzeit. 5 Tage vor Abflug erwischt mich eine ordinäre Erkältung, meine erst seit 2 Jahren, und haut mich ziemlich um. Ich schone mich so gut ich kann und habe tatsächlich Freitagabend das Gefühl, dass es jetzt wirklich aufwärts geht. Also bin ich Samstag früh um 7 Uhr am Flughafen und alles läuft glatt. Spannend ist nur, ob die Versys noch da ist, und falls ja, in welchem Zustand, und falls nein, ob die Polizei Angaben zum Aufenthaltsort machen kann oder nicht - gegen Diebstahl ist sie versichert, abschleppen und zwei Wochen verwahren könnte ihren Zeitwert übersteigen... Aber machen wir es kurz, sie ist noch da, und abgesehen von einer Staubschicht sieht sie auch noch aus wie vorher. Puh! Dabei ist es bewölkt und kalt, aber trocken.


    Jetzt umpacken, Tankrucksack und Werkzeug aus dem Topcase, Hecktasche bestücken, anziehen, aufsetzen - los! Los? Anlasser, ihr Einsatz bitte? "Ja, ich drehe ja schon, aber da kommt nix, hörst du doch!" Etwas ungläubig orgle ich 10 Sekunden, dann Pause, dann wieder 10 Sekunden. Jetzt bitte keine schlappe Batterie, bloß weil es hier nachts 3 Grad hatte. Irgendwann rülpst der Motor erste Lebenszeichen von sich und die Batterie treibt den Starter tapfer immer wieder, wenn auch mit nachlassendem Elan, bis der Twin dann schließlich doch noch zum Leben erwacht. Jippie! Da ist erstmal Drehzahl halten angesagt. Macht sich immer gut vorm Hauptbahnhof, aber ich warte hier nicht auf den ADAC (ACAC?).


    Das Navi steckt im Halter und hat sich auch schon gefunden. Es geht schnurstracks schnellster Weg 80 km nach Süden. 10 Minuten später bin ich auf der Autobahn, wo für einen Samstag morgen schon recht viel Betrieb ist. Es geht durch diverse Tunnels. Das Navi fährt in Tunnels normalerweise einfach weiter mit dem Tempo, mit dem man rein gefahren ist. Jetzt steht es. Hm! Auch antippen führt zu keiner Reaktion. Ist das Ding jetzt abgestürzt? Ausschalten, einschalten, geht gerade noch so während der Fahrt, weil der Knopf mit Handschuhen schwer zu ertasten ist. Es startet neu und reagiert wieder, kriegt aber keine Peilung. Schöner Mist. Raus auf den nächsten Parkplatz, Fehlersuche. Was sagt das Navi-Basissystem zu "GPS Info"? Es sagt "Open Serial Port error". Waaat. Hat sich auf der Autobahn etwa die Konfigurationsdatei verstellt? Vielleicht hätte ich es besser nicht im Flugzeug als Gepäck aufgeben sollen... Im Navi-Basissystem gibt es den Punkt "Restore Sys", den wähle ich. Danach hat es wieder Peilung. Aber die Navisoftware startet nicht mehr, denn der Pfad ist jetzt auch falsch. Den kann ich aber per Menü einstellen, gar kein Problem. Voila, es lebt, es findet sich, es navigiert! Für den Notfall hätte ich normalerweise noch ein identisches Zweitgerät dabei, aber das ging vor 4 Wochen irgendwie kaputt. Jetzt hätte ich noch zwei Handies und ein Uralt-Garmin dabei, aber keine Halterung dafür und auch keine Routen darauf - das wären Notbehelfs-Krücken, denn meine Routen haben bis zum 50 Wegpunkte am Tag, und für den Landespreis brauche ich alle - ohne Kompromiss.


    Nach einer Weile auf Schnellstraßen fahre ich von der Hauptstrecke runter und den Berg hoch zum ersten Passknacker, den Glaubenberg. Es war vorher schon nicht warm, und es wird absehbar so bald nicht wärmer - also rein in die Regenkombi, als Kälteschutz. Auf 1540 Höhenmeter fahre ich längst in den Wolken, dann kommt das Ortsschild. Foto im Kasten!


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    Und weiter geht's: Auf gleichem Weg wieder runter und den nächsten Punkt hoch: Mülimäs. Das geht jetzt öfters so. Immer gern so auf 1500 Meter hoch, meistens in der Wolke. Bei der Älggialp gibt's die Besonderheit, dass man nur zu geraden Stunden hoch fahren darf und nur zu ungeraden runter. Da kann man also bis zu 2h mit Warten verbringen. Ich habe Glück, ich bin 12:30 unten und 12:45 oben. Oben, schon wieder in den Wolken, komme ich mit einem Drachenflieger ins Gespräch. Er sagt, diese Regelung wäre nur für die Hauptsaison. Das steht ja nicht auf dem Schild, aber hey, was weiß ich schon. Runter hat man kurz Weitblick:


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    Wieder im Tal geht's in paar Kilometer flach, und dann den nächsten Punkt hoch: Glaubenbielen. Hier werden gerade ein paar Kühe runter getrieben. Die Saison ist wohl wirklich vorbei. Dann kommt die Schwarzwaldalp, und eine Hochebene auf 1500 Meter.


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    Kein gutes Wetter für Fotos heute. Letzter Punkt heute ist die Axalp. Danach geht's eine Weile gerade Richtung Westen, Interlaken, und dahinter käme nach Süden die Griesalp. Ich habe aber im Norden von Interlaken ein günstiger Hotel gefunden und auch gebucht. Jetzt bin ich flexibel ob ich die Griesalp noch vorher mache. Das wäre 1,5 Stunden länger und ich würde einen Teil der Strecke heute und zurück fahren, und morgen wieder hin. Da ich schon recht müde werden, fahre ich direkt zum Hotel. Auf dem Weg finde ich noch einen Aldi und decke mich fürs Abendessen ein. Kurz nach mir erscheint eine Frau auf einem wüsten G650GS Weltreiseumbau mit Zusatzlampen, Softgepäck und Schaffell - so klein ist die Welt.


    Im Hotel Regina hatte ich für knappe 50 Euro ein Zimmer ohne Bad gebucht, aber weil wenig los ist, bekomme ich zum gleichen Preis ein Zimmer mit Bad. Wow, da sagt man: Danke!


    39,6% Schweiz

    Passknacker Rangliste Platz 5 - und das bleibt wohl auch noch ein paar Tage so: 43795 vs 45578 Punkte, 972 vs 1031 Pässe.

    MO24 Team Reisen

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  • 10.10. Interlaken - Lausanne?


    Am Abend zuvor habe ich noch versucht, meine Reifendrucküberwachungsgerät wieder in Betrieb zu versetzen. Also abgebaut und im Hotelzimmer geladen - klappte nicht, es sponn einfach vor sich hin, piepte und bedient sich dauernd selbst. Entnervt habe ich es dann am Motorrad ins Topcase gepackt, da stört es die wenigsten Menschen. Schade eigentlich.


    Nachts hatte ich leider wenig Spaß, dafür viel Spaß mit der Nase und dem was sie so absondert in alle möglichen Richtungen. Ich befinde mich in der Nacherkältungsphase, mit den Hauptinteressen "Abhusten" und "Nebenhöhlen freipusten". Blöd ist, wenn Nasenbluten dazu kommt, und der Würfelhusten danach eine andere Farbe hat. Und ich habe nur 5 Taschentücher dabei. Das wolltet ihr bestimmt alles so genau wissen. Fotos gibt's aber keines. Zumindest nicht davon, aber von etwas anderem, denn auch für mich geht heute wieder die Sonne auf. Der Blick vom Hotelbalkon verspricht viel:



    8:30 gibt's das etwas spärliche Hotel-Frühstück, das bei den 50 Franken inklusive war. Eingepackt habe ich schon vorher. Dann geht's direkt zur Griesalp. Die ist etwas schwierig zu planen. Die letzten 2 km sind sehr steil und einspurig, und dort verkehrt der Postbus. Der kann nicht ausweichen, und auf dem steilen Stück möchte niemand rückwärts fahren. Daher darf man ihm nicht begegnen. Es ist also eine befristete Einbahnstraßenregelung. Wann das genau ist, erfährt man online nicht ohne intime Kenntnisse der Namen aller Bus-Haltestellen. Ich fahre einfach mal hin. Die Landschaft wird immer mehr zur Alm, und es gibt sogar ein hoch gelegenes Flussbett voller Kies. Mit wenig Wasser, aber Rettungsring dran. Okay? Vor den Kehren kommt dann das Schild mit den Fahrzeiten: Alle 2 Stunden für 15 Minuten gesperrt, das ist ja die ganze Aufregung nicht wert. So sah das Schild oben aus:



    Und so der höchste anfahrbare Punkt:



    Die Kehrenstrecke ist wirklich steil. Nicht so steil wie manche Traktorstraßen in Weinbergen, aber für eine Strecke mit Touristenverkehr schon sehr ordentlich: Bis zu 23% sind angegeben. Das erinnert mich an die Alto de Angliru in Spanien, aber die ist zweispurig - und da fährt kein Bus. Sieht trotzdem imposant aus:



    Der nächste Passknackerpunkt "Meienberg / Luegle" liegt im Naturpark Diemtigtal. Mein Routenplaner fährt durch den Naturpark, mein Navi will lieber außenrum, kurz rein pieksen, und dann gleich wieder raus. Ich höre aber vorher, dass der Park besonders schön sein soll. Und er ist es auch tatsächlich! Allerdings wird es ziemlich verkompliziert durch doppelte Mautpflicht für Ost- und Westseite.


    An der Ostseite gibt es einen recht modernen Automaten, der Münzen und VISA-Karten akzeptiert, mit Touchscreen und so. Die Bedienung ist aber rätselhaft genug, dass sich davor eine Schlange gebildet hat, und ein Experte steht daneben und hilft. Ich bin der einzige Motorradfahrer hier, und die Autofahrer beweisen mal ihr besonderes Geschick im Parken: Hier könnte man prima 90° parken. Alle kämen rein und raus wie sie wollen, der Platz reicht satt. Oder man parkt links parallel in zwei Reihen, und rechts am Straßenrand, und das ganze zurück bis auf die "Hauptstraße". Nunja! Ich zahle meine 10 Franken, und los geht's! Wirklich schön hier.




    Das Navi will mich über einen Wanderweg schicken, das kann ich aber noch verhindern. Der richtige Weg findet sich dann auch noch. Auf der Westseite kommt recht überraschend ein weiterer Mautomat, wo man 5 Franken bezahlen muss, und zwar in Münzen. Ich war gewarnt und habe mir daher gestern mit einem 50 Franken-Schein eine Flasche Wasser gekauft. Es gibt aber keine Schranken und auch keine prominent platzierten Kameras. Gut möglich, dass man gar nicht verklagt wird, wenn man diese Privatstraßenmauten prellt. Mir ist auch gar nicht zu 100% klar, ob ich da fürs Befahren oder fürs Parken bezahle, und falls es Parken wäre, ob ich das überhaupt muss, wenn ich nur "halte". Halten und Parken unterscheidet sich ja, und absteigen, Foto machen, weiterfahren ist eindeutig halten - allerdings bin ich da nur in der deutschen StVO firm.


    Weiter auf der Route ist der Jaunpas endlich mal ein ganz gewöhnlicher Alpenpass. Nicht mehr, aber nicht weniger, denn hier kann man echt mal Schräglagen fahren. Oder könnte man, wenn mein Motorrad nicht recht unwirsch reagieren würde. Vielleicht sind die Reifen nach 2 Wochen Alpen doch nicht mehr so gut?


    Saanenmöser ist augenscheinlich so ein Retorentouriort für Neureiche. Immerhin wird es warm. Jetzt geht's deutlich nach Süden, über den Col du Pillon zum Col del la Croix habe ich endlich mal wieder richtig felsige Aussicht. Schön!



    Außerdem wird's jetzt französischsprachig, und auch der Straßenverkehr fühlt sich gleich französischer an. Das macht gelassen. Es folgt der Col des Mosses, eindeutig eine Motorradstrecke, an diesem Sonntag bei Sonnenschein natürlich mit Betrieb. Danach kommt der Col du Moelle, und da gibt's etwas Verwirrung: Der Routenplaner will drüber, das Navi lieber wieder zurück in weitem Bogen außenrum? 14 km Umweg, hmpf. Die Reihenfolge der nächsten beiden Punkte tauschen sieht logisch aus, wäre laut Navi aber sogar weiter, also lasse ich das. Also los zum Punkt, vielleicht geht's heute ja doch nach Norden. Dafür muss ich zunächst in eine Wolke reinfahren, die im Tal hängt, und dann eine einspurige holprige Waldstrecke. Abenteuerfeeling kommt auf.




    Am Punkt ist dann auch klar, warum es nicht weitergeht: Nördlich von hier ist zwar eine Straße, aber das ist eine Militärstraße, und das Militär macht dort Schießübungen. Dann wohl lieber außenrum. Dieser Umstand ärgert mich etwas, aber das stand auch in der Beschreibung auf der Passknackerseite. Vielleicht sollte ich künftig doch am Tag vorher lesen. Immerhin sind die meisten Punkte in der Schweiz völlig neu für mich. Die Umfahrung ist allerdings durchaus reizvoll. Jedoch stehe ich nach dem Punkt Tompey / Les Agites" wieder vor einer befristeten Einbahnstraßenregelung.



    Zum Glück muss ich nur 15 Minuten warten. Das kommt mir gerade auch ganz gelegen, denn mir ist etwas kalt und die Konzentration ist nach zwei kurzen Nächten auch nicht ideal. Ich lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen und mampfe Schokoriegel.


    Irgendwo lasse ich einen jugendlichen Viragofahrer überholen, der sich wenig um Tempolimits schert. Leider haben wir wenig gemeinsame Strecke, ich biege ab zum Pas de Morgins, direkt auf der Französischen Grenze. Nur echt mit See.



    zurück geht's 20 km Autobahn, leider zähfließend zwischen 30 und 70 km/h. Da könnte man doch...? Oder nicht? Ist es Schweiz hier? Oder Frankreich? Warum ist sonst kein Motorradfahrer da? Immer diese Ermessensfragen...


    Es wird langsam spät. Den Col de Sonloup erreiche ich 17:10. Zeit für eine Entscheidung: Noch 4 Punkte fahren, oder ab ins nächste Hotel? Da die Schatten schon sehr lange werden eindeutig nächstes Hotel. Es gibt eines halbwegs am Weg in einer Stadt namens Bulle. Dort erhalte ist das Zimmer Nummer 110. Kannste dir nicht ausdenken. Es ist direkt am Hauptbahnhof, wo einer Supermarkt offen hat. Ideal für mein Frühstück morgen und für weitere Munition im Kampf gegen die Rotznase.


    Das Motorrad kriegt noch schnell etwas Zuwendung: Luftdruck! Ich führe schließlich einen 12V-Kompressor mit und habe extra dafür eine stark abgesicherte Steckdose direkt an der Batterie angeschlossen. Vorne 1,2 bar. Das ist sehr wenig und erklärt das eigenwillige Verhalten. Das korrigiere ich und nehme mir vor, morgen früh wieder zu prüfen, nicht dass ich Luft verliere. Ich würde mit diesem Reifen vom Restprofil her aber ohnehin nicht mehr zu einer 7tägigen Alpenreise aufbrechen. Da ist jetzt wohl reduzierter Ehrgeiz beim Bremsen gefragt. Hinten sieht es besser aus mit 2,5 bar und 5 mm.



    Doch wieder 367 km heute, aber nicht bis Lausanne gekommen. Laut Plan wollte ich morgen früh mit dem Jura beginnen. Ich bin also am Ende des zweiten Tages etwa 100 km hinter meinem Plan. Ich habe zwar einen Tag Puffer am Ende eingeplant, aber auch drei brutal lange Tage zu je 400 km im Jura. Da mache ich mir etwas Sorgen, ob ich rechtzeitig fertig werde. Naja, notfalls fahre ich mal noch ein Wochenende runter und schnappe mir die restlichen Punkte am Bodensee, die müssten winterfest sein. Daheim liegen auch ein Radsatz mit frische Reifen bereit... Die Erkältung ist klar vorbei, aber dafür habe ich jetzt Sonnenbrand im Gesicht, von den oben beschriebenen 15 Minuten. Das war das einzige Mal, dass ich heute zwischen den Hotels den Helm abgenommen habe.


    984 Pässe dieses Jahr

    42,7% Schweiz

    2737 unterschiedliche Pässe insgesamt

    MO24 Team Reisen

  • 11.10. Freiburg, Jura (1)


    Die Nacht war nicht so schlecht wie die letzte. Es geht gesundheitlich aufwärts. Heute habe ich Frühstück aus dem Supermarkt und gucke ab 8 Uhr der Welt beim Auftauen zu. 1 Grad Außentemperatur steigern nicht gerade den Wunsch, möglichst sofort zu starten. Aber nutzt ja nix, also geht's kurz vor 9 Uhr los. Bis dahin ist hoffentlich alles eisfrei und vielleicht sogar trocken. Das klappt ganz gut, ich sehe im Kanton Freiburg noch Reif auf den Wiesen, die im Schatten liegen. Ich schnappe mir vier Punkte zwischen Lac de Neuchatel und Genfersee. Das ist Hügel- und Ackerland. Anfangs fahre ich über den Wolken...



    ... später tauche ich leider ein.



    Passknacker beschreibt zu diesen Punkten die Geschichte des Schweizerischen Atomprogramms, kann man mal nachlesen bei Interesse: https://passknacker.com/paesse_details.php?pass=227


    Dann geht's runter zum Genfer See, der Nebel endet, dann kommt eine halbe Stunde Autobahn, alle 5 km ein Blitzer, und schon ist man ganz im Südwesten der Schweiz angekommen! Ein erfrischend kleines Land. Hier wird's sogar so warm, dass ich die Heizgriffe auf Stufe 5 von 6 runterschalten kann! Es geht in den Jura, und hier kann man mal ordentlich Motorradfahren. Die letzten beiden Tage hatte ich sehr steile Sackgassen in Almen hoch, heute ist das alles deutlich flüssiger. Und es sind weniger Touristen unterwegs. Es gibt natürlich auch Almen, wir brauchen ja Platz für die Kühe und Kühe für den Schweizer Käse, aber die sind nicht so steil.



    Insgesamt fühle ich mich im Jura pudelwohl. Die Strecken sind gut zu fahren, es ist nahezu Null Betrieb und es fühlt sich eindeutig wie Frankreich an :) Außerdem kenne ich die meisten Strecken hier schon von den letzten beiden Versuchen, den Landespreis zu machen. Duck und Manuel dürften sich erinnern. Vielleicht auch diesen See.



    Aber auf diesem Berg bin ich wohl das erste Mal.



    "La Bullatonne / Les Illars" heißt der Passknacker, das ist der höchste heute mit 1427 Meter, und außerdem ist es mein 1000. Passknackerpunkt dieses Jahr :) Die Gipfel im Hintergrund stehen nicht mehr in der Schweiz. Die sind schon in Frankreich, jenseits des Genfer Sees, also nach Süden. Ich passiere hier und da die westliche Grenze nach Frankreich, oft über solche Mini-Grenzübergänge:



    Hier darf man nicht mit Geschäftsfahrzeugen rüber, und nicht wenn man etwas zu verzollen hätte - es gibt nämlich keinen Zoll hier. Selbstauskünfte funktionieren immer prima ;)



    Insgesamt habe ich heute viel Fahrspaß und Sonne. Es ist etwas wie Schwarzwald, nur einsamer.



    Ich suche mir gegen 16 Uhr ein Hotel und werde tatsächlich wieder in Frankreich fündig, 58 Euro ohne Frühstück, 10 km hinter der Grenze, und so dass ich morgen nicht den gleichen Weg zurück müsste. Ich habe eindeutig Feierabendverkehr vor mir - in der Schweiz arbeiten und in Frankreich wohnen bietet sich wohl eher an als umgekehrt.


    Das Hotel ist bisher das angenehmste. Mir ist kalt, darum ignoriere ich die beiden französischen Passknacker in der Nähe, die ich jetzt mit einer 45 km Abendtour eintüten könnte, so als kleines Leckerli und Ranglistenverstärker. Der Tag war lang und kalt genug. Nach der langen und heißen Dusche gibt es fußläufig einen Supermarkt fürs nächste Frühstück, zu viele Snacks für den Abend (hungrig einkaufen gehen ;) ), und eine frische Pizza aus dem Automaten.



    Die ist tatsächlich lecker. Leider nicht individuell konfigurierbar. Zum Glück habe ich daran gedacht, Besteck einzupacken, denn sie ist auch nicht geschnitten.


    Da mein Kettenöler nicht mehr ölt gibt es noch eine Runde WD40 für die Kette. Die Luftdruckprüfung zeigt hinten wie vorne 0,5 bar weniger als vor 24 Stunden, aber kalt statt warm. Das ist kein Grund zur Sorge, das stelle ich morgen früh wieder ein. Das Reifenprofil macht mir etwas sorgen, aber die restlichen 1500 km gehen hoffentlich noch. Die Wettervorhersage ist weiterhin trocken bei 2-16 Grad für die restliche Reisezeit für 5 Orte entlang meiner restlichen Route. Der Gesamtroutenfortschritt war heute prima. Ich bin heute 444 km gefahren ohne mich zu quälen und habe den Rückstand zur Planung deutlich reduziert, vielleicht noch 50 km. Angesichts der optimistischen Planung im Jura und des Puffers am Ende geht das voll in Ordnung. Fazit, das sieht doch alles recht gut aus!



    1013 Pässe diese Saison

    In der Rangliste auf Platz 4 aufgestiegen. Den Platz 3 hat jemand, der gerade Spanien und Portugal macht, und er hat schon 1337 (!) Pässe. Den kriege ich wohl kaum.

    50% Landespreis Schweiz

    MO24 Team Reisen

  • 12.10. Jura (2)


    Die Nacht war wieder etwas schlechter als die letzte, aber ich habe erstmals einige Stunden ununterbrochenen Schlaf bekommen. Es geht gesundheitlich aber eher seitwärts. Beim Frühstück im Hotelzimmer stelle ich fest, dass es draußen dicht bewölkt ist - daher ist es weniger kalt, aber die Sonne wärmt auch nicht. Ich komme erst 9:30 los. Vorher kriegen die Reifen noch frische Luft. Als weitere Kälteschutzmaßnahmen schließe ich die obere Helmbelüftung, das geht bei Schuberth nur von innen und wird gern vergessen, außerdem klemme ich mir mein Sporthandtuch zwischen die Jackenschichten vierlagig vor der Torso. Damit trage ich obenrum nun warmes Longsleeve, T-Shirt, Fleecepulli, Handtuch, Membranjacke, Motorradjacke, Regenjacke. Und doch schwitze ich nicht. Egal, Hauptsache der Motor läuft, los geht's!


    Die Route führt mich wieder in die Schweiz rein, über die zwei Grenzpässe Col du France und Col des Roches. Dabei komme ich durch einen Ort, der Appetit macht.



    Vielleicht gehe ich heute Abend zum Italiener? Die Route führt dann schnurstracks südlich, zu einem Outlier. Der Punkt Mont Vully liegt außerhalb der anderen und ist eigentlich von beiden Seiten gleich weit entfernt, von Norden her aber immerhin über Hauptstraßen. Freundlicherweise kommt dabei die Sonne raus. Man fährt zwischen Acker, dann geht's zwischen ein paar Bäumen aufwärts, und während man sich noch fragt, wer diesen Punkt hier hin gelegt hat, hören die Bäume wieder auf man hat diese Aussicht auf den Murtensee. Wow!



    Klarer Fall: Zeit für ein zweites Frühstück. Dann geht's die Autobahn 20 km wieder zurück. Heute fahre ich wieder eine Mischung aus Bundesstraßenpässen und Almen, alles eher ohne Kehren und mit sehr wenig Verkehr. Höchster Punkt ist der Chasseral, von weitem zu sehen durch den Sendeturm.



    Hier habe ich dann tatsächlich das erste mal ein langsames Fahrzeug vor mir, das nicht Platz machen möchte. Ein Reisebus. Die habe ich während des Lockdowns nicht vermisst. Leider ist oben wenig Aussicht wegen Wolken.



    Der Chasseral war einer von drei Punkten, die schneemäßig kritisch sein könnten. Es verbleibt nur noch einer. Aber jetzt und hier fühle ich mich im Jura wohl. Einfach in Ruhe Motorrad fahren.




    Meine früheren Vorbehalte gegen Motorradfahren in der Schweiz haben sich ziemlich aufgelöst. Hier gibt's auch nur auf der Autobahn Blitzer, und wenn man 1x am Tag Polizei sieht, ist das viel. Ich sehe heute einen Motorradpolizisten, und der grüßt natürlich zurück. Ist eben wie Frankreich, und oft fährt man auch ein Stück durch Frankreich, da die Grenze eher Zickzack geht und manche Passknackerpunkte auf der Grenze liegen. Abends hat man wieder diverse "Willkommen in ...!"-SMS und Covid-Info SMS im Handy, besonders wenn man drei SIM-Karten in zwei Handies verwendet...


    Ich suche mir schon gegen 15 Uhr ein Hotel und werde tatsächlich schon wieder in Frankreich fündig, 59 Euro für ein Aparthotel mit Frühstück, 10 km hinter der Grenze, und so dass ich morgen nicht den ganzen Weg gleichen zurück müsste. Alternative wäre ein Bungalow am Campingplatz in der Schweiz gewesen, aber bei der Kälte wollte ich doch lieber gemauerte Wände. Ich habe wieder etwas Feierabendverkehr vor mir, aber weniger als gestern und kann frei fahren.


    Um 16:45 komme ich am Aparthotel an und die Rezeption ist noch nicht besetzt. Also fahre ich 3 km zur nächsten Tankstelle, die Versys war schon am letzten Balken. Das wäre zwar noch nicht wirklich nötig gewesen, aber so spare ich morgen 5 Minuten und der Sprit kostet etwa das gleiche wie in der Schweiz, und so verliere ich auch nichts. 17 Uhr ist die Rezeption pünktlich offen und ich checke mit ungewohnt tiefer Stimme ein.


    Das Aprthotel ist in Ordnung. Es liegt bei einem Golfplatz, also sehr ruhig. Frankreich ist hier schon Elsass. Den Fließenboden in der gesamten ausgekühlten Bude hätte ich mir nicht ausgesucht, aber ich habe eine Heizung, ein Sofa, Decken, und mehrere Tische. Die Versys steht unter dem Balkon und bleibt so über Nacht trocken. Eine trockene Sitzbank am Morgen ist doch was feines.



    Der Gesamtroutenfortschritt war heute trotz 334 km Strecke nicht so toll. Ich habe etwa 200 km Rückstand zur Planung. Da rächt sich die optimistische Planung im Jura und auch die Umwege zu günstigeren Hotels. Je 25 km morgens und abends sind 50 km jeden Tag. Den Puffertag am Ende werde ich wohl brauchen. Die Reifen sehen abends genauso aus wie morgens. Fazit, das ist alles noch machbar, ich sollte nur nicht noch kranker werden. Neuerdings ist auch das rechte Ohr dicht, was auch schmerzt. Ich bediene mich abends mal gründlich an meiner Reiseapotheke...


    27 Passknackerpunkte heute

    57% Landespreis Schweiz

    0 Probleme mit Sperrungen oder Nachweisen

    MO24 Team Reisen

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