Reisebericht Alpenschotter 2021 Piemont

  • Hey, hast du Lust, 1100 km Anreise auf dich zu nehmen durch 3 Länder mit komischen Corona- und Maut-Regeln, um mit mir ein paar Kilometer einer alten Straße zu fahren, die in so schlechtem Zustand ist, dass dort Tempolimit 20 ist und du dir vorher besser Schutzeinrichtungen ans Motorrad schraubst? Wir teilen uns einfache Ferienwohnungen, wo du vielleicht sogar ein eigenes Bett haben wirst, und wir essen, was wir halt so finden können. Ausgeschlafen wird nicht. Es gibt noch mehr schlechte Straßen, die man an manchen Tagen nicht befahren darf. Wann genau, sieht man vor Ort - oder auch nicht. Danach kannst du die 1100 km wieder zurückfahren. Also, kommst du mit?


    Solltest du diese Frage mit "Bist du verrückt? Natürlich nicht!" beantworten, ist mit dir alles in Ordnung. Für alle anderen ist dieser Reisebericht.


    Die Lingurische Grenzkammstraße, die Assietta Kammstraße, die Maira-Stura-Kammstraße, der Col de Sommeiller, der Monte Jafferau und das Fort Pramand stehen in Alpen rum, sind etwa seit dem 1. Weltkrieg als Schotterstrecken erschlossen und warten unweit der französisch-italienischen Grenze auf Besucher. Wer mag, kann hier die höchsten legalen Strecken der Alpen unter die Räder nehmen. Vor Juli liegt noch Schnee, da bietet sich der September als Termin an: Kein Schnee mehr, noch kein neuer Schnee. Schulferien überall vorbei, daher wenig Betrieb. Hier spielt die Musik:



    Und noch gar nicht erwähnt habe ich die möglichen Aussichten von diesen Strecken. Das sind so ziemlich die schönsten, die ich kenne. Danach fährt man über Strecken, die man vorher beeindruckend fand, und wundert sich, warum das nicht mehr kickt. Mit anderen Worten: Macht süchtig.


    Als Reisegruppe habe ich mir einen exklusiven Kreis zusammengestellt, und schließlich finden sich vier ausreichend Verrückte ein:

    Mirko aus Jülich mit einer KTM 790 Adventure - Wiederholungstäter, die letztjährige KTM 1050 Adventure wurde inzwischen aus der Tiefgarage geklaut.

    Luca aus Frankfurt mit einer V-Strom 1050 - Wiederholungstäter auf dem gleichen Motorrad wie letztes Jahr

    Sebastian aus Suhl mit einer KTM 690 SMC - neu dabei, bekannt von Straßentouren nach Frankreich und Italien

    Johannes aus Nürnberg mit einer Versys 650 - Das bin ich ;)


    Zur Vorbereitung habe ich meine Versys 650 mit Conti TKC 70 bereift. Hinten abweichend in 150/70 R17 statt 160/60 R17. Das bringt etwas mehr Bodenfreiheit, macht das Handling agiler und sieht gut aus. Außerdem gibt's de 150er oft mal günstiger als gebrauchten Fehlkauf. Ein Unterfahrschutz ist montiert, außerdem Endurofußrasten "Pivot Pegz". Eine Lenkererhöhung, einen Sturzbügel am Motor, Griffschalen mit solidem Unterbau und Sturzpads an den Achsen habe ich als Vielreisender eh immer montiert, ebenso wie Ersatzhebel im Gepäck sind.


    -- Redaktioneller Hinweis: Es erfolgt jetzt jeden Tag ein Bericht über einen Tag, damit die Mitreisenden auch zu Wort kommen können. Und für den Spannungsbogen bzw. fürs Miterleben :)

    MO24 Team Reisen

  • 18.9. Überführung ins Piemont


    Mirko und ich haben uns in Norditalien getroffen, beim Versysforum Höhentreffen in Teglio. Dort sind wir in netter Gesellschaft von nicht ganz so Verrückten eine Woche Tagestouren rund um unser Hotel mit Halbpensionen und 4-Gänge-Abendessen gefahren. Aber das ist eine andere Geschichte: Reisebericht Höhentreffen 2021 Teglio


    Sebastian und Luca reisen einzeln an aus Suhl und Frankfurt. Heute Abend treffen wir uns in Limone Piemont.


    Heute ist außerdem die allgemeine Abreise vom Höhentreffen. Ein letztes Frühstück, dann schnell einpacken - am Abend vorher aufräumen hilft - und allgemeiner Abschied. Das Höhentreffen hat echt etwas familiäres.


    Um 8:15 holen mich Mirko und sein Noch-Mitreisender Kasimir123 ab, die sich eine Ferienwohnung in der Nähe des Hotels geteilt haben. Wir fahren gemeinsam nach Westen. Ich darf zwei Mitfahrer im Auge behalten, als ich uns durch den italienischen Bundesstraßenkolonnenverkehr leite. Mirko und ich biegen zum San Marco ab, Kasimir123 verabschiedet sich und fährt weiter das Tal entlang.


    Der San Marco ist echt das Highlight der Region.


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    Auf der Südseite fahren noch einen Abstecher nach Westen zum Col d'Olda, wofür man eine Weile durch eine schicke Schlucht fährt. Der Straßenzustand ist besser als in meiner Erinnerung.


    Über die Poebene bringt uns die Mautobahn, zum Glück mit ein paar Wolken - warm wird's trotzdem. Mirko hat noch Spaß mit der Autobahnmautautomat. Er kriegt einfach kein Ticket, er steht vor der offenen Schranke. Vielleicht stand er zu nah bei mir und die Induktionsschleife hat noch nicht gemerkt, dass ich weg bin. Vielleicht hat das Auto hinter ihm, das ebenfalls sehr dicht drauf sitzt, so einen cleveren Transponder eingebaut, der die Schranke aufmacht. Wer ohne Ticket weiterfährt riskiert eine heftige Sondergebühr beim Verlassen der Autobahn, nämlich die längstmögliche Strecke. Und die fängt irgendwo bei Sizilien an. Ich suche mir Schatten, denn helfen kann ich nicht und es ist wirklich heiß genug. Personal ist nicht in Sicht, aber nach ein paar Minuten spuckt der Automat dann doch ein Ticket aus. Und weiter geht's.


    Wir bügeln zur Unterhaltung, und um nicht zu früh anzukommen, noch ein wenig durchs Hinterland von Savona. Die Abwechslung tut wirklich gut, auch wenn die Straßen schnell recht klein werden. Einmal sind wir auch offensichtlich so falsch, dass ich anhalte, umdrehe und die Hauptstrecke nehme. Am Rückweg zur Hauptstrecke haben wir einen gelben Renault Irgendwas RS vor uns, der gerade aus einer Hauseinfahrt gekommen sein muss. Und der hat's eilig. Wusstet ihr, dass man Turbomotoren immer ordentlich warm fahren muss? Er nimmt das mit dem warm fahren sehr ernst, ich komme kaum hinterher, an Aufschließen oder Überholen ist nicht zu denken. Hier ist eindeutig süditalienische Fahrweise angesagt. Einheimische Motorradfahrer geben das Tempo vor und manche Autofahrer kommen gut mit. Dagegen waren die letzten Tage Fahrschule. Der Pass Buzurou und der Passo Bossola wandern in mein Passknacker-Lebenswerk: Ich möchte möglichst viele von den zur Zeit 4731 Punkten einmal gefahren sein. Und hier kommt man sonst eher nicht vorbei. Landschaft ist leider vor allem Wald. Aber mein km-Stand ist interessant:


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    Aber blicken wir nach vorne: Wo sind die anderen beiden Mitreisenden? Die liegen recht gut in der Zeit und wären schon 17:30 in Limone. Wir eigentlich auch, also gucken wir uns einen Ort aus, wo wir alle durch müssen, und verabreden uns da lose. Als ich mit Mirko 5 km vorher halte um die Nachrichtenlage zu checken, haben die sich bereits nach Limone verkrümelt, weil's im Ort nichts gab. Okay, dann eben 10 Minuten fahren... Moment, wo bleibt Mirko? Er hat den Motor der KTM abgestellt, und die macht jetzt nur fiese mechanische Geräusche. Sehr unangenehm. Irgendwann kommt die Fehlermeldung "MTC Fehler". MTC? Eingehende Recherche fördert zu Tage, dass es sich um die Motorrad-Traktionskontrolle handelt. (Gut dass das so spezifisch ist, denn könnte ja auch die Traktionskontrolle für etwas anderes gemeint sein.) Das hat mit dem Fehlerbild natürlich nichts zu tun aber 10 verzweifelte Minuten später springt das Motorrad wieder an und fährt, als wäre nie was gewesen. Okay?


    Um 17:35 treffen sich alle im Cafe in Limone. Kurzer Anruf in der Ferienwohnung, ob ich auch nach 18 Uhr einchecken kann? Man spricht kein englisch, deutsch oder französisch. Dann fahre ich wohl lieber mal hin. Und die anderen wollen auch mit, Gepäck abladen. Okay. Diese Ferienwohnung ist nur 2 km weiter und anscheinend ein großer Komplex. Das heißt es gibt eine Rezeption und man muss nicht irgendwen anrufen der dann irgendwann von irgendwo ankommt.


    Also eben rüber fahren. Ich zahle im Voraus Miete, Kaution, Touristenabgabe. Uff. Unsere Ferienwohnung geht über zwei Etagen mit je einem Schlafzimmer und Badezimmer. Das ist gut. In einem Schlafzimmer ist ein Doppelbett, im anderen ein Stockbett und noch eine Matratze davor - das ist nicht so gut. Irgendwie sind Ferienwohnungen mit großer Anzahl von Einzelbetten sehr selten, und wenn, dann sehr einfach und eher für Pilger. Diese hier ist neu eingerichtet, dass es wie bei Ikea riecht - dafür schleifen manche Türen am Boden und die Lichtschalter ergeben wenig Sinn. Eine Lampe im Wohnzimmer, wo Mirko auf dem Sofa schlafen möchte, kriegen wir nur durch Ausschalten und Einschalten der Sicherung aus.


    Abladen und wieder aufsatteln, zurück nach Limone, Essen finden: Es ist wenig Betrieb. Wir finden eine offene Pizzeria. Für mich gibt's endlich wieder die Original italienische Pizza "Würstel" :) Untereinander verwenden wir übrigens die App Tricount, um die Kosten in der Gruppe auszugleichen: Bei jeder Gelegenheit wird gemeinsam bezahlt, und wer bezahlt, trägt die Summe in die App ein und wer dabei war. Am Ende kommt dann raus, wer wem wieviel überweisen muss. Das spart dem Kellner Nerven, uns Zeit und erspart vor allem ständiges Ausgleichen von Kleinbeträgen. Auch beim Tanken sehr praktisch (wenn der Mensch mit dem geringsten Benzinverbrauch einverstanden ist).


    Fazit des Tages, happy Anreise, mit der Ferienwohnung können wir uns arrangieren, gutes Wetter ist angesagt. Jippie!

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Luca aus Frankfurt mit einer V-Strom 1050 - Wiederholungstäter auf dem gleichen Motorrad wie letztes Jahr

    Der Klugscheißer in mir möchte darauf hinweisen, dass ich noch das Vor-Facelift-Modell fahre, was noch nicht als 1050er, sondern als 1000er geführt wird, trotz des gleichen Hubraums ;)

    Sebastian und Luca reisen einzeln an aus Suhl und Frankfurt. Heute Abend treffen wir uns in Limone Piemont.

    Dann möchte ich auch mal kurz meinen Senf zur Anreise dazu geben:


    Die Alpenschotter-Runde ist nur die erste Hälfte meines Motorradurlaubes, im Anschuss geht es für mich noch eine Woche mit Zelt quer durch die Alpen auf der Straße weiter. Also nicht wundern, wenn auf den Überführungsetappen das Motorrad etwas überladen wirkt, ich habe noch etwas mehr Gepäck als nur für diese eine Woche dabei :P


    Der ursprüngliche Plan war, am 16.09. zu starten und eine dreitägige Anreise über Landstraßen zu machen. Das ganze wurde dann dadurch torpediert, dass sich für den 16. am Abend ein alter Schulfreund, der mittlerweile in Hamburg lebt, auf Durchreise angekündigt hat. Dadurch verschiebt sich die Abfahrt dann nach einer sehr kurzen Nacht auf 11 Uhr am 17. in Frankfurt.

    Da ich nun schnell Strecke machen muss, fahre ich direkt auf die A5 und bleibe auf der der Straße bis zur französischen Grenze bei Mülhausen. Dann geht es zur Abwechslung auf französischen Mautautobahnen bis Montbeliard, danach auf Landstraßen durchs französische Jura bis Annecy. In Annecy habe ich wegen der verkehrsgünstigen Lage, der 24-Stunden Rezeption und meiner generell eher geringen Ansprüche (auf Anreise brauche ich hauptsächlich ein Bett und Platz, um meine Klamotten in die Ecke zu werfen) ein Zimmer im ibis Budget reserviert. Dort treffe ich bei mittlerweile völliger Dunkelheit um 21 Uhr mit knapp 700km mehr auf dem Tacho ein. Da ich quasi direkt ins Bett falle, bin ich am nächsten Morgen früh wach und es geht um 7:30 Uhr weiter, direkt auf den ersten Berg hoch. Ein Frühstück aus dem Tankrucksack gibt es dann auch auf der Passhöhe des Semnoz.



    Im Anschluss biege ich noch einmal kurz auf eine Schnellstraße ein, bis ich den Einstieg in die Route des Grandes Alpes mit dem Col de Telegraphe und Col du Galibier zelebriere. Weiter geht es danach über den Col de L'Izoard und Col du Vars. Anschießend fahre ich zum Tanken nach Jausiers rein und stimme mich mit den anderen bzgl. der Ankunft in Limone ab. Mir bleibt kurz Zeit für einen kleinen Abstecher Richtung Parpaillon, aber mit Gepäck und ohne allzuviel Zeitpuffer kehre ich schnell wieder um. Nach Italien geht es dann über den Col de la Larche (italienisch: Colle della Madallena, den gibt es übrigens nicht als Grenzübergang in dem tollen italienischen Einreiseformular :sostupid: ). In Italien angekommen geht es dann auf schnellstem Weg - also Rennstreckenmäßig ausgebauten Strada Stadale mit schönen, schnellen Kurven - zum vereinbarten Treffpunkt in Robilante. Bei der Suche nach einem passenden Lokal finde ich eine KTM 690 SMC-R mit viel Gepäck - das ist doch Sebastian :) Ein brauchbares Lokal ist mir aber nicht aufgefallen, also begeben wir uns nach Limone, da die anderen beiden ja sowieso durch eine launische KTM Adventure aufgehalten werden :P


    Ab hier darf blahwas gerne wieder übernehmen.

    Suzuki V-Strom 1000 (2018 - ?)
    Suzuki Bandit 1250 SA (2015 - 2018)
    Yamaha XJ 600 S Diversion (2013 - 2015)

    Edited once, last by hackstueck ().

  • Sehr schön :) Bin auf die Fortsetzung gespannt. ;)

    *Lille*

  • 19.9. LGKS


    Sonntags auf die LGKS (Lingurische Grenzkammstraße)? Ja, denn heute ist das beste Wetter der Woche, und in den Wolken will man nicht rumfahren. Wir wohnen am Fuß des Col de Tende und sind daher früh dran. Wir steigen von Norden ein. Den Besuch bei den Forts verschieben wir auf einen späteren Termin - wir wohnen so nah dran, das können wir jederzeit. 9:30 stehen wir oben am Tende und schwingen uns ein in diese Schotterstrecke. Es ist auffällig wenig los, da hatten wir eigentlich Bedenken, weil Sonntag ist und gutes Wetter noch dazu. Wir fahren als lose Gruppe, jeder hält wo er mag, z.B. um Fotos zu machen von der sich ständig verändernden Landschaft oder der imposanten Streckenführung. Ab und zu sammeln wir uns für Abstimmungen oder für Gruppenfotos. Oder wenn der Weg mal nicht ganz klar ist, denn es gibt durchaus Abzweigungen. Hier also einfach mal Fotos.














    Ich gönne mir noch einen Abstecher zum Colleta delle Salse. Komplett von der LGKS nach Osten runter, durch den Wald auf die Straße SP154, auf nur 1623 Höhenmeter. Und dann wieder hoch. Die Im Wald liegen wenig Steine, aber es gibt hohe Wasserüberleitungen. Die Gabel geht nur ein paar Mal auf Block, oder ist das der Unterfahrschutz, der diese Geräusche macht? Dafür lassen wir dieses Jahr den Abstecher zum Col Linaire aus.


    Wir tun uns alle nicht so schwer mit der Strecke dieses Jahr. Richtig anstrengend wird es eigentlich erst südwestlich vom Passo di Tanarello. Das geht nach Frankreich rein, da wird's steinig, schmal und die Kehren sind richtig eng. Dafür fahren hier auch keine Autos. Die fahren schön auf der Italienischen Seite zur Straße runter. Auch wir stehen vor der Versuchung, abzukürzen, denn die Hände und Füße tun bereits weh. Aber man will es dann doch ehrenhaft zu Ende bringen.




    Und das schaffen wir dann auch. So finden wir den Asphalt erst wieder beim Refugio Allavena. Dort kehren wir auch gleich ein und gönnen uns je ein Panini. Diese fallen hier wieder anders aus: Es sind belegte Brote. Kalt, aber reichhaltig belegt. Das gibt ordentlich aus. Es ist bereits 15 Uhr und ersetzt fast das Abendessen.



    Nun geht es per Straße zurück. Der Weg ist leider weiter als jetzt noch angenehm wäre, denn da stehen große Berge im Weg. Da muss man außen rum und teilweise auch drüber. Die Alternative wäre ein sehr öder Weg durch Frankreich und dann über den Col de Tende. Der Tende-Tunnel ist zur Zeit gesperrt, und der Col de Tende wegen seiner vielen Kehren auf der Südseite einspurig mit Wechselampel zu fahren, die alle 2 Stunden für 15 Minuten grün wird. Das letzte Mal um 19 Uhr. Nein, danke.


    Auf den Hauptwegen nach Norden ist viel Verkehr. Da kann man schon mal überholen, auch hinter Einheimischen, aber ich muss noch eine Gruppe zusammenhalten. Da wir auf eine Wolke zufahren und uns Motorradfahrer in Regenkleidung entgegenkommen mache ich Pause, um Regenkleidung anzulegen. Membranjacke drunter, Regenhose drüber, fertig. Der Rest der Truppe braucht etwas länger. Und weiter geht's.


    Wir müssen aber auch nach Westen, und da gibt's keine Hauptwege. Bzw. mein Navi möchte uns lieber alle Ortschaften zeigen, um den Umweg nach Norden zu vermeiden. Das zieht sich. Und wir fahren auf eine Gewitterwolke zu. Also kurze Abstimmung, ob man jetzt wartet und dabei was essen könnte? Ja, das findet eine Mehrheit. In Villanova ist eine Pizzeria. Ich hatte die ganze Woche in Italien zuvor keine Pizza, da kann man in zwei Tagen auch mal zwei Pizzen essen. Auf der Karte gibt's aber auch Hamburger, und der wird's dann auch für mich.


    In der Dämmerung geht es schließlich die 20 km zurück in die Ferienwohnung, wobei auch der Regen wieder einsetzt. Aber alles geht gut und hochzufrieden erreichen wir die trockene Garage. So endet ein toller Tag auf der LGKS - bestes Wetter, kein Verkehr, kein Sturz und keine Schande :) Sicherlich eines der Highlights des Jahres.

    MO24 Team Reisen

  • Mo 20.9. Frankreichrunde


    Als wir letztes Jahr hier waren, da war Frankreich gerade RKI Risikogebiet, deshalb haben wir es vermieden dort zu fahren. Nach unserem Urlaub gab es auf der französischen Seite des Col du Tende ein sehr großes Unwetter, wo der Fluss teilweise kilometerweit die Straße weggerissen hat. Ein Jahr später wollen wir nun dort rüber. Es gibt nicht so viele Zugänge zum französischen Straßennetz. Der Tende Tunnel ist noch bis auf weiteres gesperrt. Der Col ist offen, muss aber als Umleitungsstrecke mehr Verkehr aufnehmen als üblich. Daher ist die deutliche engere Südrampe mit einer wechselnden Einbahnstraßenregelung versehen:


    9, 11, 13, 15, 17, 19 Uhr Fahrt von Süd nach Nord erlaubt,

    8, 10, 12, 14, 16 ,18 Uhr Fahrt von Nord nach Süd erlaubt.


    Da möchte man also nicht 2x am Tag drüber, und auch lieber morgens, wenn man sich die Zeit aussuchen kann. Mirko setzt heute aus. So starten wir zu dritt. Als wir 9:50 aus Norden am Pass ankommen, waren Schilder, aber keine Ampel zu sehen. Es standen Arbeiter und haben freundlich mit drei Motorradfahrern diskutiert, die kurz danach losgefahren sind. Wir sind ebenfalls gefahren. Auf dem Weg nach unten kam uns ein kleiner LKW entgegen, dem man ausweichen konnte. Ansonsten hielten sich alle an die Richtung. Diese Südrampe ist für ihre vielen und engen Kehren berühmt.


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    Zurück an der Straße, südliche Zufahrt, waren weder Ampel noch Arbeiter, aber auch wieder ein Schild mit der Regelung. So weit, so gut. Das restliche Tal Richtung Süden ist weiterhin stark in Mitleidenschaft gezogen. Es wird fast überall gearbeitet. Wir hatten etwa 20 Baustellenampeln bis zu unserem Abzweig in Breil-sur-Roya. Wenn man sich ranhält, braucht man etwa 1 Stunde länger als sonst. Insgesamt also möglich hier zu fahren, aber sehr zeitraubend. Eine Umfahrung über Col de Lombard oder irgendwo östlich dauert aber auch locker 2 Stunden länger.


    Als wir endlich abbiegen in Breil-sur-Roya und schön sonnige die südfranzösischen Kurvenpässe hoch fahren steigt die Laune jedenfalls dramatisch.


    Da schadet es auch wenig, dass ich meine Gruppe in einen Knubbel von Passknackerpunkten mit Wendemanöver alle 2 km mitnehme, inkl. 4maligem passieren der gleichen Kreuzung :)


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    Zum Col de Turini hoch fliegen unten die Funken und oben ziehen die Wolken auf. Oben am Pass ist anscheinend ein Audi Event. Da machen wir doch mal eine ruhige Mittagspause mit Salat und Schokodessert.


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    Hier kann man hoch fahren zum Circuit de l'Authion und hat dann Sicht aufs Mittelmeer, aber heute haben wir leider eine Wolke. Egal, die meisten von uns sind das erste Mal hier.


    Die Westseite des Turini dürfen wir wegen des Events aktuell zwar fahren, aber die ersten 5 km nicht anhalten. Das ist mal was Neues.


    Die Routes des Grande Alpes (RDGA) ist wieder mal sehr schön :) Man kommt gut voran, hat viel Aussicht und Kurven in allen Geschmacksrichtungen.


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    Vor dem Col de Lombard tanken wir. Die KTM 690 hat Durst. Den Col de Lombard hoch ziehen Wolken auf, da ziehe ich gleich Regensachen an. Ob ist es sehr einsam und karg. Auf der italienischen Seite regnet es sich leider ziemlich ein und so werfe ich einen kleinen Umweg aus der Route.


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    In der letzten Stadt vor der Ferienwohnung plündern wir erst Geldautomat und dann den Supermarkt, danach fahren wir nass zur Ferienwohnung. Brrr. Wir laden die Einkäufe in der Garage ab und rufen Mirko. Der hat den ganzen Tag nichts gemacht, dabei stören wir nur ungern, aber helfen auch gern. Gemeinsam und suchen wir uns ein Restaurant in Limone. Weil Montagabend ist, hat viel geschlossen, aber wir werden fündig. Wir laufen in Motorradsachen inkl. Helm durch die Fußgängerzone, was schon Eindrucken machen würde, wenn jemand da wäre, um es zu sehen. Vor dem Betreten des Restaurants legen wir daher ab und hängen das nasse Zeug auf die Terrasse. Drinnen lassen wir es uns gut gehen. Das tut richtig gut, und so geht's deutlich heiterer zurück in die Ferienwohnung, wo wir die Dusche der Reihe nach auslasten. Echt 'ne schöne Ecke hier, als Beifang gar nicht schlecht, und das Wetter wird jetzt nur noch besser.

    MO24 Team Reisen

    Edited once, last by blahwas ().

  • Di 21.9. Maira-Stura-Kammstraße


    Heute ist die Maira-Stura-Kammstraße (MSKS) gesetzt. Die MSKS hat Sa/So/Feiertag Fahrverbot 9-18 Uhr. Mirko beklagt erneut fehlendes Kühlwasser und daher fahren wir morgens zunächst zum Obi nach Cuneo. Ein Schlauch als Einfüllhilfe darf's auch gleich sein, denn wenn man in einer KTM 790 Adventure Kühlwasser im Kühler nachfüllen möchte, sieht das Motorrad so aus:



    Wir fahren gemeinsam zum Baumarkt. Einer geht rein, drei warten draußen. Weil das lange dauert, fahren derweil noch zwei zum Supermarkt, einer geht rein. Weil das lange dauert, gehen die anderen zwei inzwischen Tanken. Weil die anderen beiden jemanden an der Tankstelle sehen, tanken die dann auch noch. So kommen wir irgendwie kaum aus dem Quark, aber immerhin sind wir alle ordentlich eingedeckt. Mit allem. Nun aber endlich Motorrad fahren!


    Nach kurzer Überführung durch die Ebene geht's ins Mairatal (Nordseite der MSKS), und dort wird gleich eine Rast am Imbiss gemacht. Kräfte sammeln. Es ist schon mittags, das macht aber nichts, weil die MSKS nicht sonderlich lang ist. Danach fahren wir also die MSKS von Nord nach Süd (gegen den Uhrzeigersinn). Schon die Zufahrt macht Appetit.



    Auf der Schotterstrecke selbst ist heute sehr wenig Betrieb - in Summe 10 Radfahrer, 5 Motoradfahrer. Weniger als letztes Mal. Wir sind auf durchschnittlich 2400 Höhenmetern unterwegs, haben Wolken, es ist eher kalt, aber dafür gute Weitsicht.






    Hier macht sein eigenes Tempo und fotografiert soviel er will.



    Hin und wieder sammeln wir uns doch alle :)



    Wegen des Regens vom Vortag einige tiefe Pfützen, welche die Motorräder einsauen. Bei manchen mehr als bei anderen. Ich achte sehr auf meine neue Hose.


    Die MSKS ist ein Rundkurs, alle klar erkennbaren Abzweige und Abstecher sind verboten. Auch am Abzweig zum Colle del Mullo steht ein Verbotsschild. Es gibt 30 Meter weiter östlich noch einen Wegweiser auf einen Wiesenweg mit gerade noch erkennbaren Fahrspuren. Den bin ich gefahren. Ob er legal war, weiß ich nicht. Der Weg ist auch eher grob und über den Pass fahren sollte man tunlichst nicht. Vielleicht sollte man den Passknackerpunkt besser löschen?




    Zurück auf dem Pfad der Tugend wird noch der Punkt Madonna del Coletto eingesammelt, den ich gestern wegen Regen gestrichen hatte. Es ist eine nette holprige Waldstrecke mit Serpentinen und einer Makrorauigkeit vom Typ "Zahnradbahn". Die Mitfahrer sind mäßig angetan. Immerhin einer meldet Dankbarkeit, dass er da gestern nicht bei Regen drüber sollte.


    An Regen ist heute nicht zu denken, feucht wird man höchstens von innen nach außen. Zeit für ein Eis. Ruhig in einem ordentlich italienischen Dorfcafé. Wenig Auswahl ist immer ein gutes Zeichen. Dabei Pläne schmieden: Es ist 14 Uhr. Was machen wir mit dem Rest des Tages? Erst mal den Col du Tende hoch und dann entscheiden: Links Forte Central angucken, oder rechts noch zwei Schotter-Passknackerpunkte einsammeln? Die Gruppe teilt sich 3:1. Ich fahre rechts, zu Baisse de Peyrefique und Baisse d'Ourne. Immerhin beides über 2000 Meter. Die Strecke ist in ähnlichem Zustand wie die LGKS, ist ja die Verlängerungen, allerdings komplett in Frankreich. Gute Straße.




    Naja, fast durchgehend gut.



    Da könnte man jetzt prima rein fallen als Alleinfahrer. Es kommt leider auch sonst niemand, der sich zuerst traut und mir einen Eindruck verschafft, wie tief das ist, oder was da im Trüben lauert. Ich suche mir lieber die Linie rechts und bleibe trocken und sauber. Am Punkt steht in Wegweiser nach Tende. Noch sehr viele Kehren weiter unten wäre man wieder an der Hauptstrecke. Das könnte fast genauso schnell sein wie das Haupttal mit den vielen Ampeln, aber sicherlich interessanter.


    Jetzt aber zurück, dabei das Fort Centrale im Blick. Was treiben denn die anderen? Da glänzt doch eine KTM am Fort? Da fahre ich doch mal hin. Die dreien haben sich dort vergnügt und Fotos gemacht.








    Kurz vorher kommt mir schon Mirko entgegen und meldet Vollzug. Da fahre ich doch gern hinterher zur Ferienwohnung, nach einem ganz kurzen Trip durch die Ruinen (ohne Absteigen). Nach der Katzenwäsche zum Abendessen ins Restaurant in Limone und den gelungenen Tag schön ausklingen lassen. Morgen ziehen wir schließlich um.

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • So schön die Bilder auch sind . . . in mir weckt es den Neid :rolleyes: :grin:

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

  • Mi 22.9. Überführung via Route des Grandes Alpes


    Die Route des Grandes Alpes (RDGA) ist eine Touristenstraße in Frankreich und so ungefähr das schönste, was man in Europa ohne großen Planungsaufwand auf Asphalt fahren kann. Da sollte wirklich jeder im Leben mal gefahren sein, der sich irgendwie für Fortbewegung und Landschaft interessiert, egal ob Motorrad, Cabrio, Sportwagen, Motorroller, Gespann, Fahrrad, Dreirad, Wasauchimmer. Auf 700 km warten 15700 Meter Höhenunterschied und 16 Alpenpässe. Und einen weiteren Teil davon fahren wir heute, wenn wir die Unterkünfte wechseln. Vorgestern haben ja schon den Teil zwischen Isola und Sospel abgefahren. Heute ist auch schönes Wetter angesagt.


    Morgens wird eingepackt und dann die Bude aufgeräumt und sogar etwas gereinigt. Immerhin haben wir 300 Euro Kaution hinterlegt! Die Kaution habe ich dann aber wiederbekommen ohne Ansehen der Wohnung. In der Spieltheorie spricht man da wohl von "glaubwürdige Drohung".


    Wir machen mit der RDGA ab Isola weiter, also geht's zunächst via Col de Lombarde nach Frankreich. Der Col de Lombarde sieht bei gutem Wetter auch gleich ganz anders aus und macht mehr Spaß, aber es ist heute trotzdem für uns alle schwer, eine saubere Linie zu fahren. Grund dafür ist weniger der Vorabend, sondern die Spuren einer Schafsherde auf der Strecke.



    Hinter Saint-Etienne-de-Tinee man sich entscheiden, ob man über den Col des Moutiers oder den Col de Bonette fahren will - Mirko und Sebastian wollen Moutiers, ich eh. Die Südseite der Strecke kenne ich noch nicht. Es ist recht einsam und man sieht mal neue Berge, aber seien wir ehrlich, die Strecke über dem Col de Bonette ist schöner. Wir sehen immerhin den Felsen am Cime de la Bonette von unten. Sind ja nur 930 Meter Luftlinie, aber 7 km Schotter/Straße.



    Vom Cime de Bonette gesehen sieht's hier so aus:



    Ein Gruppenfoto am Cime de la Bonette muss auch noch sein:



    Nördlich von Bonette gibts Col du Var's oder Col et Tunnel de Parpaillon. Ich versuche debn Parpaillon, der Rest fährt Vars. Ob es wirkliche eine gute Idee ist, alleine mit Gepäck die Schotterstrecke und den eisigen Tunnel zu versuchen? Vermutlich eher nicht. Klappte leider eh nicht, denn ein Schild warnt schon vor Beginn des Schotters vor einer Baustellensperrung hinter dem Tunnel. Also fahre auch ich den Vars. Oben treffe ich die anderen drei, die hier schon länger eingekehrt sind. Bedient wurden sie noch nicht. An der Theke ist Schlange und das Problem steht offenbar hinter der Theke, fühlt sich sehr gestresst, hat schlechte Laute und tritt buchstäblich Gästen auf die Füße. Mehrmals. Nö, da gehen wir gern woanders hin. An der Südseite des Izoard werden wir fündig. Hier gibt's einen Imbiss, aber irgendwie haben wir alle Lust auf Eis. Also gibt's eben Eis zum Mittagessen.


    Der Izoard ist super schön zu fahren und die Aussicht auch. Es ist aber erstaunlich, wie wenig einen die Landschaft umhaut, wenn man gerade LGKS und MSKS gefahren ist. Eigentlich schade, denn das erste Mal hier sind mir quasi die Augen übergeqollen.



    Über den Montgenevre geht es nach Italien rein. Hier ist recht viel Verkehr und überholen würde wenig Sinn machen. Dann kommt eine Weile kein Gegenverkehr: Alles klar, da kommt eine Baustellenampel. Die kam dann auch. Vor dem LKW war noch Platz für uns vier und bald wird es grün. Fortan haben wir völlig freie Bahn bis nach Italien hinein und noch weiter. Echt praktisch! Protipp: Wenn man nicht von hinten sehen kann, ob vorne genug Platz für alle ist, fährt man erst vor, wenn keiner mehr entgegenkommt. Kann man die Ampel von hinten sehen, und hat sie sogar eine Wartedaueranzeige, kann man das noch weiter optimieren und ohne Anhalten vorbei. Auf der italienischen Seite hat man dann erst ein paar Tunnel und eine kleine Ortsdurchfahrt im Tal später die SR23, die sich höchst unterhaltsam einen Berg entlang in die Höhe schlängelt, direkt nach Sestriere hinein. Auch hier wieder Fahrspaß ohne Ende.


    Jetzt nur noch in die Ferienwohnung rein. Die Ferienwohnung ist ein Mysterium. Die Anschrift ist mehrdeutig, und es ist alles verlassen, einsam und etwas gammlig. Kein Hinweis auf die Ferienwohnung zu sehen. Ich rufe den Vermieter an - er meldet sich nicht. Erst im dritten Versuch kommt ein Gespräch zustande. Er kann einigermaßen englisch, weiß aber nichts von einer Buchung. Er schickt jemanden "in 20 Minuten". Sie kann wohl kein Englisch. Wir suchen weiterhin die Anschrift. Danach schickt er zwei Whatsapp Sprachnachrichten. Das wird langsam ein Escape Game, nur umgekehrt: Wir wollen rein! Wir glauben die richtige Anschrift zu haben, hier gibt es Straße, Hausnummer, Gebäudename, und es passen immer nur 2 davon zusammen. Ein Foto klärt auf, dass wir richtig sind.


    Nach 40 Minuten taucht die Dame auch auf und schließt auf. Die Wohnung sieht viel kleiner als auf den Fotos aus. Und es fehlt ein Schlafzimmer. Statt 2 Doppelbetten, 1 Stockbett und 1 Schlafsofa gibt's nur 1 Doppelbett, 1 Stockbett und 1 Schlafsofa. Und statt 85 qm eher 50 qm. Wifi gibt's auch nicht. Wir sind überhaupt nicht begeistert. Keine zwei von uns wollen sich das Doppelbett teilen, damit bleibt genau ein für Erwachsene geeignetes Bett übrig. Ich versuche es mit dem Vermieter zu klären, aber er sagt, da sei alles richtig so. Frust! Für uns alle, aber für mich besonders, denn ich habe das hier gebucht. Was soll ich denn tun, wenn die Beschreibung schlicht falsch ist?


    Ich gehe duschen. Es gibt nur warmes Wasser, kein kaltes. Später am Abend finden wir noch raus, warum: Der Kaltwasserabsperrhahn ist unten, und oben ist die Klospülung, ebenfalls zum Auf/Zudrehen, und nicht umgekehrt. Darauf muss man erst mal kommen. Sebastian nimmt freiwillig das Stockbett, er ist der einzige hier unter 1,90, und der Rest zieht Lose - Mirko landet auf dem letzten Platz, Luca packt seine Synmat aus, und ich darf mir das Doppelbett nehmen. Wenigstens war das Losen nicht meine Idee.


    Apropos Wasser, Mirko füllt inzwischen 2x täglich Kühlwasser nach, so auch diesen Abend. Es ist aber keine Pfütze unterm Motorrad, was mir Sorgen macht.


    Naja, Abendessen muss auch noch rein. Wir sind in einem ziemlich toten und menschenleeren Wintersportort. Unten an der Hauptstraße ist eine Pizzeria, die wir letztes Jahr besucht haben, die einen toten und menschenleeren Eindruck macht. Wir gehen trotzdem rein und werden freudig bedient. Es gibt Küche nur für uns: Pasta Bolo. Als Vorspeise Schinken-Käse-Platte. Das freut uns, aber die Qualität haut uns nicht um. Nach dem Abnehmen der Masken merke ich auch irgendwann, dass Tabakrauch aus der Küche kommt. Wir haben schlechte Laune. Was macht man da? Idee: Wir machen denen jetzt gute Laune, sagen zu jeder Frage "ja" und geben am Ende dick Trinkgeld, so dass es mindestens 100 Euro werden. Als schließlich die Rechnung kommt, verwerfen wir den Gedanken schnell wieder, denn es sind bereits über 100 Euro, davon alleine 24 Euro für die Schinken-Käse-Platte, die eindeutig Supermarktware war. SEUFZ! Morgen gehen wir woanders hin.


    Und weil das noch nicht schlimm genug ist, gelten auch noch diese Sperrungen für die Schotterstrecken hier: Jafferau nur Mi + Sa erlaubt, können wir also nicht befahren, und Sommeiller Do gesperrt, können wir nur Fr befahren. Grrr.

    MO24 Team Reisen

  • Do 23.9. Assietta Kammstraße


    Wir haben die erste Nacht in der Ferienwohnung des Grauens überstanden, wollen aber nicht hierbleiben, darum beschließen wir, uns morgen zu verlagern - einen Tag früher ein Stück Richtung Heimat. Und zwar in ein Hotel, und dort zu viert in zwei Dreibettzimmer!


    Aber erst machen wir das Beste aus dem Tag, der ja nichts für unsere Laune kann. Der Start zur Assietta Kammstraße ist einfach, denn der Einstieg ist gleich hinter dem Appartmentkomplex. Mirko als Schotterguide fährt vor... und bald rechts ran. Die Öldruckleuchte flackert. Das ist bedenklich. Wir fahren vorsichtig weiter.


    Die Assietta Kammstraße ist die am wenigstens anspruchsvolle Schotterstrecke auf dieser Reise. Da kommen wir gut voran und werden höchstens von der Aussicht über die Wolken ausgebremst.



    Oder? Mirkos Öldruckwarnlampe flackert weiter, und bei einer Pause stellt Sebastian fest, dass das Ölschauglas auf dem Seitenständer voll ist. Das Ölschauglas ist rechts, der Seitenständer links - das heißt klar zu viel Öl. Das sollte eigentlich nicht sein. Schon gar nicht bei einem warmen Motor. Das würde erklären, wo all das Kühlwasser hingeht. Wasser im Öl will man ja überhaupt nicht haben, also ist das hier ein Notfall. Mirko rollt also bergab zurück ins Tal, parkt an einer sicheren Stelle und aktiviert telefonisch die KTM Mobilitätsgarantie. Dann geht er zurück in die Ferienwohnung und macht sich einen Tag ohne Motorrad.


    Wir fahren die Assietta Kammstraße zu Ende. Schon schön, aber irgendwie traurig ohne Mirko und mit der blöden Ferienwohnung. Die Strecke hat tolle Aussicht. Wir sind ziemlich alleine unterwegs. Die Strecke ist gut präpariert und zu 99% auch von reinen Straßenfahrzeugen zu meistern.




    Nur wenige Stellen sind etwas steiniger oder steiler.



    Das wirkt aber umso imposanter.



    Fiat Panda fährt eh ÜBERALL.



    Nach der Assietta Kammstraße kehren wir auf der Nordseite in einer Bar ein, schlabbern Paninis, und probieren zum Forte Pramand zu fahren - Jafferau ist ja heute gesperrt. Nach einer Tankstelle haben wir eine italienische R1 vor uns. Da fahre ich mal hinterher mit meiner 64 PS Versys 650 auf TKC70. Das klappt erstaunlich gut. Entweder kennt er sich hier nicht aus oder er fährt noch nicht lange. Der Rest der Gruppe ist trotzdem längst entschwunden. Nun ja. Im Eifer des "Gefechts" verpasse ich sogar den Einstieg in die Schotterstrecke, also müssen wir ein paar Kilometer vom ganzen schönen Weg wieder zurück! So ein Ärger.


    Nach ein paar Kehren kommt Schotter, und da kommt dann leider bald das Verbotsschild: donnerstags gesperrt für Kfz! Auch wenn uns zwei VW Busse entgegenkommen, drehen wir um und probieren es mal beim Sommeiller. Zunächst wieder schön den Berg entlang und dann durchs Tal nach Bardonecchia, dahinter dann enger und kurviger und schließlich auch Waldboden. Der Wald endet irgendwann, und die Aussicht wird imposanter.



    Dann kommt die Hochebene mit dem Refugio... und die Schranke ist zu. Mist! Das ist jetzt schön etwas frustrierend. Wer hat das denn geplant? Ferienwohnung doof, 1 Motorrad kaputt, 2 Strecken heute gesperrt wegen falschem Wochentag. Grr. Was macht man mit dem jungen Tag? Eine kleine Asphaltrunde. Nach Westen geht es per Col de L'Echelle nach Frankreich. Diese Strecke hebt die Laune, man hat wenig Autos und an ein paar Stellen Tempo 30 wegen Wasserüberleitungen - die sind zwar trocken, man kann sich aber durchaus auch mal damit in die Luft schießen. Das Ganze noch in Schräglage, da kommt keine Langeweile auf, zumal die 690 SMC-R heute recht hartnäckig im Rückspiegel ist. Dann geht's auch schon wieder über Montgenevre ohne Generve nach Italien zurück. Die Strecke war gestern schon sehr schön und sie ist es auch heute noch. Sebastian fährt vor und umfährt die Tunnels so weit es geht. Ihm war wohl kalt gestern.


    Zurück in der FeWo ist die kaputte KTM noch immer da und Mirko ebenso. Es wird telefoniert und auf den Abschlepper gewartet. Wir geben das Warten irgendwann auf und gehen ins Restaurant. Es ist ein Haus weiter vom gestrigen Restaurant und der Kontrast könnte nicht größer sein: Hier ist volle Hütte mit Einheimischen und es gibt eine Speisekarte. Der Abschlepper erscheint natürlich 1 Minute vor dem Essen, und die KTM kommt weg.



    Mirkos Pizza wird ihm gerne wieder aufgewärmt... nur damit der Herr Abschlepperfahrer sofort danach noch mal erscheint. Die KTM wird 100 km weit zu einem Händler im letzten Dorf hinter Turin gebracht, was es für Mirko schwierig macht, dort hinzukommen, oder dort einen Mietwagen zu bekommen, wenn eine Reparatur nicht vor Ort innerhalb von 4 Tagen gelingt. Schöne Grüße an die KTM Mobilitätsgarantie an dieser Stelle. Den letzten gemeinsamen Abend lassen wir also angemessen ausklingen: Alles muss weg! Und kein Mitleid mit dem Vermieter!

    MO24 Team Reisen

  • Fr 24.9. Sommeiller und Weiterreise nach BSM


    Heute checken wir einen Tag früher als geplant aus der Ferienwohnung des Grauens aus und fahren den Sommeiller. Dann fahren wir über weitere RDGA-Abschnitte nach Bourg-Saint-Maurice, mit einer gestern noch spontan geplanten Übernachtung. Und zwar in einem Hotel in zwei Dreibettzimmern, damit es nicht wieder einen Ferienwohnungsreinfall gibt, wo man 4 Erwachsene nicht ordentlich in "8" Betten unterbringt. Heute ist auch der Abschied von Mirko, der mit den Öffis seinem Motorrad hinterher reist, das in eine Werkstatt im Umland von Turin gebracht werden sollte. Viel Glück und hoffentlich fährst du sie bald wieder!


    Erster Wegpunkt heute ist der Col du Sommeiller. Der Sommeiller mit Gepäck ist doof, also suchen wir uns ein Cafe in Bardoneccia, schnabulieren Getränke und fragen einfach mal, ob wir das Gepäck bis mittags hier lassen dürfen? Na klar! Super! Ach, wir schließen 14 Uhr. Okay, das lässt uns 2,5h für rauf und runter. Das ist rechnerisch etwa unser LGKS-Durchschnittstempo mit Fotostopps, das klappt! Trotzdem schwinge ich mich mit mehr Elan als gewöhnt den Berg hoch. Mit nur zwei Verschnaufpausen bin ich eine Stunde später oben. Fotos kann ich auch abwärts machen. Es ist weniger Verkehr als erwartet. Die Strecke ist oft einfach, aber an vielen Stellen auch steinig. Die wahre Schwierigkeit kommt durch die engen und teilweise auch steilen Kehren.


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    Liegen dort auch noch Steine, muss man sein Motorrad schon fest im Griff haben. Dabei sollte man gelassen bleiben und nicht drüber nachdenken, was passiert, wenn man die Kehre verpasst, denn Randsicherung gibt es natürlich nicht. Handynetz gibt's auch nicht, und ein Krankenwagen kommt hier auch nicht. Aber wir schaffen es alle ohne Sturz und Umfallen hoch.


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    Nur ein Honda CRF-Fahrer versucht sich am Fahnenhügel, einfach mal stumpf den steinigen Steilhang hoch, und scheitert natürlich, aber immerhin kommt er ohne Überschlag wieder runter. Außer Lucas V-Strom ist meine Versys das ungeeignetste Fahrzeug hier oben, was mich schon etwas stolz macht. Komplette Anreise, gestern erfolgreich einheimische R1 gejagt, heute höchsten legalen Schotterpass der Alpen bezwungen - läuft bei mir und der Versys. Abwärts geht's gemütlicher, mehr Zeit für Fotos, zum Restaurant. Naja, es reicht ja, wenn einer pünktlich ist und das Gepäck rausholen kann - freiwilliger vor ;)


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    Wir sind aber alle bequem rechtzeitig da und schnabulieren authentisch italienisch zu mittag. Einen Salat mit Pilzen? Okay, tut sicher gut. Das ist dann natürlich nicht, was man sich als deutscher unter einem Salat vorstellt, sondern NUR Pilze, kein grüner Blattsalat dabei. Schmeckt trotzdem, hilft dem Wasserhaushalt aber nicht so dolle.


    Zur Weiterreise nach Italien haben wir uns den Col du Mont Cenis ausgesucht, um die Tunnelmaut zu sparen. Dort war noch keiner von uns. Aber wow, der hat einen wirklich unerwartet tollen See!


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    Dann kommt der Col de l'Iseran, der natürlich auch genial ist, aber den ich schon kenne. Auch der Straßenbelag lässt Wünsche offen, aber das ist ja auch keine Rennstrecke hier, sondern öffentlicher Straßenverkehr! Das Hotel in Bourg-Saint-Maurice erreichen wir 18:30. Es macht einen guten ersten Eindruck. Wir sind einerseits happy über den schönen Fahrtag, andererseits ist es schade, dass einer fehlt. Das Hotel Le Petit Auberge hat durchaus große Zimmer und ist recht angenehm - eher alt und familiär. Es gibt auch ein Restaurant im Haus, wo wir uns das Abschlussessen gönnen, denn morgen trennen sich unsere Wege. Das Abschlussessen muss einfach in einem französischen Restaurant sein. Auch hier bleibt kein Auge trocken, außer bei der Rechnung, versteht sich, aber wir waren bisher sparsam.


    Meine Abreise plane ich etwas um. Ich will ja im Oktober noch eine Woche Schweiz fahren. Dafür habe ich auch schon frei genommen. Warum fahre ich eigentlich die Versys über 600 km Autobahn nach Hause, lass sie da 2 Wochen stehen und fahre sie danach wieder runter? Geht das nicht auch einfacher? Es gibt leider keine guten Zugverbindungen, aber immerhin einen Direktflug aus der Schweiz nach Nürnberg, nämlich ab Zürich. Das ist immerhin zentral. Nach der Klärung von ein paar Detailfragen wie Preis, Gepäck, Stellplatz ist klar, dass mache ich, und buche den Flug. Es kostet etwa 100 Euro mehr als die Strecke abzureiten, ist aber sicherlich angenehmer, auch angesichts des schlechten angekündigten Wetters am Sonntag. Die Flugzeiten sind auch Klasse, Sonntag spät nach Nürnberg und 2 Wochen später Samstag früh zurück.


    Von Mirko hören wir unterwegs leider nur sehr wenig – er hat kein mobiles Internet mehr, weil er in der Schweiz in die Roamingfalle getappt ist, so dass ihm sein Provider das Datenroaming abgestellt hat, und zwar auch in Italien, wo Roaming kostenlos wäre. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Glanzleistung im Dienste des Kunden! Erst nachträglich erfahren wir sein Schicksal:



    Ich erwäge auf künftigen Touren ein Limit von Teilnehmern mit KTMs einzuführen, letztes Mal fiel einer schon auf der Anreise aus...

    MO24 Team Reisen

  • Dann kommt die Hochebene mit dem Refugio... und die Schranke ist zu. Mist!

    Da uns auf dem Weg zum Refugio einige Crosser überholt haben, die dort aber nirgends zu sehen sind, bin ich davon ausgegangen, dass die Sperrung nicht die große Beachtung findet. Also hab ich kurz überlegt, ob ich nicht vorschlage für den Sommeiller mal Ausnahmsweise gegen die Empfehlung eines Schildes am Straßenrand zu handeln. Ich mein, wer soll das kontrollieren. Da aber Johannes und ich schon 2017 bis oben waren, fand ich es persönlich nicht sooo wichtig. Zumal Luca vorher irgendwo gelesen hat, was jemand bezahlt hat, der gegen eine solche Sperre verstoßen hat. Auf dem Weg zurück ins Tal kommt uns dann auch prompt die örtliche Polizei entgegen geschaukelt :angel:

    "Das, was am lautesten knallt, sind nicht die Bomben. Es sind Mopeds mit Fehlzündungen" -Four Lions-

  • Sa 25.9. Abreise BSM-Schweiz


    Nach dem Hotelfrühstück verabschieden wir uns voneinander. Aus Bourg-Saint-Maurice hinaus geht es direkt zum Petit-St-Bernard. Hier wechselt man von Frankreich nach Italien und taucht ins Aostatal ab.



    Im Aostatal ist es warm und verkehrsreich, aber da muss man durch. Die Autobahn hier ist sehr mautintensiv, ca. 1 Euro pro km, darum nutzen eigentlich Alle die Bundesstraße, und da fließt der Verkehr - abgesehen von ein paar Baustellenampeln. Dann biegt man links ab. Über den Grand St. Bernard geht's wieder rein die Schweiz. Man hat recht viel Verkehr aus Aosta raus und den Berg hoch, bis man von der Hauptstrecke abzweigt, denn die meisten Nutzer nehmen den Tunnel. Motorradfahrer nehmen die Passhöhe. Da gibt's Kurven, einen idyllischen See und noch mehr Kurven. Aussicht gibt's auch.



    Außerdem ist dies der höchste Pass heute mit 2473 Meter. Jetzt bitte umschalten von italienischer Fahrweise auf schweizerische Fahrweise. An der bundesstraßenartigen Nordseite gibt's das Joe Bar Team Cafe, leider aktuell geschlossen.



    Weiter im Osten wartet mit dem Col de Croix de Couer (Herzkreuzpass) ein recht hoher Abstecher auf mich, satte 2173 Meter. Am Ende ist der Weg einspurig und führt über Almen mit toller Aussicht auf schneebedeckte Berge.


    Abwärts tanke ich und entdecke sogar einen Kärcher - der auch Euromünzen akzeptiert, also ran da und den gröbsten Dreck von einer Woche Schotterstrecken runter spülen. Zurück nach Westen geht es über drei Punkte, die bequem auf einer Kette oberhalb von Martigny liegen. Leider versperrt der Wald meist die Aussicht. Dass es teilweise Naturstraße ist gibt dem ganzen ein leicht abenteuerliches Flair. Aber mein Motorrad wird auch nicht direkt wieder dreckig.



    Jetzt ist ein Abstecher nach Westen dran, bis fast nach Frankreich. Der Punkt mit dem griffigen Namen "Gueulaz, Col de la / Barrage d'Emosson" liefert eine ordentliche Ballerstrecke, die von ortskundigen Motorradfahrern auch so genutzt wird. Eine Fireblade überholt mich in meiner Spur weit über den außerorts erlaubten 80 km/h. Das macht gelassen. Es ist zwar Schweiz hier, aber kulturell in jeder Hinsicht Frankreich. Das gefällt mir. Französische Sitten mit Schweizer Straßenbaukunst, was will man mehr? Der Punkt selbst ist das recht idyllische Ende einer Sackgasse an einem Bergsee mit Gastro, Bikertreff und vielen Wanderern.



    Hier ziehen dann ganz langsam Wolken auf und einzelne Tropfen fallen im Minutentakt. Gut, dass die Route nach Osten weitergeht, vom Wetter weg. Es geht einige Kilometer die Autobahn entlang und dann 20 km weit den Berg hoch zum Col du Sanetsch. Hier sind ähnlich wie in Italien viele Dörfer im Berg, erst Weinbau, dann Wintersport. Dann wird die Straße abenteuerlicher, es geht durch einen Tunnel mit Naturwänden, aber Licht, und dann ist man auf Augenhöhe mit dem Gletscher - 2252 Meter. Da hat man auch diesen besonderen Geruch in der Nase. Riecht ein Gletscher überhaupt nach etwas, oder wurde nur weiter unten gedüngt? Ich werde es wohl nicht so bald erfahren...



    Mein heutiges Hotel ist am gleichen Berg auf der gleichen Seite, also muss ich nicht mal ganz runter fahren. Die Lage ab vom Schuss ist wohl der Grund warum es so günstig ist: 50 CHF inkl. Frühstück für ein 25 qm Doppelzimmer mit eigenem Bad - echt gut für Schweiz! Man spricht Französisch und will den Covid Pass sehen. Es gibt einen Aufzug es ist alles wie bestellt. Auch das WLAN ist voll in Ordnung - Premiere dieser Reise. Es gibt noch Abendessen aus dem Supermarkt, Detailplanung für morgen (wo Motorrad parken, und wie zum Flughafen kommen?) und Nachhorchen, was der Rest der Truppe so treibt: Die beiden noch fahrenden Teilnehmer sind gut am nächsten Etappenziel angekommen, während Mirko in Turin tatenlos zusehen muss, wie seine KTM in der Werkstatt drauf wartet, dass sie sich jemand anschaut. Armer Kerl.


    35,1% Schweiz

    Letzte Übernachtung


    Der Rest der Truppe ist jeweils gut im nächsten Quartier angekommen. Und Mirko?

    Quote

    Samstag hab ich die Turiner Altstadt abgewandert. Für Sonntag war Regen angesagt, also ab in das wohl recht bekannte Automuseum. Fazit – Turin kann man besuchen, ist aber kein Verlust, wenn man es nicht tut.

    Zumindest wurde ich Zeuge einer spektakulären Verfolgungsjagd!



    Morgen geht's dann auch für mich nach Hause!

  • So 26.9. Südschweiz und Heimkehr


    Heute fahre ich die restlichen Punkte im Süden der Schweiz ab und muss um 20:00 am Flughafen Zürich abfliegen. Das Wetter ist durchwachsen angesagt, und einen definitiven Stellplatz habe ich noch nicht auftun können. Am Flughafen ist alles entweder teuer bewirtschaftet oder verboten, auch für Motorräder. Bei den S-Bahn-Stationen in der Nähe ist augenscheinlich nirgends Platz für Motorräder. Bei einem Kawasaki-Händler 10 Minuten Busfahrt vom Flughafen möchte man mich nicht parken lassen, man brauche den Platz für Kunden. Ich brauche aber keinen Service, besonders nicht zu schweizer Preisen. Der nächste Ort, wo man wild parken kann und gut zum Flughafen kommt ist dann anscheinend tatsächlich der Hauptbahnhof Luzern, aber die Zugfahrt kostet mehr Geld als mir lieb ist. Also wird es eben Bordstein vorm Hauptbahnhof Zürich. Das haben sich die Verkehrsplaner bestimmt genau so gewünscht.


    Aber zunächst fahre ich eine Motorradtour. Der letzte Tag einer 14tägigen Reise, was kann da schon schief gehen? Es ist ja sogar noch Profil auf den Reifen! Der erste Punkt heute ist die Moosalp, wo man sich aus dem Rhonetal bis auf 2048 Meter hochschraubt. Es wird kalt.



    Bloß wieder runter und durch Brig zum Simplonpass hoch. Hier wird's dann nicht nur kalt, sondern auch nass. Die Regenklamotten werden mich den Rest des Tages begleiten, also verwende ich tatsächlich mal die Kapuze der Regenjacke. Den Simplonpass geht's wieder runter, das Tal entlang, gar nicht so wenig Verkehr, und einen Abstecher zum Nufenenpass. Jetzt fahre ich nur noch im Nebel und muss mich ziemlich vorwärts tasten. Leider machen extrem schleichende PKW das ganze nicht einfacher, die man mangels Sicht noch nicht mal sicher überholen kann. Aber bei 30 statt 10 km/h spart das relevant Zeit. Fotos machen wenig Sinn. So sah es am Grimselpass aus:



    Unten im Tal ist dann mal etwas Pause unter einem Vordach angesagt. Snack rein, trinken, Stoffwechsel. Und weiter geht's zum Gotthard und Tremola. Die Kopfsteinpflasterkehren auf der anderen Seite spare ich mir heute.



    Sodann geht es direkt nach Norden. Den Oberalppass habe ich bereits letzte Woche erledigt. Mein nächster Wegpunkt heißt Sustenpass, und hier hört dann endlich der Regen auf und sogar die Sonne kommt raus. Eine echte Wohltat, Zeit für eine Pause.



    Als ich die Passhöhe erreicht habe, ist das Pflichtprogramm an Pässen für heute erledigt. Damit ist der Druck erst mal raus. Da auch das Wetter jetzt gut ist, wird es fast erholsam und ich mache mehr Fotos. Lohnt sich hier!





    Jetzt muss ich nur noch zum Flughafen kommen, bzw. zum Bahnhof Zürich fahren. Dafür hätte ich 3 Stunden Zeit. Das ist eine Stunde mehr als ich laut Google Maps brauche. Es gibt natürlich noch mehr Punkte abzufahren, das spart mir später Zeit für den Landespreis. "Chirchen / Lammi" liegt ohnehin auf dem Weg. Der Brünigpass liegt quasi am Weg, ist aber vielleicht nicht der schnellste Weg. Zwei hoch gelegene Almen hier spare ich mir heute, weil ich zeitlich vermutlich eh nicht beide schaffe. Es folgen viele Tunnels nach Norden, aber auch Umleitungen, weil die Autobahn nicht ganz fertig ist. Dann liegt im Osten ein interessant-kurioser Punkt: Der Ächerlipass ist nur am Wochenende erlaubt, Mo-Fr ist gesperrt. Also mal andersrum! Heute ist Wochenende, da nehme ich doch gern die Komplexität raus aus der künftigen Planung und mache das "eben". Dazu geht es sagenhafte 12 km einspurig den Berg hoch mit wenig Sicht, aber immer mal wieder Autos. Freundlicherweise lassen mich langsamere Fahrzeuge immer sofort passieren, auch wenn sie dafür anhalten oder ausweichen müssen. Vielen Dank!


    Oben angekommen habe ich noch Zeit gut und kann sogar noch die Ostseite fahren, statt einfach umzudrehen. Hier kommt dann auch tatsächlich die Baustelle, wegen der man werktags nicht fahren darf. Der Rest ist dann wieder Autobahn, wobei für einen Sonntag doch recht viel Verkehr ist. Ich hänge mich an eilige Einheimische an und vermeide es damit, in einen der Blitzer zu tappen, die hier alle 2 km stehen. Der Verkehr ist flüssig und die Autobahn reicht bis nach Zürich hinein, nur die letzten 3 km sind Ampelrückstau. Da verliere ich die Nerven. Mal sehen ob sich das später noch rächen wird. Ich suche einen geeigneten Stellplatz für die Versys am Hauptbahnhof. An den großen Fahrradständern stehen am Rand immer auch Motorroller und Motorräder. Da quetsche ich mich noch irgendwie dazu.



    Damit bin ich nicht wirklich happy, aber ich habe jetzt auch nicht den Nerv die ganze ampelverseuchte Innenstadt abzusuchen, und ein Rollerfahrer, den ich anspreche, meint, das wäre kein Problem, ginge ja nicht anders. Der hat ja auch kein deutsches Nummernschild, denke ich mir, aber bleibe mal optimistisch.


    Dann packe ich mein Gepäck um: Tankrucksack, Regenkombi und Turnschuhe können hier bleiben, aber bitte alles ins Topcase. Hoffentlich schimmelt es nicht, bis ich zurück bin. Im Hauptbahnhof suche ich eine Toilette, aber dazu bräuchte man schweizer Münzen. Hmpf. Dann eben Ticket und Zug, rein in den Zug, und dort direkt auf die Toilette. Aah. Schon viel besser. So sind die 9 Minuten Fahrzeit auch gut genutzt. Mein Ticket (6 Euro) wird sogar kontrolliert und nicht beanstandet. Das ist sicherlich besser als jetzt noch 400 km Motorradfahren.


    Am Flughafen gebe ich die Topcaseinnentasche als Gepäck auf, nehme nur Laptoptasche und Helm als Handgepäck und der Rest verläuft dann sehr angenehm. Das Flugzeug hat 5 Sitzplätze je Reihe und ist eher voll. Der Flug klappt, das Gepäck taucht wieder auf, die U-Bahn fährt pünktlich und 22 Uhr bin ich wohl behalten daheim.


    38,0% Schweiz

    15 Tage am Stück Motorrad gefahren

    0 Umfaller


    Hier endet der Bericht meiner Reise. In zwei Wochen geht's weiter. Schiefgehen kann jetzt noch, dass die Versys geklaut wird, das wäre versichert, oder abgeschleppt, weil Bordsteinparken doch nicht 100% legal ist, das wäre mutmaßlich sehr teuer. Bezüglich des Landespreises könnte ein Wintereinbruch meine Pläne durchkreuzen. Die ganz hohen Pässe habe ich zwar schon, aber zwei sind noch dabei, die gefährdet sind: Chasseral im Jura (1502 Meter) und die Griesalp am Kiental (1408 Meter) werden nicht geräumt. Sobald einmal Schnee drauf liegen bleibt, sind sie den Rest des Jahres nicht befahrbar. Ich bestelle ein paar "Schneeketten" zum Umschnallen für 20 Euro, die mich vielleicht retten könnten. Aber in meiner 10 Tage-Tour mache ich die höchsten Punkte vorsichtshalber zuerst machen.


    Am 9.10. früh geht der Flieger nach Zürich, und ich habe Zeit bis zum 18.10. abends.


    Und Mirko? Da ging's auch noch weiter, als ich schon daheim war:



    Danke fürs Mitkommen und bis bald - ab morgen geht's täglich live weiter aus der Schweiz :)

    MO24 Team Reisen

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