Gebrauchtmarkt qua vadis?

  • Ja, das versucht selbstredend jeder, wobei auch da gilt: In den Motor und in die Gabel kann man nicht reinschauen, auch der Verkäufer nicht.


    Einziger Anhaltspunkt ist die Laufleistung (eigentlich sogar nur die Bh), die regelmäßig gemachte Wartung, der allgemeine Zustand und die tatsächliche Anwendung, also ob die bei Rennen bzw. bei Sport Veranstaltungen eingesetzt wurde. Hobby "Endurowanderer" belasten das Material erheblich weniger.

    Da muss man ein Stück weit dem Verkäufer vertrauen, deshalb ist es der Verkäufer und sein Umfeld welches ich mir als erstes anschaue und entsprechende Fragen stelle, noch bevor ich die Maschine in Augenschein nehme.

    Oft sind es die Kleinigkeiten, also lieber offensichtliche Gebrauchsspuren statt rundherum neue Plastikteile oder glänzende Aluteile aus dem Zubehör vorzufinden.


    Wenn ich eine kaufe ist es letztlich das gleiche. Wobei man davon ausgehen kann, das eine 4-5 Jahre jüngere Maschine deutlich weniger Bh und entsprechend deutlich weniger inneren Verschleiß hat. Der Markt ist recht überschaubar, wobei selbst alte und offensichtlich ausgelutschten Modelle immer noch zu enormen Preisen angeboten (und die oft auch noch gezahlt) werden.

    Klar, wenn ich eine neue (gebrauchte) kaufe, lege ich immer was drauf, so 2-2500€. Aber das ist sie dann auch wert, zumal ich oft lange suche und mir 5-6 Maschinen anschaue, bis ich die passende finde.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

  • Sandman da lohnt es sich doch schon über einen Neukauf nachzudenken.


    Im Zweifel neu kaufen ohne Rücksicht auf den Preis und wenn das Ding da ist und man schon was Günstigeres auf dem Gebrauchtmarkt gefunden hat, das Neumotorrad inserieren und (vermutlich) mit Gewinn verkaufen.

    Darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber mein Finanzministerium spielt da nicht mit. ;) Eine neue EXC 350 (Six Days MY 2022) kostet Minimum 11400€ =O . Meine aktuelle würde (zum Rechnen) ca 5000€ bringen. Ich kann (darf) aber nicht mehr als +50% vom Ertrag in die neue investieren . . also etwa 7,5 - 8t€. Dafür findet man immer noch eine gute gebrauchte Six Days aus 2019/18.


    Es könnte evtl. auch eine Beta werden, die haben auch eine 350er 4T im Programm, fährt ähnlich gut und kostet mal eben 1500€ weniger als die KTM. :italia:

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

    Edited once, last by Sandman ().

  • Bei den aktuellen Gebrauchtpreisen überlege ich gerade meine Yamaha zu verkaufen. Fahre zu selten damit und habe mir auch noch ein E-Bike gekauft 🤔

  • Drei Motorräder wären mir auch eins zuviel, um alle regelmäßig zu bewegen.

    MO24 Team Reisen

  • Da ich selber häufig An- und Verkäufe durchführe, versuche ich natürlich den Markt ständig zu beobachten.


    Da fällt auf, daß sich die Anzahl der angebotenen Gebraucht-Bikes schon deutlich verringert hat.

    Viele Biker behalten ihre Mopeds scheinbar deutlich länger als das früher der Fall war. Warum sollte man bspw. ein 10 Jahre altes Motorrad, welches womöglich bereits ABS besitzt, bei einer moderaten Laufleistung gegen das neue Exemplar der Baureihe ersetzen?

    Und so einige Tausend Euros dabei drauflegen.

    Nur weil das neue Ding vielleicht 5 PS mehr hat, anstelle von Rundinstrumenten ein TFT-Display im Cockpit hat oder mehr elektronische Fahr-Modi besitzt.

  • Ich glaube, das ist ein valider Punkt. Klar sind neue Modelle in aller Regel besser als ihre Vorgänger, aber die großen Dinger wie Einspritzung, ABS und Co sind jetzt auch schon ein paar mehr Jahre her und setzt sich langsam auch im Gebrauchtmarkt in der letzten Ecke durch.


    Aber sonst? Ein Brot&Butter-Bike wird sicher nicht so schnell mit Kurven-ABS und aktivem Fahrwerk angeboten werden und entsprechend auch nicht im Gebrauchmarkt landen.


    Ich hab vor 2 Jahren ein Motorrad von 2012 gekauft. Mit Einspritzpumpe, ABS, modernen Reifendimensionen und co. Sofern ich mein Anforderungsprofil nicht radikal ändere, werde ich das Motorrad wohl "aufbrauchen". Wann landet das Motorrad also auf dem Gebrauchtmarkt?


    Gruß,

    Thomas

  • Viele Biker behalten ihre Mopeds scheinbar deutlich länger als das früher der Fall war. Warum sollte man bspw. ein 10 Jahre altes Motorrad, welches womöglich bereits ABS besitzt, bei einer moderaten Laufleistung gegen das neue Exemplar der Baureihe ersetzen?

    Und so einige Tausend Euros dabei drauflegen.

    Nur weil das neue Ding vielleicht 5 PS mehr hat, anstelle von Rundinstrumenten ein TFT-Display im Cockpit hat oder mehr elektronische Fahr-Modi besitzt.

    Sehe ich im Prinzip genau so. Wobei viele sowieso nicht allzu hohe Fahrleistungen zusammen bekommen. Von der Handvoll Ausnahmen mal abgesehen, fährt der Durchschnitt hier im Forum (habe für 2021 alles unter 1000km und alles über 10000km mal weggelassen) gerade mal 4500km/Jahr.

    Nach 10 Jahren sind das 45000km, also kein Grund nur deswegen eine neue zu kaufen.

    Andererseits gibt es sicherlich auch einige, die mit dem ersten eigenen Motorrad dann doch nicht zufrieden sind, oder im Laufe der Zeit einfach nur eine andere Art Motorrad fahren möchten.

    Mir sind die immer recht, die wegen 5PS oder mehr digitaler Ausstattung eine neue Maschine kaufen . . . ich kaufe die alte. :)

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

  • Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt.

    Nämlich die sehr geringen Unterhaltskosten für Motorräder.


    Die Älteren erinnern sich vielleicht:

    Motorradfahren war in den 1980er-Jahren eine sehr kostspielige Angelegenheit. Zwar war der Führerschein mit 2 oder 3 Mindeststunden vergleichsweise günstig zu bekommen, aber alle weiteren Kosten waren extrem abgehoben.


    Das betraf vor allem die Versicherungsprämien. Inflationsbereinigt wäre das in etwa so, als ob man heute für ein 27PS-Bike 800 Euro für die Haftpflicht bezahlen müßte.

    Ein 50PS-Bike würde dann 1000 Euro kosten und ein Motorrad über 50 PS (das war damals die "offene Klasse") ungefähr 1200 Euro.

    Das war damals für mich finanziell kaum zu stemmen.


    Heute kostet mich ein 50PS-Moped um die 20 Euro im Jahr (!) und selbst eine Honda Fireblade mit 125 PS nur etwa 50 Euro.


    Heißt also, daß mittlerweile in nicht wenigen Garagen Zweit- und Dritt-Motorräder stehen, die - weil sie so gesehen ja "kein Brot fressen" - nicht verkauft werden und damit dem Gebrauchtmarkt nicht zur Verfügung stehen.

    So mancher meiner Bekannten hält sich neben einem aktuellen Bike so sein Jugendtraum-Motorrad.

    Warum das DIng verkaufen?

    Auf den Verkaufserlös ist man eigentlich nicht mehr angewiesen, die Fixkosten mit Versicherung und Steuern sind kaum dreistellig und wenn doch mal etwas dran kaputt gehen sollte, kann die Simpel-Technik oftmals in Eigen-Regie repariert werden.

  • Ja ich bin auch dieser Meinung.

    Meine Moppeds von 2017/2018 haben quasi alles was ich brauche. Klar ein größerer Tank wäre schön, aber irgendwas ist immer.


    Einspritzung, ABS, lange Wartungsintervalle, modere Reifendimensionen die es quasi überall gibt.

    Motor hält mind. 200000km. Warum sollte ich verkaufen. Und bis die runter gefahren sind dauert das schon noch bisschen.

    Irgendwann wenn man mal selber dran geschraubt hat macht man das zukünftig eher im Schlaf.


    Und die neue MT09 hat jetzt nichts wo ich meine für hergeben würde.

    Klar, Tempomat und Kurven ABS sind nice, aber brauchen? So wie Einspritzung und normales ABS?

  • Viele Biker behalten ihre Mopeds scheinbar deutlich länger als das früher der Fall war. Warum sollte man bspw. ein 10 Jahre altes Motorrad, welches womöglich bereits ABS besitzt, bei einer moderaten Laufleistung gegen das neue Exemplar der Baureihe ersetzen?

    Und so einige Tausend Euros dabei drauflegen.

    Nur weil das neue Ding vielleicht 5 PS mehr hat, anstelle von Rundinstrumenten ein TFT-Display im Cockpit hat oder mehr elektronische Fahr-Modi besitzt.

    Die bikes werden eben auch nicht mehr wirklich hübscher oder besser, zumindest im Straßenbereich.

    Bzw zumindest bei Besser ist man eben auf einem Level wo jegliche Verbesserung auch nur nice to have ist.

    Tempomat, Quickshifter, KurvenABS, Kurvenlicht für nachts, Sitzheizung.

    Alles ganz nett, aber nichts weswegen ich mir jetzt ein neues bike kaufe.

    Vor allem weil es auch auf dem gebrauchtmarkt nichts gibt das mir gefällt, dass all das hätte, ohne das man bei irgend einem fetten Reiseenduroteil landet das relativ teuer ist.



    Ok im offroadsegment und auf der rennstrecke wo es rein auf den Zweck ankommt, da geht noch was, aber ansonsten, wenn gut Gewartet, ist es quasi egal ob man ein 2015 oder 2022er Bike kauft.

  • aber ansonsten, wenn gut Gewartet, ist es quasi egal ob man ein 2015 oder 2022er Bike kauft.

    Dann kommen wieder die an die das 2022er bike nehmen weil es neuer ist.

    Nunja. Ich lieber das gut gewartete.


    Und dann immer diese leidliche Argumentation wenn Verkaufsanzeigen eines gebrauchten Bikes mit Zubehör kommt und dann gesagt wird: Ja, aber die neue ist doch nur 500 € teurer. Ja verdammt, dann nimm doch die neue. Die gute Gebrauchte hat aber auch meist Zeug dran (Auspuff, Spiegel, Öler, Sitzbank usw) die entweder noch Geld kosten würde oder die man zu Geld machen könnte.

    Auch hat die Gebrauchte meist schon die 1000 oder 10000er Inspektion hinter sich.


    Ich les das nur immer mal bei Facebook wenn MT09 oder Z900 angeboten werden. Und diese Kommentare mit "aber die neue" kommen dann meist von den Leuten die garkein Interesse an dem anderen Bike und einfach nur ihren Senf dazu geben wollen.

  • WAS IST LETZTER PREIS? :D

    🌍 Earth is not flat, 🦠 Covid is real, 😷 Masks protect others, 💉 Vaccines work, 🚀 We've been to the moon, ✈️ Chemtrails aren't a thing, 🌞 Climate Change is real, 🖤 Black Lives Matter, ♀️ Women's rights are human rights, 🏳️‍🌈 Love is love, ⚓️ No human is illegal, 🚰 Water is life

  • 500€ ich hole sofort.

    "Reality is on a delay. For you, nothing is now. Realizing this fact is unsettling. If we can only react to the past, how do we manage to navigate the present? It's easy to spiral into a treatise on free will while in the fetal position, overthinking our forever past." - Kyle Hill

  • Heute kostet mich ein 50PS-Moped um die 20 Euro im Jahr (!) und selbst eine Honda Fireblade mit 125 PS nur etwa 50 Euro.

    Auch wahr.


    Neu vs. "gut gewartet" ist natürlich auch ne nicht ganz so einfache Diskussion. Bei Ersterem habe ich die gesamte Historie des Fahrzeugs unter meiner Kontrolle, ich weiß, dass niemand mit dem Ding auf der Rennstrecke war, dass niemand das Ding kalt gequält hat usw.


    Bei der Gebrauchten ist da wieder eine gewisse Unwägbarkeit mit dabei. Das geht schon los mit der Diskussion, was denn jetzt eine gute Wartung überhaupt sein soll. Eine Werkstattrechnung muss beim allgemeinen Misstrauen nicht viel heißen und selbst die Definition von unfallfrei und umfallfrei scheint bei vielen Verkäufern noch diskussionswürdig zu sein. Und das muss sich schlichtweg im Preis widerspiegeln. In welchem Rahmen das geschieht, steht auf einem anderen Blatt.


    Außerdem: wenn die Neue zwar nur 500 Euro teurer ist, aber erst in drölf Monaten (vielleicht) lieferbar ist, ist dieser Verweis natürlich auch müßig.


    Gruß,

    Thomas

  • Schönes Beispiel gefällig:


    Eine Suzuki Freewind aus der Familie: Instandgesetzt, sehr guter Zustand, alle Unterlagen, Extras, Checkheft . . . mit nur 17000km auf dem Tacho steht zum Verkauf:


    Die ersten vier Anfragen: Was ist letzter Preis . . oder: Ich hole morgen ab, für 600€ . . "ja ne, is klar"


    Dann der erste Anruf: Hallo, ist wegen die Moto, ist zu teuer! . . "dann musst du noch sparen"


    Dann der erste wirkliche Interessent mit langem Telefonat: Ich bin vor vor 30 Jahren auch noch gefahren, ich kenne mich aus, wissen Sie ich bin 78 und Rentner, die Maschine soll für meine Enkelin sein, die hat jetzt . . . nach 5 Minuten Familiengeschichte: . . also ich habe da eine andere gesehen, für 650€ weniger, aber die steht in München . . . "ja und" . . ich kann ihnen nicht mehr bezahlen, als die in München kostet . . "sorry, nicht mein Problem, kommen Sie doch vorbei und schauen sich die Maschine an, die Enkelin können Sie gleich mitbringen, dann können wir gerne noch verhandeln, aber kein Preis am Telefon" . . das geht nicht, wissen Sie, als Rentner habe ich nicht so viel Geld und bis nach München komme ich nicht, ihre Maschine ist zu teuer, ich kenne mich aus . . er lässt sich in seinem Redeschwall nicht unterbrechen, nach weiteren 5 Minuten lege ich auf.


    Dann der erste mit Besichtigungstermin, ein Motorradfahrer mit angeblich viel Erfahrung, auch mit der Freewind: Macht einen sympatischen Eindruck, checkt aber nur den Lack und ein paar Äußerlichkeiten. Kann ich eine Probefahrt machen? . . Klar, aber die Autoschlüssel und der Ausweis bleiben hier . . . Er steigt auf, dreht den Zündschlüssel und betätigt den Anlasser . . der Choke ist gleich da oben am Lenker und den Sprithahn sollte man vorher auch aufmachen . . .

    kaum läuft die Freewind, dreht er wie wild am Gas und fährt mit schleifender Kupplung vom Hof, die Füße hängen runter und er findet den zweiten Gang nicht.

    5 Minuten später ist er wieder da . . fährt ja ganz gut, aber die ist mir zu teuer . . machen sie mir ein Angebot . . . 500€ unter VB . . . sorry, 200€ unter VB kann ich noch machen . . . ne, das ist mir zu teuer . . Ok, 300€ unter VB, letztes Angebot . . . ne, ist mir zu teuer . . dann einen schönen Tag noch.


    3Tage später ein Anruf: Ich bin vor vor 30 Jahren auch noch gefahren, ich kenne mich aus, wissen Sie ich bin 78 und Rentner, die Maschine soll für meine Enkelin sein, die hat jetzt . . . es nervt.


    5 Tage später dann: Hallo, ich interessiere mich für die Freewind, wann kann ich vorbei kommen? . . Am Wochenende steht ein älterer aber sehr rüstiger Mann mit Frau vorm Haus, begrüßt mich freundlich und checkt als erstes, ganz ohne Kommentar das LKL, die Radlager, die Speichen, die Schwinge, die Federung, die Bremsen, die Kette und die Reifen. "darf ich den Motor starten" . . selbstverständlich . . er zieht den Choke, schaut nach dem Benzinhahn, schaltet die Zündung ein, schaut ob der Leerlauf drin ist und startet den Motor . . wartet die ersten 3 Minuten im Leerlauf und hört nach auffälligen Geräuschen. "darf ich kurz die Straße runter fahren, meine Frau bleibt als Pfand hier" . . bitte sehr, er setzt seinen mitgebrachten Helm auf und rollt geschmeidig aus der Garage, nach 2 Minuten ist er wieder da . . "gut, was können Sie am Preis noch machen?" . . 200€ unter VB . . . mmh, 300€ unter VB? . . treffen wir uns in der Mitte, 250€ unter VB . . . "einverstanden, Hand drauf" Der Rest geht in schriftlicher Form am Esstisch mit einem Kaffee über die Bühne, auf eine Anzahlung verzichte ich. 3Tage später ist er mit einem Anhänger da und holt die Maschine gegen Barzahlung ab . . . geht doch.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert !

  • Tolle Geschichte genau so geht das immer aus.

    Alles schon mehrfach erlebt. :)

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