Rundreise Rumänien

  • Wo war ich noch nie? Wo locken Freiheit, Abenteuer, Passknackerpunkte, Exotik, Regionen unverdorben von Massentourismus (und vielleicht noch ein Kaufkraftgefälle)? Und wo wollen überhaupt die anderen von der Schottergruppe mit? Nach einiger Abstimmungsarbeit sind wir 5 Leute, die im August für zwei Wochen nach Rumänien wollen. Wir sind: Luca (Hackstück) auf Yamaha Tenere 700, Christian (kleiner Chris) auf KTM 890 Adventure R, Yannick auf Honda Africa Twin 1000 DCT, Mirko (Angstnippel) auf KTM 790 Adventure, und ich selbst, auf Kawasaki Versys 650.


    Meine Versys hat zur Vorbereitung eine dichte Gabel bekommen, einen frischen Satz (gebrauchter) Conti TKC 70 und einen Ölwechsel. Da ich damit erst zwei Wochen vorher von eine dreiwöchige Kroatien/Bosnien/Montenegro-Reise abgeschlossen habe und diese Saison auch schon 32000 km runter habe, denke ich, dass das gut passen wird.


    Unsere Reise wird eine Rundreise sein. In Rumänien lädt der Karpatenbogen zu einer Rundfahrt ein, und auch die Passknackeradmins sehen das so.



    Ich peile mal wieder den Landespreis an, d.h. ich will alle diese Pässe holen. Es gibt zusätzlich einige Schotter/Gelände-Pässe (Typ XXX in der Passknackerdatenbank), die je nach Feuchtigkeit der Wetterlage auch schwierig zu befahren sind. Die plane ich erst mal mit rein, für den Abenteuer-Aspekt, und außerdem sind wir ja eigentlich eine Schotterreisegruppe. Ich habe vorher Tagesetappen geplant und geeignete Orte für Übernachtungen recherchiert. Die Idee ist, dass wir gemeinsam übernachten, dass dazwischen aber durchaus auch unterschiedliche Routen gefahren werden dürfen. Da meine Routen selten geradeaus laufen, können die Mitfahrer so auch deutlich kürzere Tagesetappen fahren - wobei ich dieses Mal in der Regel unter 300 Tages-Kilometern bleibe. Ich wollte mehr Erholung und weniger Hektik, und außerdem kann ich gar nicht einschätzen, wie gut ich vorankommen werde, weil ich hier noch nie war, und auch in keinem Nachbarland.


    Die Anreise ist unangenehm weit und mit Ungarn in der Mitte auch wenig attraktiv, daher organisiert Luca einen Anhänger für 4 und einen VW Bus als Zugfahrzeug. Wir sind 5, ich kann aber auch auf eigener Achse runter rollen, da bin ich tolerant. Leider sagt uns Mirko einige Tage vor der Reise ab, weil an seiner KTM noch immer das gleiche Problem mit dem Kühlwasserverlust besteht, das ihm letztes Jahr im September schon die Schottertour in Westitalien versaut hat. Und das innerhalb der Garantiezeit. Das einzig Gute daran ist, dass ich so doch noch auf dem Anhänger landen werde.



    12.8. Die Voranreise


    Es sind 1300 km von Frankfurt bis zur Grenze.



    Luca sammelt Chris und Yannik bei sich in Frankfurt ein. 3 Motorräder landen längs auf dem Anhänger, meine Versys würde später in Nürnberg vorne quer aufgeschnallt. Das sieht zwar gut aus, aber der Anhänger hat dadurch hinten Übergewicht und hebt das Zugfahrzeug, einen VW Bus, fast von der Hinterachse. mit negativer Stützlast kann man nicht sinnvoll fahren. Da die Schienen und Wippen ziemlich fest auf dem Anhänger verschraubt sind, sucht Luca Ballast und wird in seiner Garage fündig: Da steht ein Motorrad von unserem gemeinsamen Freund Nic, mit dem wir nus vor 2 Wochen noch in Slowenien auf dem Festival vergnügt haben. Sein Motorrad steht da schön länger, er wohnt anderswo, und sein Motorrad ist baugleich zu meinem und damit ein idealer Platzhalter. Schwupps, Versys dazu und auf geht's Frankfurt-Nürnberg am Freitag Abend.


    Die Fahrt läuft glatt und ich treffe die Crew direkt bei einem TexMex-Restaurant in der Nähe meines Wohnortes. Unser Plan A ist, dass wir heute Abend alle bei mir schlafen und morgen sehr früh starten. Plan B wäre, dass wir noch nach Passau weiter fahren und dort schlafen, womit wir morgen 2,5h Fahrzeit sparen würden. Dafür kommen die Jungs aber schon zu spät bei Nürnberg an, bzw. man müsste ohne Essen sofort weiter, damit man bei Passau noch ein Hotel mit offener Rezeption findet. So gibt's stattdessen einen gemütlichen Abend, wobei wir nach dem Aufladen meiner Versys um 23 Uhr in die Federn kriechen. Nics Versys bleibt jetzt in meiner Garage.


    13.8. Die lange Anreise


    Bei 1100 km Tagesetappe mit Anhänger sollte man früh aufstehen. 5 Uhr Wecker, 5:30 Abfahrt - das schöne an einem vorbereiteten Gespann ist, dass es reicht, wenn nur einer von uns vier wach und fahrtüchtig ist. Erstaunlicherweise haben auch die beiden unter-42-Jährigen eine Fahrerlaubnis BE, die man braucht, um die ca. 4,1 Tonnen steuern zu dürfen. Der Verkehr läuft völlig glatt und ohne Staus. In Österreich dürfen BE-Gespanne leider nur Tempo 80 fahren, aber mit 4,1 Tonnen und 105 PS kommt man auch nicht oft in Versuchung. Man folgt halt einem der schnelleren Sattelschlepper-LKW.


    Pausen gibt's zum Tanken, für Eis und Pippi, und in Ungarn dann auch für ein Mittagessen am "Autohof". Ungarisch ist eine völlig fremde Sprache, aber zu Glück sind Fotos dran, und praktisch jeder, mit dem wir heute zu tun haben, spricht Englisch. Bei irgendeiner Pause fällt uns ein Ur-Multistrada-Fahrer auf, der sein Motorrad schüttelt. Den spreche ich an: Sprit alle! Anscheinend hat die italienische Diva heute beschlossen, ihren Spritverbrauch zu verdoppeln. Ich zeige ihm dem Weg zu unserem Anhänger. Mein Versys-Tank ist randvoll, und ich habe einen Schlauch griffbereit im Tankrucksack. So bekommt er 1,5 Liter rübergezapft, für den Weg zur nächsten Tankstelle. Helfen ist Ehrensache!


    In Ungarn ist die Autobahn schnurgerade und verkehrsarm, teilweise auch holprig. Der Blick aus dem Fenster zeigt wenig Höhenunterschiede und viel Acker. Es gibt auch Passknacker in diesem Land, im Nordosten und im Südwesten - aber die lasse ich dieses Jahr links liegen. Wir sehen tatsächlich auch ein paar Felsen, aber 99% sind wirklich sehr flach.


    Unsere erste Übernachtung in Rumänien hat etwas mehr Planung erfordert. Gefragt ist ein Hotel mit möglichst lang besetzter Rezeption und einem Parkplatz, wo der VW Bus mit Anhänger die zwei Wochen stehen bleiben können. Und etwas zu Essen sollte es dort auch geben. So landen wir in Satu Mare. Das liegt 10 Minuten hinter der Grenze und 60 km vor dem ersten Passknackerpunkt. Ach Ja, die Grenze. Seufz. Wir rumpeln eine Stunde über eine holprige ungarische "Bundesstraße" zum Grenzübergang. Leider führt keine Autobahn nach Satu Mare. Überhaupt führen wenig Autobahnen über diese Landesgrenze.


    Rumänien ist in der EU, hat aber nicht den Euro und ist auch nicht im Schengen-Raum. Man muss also Geld tauschen, sich an der Grenze anstellen, vier Personalausweise und 6 Fahrzeugscheine überreichen. Das dauert heute eine ganze Stunde, während der die Sonne untergeht und die Laune irgendwie auch. Es ist überraschend viel Verkehr vor dem Grenzposten, gemessen daran, wie dünn die Straße hier her ausgebaut ist. Und dann ist das auch noch eine andere Zeitzone - schwupps, ist es eine Stunde später. Aber auch nur noch 15 Minuten Restfahrzeit.


    Was macht man, wenn man gegen 22 Uhr im Hotel ankommt? Einer checkt ein und schaltet die Klimaanlagen ein, drei laden Motorräder ab. Dann schnell etwas Geld tauschen und nach einem Restaurant fragen. Das nötigste auf die Zimmer räumen und los! Fußläufig geht's in ein Etablissement, für das wir mit Turnschuhen, T-Shirts und kurzen Hosen deutlich underdressed sind. Der Kellner guckt wenig begeistert, weist uns aber einen Tisch zu. Wir bekommen ein englischsprachige Speisekarte und können bestellen. Getränke und Essen werden serviert. Ich hatte einen "Wiener Schnitzel Salat" :) Danach werden wir nicht mehr bedient - die anderen Gäste aber auch nicht. Entweder sind weitere Getränkerunden unüblich, oder man schließt gerade. Also flugs bezahlt und weiter.


    Es gilt, sich mehr rumänische Lei zu beschaffen. Etwa 50 Lei sind 1 Euro. Die Bank von Transsilvanien hat einen Geldautomat direkt um die Ecke, beim Krankenhaus. Da versorgen wir uns, damit sind wir abgesichert, wenn man mal irgendwo nicht mit Karte zahlen kann. Dann ein kleiner Spaziergang zurück, das Auto aus- und aufräumen, Lagebesprechung, Tagesausklang und Bettzeit. Gute Nacht!

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Nics Versys bleibt jetzt in meiner Garage.

    Es beruhigt mich doch sehr, dass du auch nicht daheim bist und somit nicht in Versuchung kommen kannst von einer intakten und frisch gewarteten Versys Gabel, Felgen oder sonstige Teile abzubauen :P


    Wünsche euch viel Spaß!

  • Bilder von der Anfahrt

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  • So 14.08. Nordwesten, Ukraineblick


    Die Nacht war erholsam, wir waren ja auch müde nach 1100 km Fahrt und Chaos an der Grenze. Nach dem Frühstück gibt's erst mal Shakedown.



    Die anderen müssen ihre Lenker neu ausrichten, die hätten sonst nicht auf den Anhänger gepasst, und hier und da noch Luftdruck. Ich habe das ja vorher gemacht und kann mich früh verabschieden, denn meine heutige Route ist wenig mitfahrerfreundlich. Die fahren lieber "schöne Strecken" und so.


    Ich fahre zunächst nach Norden. Da geht es nach 70 km über den sehr netten Pasul Huta, auch mit gutem Straßenzustand. Das besondere hier ist, dass man den Blick aufs nördliche Nachbarland hat.



    Gemessen daran, was in der Ukraine gerade los ist, herrscht hier völlig Normalität. Manche Hotels haben Rabatte für Flüchtlinge, aber man sieht wenig entsprechende Nummernschilder und Flaggen. Und auch kein Militär - der Krieg ist weit weg.


    Ich fahre Pässe. Pasaul Calinesti. Auch toller Straßenbelag und interessante Trassierung. Das ist vielversprechend! Dann geht es den Pasul Gutai hoch, und meine Herren, was ist das für 1 Pass! Die Jaufenpass Westseite lässt grüßen, mit einem Hauch Col de Vars - also fahrerisch. Landschaftlich ist es eher Wald, vielleicht Eifel. Dann will mein Navi rechts in einen Waldweg.


    Die Schotterpässe, die man nicht für den Landespreis braucht, habe ich optional drin. Ich bin gut drauf, es regnet nicht, das probieren wir doch mal! Der Waldboden ist noch etwas feucht, aber man findet eine schlammfreie Linie.



    Weiter oben wird es geschottert. Der Schotter hatte keinen weiten Weg, stelle ich fest, denn ich fahre mitten durch den Steinbruch. Weil heute Sonntag ist, gar kein Problem.



    Nach 4 km bin ich sehr zufrieden oben angekommen am Pasul Izvare. Super! Auch der Topcaseträger hält. Das Topcase hätte ich auch weiter unten im Gebüsch parken können, stelle ich danach fest, aber hey, jetzt weiß ich es wenigstens ;)


    Es geht zurück auf den Asphalt, und den weiterhin sehr genialen Pasul Gutai. Der wird weiter oben noch schöner, und hinter der Passhöhe hat man dann elegante, weitläufige Serpentinen mit sehr breiter Strecke. Es ist zwar auch etwas Verkehr hier, auch andere Motorräder, aber ich kann alles sicher überholen. Es gibt noch einen Abstecher zum See Lacul Mogosa. Da sehe ich drei vertraute Motorräder parken. Wie cool ist das denn! Das Fotomotiv ist ein Hotel mit Restaurant, und dort sitzen am See meine drei Reisebegleiter zur Mittagspause und warten gerade auf ihr bestelltes Essen. Genial!



    Es gibt Hähnchenspieße. Es hat 28 Grad, was die drei schon warm finden. Ich bin noch von Bosnien abgehärtet ;) Die anderen sind heute TET gefahren, also Schotterstrecken. Das ist natürlich anstrengender, aber auch weniger Kilometer.


    Weiter geht's auch wieder getrennt. Ich fahre weiter nach Süden, mit einem Abstecher in die Berge rein. Hier wird der Verkehr schon etwas lästig, man muss sich beim Überholen anstrengen. Weiter im Süden am Pasul Borcot habe ich schließlich Gewitterwolken vor mir.



    Blitze krachen in der Ferne herab. Oha. Schlachtplan: Weiterfahren bis zum ersten Tropfen, dann Regenkombi drüber. Mit Membran brauche ich es hier wohl nicht zu versuchen, und warm genug wird es auch ohne Membran und ohne Pulli sein. Der Regen wird schnell stark, und lässt nach 10 Minuten aber auch wieder nach. Ich bleibe dicht!


    Am Pasul Botiza stelle ich fest, dass die Straße real viel gerader ist als auf dem Navi. Das ist angenehm. So langsam bin ich auch mal fertig mit dem Tag, aber es sind noch 60 km. Und der Regen kommt wieder, aber nicht so intensiv, und ist nach 15 Minuten auch wieder vorbei.


    So, dann nur noch zum Hotel! Das Navi führt mich auf eine Schotterstrecke und dann umständlich quer über die Hauptstrecke durch die ganze Stadt zum Hotel. Hä? Ein Routingproblem. Es liegt an der Vermeidung von Strecken für die man eine Mautplakette braucht. Sind Bundesstraßen hier echt mautpflichtig? Ich beschließe, dass das wohl nicht sein kann, und aktiviere Mautstrecken. Bald erreiche ich die Anschrift vom Hotel, finde es aber nicht. In der Chatgruppe sind die anderen gerade eingecheckt und geben mir den richtigen Wink: Ein Schotterweg am anderen Ende des Penny Parkplatzes. Die anderen drei sind übrigens 20 Minuten vorher angekommen. Das hat wieder mal gepasst.


    Noch schnell im Penny einkaufen und dann Abendessen im eigenen Restaurant. Dann noch ein Stadtspaziergang mit Außenbesichtigung einer Holzkirche und Bewunderung einer Hochzeitsgesellschaft mit 50 Autos. Die ersten 30 sind BMWs, danach kommen 10 andere deutsche PKW, danach dann noch 3 weniger Premiummarken.


    375 km heute. Es war lang genug.

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Noch ein paar Fotos von heute:










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  • Mo 15.08. Nordosten


    Zur Frage von gestern: Ja, Bundesstraßen SIND hier echt mautpflichtig. Aber Motorräder sind von der Maut im ganzen Land befreit :) Wir frühstücken heute fürstlich. Pensiune Restaurant La Cassa in Vișeu de Sus sei hiermit ausdrücklich empfohlen.


    Los geht's um 9. Für mich etwas früher, wir fahren heute wieder in zwei Gruppen. Da wir nicht in die gleiche Richtung starten, muss ich auch nicht warten und starte in meine Route. Die führt zunächst 80 km südlich. Das trifft sich gut, denn von Nordosten zieht Regen auf. Ich bekomme 10 Minuten Nieselregen ab und werde den Rest des Tages verschont :)



    Richtig heiß wird es heute auch nicht. Die Jogginghose unter der Motorradhose wird trotzdem irgendwann warm.


    Ich fahre zu einer Kirchenanlage auf einen Berg hoch. Es ist alles sehr vollgeparkt. Und es stehen viele Menschen rum. Warum gucken die alle in eine Richtung? Wer labert da auf einer Lautsprecheranlage?



    Oops, ich bin hier mitten in einen Freilandgottesdienst reingefahren :( Ganz leise, ohne Motor, wieder weg da, und weiter durch die Landschaft. Dann fahre ich einen Abstecher zum Pasul Prislop. Das geht wieder Richtung des Hotel von heute Morgen. Da könnte ich doch fast die anderen drei treffen, die sich weniger zügig bewegen. Ah, vor 15 Minuten hat mir jemand einen Standort geschickt, 2 km Luftlinie entfernt. Da fahre ich doch einfach mal hin. Dort stehen drei vertraute Motorräder und es weht die Fränkische Flagge. Die anderen Drei haben auch einen Robert am Nachbartisch sitzen, der vom Leben als Ausgewanderter Hotelier/Gastwirt erzählt.


    Ein Stück Kuchen später fahre ich weiter, zur Passhöhe hoch, wo ein Kloster steht.



    Auf dem Weg gab's wieder einige Elendsbehausungen, die auch noch bewohnt sind. Ein optionaler Schotterpass liegt 5 km den Berg hoch. Die Wegweiser dorthin sind durchgestrichen, aber ich will ja gar nicht drüber fahren, sondern nur hoch. Die ersten Meter sind stark aufgeweicht.



    Danach wird's aber besser:



    Ich verstecke mein Topcase im Gebüsch und kann somit mindestens 10 kg leichter den Schotterweg hoch fliegen. Die Strecke ist 90% in gutem Zustand, so fällt es mir leicht. Am Rückweg finde ich den Koffer wieder und fahre zurück auf die Straße. Bei der größten Pfütze kommen mir sehr große Offroad-Autos mit französischen Nummernschildern entgegen, die es sehr eilig haben - da fahre ich in die Mitte, damit sie warten müssen, ich habe keine Lust auf eine Schlammdusche.


    Und dann bin ich auch schon fast fertig mit der Tagesroute! Da wäre ich 15:30 schon am Hotel, das wäre ja schade. Es liegen aber zwei Punkte nördlich, die ich morgen früh fahren wollte. Das kann ich auch heute, ist eh nur ein Abstecher. 80 km länger, passt.


    Die beiden Pasul Cumatra sind sehr nett zu fahren. Es ist wenig Verkehr und geht schön kurvig über die Karpaten.



    Irgendwo fliegt quer ein Mensch durchs Bild. Supermann im Einsatz? Graf Dracula darf jetzt auch tagsüber raus? Nein, Zipline! Sogar mit einem kleinen Bremsfallschirm hinten dran. An der Passhöhe ist dann auch dichtes Gedränge und ich finde kaum einen Platz fürs Motorrad.


    Dann geht's den gleichen schönen Weg zurück zum Hotel. Meine freundlichen Mitreisenden sind bereits 20 Minuten zuvor gekommen und haben die Formalitäten schon erledigt. Sehr zuvorkommend!


    Danach gehen wir in die Innenstadt, Abendessen. Es gibt leckere Burger und verschiedene Bierspezialitäten. Als ein Gewitter heranzieht, gehen wir zurück. Das Gewitter zieht vorbei. Wir vergnügen uns in der Hotellobby und planen die nächsten Tage um. Durch meine Extraschicht heute kann ich aus den nächsten 3 Tagestouren 2 Tagestouren machen. Damit bleibe ich im Takt mit der Schottergruppe und habe weiterhin Gesellschaft auf dieser Route. Das Verlängern tut mir nicht weh, denn die Tagesetappe hatte ich mit Rücksicht auf Mitfahrer geplant - und ohne schaffe ich mehr.


    400 km heute, wieder viele lange Ortsdurchfahrten.


    MO24 Team Reisen

    Edited 3 times, last by blahwas ().

  • Noch ein paar Fotos Fotos von den anderen 3:










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  • Di 16.08. Osten


    Im Hotel Cosmos gibt's das Frühstück à la Carte und kein Buffet. Es gibt 6 verschiedene Optionen. Das ist ziemlich verwirrend, wir entscheiden uns für die Omelette-Option. Es dauert und dauert, schmeckt dann aber. Brot und Marmelade sind je genau 1 Sorte.


    Ich starte früh mit Chris den Asphaltweg zum ersten Punkt. Luca und Yannik wählen den Schotterweg. Chris kommt bei mir mit, zumindest bis ich richtig wach bin ;) Wir wollen uns oben treffen, am Cabana Rarau. Es ist eine schöne Kurvenstrecke hier hoch, völlig ohne Verkehr.



    Luca und Yannik sind 4 Minuten vor uns da - der Schotterweg wurde schon asphaltiert und wird gerade eben festgewalzt. Dann geht's weiter nach Süden, über 1000 Meter hoch, durch schöne Landschaft, aber mit Blick auf Wolken, daher ohne Foto. Wir erreichen eine sehr einsame Region. Die Straße folgt einem Fluss. Es gibt nur auf einer Seite eine Straße, aber auf beiden Seiten Häuser. Da helfen Brücken. Aber nicht irgendwelche Brücken.



    Ich sehe eine Frau einen Kinderwagen hier drüber schieben - au weia. Mittags kehren wir ein bei einem Straßencafe am Lacul Izvorul Muntelui. Der See ist etwa 10 Meter unter Pegel und damit quasi nicht zuhause. Kühe weiden im See. Hier trennen sich unsere Wege bis zum Abend, ich habe noch ziemlich viel auf dem Teller, da ich drei Tagestouren in zwei Tage gequetscht habe. Durch die Stadt Borsec geht es zu einem sehr schön und sportlich zu fahrenden Pass, dem Pasul Creanga.


    Auf der anderen Seite raste ich kurz und stelle fest, dass die Reststrecke kürzer wird, wenn ich wende. Also mache ich das. 10 km weiter in Borsec schickt mich das Navi in eine Querstraße ohne Wegweiser - das ist immer ein Warnsignal. Es sollen 10 km Schotter folgen. Ich hatte wohl vergessen, das abzuschalten. Aber jetzt bin ich schon 10 km gefahren. Da war's zwar schön, aber ich will nicht umdrehen. Also weiter, und der Schotterweg ist ja gut.



    Leider bleibt er nicht so gut. Irgendwann brauche ich eine Pause.



    Ich komme aber gut zurecht, und vor allem viel besser als noch vor einem Jahr, auch angesichts des vollen Gepäcks. Oben ist dann eine schöne Alm.



    Der Weg runter in den Süden ist dann allerdings richtig schlecht. Große Steine, starke Erosionsspuren, Autos haben schon alternative Wege gesucht und verwüstet. Mein Dickkopf lässt grüßen. Andersrum wäre ich hier nicht freiwillig hochgefahren. Und hätte es vielleicht nicht mal geschafft. Hoffentlich muss ich nicht umdrehen, hier treffe ich heute auch niemanden. Das realisiere ich aber erst abends, beim Schreiben dieser Zeilen. Schön blöd von mir, extra keine Schotterpässe einzuplanen, und dann sowas zu riskieren.


    Aber es geht gut. Endlich unten im Tal angekommen, durchfahre ich ein kleines Dorf.



    Danach geht's nach Süden. Rund um unseren Übernachtungsort Lazarea liegen 5 Passknackerpunkte, von denen ich mir 4 noch heute schnappe, und den 5. morgen zur Abreise. Es drohen Wolken allseits, da ziehen ich mal lieber wieder die Regenjacke an. Damit bin ich dann den Rest des Tages gut angezogen und fräse mich durch die Landkarte.


    Kurz vor der Unterkunft komme ich bei einem frischen Autounfall vorbei. Ein Passat wollte einen Pickup überholen, der wollte aber links abbiegen. Es ist augenscheinlich nichts ernstes passiert, also weiter. Unsere Unterkunft ist heute ein Ferienhaus. Heute hat nicht nur jeder sein eigenes Bett, sondern auch sein eigenes Zimmer. Und sein eigenes WC. Und sein eigenes zweites Badezimmer. Außerdem 3 Badezimmer, insgesamt 13 Betten, 2 Kühlschränke, Balkon, Terrasse, Dachterrasse. In der Küche Gasherd, Tafel für 12 Personen und Küchentisch für 8. 25-30 Shot-Gläser, aber nur 5 Teller, 1 Pfeffer, aber kein Salz. Es ist kein Restaurant nebenan. Die anderen drei sind schon da und gehen erkunden bzw. einkaufen. Da die Bar nicht so einladend wirkt, wird Pasta und Soße gekauft und gekocht. Luca kämpft mit dem Gasgrill, aber gewinnt.


    400 km heute


    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Das scheint eine tolle Reise zu sein

    Das liesst sich serh gut und die Fotos sind auch schön.

    Viel Spass wieterhin.

  • Wenn man das so sieht meldet sich das Fernweh und will mit. :love:

    "Reality is on a delay. For you, nothing is now. Realizing this fact is unsettling. If we can only react to the past, how do we manage to navigate the present? It's easy to spiral into a treatise on free will while in the fetal position, overthinking our forever past." - Kyle Hill

  • Cool, womit hast du die Animationen estellt?

  • Danke :thumbup:

    Ich habe früher mal mit Google Maps eine Route nachgezeichnet und dann das ganze abfliegen lassen und vom Bildschirm aufgezeichnet. Das hat ewig gedauert.
    Bin gespannt wie einfach das heute ist mit dieser App

  • Die App braucht eine gefahrene Route, ich exportiere meist aus Calimoto oder Locus, oder die Track Aufzeichnung per App. Fotos werden anhand der GPS Daten automatisch vorgeschlagen.


    Back2Topic:


    Heute gibt es meine Bilder vor dem Bericht.









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    Edited once, last by kleiner Chris ().

  • Mi 17.08. In die Walachei


    Wir landen heute Abend bei Brasov. Dort bleiben wir zwei Nächte. Damit ich eine Tagestour spare, habe ich heute etwas mehr vor: 450 km. Angesichts elendslanger Ortsdurchfahrten und verwinkelter Pässe bleibt da für Schotterabenteuer oder gemeinsame Pausen keine Zeit. Naja, eins muss dann doch sein: Wir haben kein Frühstück im Ferienhaus, also kehren wir ein bei einem Bäcker. Der aber leider kein Bäcker ist. Es gibt nur Hipster-Hafer-Müsli im Becher. Mit Früchten. Nicht mein Fall, aber essbar, verträglich, und hält doch recht lange vor. Dann beginnt der einsame, eilige Ritt in die Walachei!


    Den Pasul Sicas fährt außer mir kaum jemand hoch. Und die anderen Nutzer haben teilweise Autos, teilweise Pferdefuhrwerke. Ein Pferd hat übrigens 15 bis 24 PS. Und die Fahrer sind sehr defensiv.


    Ich fahre viel durch Wald und immer nach Süden. Mal eine Hochebene, mal einen Blick übers Tal. Spektakulär ist es oft nicht. Bemerkenswert sind noch Straßen aus Betonplatten, zum Pasul Sfânta Ana. Da ist nicht nur die Straße schwer, sondern auch viel Verkehr. Oben ist ja auch ein Kratersee. Und auf dem Weg dorthin sitzt ein Braunbär am rechten Straßenrand. Okay? Was macht man da? Ich halte mal lieber nicht an, auch nicht für ein Foto. Im Vorbeifahren sehe ich noch augenscheinlich ein Gelenk zu viel im rechten Vorderbein. Autsch. Ich kann aber auch nichts machen.


    Nächster Ort, nächstes Unglück: Ich tanke die Versys. Nach dem Bezahlen zurück am Motorrad kommt eine Gruppe Segway-Fahrer vorbei. Dass es die noch gibt! Immerhin tragen sie Helme. Dann ein dumpfes Geräusch, umdrehen: Da liegt ein Segway, zwei Beine hängen in der Luft, und nichts bewegt sich mehr. Scheiße! Der Fahrerin wird geholfen. Ihr Helm, Typ BMX, ist noch auf dem Kopf, hängt aber eher am Hinterkopf. Sie kann auf eigenen Beinen stehen. Uff. Ich fahre weiter. Durch die Stadt Targu Secuiesc. Da ist eine elendige Baustelle, die mich trotz grüner Ampel richtig Zeit kostet: Einspurig, unbefestigt, Schwerlastverkehr.


    Aber dann, der Südöstliche Zweig meiner Route ist der schönste heute.



    Schöne Aussicht!



    Auch mal Schafe!



    Es fährt sich richtig toll hier. Es ist quasi Passo Rollo, nur ohne Verkehr. 45 km Kurvenspaß, dicht am stielen Hang. Toller Straßenbelage, noch keine 3 Jahre alt. Letzter Punkt meiner Route hier ist eine verwaiste Ferienanlage.



    Tabara Galaciuc heißt das hier. Kein Mensch hier, aber das Tor steht offen. Und ich kann meinen Müll in einem Mülleimer entsorgen. Für die Statistik: So weit im Osten war ich noch nie. Der östlichste Passknackerpunkt ist allerdings in Norwegen. Dann geht's den ganzen schönen Weg wieder zurück! Ich will meine Reifen ja eigentlich noch eine Weile fahren, und sollte mich etwas beherrschen, aber irgendwie flutscht es einfach richtig gut hier. Der Weg zurück ins Tal ist super, dann kommt langweilige Überführung.


    80 km verkehrsreich, geradeaus, wieder die Baustelle, aber jetzt mit Schlange. Die Mitte ist dicht, ich ziehe rechts vorbei, unbefestigt. Dabei erschrecke ich einen Radfahrer, der von hinten kommt. Ganz vorne ist ein Reisebus, der Busfahrer ist ausgestiegen und zeigt mir mit einem Wink die Umleitung. Auch der Radfahrer bedeutet mir, zu folgen. Das spart mir locker 20 Minuten. Danke, Jungs! (Versucht das mal in Deutschland...). Das Hotel liegt außerhalb der Großstadt Brasov. Leicht zu finden, gut ausgestattet, modern, Klimaanlage. Aber ziemlich auf der grünen Wiese. Zum Abendessen fährt uns ein Uber für 3 Euro. Wir lassen es krachen!



    Zurück laufen wir, weil kein Uber-Fahrer Lust hat, aus der nahen Großstadt für die kurze Strecke zurück zu kommen. 20 Minuten mit Katze streicheln.


    455 km heute. 50% Rumänien!



    Zwischenfazit: Rumänien hat wirklich tolle Strecken zum Motorradfahren! Die langen Ortsdurchfahrten sind nervig, aber man kann sich den Einheimischen anpassen, dann geht's. Viele Menschen sind sehr aufgeschlossen und freuen sich über jeden Besuch! :) Unsere Gruppe funktioniert toll!

    MO24 Team Reisen

    Edited 5 times, last by blahwas ().

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