Rundreise Rumänien

  • Mangels Restaurants, Cafés und Lebensmittelläden im Umkreis von 8km ums Hotel hab ich mich nochmal auf das Motorrad geschwungen. Es stand ca. 3h in der Sonne und siehe da das Display geht wieder.

    Auch der Blinker spielte auf der kurzen Strecke nicht verrückt. Hin und zurück hat er gereicht.

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  • Wir haben blahwas heute mal wieder alleine Pässe knacken lassen. Ich hatte noch eine Rechnung mit einer Bundesstraße (Drum National / DN) offen, bei der mittendrin einfach der Asphalt aufhört. Da bin ich 2017 umgedreht, heute wollte ich das nachholen. Mir wurde berichtet, dass das wohl eine Schotterpiste sei, die ganz gut befahrbar sei bis auf ein paar Wasserüberleitungen.

    Damit das ganze mit den Unterkünften passt, habe ich die Straße in anderer Richtung als 2017 geplant. So ging es dann heute morgen mit Yannick ca. 100 km zum Einstieg in die DN66A.


    Es fing an mit schlechter Asphalt-Straße voll mit Schlaglöchern, die alle voll mit Wasser sind. Kies und Erde auf der Straße darf natürlich nicht fehlen. Dann geht es weiter mit Betonplatten und Schotter. Das ganze bedingt durch ein Unwetter gestern Nacht natürlich schön nass.




    Nach einer guten Strecke (>10km) folgt ein Waldweg voll Matsch und großen Pfützen (gerne die volle Breite des Weges und >5m lang). So geht es ca. 20km an einem Stausee vorbei.





    Wir erkunden zwei mal zu Fuß, entschließen uns aber dazu, uns durch zu kämpfen. Irgendwann sind wir dann so weit drin, dass Umdrehen unsinnig wird.

    Natürlich dürfen keine Lichtungen mit Spuren von Holzfällarbeiten fehlen. Die sind dann ausgefahren und sehr glitschig, einmal fahre ich einen Hang seitwärts hoch, Vorder- und Hinterrad nicht in der selben Spur =O

    Unsere Bereifung ist mit Pirelli STR und Conti TKC70 natürlich auch nicht die beste für diese Aktion. Dass wir beide auch noch Gepäck dabei haben hilft auch nicht.


    Aussicht gibt es auch eher selten, aber dann ist es echt schön.



    Nachdem wir uns um den See gekämpft haben gibt es noch ein paar Navigations-Unklarheiten, die sich dank Offline-OSM-Karten auflösen lassen.

    Auf die Gurkerei am See folgt der Pasul Jiu-Cerna. Hier wird es schottriger und weniger matschig, was aber nicht heißt, dass nicht doch das ein oder andere Schlammloch für ein Vorderrad mit Eigenleben sorgt.




    Am Ende kommen wir nach guten vier Stunden und fast 60km an der Stelle raus, an der ich vor 5 Jahren gewendet habe. Jetzt ist die Straße auch abgehakt.

    Im Endeffekt war das eine sehr anstrengende und auch teils unnötige Aktion, aber wir haben viel gelernt. Das war bisher das anspruchsvollste, was ich mit dem Motorrad gefahren bin 8)


    Kaputt gegangen ist nix, wir mussten nur den Topcaseträger der AfricaTwin und meinen Scheibenspoiler unterwegs wieder korrekt anschrauben, nachdem die sich losgerüttelt hatten. Yannicks Kette ist nun auch am Ende, das hörte sich unterwegs schon böse an, das zähle ich aber zu Verschleiß und nicht als Schaden.


    Am Ende muss ich mich noch bei Yannick bedanken, denn zu zweit war es nur noch eine dumme Idee und keine extrem dumme Idee mehr. Alleine wäre ich wohl beim Waldweg umgedreht, da ohne Backup weiter zu fahren wäre sehr leichtsinnig gewesen. Wir haben auch nur drei Leute gesehen, zwei Bauern und einen KTM-Fahrer.

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    Suzuki Bandit 1250 SA (2015 - 2018)
    Yamaha XJ 600 S Diversion (2013 - 2015)

    Edited 2 times, last by hackstueck ().

  • Mo 22.08. Kleine Walachei


    Heute ist der vorletzte Tag in Rumänien. Es geht in den Südwesten auf eine Schleife in der Nähe der Grenze zu Serbien, und dann wieder nach Nordosten. Der direkt Weg zum Hotel wäre gar nicht so weit, aber ich will ja Punkte sammeln ;) Die Region heißt Südwest, oder auch Kleine Wallachei. Das Wetter ist heute durchwachsen angesagt. Luca und Yannik wollen trotzdem lieber TET fahren.


    Nun denn! Nach dem Hotelfrühstück geht's 67 km zum ersten Pass. Die Elektronikzubehörlage stellt sich so dar, dass sich das Sena über Nacht fast erholt hat, sich aber alle 5-10 Minuten selbständig abschaltet. Das Navi flackert nicht mehr, aber die rechte Hälfte des Bildschirms ist deutlich dunkler als die linke. Das stört eher am Rande.


    Es ist trocken und geht schick einen Fluss entlang. Das gibt Hoffnung.




    Also hurtig weiter. Der zweite Punkt ist dann ein Abstecher nach Norden auf einer verkehrsreichen Hauptstrecke. Naja. Zurück im Süden fahre ich in die Wolken rein und schlüpfe bald in die Regenkombi. So kann mir das Wetter ziemlich egal sein.



    Trockenheit ist trotzdem schöner. Zwei Stunden später hört es wieder auf zu regnen und ich schöpfe Hoffnung.



    Dann komme ich in Starkregen. Mööp. Ich stelle mich sogar in einer Bushaltestelle unter. Als der Regen nachlässt, fahre ich weiter. Ich überquere den Pass "Poarta de Fier a Transilvaniei" - somit bin ich also wieder in Transsilvanien.



    Leider habe ich es versäumt, vor der Reise "Transilvanian Hunger" von Darkthrone auf den Musikplayer zu packen. Ich habe jedoch auch gelernt, dass "Transsilvanien" das gleiche ist wie "Siebenbürger" - das kostet doch Faszination.


    Die letzten Kilometer zum Hotel schaffe ich dann auch noch, hier werde ich wieder getrocknet. Am Zielort tanke ich noch, morgen habe ich viel vor. Rein ins Hotel um 16:30, Luca und Yannik kommen 5 Minuten später. Chris kommt heute nicht, der lässt ein Hotel einfach aus und feiert schon mal unsere morgige Unterkunft ein. Seine KTM mag keinen Regen, jetzt spinnt auch noch das Display.


    413 km heute, davon die Hälfte im Regen



    90% Rumänien. Morgen wird's fertig :)

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Mein Tag bestand heute daraus in einer recht protzigen Unterkunft im Pool zu liegen bzw. Netflix zu schauen und drauf zu hoffen, dass das Motorrad morgen noch durchhält.



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  • Führt der Rückweg an Mattighofen vorbei? Dann kannst du deine Maschine dort vielleicht bei KTM in der Empfangshalle parken. Und wenn du vorher einen Eimer Wasser deüberkippst, vermutlich auch nicht auf deren Bitten hin wieder hinausfahren...

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

  • ich glaub ja schon, wenn ich mir Google Maps von Satu Mare nach Völklingen anschaue geht die Route von Linz nach Passau. Mit einem kleinen Abstecher erreicht man Mattighofen.

  • @ Chris: ab nach Mattighofen und Bescheid sagen, das du hier schreibst. Und etwas angefressen bist, weil das mit dem Urlaub und so…..



    Mal sehen was passiert?

  • Das wird eh nichts bringen, weil Mattighofen sich nicht für die Endkunden interessiert. Die wälzen das auf ihre Händler ab und lassen selbst die teilweise im Regen stehen. Bin gespannt wie es weiter geht, aber das ist wahrscheinlich ein eigener Thread.


    Ich möchte hier festhalten, dass trotz allen Problemen mit der KTM, das ein bis dato schöner Urlaub mit sympathischen Menschen ist. Trotz unterschiedlicher Interessen (Passknacker vs. TET vs. Sightseeing) hat man sich Abends zum Essen getroffen und vom Tag erzählt. Das möchte ich nicht missen.

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    Edited once, last by kleiner Chris ().

  • Ja, ist schon toll wenn man Tagsüber was getrennt macht und sich abends trifft.


    Würdest du dir nochmal eine KTM holen, weil sie geiler fährt als andere Bikes? Oder mit dem Wissen nicht mehr?

  • Manuel

    Die 690 Duke machte gar keine Probleme und die 690 Enduro Probleme lagen am Zubehör, nicht an KTM selbst.

    Was bei KTM enttäuscht ist die Qualität der 790/890 Baureihe und allgemein das Verhalten im Problemfall gegenüber dem Kunden. Da tritt man nicht als Problemlöser auf, sondern jemand der mit allen Mitteln versucht die Schuld von sich zu schieben. Das ist schon arg entschäuschend.

    Ich wusste vor einem halben Jahr ja noch gar nicht, ob ich mit dem Rücken überhaupt nochmal Motorrad fahren kann. Ich wusste es eigentlich auch vor dem Urlaub noch nicht wirklich. Die 890 Adventure R bot sich halt irgendwie an, weil Fahrwerk und Leistung passten, die 850 GS war mir vom Gewicht too much und mittlerweile habe ich einen guten Draht zu meinem Händler, der hat aber auch nur begrenzte Mittel und Wege.


    Mein sorgenfreiststes Motorrad war die BMW R 1200 GS, Händler top, Hersteller kulant und auch die laufenden Kosten recht geringt. Aber ich wollte damals was leichteres. Rückblickend würde ich die GS behalten.

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  • Di 23.08. Westrumänien


    Heute ist der mein letzter Fahrtag für Rumänien! Und ich schlafe doch sehr ruhig. So ruhig, dass ich meinen Plan aufgeben, früh los zukommen. Das wäre sinnvoll gewesen, weil nachmittags Regen aufkommen soll, aber hey: Wenn ich heute nass werde, kann mir das morgen egal sein. Heute abend habe ich die 100%, und dann ist mir etwas Regen auch egal. Und morgens trocknet die Welt noch.



    Am Frühstücksbuffet ist etwas Chaos ausgebrochen, weil das Hotel so voll ist, dass das Personal kaum hinterherkommt mit dem Nachlegen von Brot. Wir werden aber alle satt, und ich kann danach auch noch die Hauskatze streicheln :) Einpacken, aufladen, alles wie immer, oder? Warum ist da eine Pfütze im Topcase? Naja, es wurde mir geschenkt, weil es undicht ist, da muss man damit rechnen, dass es undicht sein könnte. Vorteil Pfütze: Man kann sie auskippen. Dann abwischen und rein mit dem Zeug! Die Topcaseinnentache kann Wasser ab, und mein Gepäck ist nicht aus Zucker. Der Laptop ist eh zusätzlich noch in ein Handtuch eingewickelt.


    Abfahrt ist 9 Uhr. Chris ist schon am neuen Hotel, Luca und Yannick spielen unterwegs im Schlamm. So bin ich wieder einsamer Passknacker, und heute auch anfangs wieder im Bundesstraßeneinsatz. 81 km bis zum ersten Punkt. Aber es ist wenig Verkehr und landschaftlich immer mal wieder interessant.



    Die Strecke wird dann sehr einsam, schmal und verwinkelt, bleibt aber asphaltiert. Anwohner winken mir zu, so selten kommt hier jemand vorbei. Dafür mache ich Passknacker! Schön sind auch die unterschiedlichen Baustile bei Sakralbauten.



    Irgendwann begegne ich sogar Luca und Yannick :) Leider kämpfe ich heute mit meinem treuen China-Navi. Es hat gestern Wasser abbekommen, und jetzt verdunstet es hinter der Bildschirmfolie und kondensiert wieder. Das erschwert die Ablesbarkeit, und vor allem nimmt der Touchscreen keine Eingaben mehr an. Das ist so lange okay, wie ich nichts bedienen will - die Route läuft ja noch. Allerdings bin ich nach einer Fahrpause im Hauptmenü, wo die Kartendarstellung nur sehr klein (2x2 cm) eingeblendet wird - und keine Fahrmanöver. Also hänge ich mein Handy an die USB-Dose und lasse mich mündlich von OSMand zum nächsten Passknackerpunkt navigieren. Das klappt sehr gut. Und der Punkt ist auch nicht zu verfehlen.



    Transursoaia. Merke: Straßen mit "Trans" im Namen sind spannend. Außerdem gilt: Tschechisch und Rumänisch haben im Durchschnitt so viele Vokale wie Deutsch. Über den Vartop geht's nach Osten, und dann nach Norden über den Popasul Ursoaia. Das soll ein Schotterpass sein - inzwischen wurde er aber asphaltiert, und die Asphaltdecke hat in den 2 oder 3 Jahren ihres Bestehens schon zahlreiche Schlaglöcher bekommen. Jetzt wird's richtig einsam, und ich fahre auch haarscharf an einem Gewittergebiet vorbei, das nach Norden weiterzieht. Aussitzen kann ich es nicht, dafür fehlt mir die Zeit - 420 km heute. Also bei den ersten Tropfen rein in die Klamotten, gemeinsam mit dem polnischen DR-Fahrer, den ich gerade noch überholt habe, man schmunzelt sich wortlos zu :) Es sind sehr wenig Motorradfahrer hier unterwegs. Bis Huedin ist der Regen vorbei und kommt wohl auch nicht wieder, also raus aus der Regenjacke, es wird warm. Es fehlt nur noch ein Punkt zum Landespreis. Der würde morgen früh auf meiner Route liegen, und heute sind es 51 km Umweg - aber ich kann nicht widerstehen. Ich habe schonmal wegen einem Punkt nicht den Landespreis bekommen (Sardinien 2020), also nehme ich den noch mit. Es ist eine verkehrsreiche Straße nach Ungarn hier, zum Glück mit Überholmöglichkeiten. Und siehe:



    100% Rumänien! Jippie, Ziel erreicht, Landespreis geschafft! :) Und dann geht das Leben einfach weiter? Ich fahre zum Hotel. Es liegt etwas außerhalb eines Dorfs, das etwas abseits der Hauptstrecke liegt. Man muss eine Schotterstrecke fahren, die es nicht in OSM gibt, aber es ist ausgeschildert und gut zu erkennen. Für den letzten Abend haben wir uns einen Bonzenbunker gegönnt, der das doppelte des bisherigen Durchschnitts kostet. Eine KTM steht schon da. Es ist niemand an der Rezeption? Ich rufe die rumänische Nummer an, die mich vorhin erreichen wollte. Es ist der Hotelier, er ist nicht vor Ort, aber die Tür ist offen und die Schlüssel hängen bereit. Fürs Abendessen können wir ihm die Bestellung per Telefon oder SMS geben. Chris ist schon da!


    Nachdem ich aufs Zimmer bin und mich frisch gemacht habe erscheinen Yannick und Luca. Wir wählen etwas von der Speisekarte, ich schreibe die SMS, dann erhalte ich den Anruf, dass komplizierte Gerichte nicht gehen, weil niemand da ist. Wir könnten 7 km in ein Restaurant fahren? Das will ich nicht, also wird jemand geschickt. 10 Minuten nachdem Luca und Yannick den Pool verlassen, geht die Welt unter.



    Die herbeitelefonierte Köchin redet zwar nicht mit uns, brutzelt uns aber vier Fleischplatten mit Püree und Salat zusammen, und es gibt zwei angebrochene Flaschen Cognac dazu. Da kann man nicht meckern!


    432 km heute



    Und nebenbei konnte ich für meinen Heimweg einen Hinterreifen organisieren, der mir übermorgen in Österreich montiert wird, weil ich nicht per Hänger heimfahre.

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Mi 24.08. Transungarn


    Heute fahre ich raus aus Rumänien und dann auf schnellstem Weg 1x quer durch Ungarn, damit ich mich ab morgen in Österreich vergnügen kann. Die anderen drei fahren eine kurze Etappe nach Norden, nach Satu Mare, wo der VW Bus mit dem Anhänger parkt. Der KTM-Fahrer steht dabei unter strenger Beobachtung, denn inzwischen fällt sein Tacho-Kombi-TFT-Dings immer wieder aus, und das LED Abblendlicht geht auch mehr oder weniger. Wir treffen uns wie immer um 8 Uhr zum Frühstück. Leider ist das Frühstück noch nicht da. In dieser Pensionea ist Personal rar. Es ist wie gestern bei der Ankunft oder beim Abendessen eben schlicht keiner da. 8:20 kommt jemand, sagt nichts, zieht sich einen Kaffee, verschwindet. 8:30 wiederholt sich das ganze mit noch einer Person, dann werden wir gefragt, ob wir Frühstück wollen: Na sicher doch! Dann dürfen wir wieder 20 Minuten warten, und dann bekommt jeder ein Omelette auf den Tisch, nett angerichtet mit Käse, Leberwurst, Brotkorb, Marmelade. Da kann man nicht meckern - außer über die eine Stunde Wartezeit. Mimimi ;)


    Nach dem Packen kommt der Abschied von den Mitfahrern. Die Zeit mit euch war schön. Es war ein angenehmer Mix aus jeden Tag Gesellschaft, und Touren für jeden Geschmack ohne Gruppenzwang. Ihr seid alle eine Runde weiter ;) Zum Beladen der Motorräder sind wir für 5 Minuten direkt ans Hotel gefahren, wo ein Schild steht, dass man da maximal 10 Minuten ein/ausladen darf (wenn ich das Rumänisch richtig verstehe). Das ruft einen Mercedes Benz S-Klasse Fahrer auf den Plan, der soeben den Schotterweg hoch kam, und mich auf Englisch anspricht und ohne Umschweife direkt losmeckert, warum wir hier stehen würden trotz des Schildes, und warum er jetzt dieses Gespräch führen muss. Ich erkenne die Stimme vom Telefon gestern wieder, das ist der Boss hier. Interessanter Umgang mit Kunden... Warum er jetzt dieses Gespräch führen muss weiß ich auch nicht, wir sind ja alle schon gepackt und beladen und bezahlen gerade. Das Ziel ist also unklar. Da liegen weniger nützliche Motive nahe. Naja, ich bin eh gerade am Aufsteigen. Die Kollegen, die gerade Essen und Getränke bezahlen, dürfen sich dann weiter mit ihm beschäftigen (wir teilen alle Kosten hinterher).


    Meine Route führt auf schnellstem Weg zum Zielort. Ich habe auch online eine digitale Mautvignette für Ungarn gekauft, was durch mein FÜ-Nummernschild erschwert wird, weil die Webseite keine Umlaute mag. Dann eben FU. Das Wetter ist gut, und bis auf einen kleineren Bundesstraßenstau noch in Rumänien wegen einer gerade geräumten Unfallstelle komme ich gut voran. An der Grenze habe ich nur 4 Autos vor mir, da kann ich mich anstellen. Ich komme bequem voran, bin einfach nur in Bewegung und höre Podcast. Das ist nett, aber auf Dauer ermüdend, also Pause bei einer Ortsdurchfahrt, Kekse und Cola. Und weiter. Immer weiter. Irgendwann erreiche ich eine Neubauautobahn, die mein noch immer halb ertrunkenes China-Navi trotz Update noch nicht kennt. Ich erwische aber die richtige Richtung und bin bald wieder auf einer bekannten Altstrecke.


    Bei Budapest fahre ich auf sehr dunkle Wolken zu. Ich trage die Membranjacke, aber bei der Hose bin ich nicht wasserdicht. Es beginnt Starkregen, und die Autofahrer machen sehr langsam! Nein, bitte nicht! Man kann im Regen auf der Autobahn eine Weile trocken bleiben, so lange man schnell genug fährt, dank kleinem Windschild und großem Tankrucksack. Bleibt man stehen, ist die Hose innerhalb einer Minute voll. Freundlicherweise ist die linke Fahrspur frei. Also rüber da, und kurz danach verstehe ich auch, warum hier kein Auto fährt: Ich kriege je einen 100 km/h-Wasserstrahl links und rechts auf die Füße, sprich, ich fahre gerade durch eine 50 Meter lange Pfütze unbekannter Tiefe. Füße hoch und drauf vertrauen, dass es wegen Physik für Motorräder kein Aquaplaning geben kann. Und siehe, das klappt!


    Der Regen lässt zwar bald etwas nach, aber ich nutze doch die nächste Tankstelle zum Tanken und zum Überziehen der Regenhose. Auf die Regenjacke verzichte ich, das wäre zu warm, wenn es wieder aufhört, und bisher war es ja dicht. Oder nicht so undicht, dass ich es gemerkt hätte. Das war eine gute Entscheidung, denn es regnet noch 30 Minuten. Die entscheidenden Stellen bleiben also trocken! :) Nach 30 Minuten hört es wieder auf und ich beginne zu trocknen. Unter meiner hochwertigen, dehnbaren Regenhose mit Membran trocknet auch meine nasse Motorradhose. Gutes Ding!


    Bei der letzten Pause vor dem Ziel will ich gucken, ob ich nicht noch etwas verlängern könnte? Es gibt zwei Passknackerpunkte nördlich vom Hotel - einer in Österreich, für den anderen Landespreis, und einer in Ungarn, für's Lebenswerk. Leider ist mein Navi so voller Wasser, dass der Touchscreen sich weiterhin gedrückt fühlt, auch nachdem ich nicht mehr drücke. Das ist jetzt blöd! Also mache ich Pause an einem Feldweg und montiere das Zweithandy als Navi im Cockpit. Das sitzt ganz gut, und so lange es nicht regnet, kann ich es an einer USB-Dose laden.



    Interessantes Zeug wächst hier (neben dem allgegenwärtigen Müll am Straßenrand in Balkanländern)



    So erreiche ich ohne Regen von Google Maps geführt meine Unterkunft außerhalb von Szombathely gegen 17 Uhr. Es ist ein Hostel mit geschlossenem Restaurant, aber jemand zeigt mir alles. Ich werfe mein Gepäck aufs Zimmer und entschließe mich dann, noch die beiden Punkte zu sammeln. Einerseits habe ich heute außer 550 km Transit nichts getan und fühle mich sonst etwas nutzlos, andererseits ist es ein Test der Handynavigation für morgen, sollte sich das Chinawassernavi nicht über Nacht erholen. Und ich muss auch noch Abendessen und Frühstück einkaufen, hier gibt's nichts. Also los.


    Zuerst nach Österreich. Über die Grenze freue ich mich, endlich keine Kontrolle, und endlich wieder Preise in Euro. Dann versuche ich wieder verstärkt auf Schilder zu achten - das dauert eine Weile. Der Passknackerpunkt Geschriebenenstein liegt an einer kurvigen Landstraße durch dem Wald, wo ein paar Einheimische Motorrad fahren üben. Nett hier!



    Der zweite Punkt ist in Ungarn, 3 km Luftlinie entfernt, real 23 km. Ich bin zwar wieder im Schengen-Raum, und als echter Schengen-Bürger darf ich auch prinzipiell überall über die Grenzen, aber es wären Waldstraßen, und da stehen reichlich Verbotsschilder. Macht nichts, was sind schon 23 km? Es geht auch hier hoch in den Wald, aber auf einer sehr schmalen, gut asphaltierten Strecke, die aber weiträumig freigeschnitten ist. Ist das hier vielleicht sonst eine Skipiste? Oben ist ein Funkturm. Harmashatar Hegy heißt das hier.



    Zurück in Szombathely brauche ich noch einen Supermarkt fürs Abendessen und vielleicht noch Sprit, dann spare ich morgen Zeit. Ich komme an einer Wechselstube vorbei. Ich habe zwar keine Lei mehr, aber noch kroatische Kuna, und die werden hier angenommen - yippie! Und ich kann sogar in Euro wechseln, obwohl ich in Ungarn. Der Kurs ist 8:1, was ganz okay ist, und ich erhalte noch ein paar ungarische Münzen dazu, die ich im Hostel als Trinkgeld hinterlassen werde. Der Supermarkt ist ein Tesco, es gibt Sandwich, Muffins, Tuc, Orea. Jumjum! Die Shell-Tankstelle hat kein Benzin mehr, nur Diesel - dann tanke ich halt morgen. 20 Uhr unter die Dusche, Abendessen rein, Reisebericht und gucken, was die Anderen so treiben.


    Heute ist eigentlich alles gut gelaufen, außer dass mein Navi wasserscheu ist, und der Wirt hat heute früh den eh schon suspekten Eindruck seines Etablissements noch mal deutlich runter gezogen.


    616 km heute



    Damit ist der Rumänien-Reisebericht fertig. Ein qualifiziertes Fazit folgt. Weiter geht's morgen im Österreich-Bericht :) Passknacker Landespreis Österreich 2022

    MO24 Team Reisen

    Edited 2 times, last by blahwas ().

  • Seit 6:30 Uhr unterwegs nach Hause... Nach fast 1000 km machen wir einen letzten Stopp. Wir haben heute aber noch ca. 150 km vor uns.


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  • Fazit Rumänien


    Tolles Land! Landschaftlich interessant, aber wie die anderen Karpaten-Länder nicht so umwerfend wie die Alpenländer. Fahrerisch kann man sich abseits des Asphalts so richtig austoben. Der Umweltschutz ist hier noch nicht erfunden, und viele Ortschaften sind nur über Schotterstrecken zu erreichen. Wie in allen Balkanländern liegt Müll rum. Richtig viel Müll, überall, um genau zu sein. Dazu genug wilde Hunde innerorts und außerorts, dass einem mulmig werden kann: Wenn auf der Passstraße ein ganzes Rudel auf einer Fahrspur steht oder liegt, ist das bedenklich. Neben eher niedlichem Vieh und Wild von Schaf bis Pferd lauern auch andere Gefahren, z.B. Absackungen und Abbrüche oder Felsabgänge, die zwar prinzipiell markiert sind, aber weniger aufdringlich als man es hierzulande machen würde: Da steht schon mal ein einzelner orangener Kegel vor dem Loch oder dem fehlenden Gullideckel. Von ungewöhnlich tiefen Oberleitungen oder gar herabhängenden Drähten wird man aber nicht gewarnt. Da hilft nur gucken. Hier würde ich dringend davon abraten, nachts zu fahren. Und zwar nicht nur auf dem Land.


    Die Hauptstraßen sind aber alle in besserem Zustand als daheim! Highlight war für mich die Transalpina, und dabei habe ich nur die Nordseite befahren. Die einheimischen Auto- und Motorradfahrer haben ihren Umgang mit den langen Ortsdurchfahrten gefunden. 99,9% der Fahrer sind dabei durchaus aufmerksam und rücksichtsvoll, das ist eindeutig besser als in Deutschland. In 10 Tagen hat mir niemand die Vorfahrt genommen. Wenn man sich den Einheimischen anpasst, kommt man voran. Das zerrt aber ziemlich an der Ausdauer, weil man dafür sehr fokussiert sein muss. Überhaupt ist echt sehr viel Verkehr, weil das Land zersiedelt ist, Autobahnen und Umgehungsstraßen fehlen, und weil öffentliche Verkehrsmittel kaum vorhanden sind. Und vielleicht auch, weil wir im August dort waren, wo mehr Ausflugsverkehr ist und wo vielleicht auch ausgewanderte Rumänen Heimatbesuch machen. Wir wurden da gelegentlich auf Deutsch angesprochen :)


    Die Unterkünfte waren zu 60% so gut wie beschrieben, 20% besser und 20% etwas heruntergekommen, aber ohne unerwünschte tierische Mitbewohner. Wir waren stets unter 50 Euro je Nacht pro Person mit 3 Zimmern für 4 Personen. Das Personal war überwiegend schüchtern und zurückhaltend, wobei auch keiner von uns Rumänisch spricht. Rumänisch lesen ist gar nicht so schwer, wenn man andere romanische Sprachen halbwegs beherrscht. Wir kamen meist mit Englisch gut zurecht, ansonsten eben Hände und Füße. Bis auf die letzte Unterkunft, wo wir uns mal etwas gönnen wollten, waren alle freundlich und korrekt zu uns. Essen gehen war unproblematisch und kostet etwa die Hälfte davon, was man daheim in vergleichbaren Lagen zahlen würde. Importierte Waren sind jedoch praktisch gleich teuer wie daheim, bis auf die geringere Mehrwertsteuer. Benzin ist etwas billiger als in Deutschland, und damit für die Einheimischen erheblich teurer gemessen am Durchschnittseinkommen. Trotzdem wird viel gefahren und Motoren werden laufen gelassen. Das Nationalfahrzeug ist der Dacia Logan. Das Trinkwasser war überall in Ordnung, Kartenzahlung wurde nahezu überall akzeptiert. Covid spielte keine Rolle.


    Unsere Gruppe hat gut harmoniert, auch wenn wir bewusst nicht alles zusammen gemacht haben. Ich habe meine Passknacker-Straßenroute lange vorher geplant und damit die Orte für die Unterkünfte festgelegt. Zwischen den Punkten konnte sich jeder seine eigene Route planen. Luca und Yannick sind praktisch alles gemeinsam gefahren, mit einem Fokus auf Schotter und Schlimmerem. Chris war anfangs mit von der Partie, hat sich dann aber wegen Techniksorgen mehr auf Sightseeing mit doppelten Übernachtungen verlegt. So oder so, wir hatten morgens und abends jemanden zum Quatschen und konnten gemeinsam auf dem Anhänger an/abreisen, was der weiten Anreise den Schrecken nimmt. Gerne wieder! :)


    Die Passknackerpunkte in Rumänien sind überwiegend spannend, teilweise aber auch öde Hauptstrecken, diese aber immerhin mit Kurven und manchmal auch mit wenig Verkehr. Es gäbe noch viel mehr Punkte zu dokumentieren und entdecken. Die Entfernungen zwischen den Punkten sind weit, und wenn man sich nicht um Detailplanung kümmert, oder wenig Zeit hat, fährt man weniger schöne Strecken.


    Mein Motorrad hat sich tapfer geschlagen. Bei der nachgerüsteten Ganganzeige ist das untere rechte Segment ausgefallen, so dass nur noch die 2 korrekt angezeigt wird. Aus 6 wurde E, was noch irgendwie sinnvoll ist. Bei der Yamaha und Honda haute je eine Schraube ab, und die KTM hatte Probleme mit Kühlwasserverlust, Tacho und Beleuchtung, die von KTM vor Ort nicht behoben werden konnte, was dem KTM-Fahrer in der Gruppe erneut den Urlaub versaut hat :(


    Danke fürs Mitkommen - real und an den Bildschirmen ;)


    MO24 Team Reisen

    Edited once, last by blahwas ().

  • Die Hauptstraßen sind aber alle in besserem Zustand als daheim!

    Vor allem auch auf den Pässen ist uns das aufgefallen. Und im Gegensatz zu den Alpen sind die meisten Kehren, die wir gefahren sind, waagrecht :) Also zwischen den beiden Serpentinen Steigung, und jeweils in den Kurven eben. Das machte das kraxeln echt gechillt.

    Das Trinkwasser war überall in Ordnung

    Hatten wir nur einmal, dass uns die Gastgeberin vom Trinkwasser im Haus abriet und stattdessen an den Brunnen vor dem Haus verwies. Das war in Herkulesbad.


    Wir haben zum Trinken generell das Wasser in Flaschen gekauft, aber dort riet man uns eben, das Leitungswasser auch nicht zum Zähneputzen zu verwenden. Auch die Einheimischen nutzten stattdessen Brunnenwasser.





    Danke für Eure Berichte! - Ich bin echt gerne wieder "mitgekommen" - vieles habe ich auch wiedererkannt ;) Ich muss unbedingt auch mal wieder nach Rumänien.

  • Danke für den Bericht, immer wieder schön das Abends zu lesen.

    Wenn Rumänien nicht so weit weit weit weg wäre wäre das sogar mal ein Ziel für mich. Aber definitiv zu weit weg.

  • Man braucht halt Zeit, und fährt am besten über Tschechien und Slowakei. Dann macht's auch noch Spaß. Wenn man nur durch Ungarn Strecke macht, ist es ätzend.

    *Lille*

  • Man braucht halt Zeit, und fährt am besten über Tschechien und Slowakei. Dann macht's auch noch Spaß. Wenn man nur durch Ungarn Strecke macht, ist es ätzend.

    Daher haben wir ja die Anhänger-Anreise organisiert. Ist sehr viel entspannter und spart zusätzlich noch Stress mit Reifenprofil oder Inspektionsintervallen.

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  • Ich würde dann eher bis Villach den Autozug nehmen und dann quer durch Ungarn. Oder halt bis Innsbruck und dann weiter im AZ von Feldkirch nach Wien.


    In der Zeit wäre ich aber auch schon in Spanien.

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