Motorradreifen an einem Wintermorgen...

  • Mal wieder aus der Abteilung naive Frage...


    Heute morgen bin ich mit dem Blauen Wunder zur Arbeit geröhrt. Die hat jetzt rund vier Wochen untätig rumgestanden, das geht ja gar nicht und ich mußte ja schließlich die Heizgriffe auch mal bei doofen Temperaturen testen.


    In der Garage mochten so etwa 8 Grad gewesen sein, draußen um null Grad. Mopped angeworfen, losgerollert, behutsam, wegen kalten Asphalts und kalter Reifen und Haftung und so.


    Und nach rund 200 m kam eine recht scharfe S-Kurve im Ort und da mochte das Mopped nur sehr widerwillig rum. Einlenkverhalten irgendwie sehr zäh. Nicht, das da was rutschte, aber ich hab die Fuhre irgendwie schlecht ums Eck gebracht. Nix mit wendig.


    Nach rund einem Kilometer Landstraße kam der nächste Ort, mit einer recht scharfen S-Kurve, da war das Mopped schon sehr viel wendiger, fast wie immer *hüstel* (also im Sommer).


    Das gleiche Verhalten ist mir bei kühlem Wetter schon ein paarmal aufgefallen, nicht so deutlich, das hab ich aber nie näher überdacht. Heute war es eben sehr viel deutlicher, deshalb...


    ... nun die Frage:

    Braucht das Mopped einen Kaffee zum Aufwachen? ;) Oder brauchen die Reifen (Bridgestone S22) ein paar Meter, um etwas "weichgeknetet" zu werden? Warmgefahren im Sinne von optimaler Reifentemperatur und guter Haftung auf dem Asphalt können die ja noch nicht gewesen sein. Oder hat das was mit kaltem Öl in der Gabel zu tun? Was passiert da? Was fehlt dem Mopped? Reifendruck war sicher in Ordnung, da hab ich ein paar Tage zuvor nachgepüstert.


    Daß die Reifen nicht für die Wintersaison optimiert sind, das ist mir klar. Auf dem Nachhauseweg hab ich hier im Ort (nach immerhin gut 20 km) die eine blöde Asphalt-Längskante erwischt, auf die der Reifen im Sommer problemlos "raufklettert", heute ist der Hinterreifen abgerutscht, hat das Mopped um ein paar Zentimeter versetzt. Also besser ein bißchen piano machen.

  • Ich kenne den Effekt auch, schiebe den aber zum Teil auf die Reifen, die sich erst warm und damit weicher walken müssen (es geht ja nicht nur um die Haftfähigkeit, sondern die generelle Beweglichkeit des ganzen Mantels), und zum Teil schlicht auf den ebenso noch etwas hölzernen Fahrer.

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

  • Oder brauchen die Reifen (Bridgestone S22) ein paar Meter, um etwas "weichgeknetet" zu werden?

    Ganz genau das. :)


    Gruß,

    Thomas

  • Dann bin ich wieder ein bißchen schlauer, danke!


    Mich hat nur gewundert, daß der Effekt so deutlich ist (bei der Lütten hab ich das noch nie erlebt. Na ja, wenn der Vorderreifen bisher 22000 km hält, dann wird der wahrscheinlich auch nie weich, bei Rotglut vielleicht ^^ ) und es dann nach so kurzer Strecke so deutlich besser wird. Und wie geschrieben - optimale Temperatur hatte der Reifen garantiert nicht. Schafft er im Winter wohl auch nicht.

  • Ich denke das Mindset spielt auch eine Rolle. Wenn du mit dem Gedanken "der Reifen ist kalt, der Asphalt ist kalt, der Reifen ist kalt, SACHTE JETZT...." auf ne Kurve zurollst, dann wird das Mopped auch nicht seidig durch die Kurve fahren ;)

  • ......vielleicht auch zu wenig Luftdruck durch die Kälte?

    Kann ich ziemlich sicher ausschließen. Hatte ich ein paar Tage vorher kontrolliert und "nachgefüllt" und außerdem wurde es nach einem Kilometer deutlich besser. So schnell wird die Luft im Reifen beim Dahinrollen auf kaltem Asphalt doch bestimmt nicht warm und dehnt sich aus.


    Ich denke das Mindset spielt auch eine Rolle. Wenn du mit dem Gedanken "der Reifen ist kalt, der Asphalt ist kalt, der Reifen ist kalt, SACHTE JETZT...." auf ne Kurve zurollst, dann wird das Mopped auch nicht seidig durch die Kurve fahren ;)

    Kann ich nicht ausschließen, glaub ich aber nicht. Etwas zäh war es neulich bei "kühl" ja schon, nun bei "kalt" noch viel zäher. Und nach einem Kilometer besser, aber da reichte mein Urvertrauen auch noch nicht für "sportliche" Ü50-Fahrweise. Und trotzdem mußte ich nicht so am Lenker herumwürgen.



    Neee, das ist schon irgendwas am Reifen (oder an der Gabel). Was ich nur nicht ganz verstehe: wenn der Reifen kalt und bockig hart ist, dann müßte der doch extrem leicht einlenken, weil er sich eben nicht so gut verformt und der unterschiedlichen Belastung und der Straße anpaßt?

  • ...lasse dich da nicht zu schnell täuschen. Bei der Kälte fühlt sich beim fahren schon alles etwas anders an.

    Die ganzen Betriebsstoffe am USB Kompressor von Xiaomi, der ziemlich genau anzeigt.

  • Da kommt alles mögliche zusammen, eine einzelne Ursache wird sich kaum finden lassen. Ich fahre bei unter 12Grad nicht mehr (auf der Straße). Das ist mir noch nicht zu kalt, aber es macht halt keinen Spass, wenn man wenig Grip hat und alles irgendwie nur zäh vonstatten geht.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert ! :dakar:

  • erinnert mich als ich nach meinem unfall mit "Angst" gefahren bin und auf einmall nichts mehr ging,


    wer komplett starr und eingefroren auf dem bock sitzt, kriegt das Bike kaum um die Kurve

  • Sehr interessanter Thread.


    Hatte mir da mit meinem Motorrad (Bin bei dem Wetter noch nicht mit ihm gefahren) auch Gedanken gemacht was denn Gripp bei der Kälte betrifft.

    In der FS, bin ich ehrlich, hab ich mir da 0,0 Gedanken gemacht, da ich vielleicht unbewusst das Vertrauen dem FL übertragen hatte. Aber jetzt bin ich ja selbst verantwortlich und danke EmEs für diesen Thread in dem ich jetzt mal klammheimlich mit lese

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  • danke EmEs für diesen Thread

    Leentje , bitteschön, sehr gern :)


    Allerdings genau um die Reifenhaftung auf dem Asphalt bei niedrigen Temperaturen ging es mir eigentlich nicht ;) Mir ging es um die Unwilligkeit des frisch aus der kalten Garage geholten Moppeds, sich auf den ersten Metern elegant und geschmeidig in die Kurven einlenken zu lassen.



    Aber wenn wir schon in Richtung Reifenhaftung wegschlittern (der mußte jetzt sein) - den Bridgestone S22 krieg ich bei Temperaturen um 0 Grad mit semi-vorsichtiger Fahrweise auf der Landstraße gefühlt auch nach 20 km nicht warm, so daß der richtig griffig ist (jajaja, dafür ist er auch nicht gemacht, weiß ich, ich mecker ja gar nicht, ist nur ein Eindruck).


    Der Michelin Pilot Street erscheint mir mit der Lütten da (bisher) sehr viel unbeeindruckter. Der Reifen ist für den Pendler-Alltagsgebrauch vielleicht wirklich nicht so schlecht. Wenn der Schnee(matsch) jemals wieder weg sein sollte, dann muß ich da mal gründlicher hinspüren.

  • den Bridgestone S22 krieg ich bei Temperaturen um 0 Grad mit semi-vorsichtiger Fahrweise auf der Landstraße gefühlt auch nach 20 km nicht warm

    natürlich bekommst du den nicht warm. Der möchte auf die Fresse bekommmen bei 20° Außentemp.

  • Die Reifen haben alle ein Temp. Fenster in dem sie optimal funktionieren. Bei einem Sportreifen liegt das Fenster deutlich höher als bei einem Touren Reifen.


    Bei niedrigen Aussentemp. wird es allgemein schwierig bis unmöglich das Fenster überhaupt zu erreichen, so daß man durchaus mit eingeschränkter Haftung und auch verändertem Fahrgefühl rechnen muss.


    Mancher Sportreifen kommt erst bei hohen Temp. (wenn man den kaum noch anfassen kann) so richtig auf super Gripniveau. Die lässt sich im normalen Strassen Betrieb selbst bei ordentlichem Gasbetrieb (Hinterrad) und kräftigen Bremsmanövern (Vorderrad) kaum erreichen.


    Ähnliches gilt auch für das Öl in den Dämpfer. Das ist so gewählt, daß es einen möglichst breiten Temp. Bereich abdeckt. Trotzdem verändert sich das Verhalten mit der Temp.


    Insbesondere spielt auch die Fahrweise eine Rolle. Wenn man nicht stark bremst, taucht die Gabel nicht viel ein und das Öl wird sich kaum weiter erwärmen.


    So machen Sportreifen bei Touring Betrieb nicht viel Sinn. Andersrum kommt ein Touren Reifen spätestens auf der Rennstrecke schnell an seine Grenzen.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert ! :dakar:

  • Ähnliches gilt auch für das Öl in den Dämpfer. Das ist so gewählt, daß es einen möglichst breiten Temp. Bereich abdeckt. Trotzdem verändert sich das Verhalten mit der Temp.

    Kann ich mir vorstellen - zumindest das Motoröl war derart zäh und klebrig, daß ich die Gute nur mit merklicher Anstrengung aus der Garage geschoben bekommen habe (trotz kein Gang eingelegt... und dann auch prompt zweimal abgewürgt habe). Warum soll das dann mit dem Gabelöl so anders sein. Anders additiviert, sicherlich, aber kommt das überhaupt jemals auf Motoröltemperatur?


    Bei einem Sportreifen liegt das Fenster deutlich höher als bei einem Touren Reifen.


    Bei niedrigen Aussentemp. wird es allgemein schwierig bis unmöglich das Fenster überhaupt zu erreichen

    Aber ich mußte zur Arbeit, hatte keine Lust auf Autofahren, die Blaue brauchte unbedingt mal wieder Auslauf und die Lütte hat keine Heizgriffe. Da mußten die Sportreifen dann eben durch, die sind nun mal drauf. Wenn die nicht warm und schmatzig waren (waren sie nicht), dann nutzen die sich wenigestens nicht so ab ;) . War ja keine Spaß-Fahrt, war eine zur-Arbeit-Fahrt, Bundesstraße mit ein paar gebogenen Geraden, im Kreisverkehr dann ein bißchen piano. Dann ging das schon.

  • Ja klar geht das, und wenn man weiss, das es bei niedrigen Temp. alles etwas anders ist, passt man seine Fahrweise eben an.


    Gabel bzw. Dämpfer Öl ist weniger zur Schmierung als für die Hydraulik gedacht. Das das nicht so warm wird wie das Motoröl sollte klar sein. Aber die Fliessfähigkeit ändert sich mit der Temp. und das verändert die Funktion der Dämpfer deutlich.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert ! :dakar:

  • Ja klar geht das, und wenn man weiss, das es bei niedrigen Temp. alles etwas anders ist, passt man seine Fahrweise eben an.


    Gabel bzw. Dämpfer Öl ist weniger zur Schmierung als für die Hydraulik gedacht. Das das nicht so warm wird wie das Motoröl sollte klar sein. Aber die Fliessfähigkeit ändert sich mit der Temp. und das verändert die Funktion der Dämpfer deutlich.

    Geradeaus kann (fast) jeder und nahezu 100% der Erdoberfläche sind nicht asphaltiert ! :dakar:

  • Allerdings genau um die Reifenhaftung auf dem Asphalt bei niedrigen Temperaturen ging es mir eigentlich nicht ;) Mir ging es um die Unwilligkeit des frisch aus der kalten Garage geholten Moppeds, sich auf den ersten Metern elegant und geschmeidig in die Kurven einlenken zu lassen.

    Das hatte ich schon verstanden. Ich schreibe aber manchmal einfach verwirrend (in meinem Kopf ergibt das nur Sinn)

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  • Kann ich beim privaten Gebrauchtreifenverkauf eigentlich die Reifenhaftung ausschließen? Wer haftet eigentlich, wenn nicht der Reifen?





    'tschuldigung, ich gehe wieder.

    WELCOME TO THE RIDE OF YOUR LIFE

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