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Sonntag, 26. August 2018, 22:48

Schön nach Sachsen und alle Pässe in Tschechien

Idee
Es ist Versysjahrestreffen! Als Mitglied des Versysforums sollte man da hin, und als Betreiber natürlich erst recht. Sachsen wäre jetzt nicht meine erste Wahl gewesen für die Anreise, aber hey. 680 km einfach sind auch eine Ansage. Da könnte man doch eigentlich noch ein paar Tage davor und danach frei nehmen, und über „schön“ an- und abreisen. Zunächst nehme ich nur Do/Fr davor und den Mo danach frei, drei Wochen vorher wird mir aber eine Osteuropa-Tour immer sympathischer, wenn ich schon mal da bin. Also hänge ich noch Di-Fr der Folgewoche mit dran und fahre 1x um Tschechien rum. Das Land gibt es seit diesem Jahr bei Passknacker, und 83 Punkte warten darauf entdeckt zu werden. Wer an jedem Punkt anhält und ein bestimmtes Foto macht, kann auch eine Skulptur des Landes gewinnen, wenn er wirklich alle erwischt. Das motiviert mich und so plane ich eine Tour. Freundlicherweise liegen fast alle Punkte in der Nähe der Grenze, und so geht es 1x rund um Tschechien.


Die Pflichtpunkte für den Landespreis


Das wäre eine Rundtour rein über die Passknacker, 2100 km in 38 Stunden Fahrzeit, mit jeder Menge Luft gerade im Süden für Abstecher in die Slovakei und Österreich. Das Jahrestreffen selbst findet zwischen den Punkten 24 und 25 statt, und liegt somit perfekt für diese Route. Ein paar der Passknackerpunkte sind sogar Teil der Ausfahrt vom Treffen.

Vorbereitung
Klar ist, dass man bei einer Rundtour von 4000 km aufwärts nicht mit alten Reifen loszufahren braucht. Also kam ein neuer Satz Conti Road Attack 3 drauf. Das Kettenkit war nicht mehr schön, ich hatte aber Hoffnung, dass es die Reise übersteht. Ein neues Kettenkit lag schon bereit, also habe ich es einfach mitgenommen. Ansonsten würde ich ohne Not gut ein Viertel seiner Lebensdauer verschenken. Leider ist auch der Ölwechsel fällig, und zwar schon länger. Ich hatte einfach keine Zeit, mich zu kümmern. Aber hey, es gibt vier Kawasaki-Vertragshändler mit Werkstatt in Tschechien, die quer übers Land verstreut sind, das wird schon klappen. Bei zweien davon frage ich zu meinem geplanten Reisetag nach einem Termin. Nur eine meldet sich zurück, und dort kann ich mir dann helfen lassen.

Ansonsten plane ich fleißig Routen und lackeiere mal wieder die Felgen golden, weil ich finde, dass das total gut zu blauem Lack passt. Wie immer klappt das Abdecken und Abkleben der Reifen nicht so gut wie erhofft, aber es muss ja nur mir gefallen ;)


Mi Abend: Essen – Meschede
Morgens gepackt, mit dem Motorrad zur Arbeit, und zum Feierabend wird per Autobahn nach Hamm gehechtet. Dort sitzt meine Freundin diese Woche auf einer Schulung bei ihrem neuen Arbeitgeber. Wir treffen uns am Brauhof Wilshaus außerhalb der Stadt, der uns ausnehmend gut gefällt. Es gibt Bio-Schweinefleisch aus eigener Freilandhaltung und Schlachtung. Ich esse zum ersten Mal in meinem Leben ein Schnitzel, das nach Fleisch schmeckt. Echter Tipp! Danach fahre ich noch eine Stunde zu meinem Hotel weiter.


Rolle längs hat in NRW gewisse Vorteile...


Der Passknackerpunkt Berlar liegt noch auf dem Weg. Das Klangbach BnB liegt sehr abgelegen in Blüggelscheidt, außerhalb von Meschede, und ich erreiche es mit dem letzten Tageslicht. Es gibt dort leider keinen Handyempfang. WLAN gibt es zwar, aber nicht auf meinem Zimmer und auch im Aufenthaltsraum nicht. Da hilft es nicht gerade, dass mein Handy unterwegs Whatsapp-Nachrichten und E-Mails aufgesammelt hat, dass das Versysforum nicht erreichbar ist. Ich habe leider keinen Wartungsvertrag mit dem Techniker mehr, aber er hilft mir gerne hin und wieder einfach so weiter. Leider kann er mir heute auch nicht helfen, weil er keine Zugangsdaten bei sich hat. Ich setze mich also nach der Dusche mit dem Laptop in den Flur und suche Kontakt zum Support meines Hosters, der um 22 Uhr aber nicht mehr reagiert. So gehe ich unzufrieden schlafen. Das ist gar nicht so einfach, denn ich bin anscheinend auf das Kissen allergisch und wickle es in ein Handtuch ein, das aber mehr schlecht als recht hält. Dass ich einen Hüttenschlafsack dabei habe, fällt mir leider erst am nächsten Tag ein.
Tages-km 160

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Sonntag, 26. August 2018, 22:48

Do Meschede-Bamberg

Morgens geht der erste Blick aufs Handy: Der Support meines Hosters steht meinem Problem mitfühlend entgegen, lehnt Eingriffe in Kundendatenbanken aber ab. So ist das Forum also immer noch nicht zu erreichen. Mangels vernünftigem Netz kann ich hier aber nichts tun. Ich beginne meine Tour um 7 Uhr früh, also ohne Frühstück, denn die Gastgeber müssen das Frühstück von sehr weit weg holen und hätten daher früher aufstehen müssen, als ihnen lieb ist und als ich ihnen zumuten würde. Dafür haue ich mir am laufenden Meter die Rübe an diversen Türrahmen an, denn die Bude ist verwinkelt und klein.

So fahre ich nun Pässe knackend von Nord nach Süd, etwa auf einer Linie Olsberg-Winterberg-Bad Berleburg, durch das Sauerland: Kahler Asten, Albrechtsplatz und wie sie alle heißen.


Tagesplan


In der ersten Stadt setze ich mich in einen Bäcker zwecks Frühstück und Handynetz. Dort grabe ich mich durch die diversen Verwaltungs- und Control-Panels meines Webhosters und finde schließlich die richtige Stelle, an der es klemmt. Der Fehler lässt sich beheben und das Forum ist wieder erreichbar. Puh! Ich hoffe, es war nur ein gewöhnlicher Datenbankschluckauf, wie er alle Jubeljahre mal vorkommt, und dass ich das jetzt nicht alle halbe Stunde machen muss. Das hätte mir im Urlaub gerade noch gefehlt.

Nun folgt das Siegerland, das sich nahtlos ans Sauerland anschließt. Ich biege Richtung Südosten ab. Hier man auch ganz vernünftig Motorrad fahren. Die Versys schnurrt mal wieder 1A und die neuen Reifen sind auch schon rundum angefahren. Ab Gladenbach geht es für mich mehr gerade aus, d.h. auf schnellstem Weg (A5) Richtung Bad Hersfeld. Den Passknackerpunkt Burg Herzberg will ich noch mitnehmen, aber diverse Baustellensperrungen versauen mir den Spaß und kosten mich so viel Zeit, dass ich es schließlich aufgebe. Es geht weiter Richtung Osten, über den Point Alpha nach Thüringen rein, und mit der Emberghütte erreiche ich schließlich einen Pausenpunkt vom letztjährigen Jahrestreffen. Schöne Erinnerungen!



Es ist bereits Nachmittag, und es geht jetzt südlich durch die Rhön. Die war mir weitgehend neu sie gefällt mir landschaftlich ausnehmend gut. Auch Motorradfahrer kommen auf ihre Kosten, da noch nicht jede Kurve mit Tempo 30 oder 50 und Überholverbot zugenagelt ist. Ein Abstecher zur Hohen Geba bringt mich mitten in Menschen, die anscheinend für ein Hippie-Festival etwas früh dran sind. Hippies haben im allgemeinen wenig Klamotten an und sind friedlich. Damit kann ich um, und fahre wegen ausgelassen spielender Kinder halt mal ganz besonders langsam. Man hat auf dem Hochplateau aber auch so echt eine prima Aussicht. Weiter im Süden sind Wasserkuppe und Enzianshütte besondere Höhepunkte mit Rundum-Aussicht, wobei ich froh bin, dass heute Donnerstag ist. Was an der Wasserkuppe am Wochenende los ist, kann man sich vorstellen. Die Enzianshütte wird tatsächlich vom Alpinistenverein betrieben, und so ähnlich fühlt sich Zufahrt auch an, schmal und steil, aber ohne Kehren. An der Kissinger Hütte bekommt man Schotter unter die Räder und meine schönen Felgen werden dreckig! Insgesamt ist die Rhön eine Region, die eine Reise ist. Da könnte man mal ein Treffen machen, es liegt auch schön zentral.

Mein Hotel liegt heute im Bamberg, aber zuvor bin ich noch zum Grillen eingeladen. Also in Bad Kissinigen noch mit zwei Versysfahrern Benzin geschnackt, und schön Steak + Wurst geschlabbert. Gepennt habe ich woanders, denn der nächste Tag ist recht vollgepackt, da will ich früh los und am besten schon weiter östlich starten. So schwinge ich mich gegen 20 Uhr aufs Mopped und eine Stunde Autobahn später bin ich am Hotel. Das „Bamberg Inn“ ist ein Automatenhotel direkt an der Autobahn und taugt maximal zum Schlafen. Mit 47 Euro ist es nicht mal günstig. Die Rezeption ist nicht besetzt und der Check-In Automat defekt, aber den Türcode bekomme ich per E-Mail. Schlaf geht wegen Hitze nur bei offenem Fenster, und wegen Lärm nur mit Gehörschutz. Immerhin gibt es ein Fliegengitter im Schlafzimmer, aber keines im Bad. Nach der Dusche tummelt sich dort alles mögliche und unmögliche. Nicht so schön!

Tages-km 650 (geplante Route) plus diverse Baustellenumleitungen

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Sonntag, 26. August 2018, 22:49

Fr Bamberg - Oybin

Es geht früher los, erst Autobahn, die ersten 150 km sind „schnellste Strecke“. Meine Tagesroute hat heute 600 km bei 10 Stunden Fahrzeit. Da muss man sich ranhalten, wenn man 18 Uhr am Ziel sein will. Der erste tschechische Passknackerpunkt heißt Pocatky. Anhalten, absteigen, Foto machen, aufsteigen, weiterfahren. Dieses Ritual wiederholt sich heute und diese Saison öfters. Die nächsten beiden Punkte liegen leider weiter landeinwärts und erfordern Überführungsetappen. Zumindest kann man das Land mal kennen lernen. Das Land erinnert im Hinterland an Ostdeutschland in den ersten Jahren nach der Wende. Der Straßenzustand ist auf den Nebenstrecken so schlecht, dass man besser auf Hauptstrecken bleibt, wenn man kein Ziel dort drin liegen hat. Das gilt besonders, wenn kein Wegweiser am Abzweig steht. Die beiden Punkte (4 und 5) selbst würde ich nicht für Tourenfahrer empfehlen, hier ist Ehrgeiz und Sammelleidenschaft gefragt.



Unterwegs treffe ich einen interessierten Mitfahrer, der ab Plauen seine KTM 1050 Richtung Oybin scheucht. Wir kennen uns von diversen gemeinsamen Alpentouren. Das Tempo passt, und alles andere auch. Wir wollen uns unterwegs treffen, ich bin nur zu doof, mir die Ortsnamen zu merken bzw. klar zu kommunizieren, daher verpassen wir uns eine Weile. Schließlich treffen wir uns bei einem kleinen Gasthof und fahren den Rest der Strecke gemeinsam

Die Fotomotive des Passknackerpunkte sind oft Häuser an markanten Stellen.







Manchmal sind aber auch einfach zwei Minischilder mitten im Wald. Man muss nicht alles verstehen, aber es sind immer Höhenübergänge. Vom Erzgebirge kenne ich nur die Tschechische Seite. Es ist toll zu fahren und bietet klasse Aussichten. Ich hätte mehr Landschaftsfotos machen sollen, denn es ist toll hier. Dass wir keine Kronen dabeihaben und kein Tschechisch sprechen ist gar kein Problem, man ist auf Touristen eingestellt.

Der nördlichste Punkt (29) heute heißt Vlci Hora, der liegt sogar nördlicher als Oybin. Leider ist es hier sehr zersiedelt - eher was für Radfahrer. Offenbar machen hier gerne Einheimische Urlaub. Eine Deutscher Autofahrer versucht noch, mich durch ein kreatives Wendemanöver in seine Fahrertür zu locken, aber darauf falle ich nicht rein. Gegen 18 Uhr erreichen wir das Hotel, checken ein und hechten unter die Dusche. Es war warm und trocken heute.

Im Abendprogramm stellen sich die Tourguides vor, und ich übernehme mal wieder die schnelle Gruppe. Für mich gehen aber früh die Lichter aus wegen der doch recht langen und intensiven Anfahrt.

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Sonntag, 26. August 2018, 22:49

Sa Oybin Ausfahrt

Heute steht die Ausfahrt an. Meine schnelle Gruppe hat vier Mitfahrer: iOn, AxelBremen, Angstnippel und Versyst, und startet logischerweise als erste. An Sehenswürdigkeiten passieren wir eine stillgelegte Skischanze mit Aussicht.



Auf einer Kuppe lassen wir die Aussicht auf ein polnisches Kraftwerk samt zugehörigem Tagebau auf uns wirken. Es folgen einige schöne Kurven die Herrnhuter Manufaktur für Weihnachtssterne, wo wir einkehren und uns an Kaffee, Kuchen und Eis stärken. Wir bummeln recht lange rum, aber von der nächsten Gruppe ist nichts zu sehen. Die erscheint erst, als wir schon wieder zu den Motorrädern gehen. Da die Mitfahrer unruhig sind, geht’s weiter. Nur wenige Minuten später passieren wir ein Kloster, auf das wird in der Gruppe aber alle nicht so recht Lust haben. Die nächste Pause folgt auch gleich wieder: Eine Outdoor-Kartbahn mit Rennbetrieb! Das ist doch mal eine coole Sache. Wir sind als Kawasaki-Gruppe angemeldet und gucken Kindern auf Pocket Bikes zu, wie sie durch die enge Kurven wuseln. Dazu gibt’s Wurst und Pils Alkoholfrei. Die ferngesteuerten Rennautos die danach auf der Strecke fahren, sind auch nicht zu verachten. Geschätzt 2 PS auf 2 kg gehen ganz gewaltig ab, und sowas vom Rand der Strecke aus präzise zu steuern ist auch eine beachtliche Leistung. Dass die Curbs fast so hoch wie die Autos sind macht es nicht leichter.

Die weitere Route führt uns nun durch Polen, am Tagebau entlang und zur günstigsten Tankstelle des Fahrtages. Dank Kreditkarten braucht kein Mensch mehr Geld zu wechseln, und Grenzkontrollen gibt’s heute auch keine. Kurz darauf biegen wir nach Tschechien ein, und ich quäle meine Mitfahrer mit einem Abstecher zum Oldrichoske Sedlo, weil mir das am nächsten Tag eine Stunde Umweg spart. Das sah auf der Karte gut aus, die Südseite, die wir zwei Mal fahren, war aber leider eine einzige Ortsdurchfahrt. Leider sind auch sonst Umgehungsstraßen Mangelware in Tschechien und so sind wir echt froh, als es endlich aus bebautem Gebiet rausgeht.

Höhepunkt des Tages soll der Jested werden, aber den kennt Axelbremen bereits vom Vortag, da er früher angereist ist, also verabschiedet er sich, und so sind wir nur noch zu viert.

Die Hauptstrecke über den Jested ist eine 1A Kurvenstrecke vor dem Herrn, und wir haben großen Spaß. Am Abzweig gibt es noch ein Passknackerfoto, und dann geht es angesichts der Fußgänger vorsichtig hoch zum ersten Parkplatz. Hier scheint keine Weiterfahrt möglich, die Ampel ist rot, da oben der Parkplatz voll sein soll. Wir parken zunächst hier, jeder bezahlt 2 Euro und schnappt sich einen Hotdog. Es ist auch heiß heute und jeder freut sich auf etwas Abkühlung ohne Motorradsachen.

Ich frage dann doch mal nach, ob man nicht doch nach oben kommt? Naja, jein, zu viert könnte gehen, parkt mal hier vorne und haltet euch bereit. 10 Minuten später die frohe Kunde, wir dürfen fahren, sollen aber jeder noch mal 5 Euro zahlen. Hm, wat, schon wieder löhnen? Kurzer Blick in die Runde: Alle so NEIN. Wir haben doch schon mal bezahlt. Hätte man uns gleich gesagt, dass wir doch noch hochkönnen, hätten wir uns das gespart. Und die Hotdogs auch, denn die waren unter Ikea-Standard. Seufz. Wir informieren noch den Guide der zweiten Gruppe, die gerade erscheint und sich mit geschätzt 12 Motorrädern in eine winzige Ecke außerhalb des kostenpflichtigen Parkplatzes quetscht.

Mit eher leerem Magen geht’s also wieder den Berg runter, immerhin ist die Ostseite auch sehr schön zu fahren. Unten drehen wir wieder um und begegnen der nächsten Versysgruppe kurz vor der Höhe. So intensiv haben sich zwei Gruppen sonst wohl selten gegrüßt.

Der nächste Punkt wird die Bikerhöhle. Auf dem Weg laufen wir aber auch eine große, langsam und übel nach Zweitakt miefende Gruppe Einheimischer auf, die ich konsequent nicht überhole und stattdessen die Augen nach einer Gelegenheit zur Pause zwecks Abkühlung offen. Das klappt ganz gut, und die Bikerhöhle erreichen wir so erst nach der anderen Versysgruppe. Es ist von außen kaum zu glauben, dass man wirklich in die Höhle reinfahren darf! Die beiden Tore sind für zwei Fußgänger komfortabel und drei Fußgänger schon eng. In einem der Tore steht bereits die Thekenschlange, und so parken wir zunächst außen. Innen hat die Höhle ebenen Boden und durchgehend über zwei Meter Höhe, markierte Fahrstreifen in Motorradbreite und reichlich Parkflächen, Sofas und Sitzgelegenheiten.



Kühl ist es auch, eine richtig coole Sache. Freundlicherweise verzichten Zweitakterfahrer auf Touren durch die Höhle, und Burnout habe drin ich auch keinen gesehen. Wir trinken und schnabulieren draußen nach Belieben und lassen die Szenerie auf uns Wirken. Vor der Abfahrt fahren wir aber noch durch die Höhle. Das war mein persönliches Highlight des Tages.

Es geht danach eher direkt zum Hotel zurück, wobei ich gegen Ende der Route noch die drei deutsche Passknackerpunkte in Hotelnähe einkassiere – da muss ja nicht die ganze Gruppe drauf warten. Nach dem Abendessen gibt es das Gruppenfoto und danach die Tombola, die von der Organisation zügig und ohne große Umstände über die Bühne gebracht wird. Danke dafür, wie auch für all die andere sichtbare und unsichtbare Arbeit, die so ein Treffen mit sich bringt!
Tages-km 270

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Sonntag, 26. August 2018, 22:49

So Oybin – Tschechien Teil 1/?

Ich bin heute früh schon um halb 6 wach und plane einen frühen Aufbruch. Frühstück gibt es erst ab 8 Uhr, das ist mir zu spät. Kostbare Zeit zum Motorradfahren, noch dazu am Morgen, bevor die Hitze aufkommt! Mit der Abreise beginnt der Tschechien-Teil der Reise, wo ich alleine und ohne festen Plan unterwegs bin. Nur die erste Übernachtung habe ich vorab gebucht: Hotel Villa Hawaii in Rapotin, 22 Euro.

Der Horror dieser Reisephase wäre eine Baustelle, die den Weg zu einem Passknackerpunkt versperrt. Den Landespreis gibt es eben nur, wenn man ALLE Punkte sammelt. Nicht fast alle, oder alle außer einen. Nochmal anzureisen fällt mir mich aufgrund der Entfernung aus, immerhin bin ich zwischen 600 und 1000 km von zuhause entfernt. So werde ich bei jeder Baustelle nervös. In den Bergen ist das Straßennetz aber so dünn, dass man auch bei Bauarbeiten immer durchfahren darf. Da wird dann halt nur auf einer Seite der Straße gebaut. In den Tälern und Orten kann es dagegen schon mal Umleitungen geben. Wenn man sein Navi kennt, kommt man damit klar. Dem Excelvan (meinem kleinen Chinesen) kann ich Sperrungen zum Glück mitteilen, dann routet er mich drum herum.

Außer Passknackerpunkten und dem Hotel am Ende habe ich keine Wegpunkte in der Route. Ich bin da richtig monothematisch unterwegs. Sight-Seeing und Kultur mache ich lieber, wenn meine Freundin dabei ist. Den Weg kenne ich dann ja schon.

Ich kriege meinen Tagesplan gut durch. Die Punkte liegen alle im Grenzgebiet zu Polen und überwiegend in der Natur oder Wintersportorten. In den Tälern ist es heiß, auf den Bergen ist es noch okay. Ich nehme noch einen kurzen Abstecher nach Polen mit rein. Die Grenze ist kaum befestigt. Logisch, innerhalb des Warschauer Paktes waren die Grenzen ja viel weniger befestigt als die zwischen NATO und Warschauer Pakt.

Mein Hotel liegt heute in Rapotin, schön mitten in einem Knubbel von Passknackerpunkten. So kann es als Zwischenstop oder Endstation des Tages dienen, unabhängig davon ob man die Punkte außen rum noch mitnimmt oder erst am nächsten Tag. Ich checke gegen 18 Uhr ein. Es gibt im Haus zum Glück jemanden, der Englisch spricht, aber mit Hand und Fuß kommt man auch durch.

Nach dem Abladen mache ich noch eine ganz kleine Rundtour über die beiden nächsten Passknacker, Skritek Sedlo, das ist eine verschärfte und neu gemachte Kurvenorgie erster Güte, und Tremesek, ein Holperstrecke eher zum Motorradwandern mit Aussicht.



Sumperk ist die nächste große Stadt, und dort suche ich mir etwas zu essen. Meine Wahl fällt auf eine Pizzeria, weil ich dort das Motorrad im Auge behalten kann, und weil ich bei Pizza weiß, was ich bekomme.


Die Route heute war etwa so. 530 km mit Abstecher nach Polen und Extrarunde am Abend


Mein Hotel liegt zwar an der Hauptstraße, aber ich bin im Erdgeschoss und nach hinten raus, daher habe ich Ruhe und Kühle. Ich ärgere mich, dass ich meine Mesh-Jacke nicht dabei habe. Die Revit Sand 2 Jacke ist zwar auch schon recht luftig, aber hinter einem hohen Windschild, dass ich aufgrund der Distanzen einfach haben will, sonst müsste ich drei mal am Tag das Visier reinigen, ist die über 30° nicht kühl genug. Die Meshjacke hängt nun daheim im Schrank und in der Packrolle wäre noch Platz.

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Sonntag, 26. August 2018, 22:49

Mo Tschechien Teil 2/?

Heute knacke ich den Rest der Punkte im nördlichen Tschechien. Die gestrige Abendrunde spart mir dabei eine von geplanten 10 Stunden ein.



Nach der nördlichen Schleife hat man eine ziemlich lange Überführungsetappe bis zum nächsten Passknacker, selbst wenn man Polen hinzunimmt. Und da erwischt mich dann leider mal das Baustellenpech so richtig und ich verliere gut eine Stunde mit Umleitungen und Baustellenampeln. Natürlich bei 33° und Sonnenschein. Schwitzen ist angesagt. Ich starte immer mit vier Litern Wasser im Tankrucksack in den Tag und kaufe über den Tag isotonische Getränke nach. Das ist in Tschechien etwas schwerer, weil es an Tankstellen nur süße Limo und ultrasüße Energydrinks gibt, aber keine Sportgetränke. Fruchtsaft ist nicht ganz, was ich suche, geht zur Not aber auch.

Essen tue ich bei Hitze sehr wenig. Zum Frühstück reicht eine Scheibe Brot, mittags ein Stück Kuchen oder nix, und abends ein Salat und ich bin satt und zufrieden. Das ist etwa ein Drittel davon, was ich daheim im Alltag esse. Zur Einordnung: 38 Jahre, 190 cm, 80 kg, Bürojob.

Heute habe ich mehr Augen für die Umgebung, z.B. mal eine kleine Aussicht zwischendurch.



Oder mal ein See?



Hier im Osten Tschechiens ist die Zeit scheinbar stehen geblieben. Es sieht "sowjetischer" aus, es fahren auch richtige alte LKW und Nutzfahrzeuge aus Ostproduktion herum. Die Passknackerpunkte im Grenzgebiet zur Slowakei liegen auf 600 bis 800 Meter Höhe, sind aber weniger ausgebaut als die zu Polen oder gar Deutschland. Schmale Straßen und geschlossene Hütten dominieren das Bild.

Insgesamt ist es sehr ländlich hier und es sind am Nachmittag wenig freie Hotels bei booking zu finden. Mein Hotel heute heißt Chata Svinec und liegt etwa weiter nördlich als für mich ideal wäre. Dafür ist es oben auf einem Berg und damit perfekt ruhig.


Hotelzufahrt


persönlicher Sonnenuntergang


Im eigentlich geschlossenen Restaurant labe ich mich am einzigen Gericht, Rindercarpaccio mit Salat und Pommes. Für mich bitte ohne Pommes. Die Portion ist sparsam und nicht günstig, aber für mich völlig ausreichend. Ich quatsche noch etwas mit dem Wirt, der aus TV-Serien und Computerspielen gut Englisch verstehen und schreiben kann, aber beim Sprechen etwas länger braucht. Wie viele andere Tschechen auch ist er unnötig schüchtern über die eigenen Fähigkeiten, denn mein Tschechisch ist um Welten schlechter bzw. nicht vorhanden. Es hat hier seit Wochen nicht geregnet, was die Touristen leider fernhält. Die Übernachtung kostet 20 Euro mit Frühstück, ich habe endlich mal gutes WLAN und eine angenehme Nacht.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »blahwas« (27. August 2018, 09:21)


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Sonntag, 26. August 2018, 22:50

Di Tschechien Teil 3/?

Wegen der wenig optimalen Lage des Hotels geht es zunächst nach Süden und knapp an den letzten beiden Punkten von gestern vorbei. Die Fahrt heute ist genau wie gestern: Warm, ländlich und mit exotischem Flair. Ich schnappe mir die letzten Punkte im Südosten von Tschechien.

Am letzten davon prüfe ich auf der Kamera und mit OSMand auf dem Handy, ob ich auch wirklich alle erwischt habe. Wie gesagt, für fast alle gibt’s nix zu gewinnen. Die Prüfung fällt positiv aus. Jetzt könnte man per Autobahn ordentlich Strecke nach Westen machen zum nächsten tschechischen Passknackerpunkt, oder man fährt "schön" über die Slowakei oder Österreich. Ich hatte vorab einige Punkte im Norden Österreichs rausgesucht, um die Autobahnen zu vermeiden und vielleicht ein paar Berge zu fahren.

Ich gestehe, dass ich wenig Ahnung von den Landschaften Österreichs hatte. Sonst wäre mir eingefallen, dass "Niederösterreich" nicht gerade nach Motorradparadies klingt. Es ist brutal heiß, recht eben und gerade, und zu allem Überfluss sind die Straßen zwischen den Bundesstraßen ein Labyrinth aus Baustellenumleitungen. Man wird von einer Sackgasse direkt in die nächste geleitet. Das Navi bevorzugt die Hauptstrecken nicht wie man es von einem Auto-Navi erwarten würde, und die wären heute wohl die bessere Wahl gewesen.

Die Passknackerpunkte hier heißen Steinburg und Buschberg, und man kann sie sich getrost sparen. Nächstes Mal nehme ich die Slowakei.


Kurze Pause in Niederösterreich zur Abkühlung


Einige Kilometer weiter westlich finde ich mich in Oberösterreich wieder. Das klingt schon besser, und fährt sich auch so: Kleinpertenschlag, Koblberg, Rosenau und Hammerbichl werden meine Beute. Prima Gegend zum Motorrad fahren hier!



Beim Pässe knacken hat man immer mal wieder Punkte, die schwer zu erreichen sind – nicht weil die Straßen besonders krass wären, sondern weil sie einfach in entlegenen Regionen liegen. Svaty Tomas ist so einer, und als Tscheche muss er in meinen Köcher. Er liegt nah an der Österreichischen Grenze und ist nur von Norden oder Osten zu erreichen. Weiter im Norden liegt Budweis, wo ich einen Werkstattterminhabe. Logisch, da sucht man sich am besten ein Hotel in der Nähe, wenn man eh schon hinmuss, und fährt in möglichst heute noch.

Mein Hotel heute wird das Hotel Studenec und liegt an der Moldau. Da hat man schon mal so eine Aussicht.



Das Hotel ist richtig alt und hat schon bessere Zeiten gesehen. Ich habe ich ein Dreibett-Zimmer, bzw. eher ein Appartment mir zwei Schlafzimmern, Flur und Bad, für 26 Euro inkl. Frühstück. Das scheint ein Last Minute-Rabatt zu sein, denn an der Rezeption will man mir zunächst 73 Euro abknüpfen. Die Situation lässt sich aber erklären. Als Abendessen gibt’s heute Hühnchensalat vom eigenen Restaurant, und ich gehe noch etwas spazieren. Bewegung tut Not, damit bestimmte Körperfunktionen nicht ganz zum Erliegen kommen. Viel Wasser trinken hilft auch.

Morgen früh geht's zu Kawa Budweis, Kette und vielleicht auch Öl neu. Wenn er schnell ist kriege ich Tschechien morgen schon fertig, einen Tag schneller als geplant!


Tagesroute, ca. 570 km plus Umleitungen

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Sonntag, 26. August 2018, 22:50

Mi Tschechien Teil 4/4?

Ich bin mal wieder zu früh wach für das Hotelfrühstück, habe aber auch keinen Hunger. Dafür habe ich diese Aussicht aus dem Hotelzimmer.



Ich könnte jetzt aufs Frühstück warten, aber ich werde ja wohl in der Nähe von Kawa was zu essen finden, während dort gearbeitet wird. Morgens geht es also nach Budweis, wo ich um 9 Uhr bei Kawasaki auf der Matte stehen will. Erstmalig spare ich mir morgens die Membran in der Klamotte, die fliegt nach spätestens einer Stunde eh raus. Die direkte Strecke zur Werkstatt ist nur 50 Minuten lang, es liegt aber noch ein Passknacker am Weg, der gleich mal einkassiert wird: Zahradka. Einer von diesen Punkten im Wald, mit kurviger Strecke aber sonst wenig Mehrwert.

Budweis ist übersichtlich und der Verkehr ist nicht schlimm. Ich hatte eigentlich Berufsverkehr erwartet, der hält sich aber sehr in Grenzen. Entweder gibt es hier einen Bevölkerungsrückgang oder die Öffis sind stark, was typisch für Osteuropa wäre. Es gibt einige Ampeln, und die Einheimischen Beachten sie. Sich wie die Einheimischen zu verhalten ist immer meine erste Idee in der Fremde. Der Kawahändler ist auf gehobenem Flagship-Store Standard, mit weißen Ledesofas. Der Mann am Empfang ist sehr freundlich, kennt meine Mails, spricht aber kein Wort Englisch mit mir. Wir tippen abwechselnd in Google Translate an seinem PC. Ich erhalte einen Auftragsschein für die Montage der mitgebrachten Kette und einen Ölwechsel. Handschriftlich steht da 12:30. Ich gucke gequält. Er lächelt und macht 11:30 draus. Ich bin sehr happy! Reisende soll man nicht aufhalten.

Ich mampfe zunächst eine mitgebrachte Banane, die ich gestern nicht mehr geschafft habe, trinke mein Wasser und schaue mich im Shop um. Dann begebe ich mich zu Fuß auf einen kleinen Rundgang und stelle fest, dass ich hier kurz hinterm Hauptbahnhof bin. Da findest sich auch eine Metzgerei, aber ich habe kaum Hunger. Sie hat würzig aussehende Backwaren, und mit Hand und Fuß kaufe ich diese für 25 Cent. Schmeckt ganz gut und der Magen fühlt sich schon wieder voll an. Passt. Noch ein wenig die Straßen abwandern, und um 10:30 gucke ich mal zum Händler zurück. Ich höre ein mir vertrautes Motorgeräusch, und sehe meine Versys vor der Werkstatt. Die Kette ist jetzt gold statt vorher grau. Ist der schon fertig? Ich gehe hin, der Mechaniker ist vielleicht 20 Jahre alt und sagt freundlich "all done!". Ich freue mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten, bedanke mich überschwänglich, und gehe bezahlen: 80 Euro sind für mich ok. VISA ist auch ok. Der Mann am Empfang kann zum Abschied plötzlich doch Englisch. Seit doch nicht so schüchtern – don’t be afraid to be shit!

Die Kette ist natürlich zu stramm eingestellt, aber das ist ja immer so, schließlich ist es Kawa-Vorgabe. Ich hatte extra vorher das Federbein weicher eingestellt und stelle es jetzt wieder härter (5/7). Das hilft etwas, aber lange nicht ganz. Da es mittlerweile schon wieder unangenehm warm ist, verschiebe ich die Korrektur der Kettenspannung auf die nächste Pause, möglichst kühl im Wald auf einem Berg.

Also rein in die Klamotten und mit bester Laune westwärts zum nächsten Passknacker: Nova Hospoda. Da der Boxenstopp so kurz ausfiel habe ich heute die Möglichkeit, nicht nur alle restlichen Passknacker zu fressen, sondern auch noch mein eigentlich für morgen geplantes Tagesziel Nürnberg zu erreichen.

An der erstbesten Haltemöglichkeit im Wald oben am Berg halte ich und widme mich der Kette. Und jetzt kommt endlich mal was aus der Abteilung Slapstick: Beim Spannen der Kette sollte der Leerlauf eingelegt sein. Beim Parken am Berg sollte ein Gang eingelegt sein. Der Seitenständer hält das Motorrad aber auch, wenn es nur leicht bergauf steht. Dank meines wiederverwendbaren Sicherungssplints brauche ich keine Zange zum Spannen, und so bin ich bald fertig. Auch der Kettenöler wird wieder ausgerichtet. Alles fertig, ich habe sogar Handschuhe getragen und saubere Finger.

Sehr zufrieden schnalle ich das Gepäck wieder drauf, steige in meine Klamotten und aufs Motorrad. Liebe Kinder, folgendes bitte nicht nachmachen: Am Berg im Leerlauf parken, so dass der Seitenständer das Motorrad hält, und dann einfach so aufsteigen. Was passiert dann? Logisch, das Motorrad fährt los, sobald man den Seitenständer entlastet, und zwar rückwärts. Das hatte ich so noch nicht, aber ich habe gelernt, was man tun muss, wenn das Motorrad ungefragt rückwärts fährt: Gang reintreten, ruhig ohne Kupplung, und Finger und Füße von den Bremsen lassen. Vorne hätte man eh keinen Grip. Das klappt tatsächlich und ich ärgere mich über meine Vergesslichkeit bzw. den schlecht gewählten Platz für diese Wartungsarbeit.

So, jetzt aber, Tschechien fertig knacken! Die Region hier grenzt an den Bayerischen Wald an und wirkt gleich viel deutscher, oder mehr nach Österreich-Ungarn, als der Ostteil. Es sind auch deutsche Motorradfahrer unterwegs, die man an Kaufpreisen der Maschinen über 20000 Euro erkennt und natürlich daran, dass sie nicht einfach so jeden grüßen. Die letzten tschechischen Passknackerpunkte sind ganz nett, aber hauen mich nicht mehr um. Ich bin im Endspurt und habe mein Ziel vor Augen. Ich will gar nicht rasten. Es ist wenig Betrieb hier, rechts und links oft Wald und man hat wenig Ablenkung von der Straße.

Dabei habe ich noch die vermutlich haarigste Situation des ganzen Urlaubs, weil mir in einer nicht einsehbaren Linkskurve ein LKW aus Ostblock-Zeiten in der Straßenmitte entgegenkommt, der ob seines gehobenen Tempos auch nicht mehr nach innen ausweichen kann. Ich kann auch nicht nach außen ausweichen, denn ich bin schon so weit außen, wie es sinnvoll geht – Varahannes Sicherheitslinie, halt. Ich weiß auch, dass man im ersten und zweiten Schreckmoment immer denkt, dass es nicht passt, obwohl es doch passen würde – und ich bleibe cool. Und es hat gepasst. Cool bleiben können ist echt nicht zu unterschätzen im Sattel.

Um 14 Uhr erreiche ich Spicacke Sedlo, meinen letzten Punkt in Tschechien.


Der letzte tschechische


Erneut lege ich eine Pause ein und prüfe mit der gesammelten Technik, ob ich auch wirklich alle habe – einmal versehentlich "Wegpunkt überspringen" am Navi drücken reicht ja, um einem den Landespreis zu versauen. Es sind aber tatsächlich alle da und ich bin sehr zufrieden. In rund 5 ganzen Fahrtagen (heute und Samstag zähle ich halb) habe ich alle Passknackerpunkte in Tschechien gesammelt, und diverse in Polen, Slowakei, Deutschland und Österreich gleich mit dazu :) Darauf bin ich schon etwas stolz.

Was mache ich nun mit dem restlichen Tag? Westlich von mir liegt der Bayerische Wald. Da gibt’s auch zahlreiche Passknacker, und ich habe dafür eine Route vorbereitet. Die lade ich einfach mal. Die war eigentlich für morgen gedacht, und endet in Nürnberg bei meinem Elternhaus. Ich könnte noch mal unterwegs übernachten und mir noch die fränkische Schweiz vornehmen. Aber irgendwie bin ich ein wenig ermattet, und so gerne ich Motorrad fahre, ich bin heute den 8. Tag unterwegs, langsam wird’s etwas fad. Also entscheide ich mich abzukürzen und nehme nur ein paar bayerische Passknacker mit: Brennes, Absetz, Höllhöhe, Dachsriegel, Lengau, und der Rest ist dann Autobahn. Ich bin erstaunt, dass das nur eine Stunde von Nürnberg ist, und dass ich keinen Stau habe.

Am Elternhaus freue ich mich auf ein Wiedersehen, seit meinem Umzug nach NRW vor 16 Jahren komme ich immer seltener vorbei, und die Eltern werden auch nicht jünger. Mal in einer vertrauten Umgebung zu sein und sich verständlich machen zu können ist auch schön. Abends besuche ich noch meine Schwester und ihren Sohn, dem ich als Kinderloser interessiert beim Aufwachsen zugucke. Meinen Schwager verpasse ich leider. Der fährt immerhin auch Motorrad! Gepennt wird bei den Eltern im mir bestens vertrauten Gästezimmer.


Route heute etwa 450 km

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blahwas

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9

Sonntag, 26. August 2018, 22:50

Do - was mache ich heute?

Heute und morgen habe ich noch frei. Morgen Abend habe ich ein Date mit meiner Freundin ;) Die Optionen für heute wären: Einen Familentag einzulegen, aber alle haben irgendwelche für mich anstrengenden Ausflüge vor, noch 'ne ganz dolle Deutschlandtour zu fahren, womöglich sogar mit Übernachtung, oder sich einfach nach Hause weg zu machen, die Füße hoch zu legen und in Ruhe wieder daheim anzukommen. Mich lacht irgendwie die letzte Option am meisten an.

Die Strecke von Nürnberg nach NRW kenne ich schon lange. Das erste Stück A3 macht mit dem Motorrad keinen Sinn, besser nimmt man die B8. Bei Kitzingen guckt man auf Google Maps, was der Stau auf der A3 heute so treibt, und wieder ist Chaos östlich von Aschaffenburg. Also ein Zwsichenziel rein, und dahinter eingefädelt. An Frankfurt vorbei gerutscht und nach NRW rein. Ich bin da schon so oft gefahren, dass ich mich original Null dran erinnern kann, da überhaupt entlang gefahren zu sein. Wie immer zäher Verkehr am Kölner Ring, 16 Uhr ist auch nicht beste Zeit fürs Kreuz Breitscheid, und ich habe meine Packrolle heute leider quer drauf. Das macht aber nix, die ist auch nicht breiter als der Lenker, aber dafür weicher.

So komme ich schon vor 17 Uhr daheim an und kann gemütlich auspacken, waschen, putzen und einkaufen, und den Freitag nach schön die Füße hochlegen. Ist auch mal schön! Vielleicht ist 7 Tage mein Idealwert für die Dauer einer alleine-Motorradtour, wobei bei dieser hier die Tagesetappen sehr lang waren. Das geht eigentlich nur ohne Mitfahrer, und muss nicht immer sein.

Fazit Tschechien:
Tschechien ist etwas stellenweise etwas morbide, weil es bessere Zeiten gesehen hat, aber insgesamt hat's mir gut gefallen. Highlight war für mich das Erzgebirge. Es ist insgesamt beeindruckend, wie viele Skoda dort rumfahren, sogar mehr als VW bei uns! Alles aus heimischer Produktion ist für uns sehr günstig, z.B. essen und Übernachtungen. Es gibt sehr viele Hotels und Restaurants. Importwaren sind nicht wesentlich günstiger, z.B. Benzin. Kronen braucht man eigentlich nicht, jeder Händler nimmt Euro 25:1. Gegenüber dem offiziellen Wechselkurs von 25,76 legt man also nur etwa 3% drauf. Das gönne ich ihnen. Alle waren freundlich und fair zu mir. Es gibt an touristischen Orten kostenpflichtige Parkplätze auch für Motorräder, wo man als Deutscher keine erwarten würde. Von Kriminalität habe ich nichts bemerkt. Mein Motorrad hat eine Teilkasko und über 100.000 km Laufleistung, das reicht mir als Schutz. Und meine 1,90 m, mit denen man in Osteuropa echt auffällt. Tschechisch sprechen muss man nicht können, aber die wichtigsten Grußformeln usw. sollte man aus Respekt aufsagen können. Nur etwa 20% lernen Deutsch oder Englisch in der Schule, aber mit Hand und Fuß kommt man durch. Ein Zeigebuch hilft natürlich in jedem Land.

Was es scheinbar im ganzen Land nicht gibt sind Radarfallen oder Polizisten, die sich für irgendwas außer Unfälle oder LKW interessieren, aber übertreiben sollte man natürlich trotzdem nicht, denn frei erfunden sind Verkehrsregeln ja nicht. Die Verkehrsteilnehmer habe ich überwiegend als aufmerksam und freundlich erlebt. Alle PKW fahren mit Licht, vielleicht werden Motorräder deshalb auch mehr beachtet. Alle Motorradfahrer grüßen, und auch viele Rollerfahrer. Durch die viel geringe Kaufkraft vor Ort (45%) und den nur geringfügig niedrigeren Spritpreis ist Motorradfahren ein Luxushobby, oder aber simple Notwendigkeit, weil Motorräder weniger Sprit als Autos verbrauchen.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Das wichtigste: 0,0 Promille-Grenze! Das schafft man unter Umständen auch mit Restalkohol, wenn man über 1 Liter Bier abends trinkt. Am besten mal nachrechnen lassen. Wer 'ne Panne hat, braucht eine Warnweste. Auf der Autobahn braucht man in CZ als Motorradfahrer keine Vignette, in Österreich aber sehr wohl. Achtung, manche Navis vermeiden bei "Maut (Vignette)" auch in CZ die Autobahn, obwohl es nicht nötig wäre!

Ich habe in diesem Bericht oft über Hitze geschimpft. Ich meine damit in erster Linie meine eigene Blödheit, die Meshjacke daheim gelassen zu haben, und bin froh, dass es nicht geregnet hat ;)

Manuel

Ms Zorros Kabelbaumbändiger

Beiträge: 22 970

Registriert: 1. Juni 2007

Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Motorrad: 19 - ? Kawasaki Z900. 17 - 19 Yamaha Tracer 700, 16 - 17 Yamaha FZ1 Fazer, 13 - 16 Honda NTV 650, 07 - 09 Kawa GPZ 500

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10

Sonntag, 26. August 2018, 23:15

Schöner Bericht, hat Spaß gemacht zu lesen. Im Erzgebirge bist du ja quasi fast an meinem Elternhaus vorbei gekommen. Und ja, das Erzgebirge ist toll!

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