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Samstag, 23. Dezember 2017, 11:21

Winterflucht 2017: Zwei KTM in Teneriffa

Winterflucht ist wenn es dunkel und kalt wird in Deutschland und man sich lieber anderswo aufhalten möchte, wo es nicht dunkel und kalt ist. Wenn man Motorradfahrer ist, bietet es sich dabei natürlich an, auch Motorrad zu fahren. Oder man ist - wie ich - völlig besessen vom Motorradfahren und will nur deswegen in den sonnigen und warmen Süden. Man kann dabei aber auch feststellen, dass es außer motorradtauglichem Wetter und motorradtauglichen Strecken noch viel mehr positives zu Entdecken gibt. Das ist mir schon öfters passiert, und davon handelt dieser Reisebericht. So wie auch die beiden vorherigen Teneriffa-Berichte und der Grand Canaria-Bericht. Ich war jetzt tatsächlich zwei Winter nicht mehr dort, darum war der Leidensdruck hoch, wieder abzuhauen. Es fühlt sich aber weniger ein Abhauen als ein Zurückzukehren an.

Aber fangen wir mal dem Leser hilfreich an: Teneriffa ist eine nette Insel im Atlantik ein paar Hundert Kilometer westlich von Marokko. Mit den Nachbarinseln gehört sie zu den Kanaren, bekannt vom gleichnamigen Singvogel. Die Inseln sind jeweils etwa eine Stunde Fährfahrt voneinander entfernt. Weil die Insel vulkanischen Ursprungs sind und nachträglich nicht vom Festland abgetrennt, sind sie alle sehr bergig und haben eine besondere, eigene Vegetation und Tierwelt. Außerdem haben sie viele Kurvenstrecken, ein angenehmes Klima ("ewiger Frühling") und Flughäfen mit Direktflügen aus ganz Europa für den Massentourismus, der sich aber glücklicherweise weitgehend auf die Küsten beschränkt. Dort gibt es Bettenburgen mit Animation, aufgeschüttete Strände und in jeder Hinsicht billiges Essen und Trinken. Das ganze gehört politisch zu Spanien und ist damit Euro- und Schengenzone, also nicht problematischer als eine Fahrt von Gelsenkirchen nach Dortmund.

Für Motorradurlauber bieten sich die Kanaren wegen des Klimas und der Bergstrecken an, außerdem natürlich wegen der touristischen Infrastruktur aus günstigen Flügen und zahlreichen Motorradvermietern. Mir sind vier Motorradvermieter auf Teneriffa bekannt, von denen drei im Touristenzentrum Costa Adeje liegen oder sehr nahe dran:
-Canaries Moto Rent (CMR), ist ein einheimischer Husqvarna-Händler und eigentlich meine erste Wahl, aber die 701 Supermoto war für den "Winter" bereits abgemeldet und die KTM 690 Duke hat sich bereits ein anderer geschnappt. Er hat auch zahlreiche BMW F800R/GS/700GS, aber die mag ich nicht.
-Teneriffa on Bike, ein Deutscher der in Deutschland zugelassene BMW GS von 700 bis 1200 vermietet. Vergleichsweise hohe Preise, guter Zustand, alles sehr Deutsch. Ich mag aber keine GS und im Urlaub muss ich es auch nicht Deutsch haben.
-Teneriffa Moto Rent, ein Einzelunternehmer russischer Herkunft mit einer bunten Mischung an Maschinen. Er hat eine KTM 690 SMC-R, und die ist als Vorbild der Husqvarna 701 Supermoto fast genau das was ich will. Die buche ich mir für 7 Tage.
-Canary Moto, im Norden der Insel, wohin die Taxifahrt vom Flughafen länger dauert und mehr kostet. Er hat mindestens BMW GS und Kawasaki ER6/Versys, alle gelb lackiert, aber ich habe sie mir noch nie aus der Nähe angesehen.

Ich reise alleine, sondern mit Sebastian aus Thüringen, seines Zeichens kompetenter Fahrzeugführer auf Honda CBR 600 FS und KTM 690 SMC-R. Er war auch schon 2x in Frankreich dabei und ist möglicherweise der schnellste in der Gruppe, und der jüngste noch dazu. Er reist je zwei Tage später als ich an und ab. Er wird seinen 30. Geburtstag in diesem Urlaub erleben, und zwar auf einer KTM 690 Duke von CMR.

Meine Flüge buche ich "morgens früh hin" und "abends spät zurück", so dass ich die An- und Abreisetage noch sinnvoll nutzen kann. Wegen monatelangem Chaos an der Abfertigung des Flughafens Düsseldorfs und der Air Berlin-Pleite dauert es ganz schön lange, bis ich mich tatsächlich für Flüge entschieden habe: 6 Uhr hin mit Niki, 16:20 Uhr zurück mit Eurowings. Als Hotel kommt für mich nur eines in Vilaflor in Frage, dem höchsten Ort auf der Insel, weil ich Massentourismus ablehne. Von zwei vorherigen Reisen kenne ich dort das Hotel "Alta Montana", das zwar nicht luxuriös, aber klein und fein und nicht zu teuer ist und dessen Küche mich immer wieder umhaut - im positiven Sinne.

Routen habe ich daheim am PC geklickt, aber nur, um die Länge einschätzen zu können. Ich nehme ein Navi mit, aber den Stress mit Übertragung aufs Garmin-Navi tue ich mir nicht mehr an, ich gebe die Ziele lieber live ein, und zwar eins nach dem anderen. Das Straßennetz ist hier ohnehin nicht so dicht, man kommt mit vier Zielen am Tag aus. Am Flughafen bekommt jeder eine Straßenkarte als Werbegeschenk, der nach dem Abholen des Gepäcks die Hand offen hält. Ich finde aber auch noch die Karte vom letzten Urlaub. Ansonsten entscheide ich mich für eine Reise mit Handgepäck, und erst mit dem Taxi vom Flughafen zum Vermieter und dann zum Hotel zu fahren (und zurück umgekehrt). Also wähle ich meine Klamotten (Textilkombi mit entnehmbarer Membran, keine Regenkombi, nur dünner Pulli) und packe mein Gepäck entsprechend (großer, teilbarer Riemen-Tankrucksack in Stoffbeutel) und das war's auch schon mit Reisevorbereitung. Bemerkenswert ist, dass ich neben Hygiene, Laptop, Gopro und Navi samt Haltern und Wäsche dieses mal sogar ein paar Turnschuhe unterbringe.

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Samstag, 23. Dezember 2017, 11:40

Mi 29.11. Anreise und Shakedown

Anreise ist immer wieder schön. Abflug ist 6:00 Uhr. Also nur kurz geschlafen, den eigenen PKW das erste mal diesen Winter frei gekratzt, 15 Minuten zum Flughafen Düsseldorf gefahren, den vorgebuchten P25 direkt am Terminal gefunden, 5 Minuten gelaufen und voila, im Flughafen hat noch alles zu?! Immerhin macht um 4 der Bäcker auf und die Sicherheitsbereiche auch. Ich reise mit Handgepäck und in Motorradklamotten. Der erste Security möchte meine Knieprotektoren sehen, aber nicht dass ich meine Hose ausziehe. Er weiss ja nicht dass ich drunter noch eine zivile Hose trage. Der zweite Security-Mann guckt mir tief in die Augen wegen meines 11er Schlüssels für den Navihalter im Tankrucksack, lässt mich aber damit doch rein. Es lohnt sich halt, nett zu sein. Es gibt auch keine für Zivilisten auffindbaren Regelwerke, dass Werkzeug an Bord verboten wäre, und das Gefährdungspotential finde ich auch eher abstrakt. Der Flug an sich war ok, weil der Flieger halb leer war und ich vier Laugenstangen dabei hatte.

Mein Taxi zum Vermieter dauert 15 Minuten und kostet 25 Euro, dafür bemühe ich mich nicht um einen Mietwagen. Man muss halt sein Gepäck motorradtauglich verpackt haben. In meinem Fall ein ziemlich hoher Tankrucksackturm, der zwar mehr schlecht als recht auf die KTM passt, aber bis zum Hotel wird es reichen. Und so stehe ich schon beim Motorradvermieter, während die Strandtouristen am Flughafen noch auf ihre Koffer warten und später dann auf ihren Shuttle-Bus. Die Übergabe der KTM gestaltet sich etwas konfus und das Motorrad trägt Kampfspuren im Bereich Vorderrad und Vorderradführung. Insbesondere der Kitt in der unteren Gabelbrücke macht mich doch recht nachdenklich.


Das ist nur Kaugummi der nicht mehr abgeht, Herr Prüfingenieur, drunter ist das Metall noch völlig intakt!
... und einen Lenkeranschlag hatte sie schon immer nur rechts, ist ja ein Sportgerät.


Dieser Umbau erleichtert das Überfahren von Bordsteinen in bestimmten Winkeln


Da sind aber noch >80% des Querschnitts der Gabelbrücke erhalten, und selbst wenn das Ding glatt durch bricht, so ist die Gabel immernoch an der oberen Gabelbrücke und an der Achse fest - toll wäre das nicht, aber zwangsläufig zum Sturz führt es nicht. Der Hinterreifen fährt bereits auf den TWIs, aber das zählt laut Vermieter erst, wenn man keinen Unterschied zum Restgummi mehr ertasten kann. Ein anderes Motorrad hat er nicht, zumindest keines was ich so gut wie die SMC-R finde, und so nehme ich eben diese.


Schön ist sie trotzdem


Auf der KTM sitze ich als langer Lulatsch ganz gut, und auch der Tankrucksack zwischen den Beinen bleibt am Ort. Der Lenker liegt gut in der Hand und die Knie sind angenehm gestreckt. Dafür ist die Sitzbank arg schmal, eher wie ein Fahrradsattel. Ich fahre den Berg hoch zum Hotel und fühle mich auf der KTM recht wohl. Keine monströsen Windgeräusche, und man wird auch nicht runter geweht bei Landstraßentempo. Dafür ein recht enges nutzbares Drehzahlband. Schön ist sie, aber die Zuverlässigkeit macht mir so viele Sorgen, dass ich keine kaufen würde. Sie ist also der perfekte Kandidat für ein Mietfahrzeug und passt sicherlich prima zur Streckenführung und Etappenlänge auf der Insel. Die Kurvenstrecke den Berg hoch macht schon Freude, obwohl der Hinterreifen sehr abgefahren ist und der Tankrucksackturm sich bedenklich zur Seite neigt und sich irgendwie kein richtiges Gefühl für das Vorderrad einstellt.

Also habe ich schnell im Hotel eingecheckt, Wiedersehen macht Freude. Kurz hinlegen, schlafen klappt aber mangels Müdigkeit nicht, also eben Mopped fahren. Es geht zum Kennenlernen der KTM die tollste enge Kurvenstrecke der Insel runter, und wieder rauf und rein in den Teide Nationalpark - ein unwirkliche Hochebene mit außerirdisch erscheinender Landschaft, bis ich 20 Minuten an einer Baustelle warten muss, wo gerade frisch asphaltiert wird. Also drehe ich um fahre zum Hotel - es reicht für heute, ich bin irgendwie matt im Kopf. Im Hotel gibt es später noch leckeres Abendessen, und dann klingt der Tag gemütlich aus. Sebastian kommt erst übermorgen, und ich kann in Ruhe hier ankommen. Auch die Gedanken darüber, wie ich meine Freunde und Kollegen am besten neidisch/wahnsinnig machen kann - Urlaubsfotos morgens, zum 14 Uhr-Suppenkoma, oder zu Feierabend schicken? - verfliegen einfach. Ich bin hier. Das reicht mir.

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Samstag, 23. Dezember 2017, 12:06

Do 30.11. Anaga-Nationalpark

Heute fahre ich in den Anaga-Nationalpark! Das ist ein Gebirge im Nordosten der Insel und eines der Hightlights von Teneriffa. Ich war nur einmal dort, bei der ersten Reise. Beim letzten Mal ist mir das Motorrad kurz vorher verreckt, so dass ich da einen deutlichen Mangel habe. Am schönsten kommt man dorthin durch den Teide Nationalpark hin, aber das dauert mir für morgens zu lange, und so hebe ich es mir für den Abend auf. Morgens fahre ich stattdessen die superkurvige aber nicht optimal auszufahrende "Brechstecke", und dann bald Autobahn. Aber auf dem Weg zur Autobahn sehe ich etwas interessantes und biege einfach mal dorthin ab.



Hier kommt man durch, auch wenn das Motorrad dabei dreckig werden könnte. Es stehen auch keine Verbotsschilder rum. Aber dazu später mehr. Jetzt kommt Autobahn. Autobahn ist allgemein und auch auf einer Supermoto logischerweise nicht das reine Vergnügen, aber mit der kleinen Scheibe am Lenker hält man es aus. Es geht ja auch nicht weit, und über 120 fahren muss ich, will ich und darf ich teilweise nicht mal.

Kurz vor der sehr geschäftigen Hauptstadt Santa Cruz meldet die KTM Benzindurst mittels Reserveleuchte. Das heißt dann ja wohl, dass ich sie nicht vollgetankt bekommen habe. Merken: Ich muss auch nicht vollgetankt zurück geben. Ich beginne also die Suche nach einer Tankstelle, was dazu führt, dass ich "schön" viel Stadtverkehr abbekomme, weil mein Garmin mich einfach ganz besonders lieb hat. Vielleicht liest es hier im Forum mit und rächt sich so für all die Schmähkritik und mein geringes Einfühlungsvermögen in seine zarte Softwarewelt. Aber da muss man halt durch. Umso schöner, wenn schließlich die erste Kurvenstrecke ab San Andres vor einem liegt und man sie fast für sich alleine hat. Hier ist es grün, kurvig, bergig und lebendig.



Es warten eine Hauptstrecke entlag des Gebirgskamms in Ost-West-Richtung und diverse Abstecher in Täler und Bergdörfer. Der erste Abstecher geht nach Norden, Benijo. Einer der abgelegensten Strände der Insel, aber trotzdem mit Besuchern und Surfern, und eine spektakuläre Steilküste mit fast ebenso steilen Straßen, die trotzdem gut ausgebaut sind. Ich erkunde die Stichstraßen hier und da und genieße den Urlaub.





Der zweite Abstecher ist das Bergdorf Chamorga, das nur von Westen her anzufahren ist. Nach Norden gibt es zwar einen Weg, der ist aber anscheinend für Motorfahrzeuge gesperrt, zumindest von Süden = Oben. Weil man ständig durch Wald fährt ist die Strecke nichts, was ich unbedingt weiter empfehlen würde. Außerdem zieht gerade eine Wolke durch die Berge und es wird etwas weniger farbenfroh und die Membran bleibt auch drin.



Die TF-12 nach Westen dagegen macht gute Laune. Viel Aussicht auf beiden Seiten und das Gefühl, ordentlich Strecke zu machen sprechen für diese Strecke. Dass hier mehr Verkehr ist spricht eher dagegen, aber man kann überholen. Nach dem Aussichtspunkt Mirador Cruz del Carmen geht es ins Tal, am alten Flughafen Teneriffa Nord vorbei in den Teide Nationalpark. Der Höhenmesser zeigt bald vierstellig und auch die Extraklamotten wollen wieder angezogen ewrden. Außerdem empfiehlt sich ein Tankstopp für kleine Supermototanks.

Die TF-24 führt quer durch den Teide Nationalpark. Anfangs bewaldet, hat man bald Felsen und Aussichten nach Norden und Süden um sich herum. Bei den Teleskopen biege ich ab, aber nah ran kommt man nicht und am Checkpoint darf man nicht fotografieren. Dafür vertreibe ich mir die Zeit damit, jedes Schild am Wegesrand mit Höhenangabe zu kartographieren, damit ich sie später gemeinsam mit den höchsten Punkten der Hauptstrecke und der Stichstrecke zur Teide-Seilbahn als Passknackerpunkte vorschlagen kann. Die Kanaren sind in dieser Hinsicht nämlich ein unbeschriebenes Blatt. Übrigens im Gegensatz zu Island und Färöer, und dass kann ja wohl nicht so bleiben! Ob man die Punkte wirklich alle braucht lasse ich mal offen, das sind schon viele und sie sind auch alle recht hoch, was einen unfairen Vorteil im Gesamtwettbewerb ergeben würde.


Beispielfoto Teide Nationalpark. Mehr dazu später.


Am Cafe la Portilla kehre ich ein, aber es kommt aber 15 Minuten keine Bedienung. Da inzwischen Sebastian am Hotel angekommen ist, geht es für mich dann eben ohne Eis dorthin. Mein Hinterreifen ist jetzt wirklich fertig und der Vermieter will ihn morgen tauschen. Dafür muss ich dort vorbei fahren was natürlich nicht so toll in den Tagesablauf passt, aber dafür hat er ihn noch zwei Tage mehr vermieten können. Außerdem holt Sebastian sein Motorrad in der Nähe ab, also passt das schon.

Wer gucken will, die Tagesroute war etwa so: Motoplaner

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Samstag, 23. Dezember 2017, 13:04

Fr 01.12. Gesellschaft, Service, Masca, Puero Norte, Licht von unten

Sebastian holt morgens seine Duke vom Vermieter. Er hat einen Mietwagen und fährt vor, während ich noch die SMC-R berödele. Als wir gemeinsam beim Vermieter ankommen, ist die zwar Duke da, aber sie ist noch nicht fertig. Sie steht auf der Hebebühne und wird intensiv bewirtschaftet. Den Service am Motorräder hätte man wohl nicht vorher machen. Wir warten also im Laden zwischen lauter Husqvarna Hardware. Eigentlich wollte ich hier die 701 Supermoto mieten, aber die war schon abgemeldet - Mist! Stattdessen kann ich mir jetzt das Showroom-Modell gnaz aus der Nähe anschauen. Ein geiles Miststück.

Irgendwann ist das Motorrad dann "fertig", zumindest aber bekommt Sebastian es, und wir machen jetzt eine kurze Tour in die nahen Berge, denn ich muss bald zu meinem Vermieter, der einen neuen Hinterreifen montieren soll. Die Berge im Hinterland von Adeje rund um Barrio Taucho sind gar nicht schlecht zu befahren. Es geht sehr steil der Berg hoch, entsprechend wächst auch die Aussicht über den Westen der Insel und auf die Nachbarinsel La Gomera.

Das Handling der SMC-R hat mich bisher schon nicht wirklich überzeugt, aber heute läuft's noch weniger rund. Sebastian verweist mich auf Druckverlust am Hinterrad. Und siehe da: Es steckt ein Nagel drin. Freundlicherweise steckt er gerade, man sieht nur den Kopf. Also ab an die nächste Tankstelle, schön geruhsam. An der nächsten Tanke habe ich 0,4 Bar gemessen, auf 3 Bar aufgefüllt und bin direkt zum Vermieter gefahren. Der ist Einzelunternehmer mit Büro, aber ohne durchgehende Besetzung, und ist zwar noch nicht da, will aber in 15 Minuten da sein. Zeit für 'ne Cola Light mit Blick aufs Meer, denn wir sind ja direkt hinter der Strandpromenade.


Tourizentrumsalarm!


Kann man aushalten, wenn auch nicht den ganzen Tag...


Mein Vermieter ist insgesamt anstrengend und möchte, dass ich am Rückgabetag die Maschine um 11 Uhr abgebe. Mein Flug geht aber erst um 16 Uhr. Ich habe auch Schmerzen dabei, für 7 Tage zu bezahlen, wenn ich am ersten Tag um 10 Uhr abgeholt habe und am 7. Tag um 11 Uhr abgebe, aber so richtig klären lässt sich das jetzt nicht und ein besseres Fahrzeug kriege ich nicht mehr her.

Anschließend machen wir eine Tour zur Masca-Schlucht. Die liegt im Nordwesten und ist über eine neue Schnellstraße angebunden, die jetzt die Autobahn nach Norden verlängert. Es gibt tolle Aussichten hier und heute erfrischend wenig Verkehr. Und auch diese drei Autos und der eine Bus vor uns machen Platz.





Ich experimentiere etwas mit der Hinterradbremse, schließlich habe ich eine Sumo unterm hintern, oder eher zwischen den Beinen mangels nennenswerter Sitzbankbreite. Der Übergang von Haft- zu Gleitreibung ist aber überdeutlich und auch Sebastian legt mir nahe, vielleicht nicht ausgerechnet hier damit anzufangen. Na gut, Mama.

In Buenavista del Norte wird für mich wie gewohnt wieder mal im feinen Fischrestaurant am Meer hinter dem Golfplatz getafelt. Tolle Aussicht, aber ein wenig ete petete und nicht gerade günstig. Dafür habe ich 7 ausgewachsene Krabben auf dem Teller und saue mich beim Knacken und Pellen ordentlich ein. Ein wenig enttäuscht über die Ausbeute davon bin ich am Ende aber doch. Nächstes mal für mich lieber Fischstäbchen. Aber die Location ist toll.



Der Abstecher zu Punta de Teno, dem westlichen Punkt Teneriffas, wurde mir schon häufiger empfohlen, auch heute wieder vom Vermieter. Er ist von 10 bis 17 Uhr zur Befahrung gesperrt, was mit sehr großen Schildern angekündigt wird. Und es wird sogar bewacht! Wir müssten also noch 30 Minuten warten. Das wird dann zum Ende hin zwar knapp mit dem Tageslicht, aber wann sind wir wohl wieder hier? Nie, vermutlich, also warten wir eben die 30 Minuten. Es bildet sich eine ansehnliche Autoschlange hinter uns vor der Schranke. Wir stehen auf P2+3. 17 Uhr geht die Schranke auf, wir sind schnell P1+2 und genießen die kurvige und bergige Strecke entlang der Steilküste.



Das ist in Teneriffa einmalig und durchaus nett. Der Punta de Teno selbst besteht aus zwei Parkplätzen rechts und links, Wasser rundum und geradeaus einem Leuchtturm auf einem Felsen, der aber mittels Tor und Mauer vor Besuchern geschützt wird. Und die Straße dorthin wird auch bewacht, damit sie nicht befahren sondern nur begangen wird, also latschen wir zu Fuß da hoch. Naja, Felsen und Wasser. Die Straße hat mir besser gefallen. Aber die Sonne beginnt ihren Untergang und sorgt für tolle Farben.



Nun geht es über den laut Google Maps schnellsten Weg zurück. Garmin rechnet ja gerne das Tempolimit als Durchschnittstempo und will uns wieder durch die Masca-Schlucht jagen, was wir im Dunkeln für nicht besonders clever halten. Stattdessen fahren wir die Nordküste entlang bis Garachico und dann die tolle TF-421 den Felsen hoch und durch El Tanque (ohne Tanke, aber für mich mit Anziehen weiterer Schichten auf 1111 Meter). Wieder kurz Schnellstraße und dann von Westen her den Teide hoch über die TF-38. Dies ist wahrscheinlich die einzige Supersportler-taugliche Strecke auf Teneriffa, weite Radien und breite Strecke.

Freundlicherweise wurde hier seit meinem letzten Besuch vor 2 Jahren frisch geteert. Früher eine BMW ESA-Neidstrecke, ist diese jetzt bretteben. Es dämmert bereits, was wegen der Wolken am Horizont gar nicht schlecht aussieht. Einer von uns hat ein getöntes Visier, deshalb sparen wir Zeit und fahren ohne weitere Pausen durch den Nationalpark. Irgendwann tauchen wir im Dämmerlicht in Wolken ein und es wird kalt. Irgendwann reißen die Wolken wieder auf, und jetzt kommt das Licht von unten!? Ja, wenn man auf 2100 Meter ist, die Sonne aber schon tiefer steht, dann kommt das schon mal vor. Dazu bitte diesen Sound vorstellen. Sehr unwirklich, wenn die Sonne unter der Straße steht. Man sieht die Landschaft und den Streckenverlauf, aber nicht den Straßenzustand. Man wird sogar von unterhalb der Straße geblendet. Gut, dass wir uns den gestern ordentlich eingeprägt haben. Als es schließlich relativ plötzlich stockdunkel ist, fahren wir halt einfach die letzten 5 Kilometer einem Auto hinterher. Eine nicht unbedingt angenehme, aber ziemlich coole Erfahrung, an die man sich lange erinnert. Die Natur hat hier halt echt einiges in Petto.

Das Abendessen holen wir von einem Restaurant nebenan, wo es für 6,50 echt lecker Schweinefleisch als Tagesmenü mit den typisch kanarischen Salzkartoffeln mit "Mojo" gibt. Dazu gibt's eim pahr Biärr oder zwo...

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Samstag, 23. Dezember 2017, 13:22

Sa 02.12. Teide, Pornopiste, Brechstrecke mit Abstechern zum Meer, Nässe

Heute hat Sebastian Geburtstag, noch dazu seinen 30ten! Er möchte aber nicht viel Aufheben darum machen. Also alles wie immer: Tagestour. Wir fahren durch den Teide Nationalpark, dann die Pornopiste, eine auch bei den Einheimischen sehr beliebte Kurvenstrecke, und dann lassen wir uns mal überraschen, was wir am Nachmittag noch so machen.

Start um 9 Uhr unter Wolken, es ist aber trocken. Es geht hoch auf den Teide, hier ist Sonnenschein. Wir kennen schon alles, also geht es mit wenig Stopps durch. Wir fahren die Stichstraße zu den Teleskopen, aber fotografieren ist hier ja nicht erlaubt, also weiter. Dafür kriegt ihr Leser hier jetzt die gesammelten Teide-Fotos zu sehen, die auch an anderen Tagen entstanden sind, insbesondere an Sebastians Anreisetag aus seiner Spiegelreflex. Hier im Nationalpark ist die Natur ganz anders als gewohnt.















Auf der Nordseite des Gebirgszuges wird es richtig frisch, dafür auch grüner. Kurz nachdem der Wald wieder beginnt biegen wir auf die "Pornopiste" ab. Heute sind erstmals nennenswert lokale Motorradfahrer unterwegs, und zwar von der Geschmacksrichtung "Supersportler". Es geht schön kurvig den Berg runter, mit einem Hinterradrutscher am Ausgang der Applauskurve, wenig später wird eingekehrt für eine Cola. Schön hier! Es fällt auf, dass fast alle Motorradfahrer grüßen, auch wenn man gerade im Cafe sitzt. Wir nach der Cola noch mal den Berg wieder hoch und runter, aber dann fängt Regen an, und zwar nicht gerade schwach. Also wird wieder dort eingekehrt und der Mittagssnack konsumiert: Baguette mit Bacon bzw. Schafsfleisch.

Der Regen hörte irgendwann auf, aber die Wolke steckte immernoch fest, also Plan B: Runter an die Küste, und dann Autobahn bis das Wetter schöner wird. Das dauerte 20 Minuten, wobei es teilweise im strahlenden Sonnenschein Starkregen gab. Bald war meine Membranklamotte an den entscheidenden Stellen durch. Immer noch besser als die örtlichen Experten in T-Shirts, die sich in der Situation eng hinter Autos hielten. Schließlich fahren wir von Süden her nach Vilaflor, und versuchsweise meine Lieblingsstrecke runter... hier ist zwar kein Regen, aber feuchte Fahrbahn, und mir war auch echt kalt. Also Pause am Hotel eingelegt zum Trockenlegen.

Dann Plan C, hoch auf den Teide Park, der liegt ja wohl über den Wolken. Klappte auch, Sonne getankt, aber nicht so richtig warm geworden, sind halt 2100 Höhenmeter. Hätte man aber früher drauf kommen können.

Wir fahren den Berg wieder runter, ich habe nach 245 km endlich getankt, dann am Hotel geparkt, zum Supermarkt gelaufen, eingedeckt mit Süßem und Flüssigen und dann ab unter die Dusche. Danach sind wir wieder Abendessen nebenan, aber heute nicht so lecker. Dafür war ein großes Bier dabei und es gab Kartoffelsuppe zuvor - und alles zusammen unter 11 Euro pro Nase. Kein Grund zur Klage.

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Samstag, 23. Dezember 2017, 13:54

So 03.12. La Gomera

La Gomera ist immer ein Highlight. Die kleinere, westliche Nachbarinsel ist von Teneriffa unkompliziert per Fähre zu erreichen. Man muss zwar Tickets kaufen, das geht aber formlos am Schalter. Es hilft, die gewünschten Zeiten, die Namen der Fahrer und die Nummernschilder der Motorräder auf einen Zettel zu notieren und am Schalter zu überreichen. Ausweise dazu und 81 Euro pro Nase (wurde deutlich teurer gegenüber letztem Mal) und fertig.



Erster Tipp: Am Sonntag geht die letzte Fähre für den Rückweg zwei Stunden später, man hat also zwei Stunden mehr Zeit die Insel zu erkunden.

Zweiter Tipp: Bei unserem Besuch hatten alle Tankstellen auf der Insel geschlossen, bis auf die direkt am Fährhafen in San Sebastian und eine im Norden in Santa Catalina. Aber selbst eine KTM 690 SMC-R kommt mit einem Tank bequem zur Fähre, über die Insel und wieder zurück zur Fähre. Da unser Hotel im Landesinneren von Teneriffa liegt, erreichen wir 325 Tages-km. Da hilft dann ein Tankstopp am Fährhafen kurz vor der Rückfahrt.

Dritter Tipp: Man kann die Kurvenstrecke von Vilaflor zum Hafen zwar vermeiden, aber das lohnt nicht wirklich und führt zumindest bei meinem Navi zu endlosem Gestocher in bewohnten Gebieten, nur damit man 50 Meter neben der Hauptstrecke auf die nächste Hauptstrecke kommt. Dabei sehen wir sogar ein Schwein auf der Straße. Kein echtes Wildschwein, eher ein Hausschwein ohne zuhause.

Vierter "Tipp": Wenn man garantiert im Dunkeln zurück kommt, kein dunkles Visier montieren, bzw. getönte Pinlock-Einsätze vorher entfernen. Nachteil: bei Regen und Nebel beschlägt es dann garantiert.

Wir können noch auf der Fähre sehen, dass auf La Gomera im Süden eine Wolke hängt, während im Norden keine ist, bzw. noch keine ist. Wir können uns nicht so recht entscheiden und fahren trotzdem zunächst die Südseite an, bzw. alle Straßen der Insel wie geplant im Uhrzeigersinn, auch weil Sebastian gegen meinen (idiotischen) Plan nicht deutlich genug protestiert. Aus San Sebastian raus hat man die Straße GM-2, die sich in bestem Ausbau wundervoll die Berge hochschwingt und dabei dreistellige Geschwindigkeiten, aber auch tolle Aussichten ermöglicht.


Gutschein über 1 Aussicht


Leider tauchen wir bald in oben genannte Wolke ein und haben damit Nebel, eine feuchte Straße und beschlagene Visiere, besondere diejenigen von uns ohne Pinlock. Wir haben etwas Hoffnung über die Wolke zu kommen, das klappt aber nicht. Die Insel ziert sich heute, ihre Aussichten preis zu geben. Als wir links abbiegen auf die GM-3 tasten wir uns den Berg hinab durch den Nebel. Der ist dann endlich mal weg und wir machen Pause am steinigen Strand von Laguna de Santiago.


Foto vom Motorrad am Strand ist Pflicht


Dies ist keine Sackgasse, es geht parallel am Flughafen vorbei wieder zur Inselmitte, Ein kurzer Abstecher zur Kapelle bietet sich an, wobei die Aussicht heute vor allem Wolken zeigt. Weiter hoch den Berg kommen wir leider auch wieder in den Nebel. Der ist so dicht, dass ich den Abzweig nach Westen verpasse. Sebastian übernimmt die Navigation mittels seines Garmins, auf dem der Track unserer Planung gespeichert ist - leider ist es diesem Garmin völlig schnuppe, in welche Richtung man den Track geplant hatte. Hauptsache, man ist irgendwie auf der geplanten Route. So fahren wir dann ohne es sofort zu merken nach Norden, und damit eigentlich den als letztes geplanten Teil der Route. Das macht aber nichts, denn das Straßennetz von La Gomera ist im Wesentlichen ein Stern, bei dem von der Mitte aus mehrere Kreise und Sackgassen abgehen - die Reihenfolge des Besuchs ist also nicht so wichtig.

In Santa Catalina an der Nordküste tauchen wir wieder aus der Wolke hervor und genießen die feinen Kurvenstrecken und Aussichten, die mich immer wieder hier her locken. Weil es auf 12 Uhr zugeht ist es Zeit für einen Mittagssnack. Omelette und Datteln im Speckmanteln werden sofort verhaftet.

Im weiteren folgen wir einfach der GM-1 nach Westen, eine sehr schöne Strecke.






Andere brauche eine Kameradrone, ich habe einen Mitreisenden mit Spiegelreflex und Kletterwillen


Wir fahren zum Spaß mal ganz nach Westen bis Alojera, einem sehr kleinen Ort an Westküste. Die Küste hier ist zwar erschlossen, aber die Felsen darüber sind sehr instabil, so dass ein direkter Zugang zum Strand wegen Steinschlaggefahr nicht erlaubt. Man muss über Treppen im Ort gehen. Ein Eis bekommen wir hier nicht, dafür aber eine tolle Bucht mit kneifenden Felsenbewohnern. Aus Rücksicht auf Spinnenphobiker verzichte ich hier auf die Fotos von gut 30 cm breiten Krabben. Außerdem sind sie schüchtern.



Dann folgt der obligatorische Abstecher nach Süden nach La Puntilla, auf der vielleicht schönsten Strecke dieser Insel. Tunnel, Kehren, weite Radien und immer die Aussicht entlang des Tals, das fast eher eine zu breite Klamm oder eine Schlucht ist. Unten lauern zwar Touristen, aber auch Hippies, und eben auch lecker Eis. Dagegen bin ich nun mal machtlos.



Abgesehen vom Tal nach La Rajita und der GM-1 nach San Sebastian haben wir nun eigentlich alle Hauptstrecken der Insel erfahren. Das Tal schenken wir uns nach einem Blick auf Street View, und die GM-1 nach San Sebastian kenne ich bereits als viel befahrene Strecke mit vielen Tunnels und wenig Überholmöglichkeiten. Stattdessen nutzen wir die Nebenstrecke von Arure nach Osten und dann wieder die neblige GM-2, welche die letzten Kilometer Sicht auf San Sebastian bietet.

In San Sebastian tanken wir die Motorräder voll, meine KTM ist seit 10 km auf Reserve, und dann schlagen wir uns den Magen mit Pizza voll, um das Abendessen abzuhaken, weil wir erst sehr spät wieder in Teneriffa sein werden. Sebastians KTM macht derweil sehr bedenkliche Geräusche, es klingt nach Massenschlägerei im Maschinenraum. Derweil sind die Zähne am Kettenrad zwar nicht mehr krumm, aber dafür werden sie schlagartig kürzer - die brechen einfach ab! Wohin sie fliegen, weiß keiner so genau. Er fährt besser hinten. Wie das Ritzel aussieht will ich lieber nicht wissen. Auch der Vorderreifen hat's in Schräglage eindeutig hinter sich.


Und Einheimische fahren immer noch Dax, trotzdem neuer HU-Pflicht


Die Fähre legt planmäßig um 19:30 ab, spuckt uns 20:30 im trocken-warmen Teneriffa aus und dann geht es wieder ab den Berg hoch zum Hotel, was heute Abend mal ausnahmsweise nicht so praktisch ist. Wir sind schon ganz gut platt vom Fahrtag, müssen aber im Dunkeln die Kurvenstrecke hoch - und dann kommt auch noch Nebel. Der wird so dicht, dass man kaum guten Gewissens Tempo 40 fahren kann, und offensichtlich hat es hier auch geregnet - man muss also mit Steinen auf der Fahrbahn rechnen und sollte nicht auf unendlichen Grip zählen. Leider findet sich auch kein Auto, dem man folgen könnte, und so zieht sich diese letzte Etappe ganz schön hin. Ich bin dankbar für das "Stop in 100 Meter"-Schild, sonst wäre ich womöglich mitten auf der Kreuzung gelandet ohne es zu merken. Auch die Beleuchtung des Abzweiges zum Hotel hilft, wieder zurück Bett zu finden. Was für ein Ritt!

Heute hätte man sicher einiges besser machen können: Norden statt Süden zuerst fahren (ohne Wolke!), klares Pinlock montieren, Route am Navi planen und abfahren. Aber wir haben es auch so genossen! Und morgen schlafen wir etwas länger.

Die tatsächlich gefahrene Route war in etwa so:
Motoplaner

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Samstag, 23. Dezember 2017, 16:01

Mo 04.12. Beste Reste

Der Plan für heute sieht vor, dass wir Sebastians Motorradvermieter aufsuchen und danach einen "Lost Place" besuchen, uns die kurvige Strecke oberhalb der Autobahn (TF-28 aka "Brechstrecke") und die Bergrennstrecke der Einheimischen (TF-523 "Pornopiste") vorknüpfen, und schließlich über den Teide wieder zurück fahren. Morgen reise ich ab, dies ist mein letzter ganzer Fahrtag. Für heute ist trockenes Wetter angesagt mit eitel Sonnenschein.

Zunächst geht es also direkt zum Vermieter. Sebastians Vorderreifen ist seitlich blank, und seine Kette macht üble Geräusche, wobei die bereits zahlreiche Zacken aus dem Kettenrad brechen und die Kette schlackert wie eine Fahne im Wind. Der Vermieter hat einen Vorderreifen da und würde ihn auch wechseln, aber ein Kettenrad ist nicht auf Vorrat und müsste erst im Laufe des Nachmittags besorgt werden. Sebastian bekommt noch den Chef per Telefon dazu, weil der Angestellte vor Ort nicht so gut englisch kann bzw. nicht zum Verhandeln berechtigt ist. Die Diskussion verläuft wenig erfreulich und endet damit, dass jetzt ein neuer Vorderreifen montiert wird, was etwa eine Stunde dauern soll.


Kettenrad - vorher


Husqvarnas Probesitzen - der Trend geht zum Downsizing


Am Ende warten wir knapp 2 Stunden, und das Motorrad hat dann einen neuen Vorderreifen, einen gebrauchten aber nur angefahrenen Hinterreifen, ein komplett neues Kettenkit, aufgefülltes Öl und neue Bremsbeläge vorne, und zwar augenscheinlich Brembo "rot" Sinter. Wow. Frisch gestärkt geht es auf die Autobahn, den Massentourismus hinter uns lassen, und dann in die Berge, auf oben genannte Brechstrecke TF-28.

Unser Ziel heute ist ein Lost Place, und zwar eine Geisterstadt, die mal als Leprakolonie gedacht war, wegen der Ausrottung der Lepra aber nie ganz fertig gestellt und auch nie in Betrieb genommen wurde. Nun stehen an die 20 Gebäude als Ruinen auf einem Quadratkilometer großen Areal in der Landschaft, zwischen einem Retortenort voller Ferienwohnungen und einem Leuchtturm, also fast direkt an der Küste. Vom Nachbarort Abades aus kommt man dort über Schotterwege hin. Anscheinend hatte man dabei ein besonderes Herz für Fahrer von Crossmaschinen, oder man wollte PKW aussperren. Mit ein wenig Augenmaß kommt man auf einer KTM Duke durch, und auf einer KTM SMC-R auch mit weniger Augenmaß. Man passiert dabei kein Verbotsschild und es gibt auch keinen Zaun. Der Ort selbst ist völlig unbelebt. Es gibt aber Spuren temporärer Nutzung (Müll). Es ist eine gute Kulisse für Fotos. Auch der Kontrast zum Umland ist interessant.


Die Kirche


Die Kirche von Innen


Raussicht


Übersicht über die Siedlung


Weitere Gebäude


Im Nachgang parken wir am nahen Leuchtturm und genießen den Blick aufs Meer.


Maritimes Flair


Auf dem Weg sehen wir zahlreiche Spuren anderer Fahrzeuge, die nicht für Nutzfahrten hier waren. Dann erklimmen unsere tapferen Motorräder wieder den Berg und wir folgen der Brechstrecke. Die heißt so, weil sie wirklich sehr kurvig ist, und weil kaum eine Kurve einfach nur einen gleichbleibenden Radius hat. Da sind jede Menge Gemeinheiten zu entdecken: Eckige Verläufe, wechselnde Radien, stark schwankende Fahrbahnbreite im Kurvenverlauf und jede Menge blinde Ecken. Wer die am Stück schafft ohne zu brechen hat's echt drauf. Wir sind nicht die ganze Strecke gefahren, und haben auch Pausen gemacht. Zwischendurch tauschen wir, damit Sebastian mir Feedback zum Fahrverhalten der SMC-R geben kann, er hat ja privat eine. Mir fällt auf, dass die Duke im Vergleich ganz schön eng zum sitzen ist, und dass der Duke-Motor mit der einen statt zwei Ausgleichswellen spürbar schwächer anzieht - das kann aber auch an den 55000 km der Duke statt 32000 km der SMC liegen oder den paar Mehr-Kilos. Seine Duke produziert außerdem Ölmief, Geräusche aus dem Motor wie von einem Aufstand im Maschinenraum und gelegentlich blauen Rauch. Dafür fühlt sie sich um die Mittellage für mich agiler an. Sebastian kann mich aber beruhigen, seine SMC-R fährt sich auch so wie meine gemietete. Okay, da geht man doch gleich entspannter in die Schräglagen - und streicht sie gedanklich vom Zettel der Traummaschinen.

Ganz anders als die Brechstrecke ist die TF-523: Viel 90° und 180°, viel dritter Gang im unteren Bereich und zweiter Gang im oberen Bereich. Sie hat eine ordentlich breite Fahrbahn und meist auch ganz gut Sicht, weil sie nicht direkt am Felsen entlang führt. Gestern am Sonntag tummelten sich hier die Supersportler. Heute am Montag ist hier tote Hose, auch die Cafes haben alle geschlossen, obwohl das Wetter heute einwandfrei ist. Unsere Mägen sind nicht erfreut, da stellt sich doch eine gewisse innere Leere ein. Da es schon 16 Uhr ist, haben wir es aber auch nicht mehr lange zum Abendessen, also geht das schon klar.

Am oberen Ende der Strecke geht es nach links wieder in den Teide Nationalpark, und erneut schrauben wir uns auf 2100 Höhenmeter. Das ist wieder frisch, aber heute fahren wir komplett in der Sonne und gucken erfreut auf das Wolkenmeer links und rechts am Inselrand. Richtig kalt wird es trotzdem. Nach wenigen Kilometern geht meine Reserveleuchte an, und ich bin unsicher, ob ich es durch den Park schaffe. Oben an der Kreuzung "links Vilaflor, rechts Chirche" habe ich bereits 35 km auf Reserve gefahren - und das sind nur 2,5 Liter. Wir entscheiden uns für den Weg nach Chirche, weil es hier fast durchgehend bergab geht, und am Ende ist sicher eine Tankstelle. Eigentlich wollten wir durch Vilaflor durchfahren und die Kurvenstrecke geradeaus ins Tal nutzen, aber dafür wird das Tageslicht dann wohl nicht mehr reichen.

Auf den letzten Tropfen Sprit den Berg hinab fühlt man ins Motorrad rein und denkt ständig, dass sie jetzt gerade aber nicht mehr auf Gas angesprochen hat? Nein, Fehlalarm, das ist einfach die normale "Laufkultur" der Maschine aus dem Hause Trunkenpolz. Als 50 km auf dem Kilometerzähler der Reserve stehen laufen wir langsam auf einen Bus auf, an dem man schlecht vorbei kommt. Ich schalte in den Leerlauf und stelle den Motor ab. So kann man der Kolonne noch mit 50 km/h folgen. Später wird es gerader, erst zieht der Bus davon, dann überholen uns Autos und schließlich auch ein Rennrad. Der strampelt aber auch - das ist gemogelt! Das Navi weist den Weg zur nächsten Tanke. Mit einer Reihe von Abbiegemanövern kommt man innerhalb von 2 km dorthin, und es geht weiter durchgehend bergab, teilweise beeindruckend steil. Nur auf den letzten 200 Metern werfe ich wieder den Motor an, und bin sehr erleichtert, dass die Tankstelle geöffnet hat und dass ich sie erreiche. Es stehen schließlich sagenhafte 61,7 Kilometer auf dem Reserve-Zähler. Die Reserve fasst 2,5 Liter und der Durchschnittsverbrauch der SMC-R ist laut Spritmonitor 4,5 Liter. Das sind rechnerisch also 55 km Reichweite auf Reserve.



Es wäre interessant gewesen, wie viel Sprit jetzt rein passt, aber ich gebe morgen das Motorrad zurück, und zwar nicht mit vollem Tank. Da reicht es für 5 Euro zu tanken, also 5,5 Liter. Ja, der Liter kostet hier unter einen Euro :)

Also geht es wieder hoch in den Teide, es ist noch kälter als vorher. Rechts kündigt sich ein Sonnenuntergang an, und der zieht Touristen an. Auf der Kurvenstrecke hinab nach Vilaflor haben wir wieder tief stehende Sonne als Sichthindernis, und zwar richtig tief stehend: Die Sonne steht rechts unterhalb der Fahrbahn, der komplette Belag ist im Schatten, während man geblendet wird. Das hat man auch nicht alle Tage. Zum Glück nur in einigen Kurven, danach dämmert es. An einer Baustellenampel geraten zwei gemietete F700GS vor uns und schockieren uns mit den Fahrkünsten der anderen deutschen Motorradtouristen: nicht einsehbare Linkskurven werden mit den Rädern auf der Mittellinie angefahren. Bloß vorbei hier und das Elend möglichst weit zurück lassen. Zurück am Hotel sind wir beide gut angefroren, aber wieder mal stolz auf das Erreichte. Nach fünf ganzen Fahrtagen und einem halben ist die Luft bei mir schon etwas raus, so viele Eindrücke sind auf mich eingeprasselt.

Im Hotel gibt's als Abendessen Kaltgetränke und meine geliebte Paella mit Meeresfrüchten. Dabei fällt mir, dass ich jetzt schon seit Tagen Krustentiere in allen Größen und Formen entbeine, aber so richtig kriege ich den Dreh nicht raus. Vielleicht sollte ich nächstes mal vorher ein Tutorial sichten. Immerhin, an Protein- oder Knoblauchmangel stirbt man auf der Insel bestimmt nicht.

blahwas

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Samstag, 23. Dezember 2017, 16:18

Di 05.12. Abreise

Für mich geht es heute morgen voll bepackt zum Motorradvermieter. Alles Gepäck findet in den doppelten Tankrucksack, und das sieht auf der SMC auch nicht schlimmer aus als mit dem halben Tankrucksack. Ich verabschiede mich von meinem Mitstreiter nach dem Frühstück, er bleibt noch zwei Tag. Dann geht's ein letztes Mal den Berg runter und rein in die "Zuvilisation". Auf halbem Weg gönne ich dem Tankrucksackturm noch einen Rockstrap, damit er nicht ganz nach rechts verschwindet. Eine mittige Montage scheitert ja leider am Auspuff links unter dem Heck, der jeden Riemen durchschmelzen würde.


Turmbau zu Ehren des Trunkenpolz


Der Motorradvermieter ist kurz vor 10 Uhr schon da und freut sich, seine KTM weitgehend unverändert wieder zu sehen. Ich hätte gerne etwas dafür, dass ich das Motorrad so früh zurückgebe - aber 6x 24 Stunden sind für ihn 7 Tage. Von Mittag bis Mittag am nächsten Tag sind bei ihm auch 2 Tage. Ich bekomme immerhin 20 Euro zugesteckt. Ist zwar nicht korrekt, aber mir egal, der Urlaub war schön und er hatte mir zuvor 714 Euro berechnet, und damit weniger als das Mopped laut seiner Homepage für 7 Tage kosten würde. Bis auf den fertigen Hinterreifen bei Übernamhe mit verpflichtendem Wechsel am nächsten Tag kann ich auch funktional nichts gegen das Motorrad sagen, auch wenn der deutsche TÜV das sicher anders sehen würde. Aber ich will mal nicht päpstlicher als der Papst sein. Ausbrechende Gabelbrücken sind bei dem Modell anscheinend Pflicht und passieren schon bei einfachen Umfallern.

Ich gebe halbwegs freiwillig so früh ab, denn zufällig sind auch meine Eltern seit gestern auf der Insel, und die gehe ich nun besuchen. Ihr Hotel ist freundlicherweise ganze 80 Meter Luftlinie vom Motorradvermieter, und zwar ebenfalls zufällig. Der Fußweg führt zwar außenrum und es hat bereits 28°, aber von nix kommt nix. Ich verbringe einen netten Mittag mit meinen Eltern, die normalerweise 400 km von mir entfernt leben, so dass ich sie nur ein paar Mal im Jahre sehe. Sie wohnen in einem Touristenbunker mit Pool an der Strandpromenade in einem riesigen Zimmer, mit Aussicht.


Massentouristenhaltung


Das ist sicher ganz nett, aber spätestens als die Animation am Pool beginnt merke ich, dass das hier nichts für mich ist. Soviel könnte ich gar nicht trinken...

Um 14 Uhr steige ich in ein Taxi und bin 20 Minuten und 25 Euro später am Flughafen. Am Security-Check wird dieses Mal mein Spiral-Fahrradschloss kritisch geprüft, weiter fällt nichts auf. Ich brauche sechs Wannen für mein Handgepäck und meine oberen Kleidnugsschichten. Mein Flug ist der einzige mit Verspätung, und zwar eine Stunde. Ist jetzt auch egal. Dafür habe ich wieder einen freien Nebensitz und kann trotz Verspätung noch in Düsseldorf landen. Wegen des Nachtflugverbotes hat man sonst eine Chance auf Umleitung nach Köln mit Shuttlebus (oder S-Bahn). Da ich kein Gepäck aufgegeben habe kann ich direkt zu Auto latschen und nach Hause fahren. Das macht die Rückkehr erträglicher. Dass am nächsten Morgen ein Kieferchirurg zwecks doppelter Wurzelspitzenresektion auf mich wartet eher nicht - aber direkt wieder ins Büro an die Schippe wäre mir eigentlich noch weniger recht.


Dieser Reisebericht endet mit rief stehender Sonne am Hotel


Danke fürs Lesen - ein Fazit folgt irgendwann, wesentlich später :)

gnome

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9

Samstag, 23. Dezember 2017, 17:00

:danke:

Sehr angenehm zum Lesen und ein etwas ungewohnter Stil seitens :blah: was :grin:
Es geht immer weiter - und wenn es zurück ist. Nach dem Regen scheint die Sonne.

labete

Refurbished

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10

Samstag, 23. Dezember 2017, 17:48

Klasse. :grin:
Wie immer sehr launig geschrieben. Einige der Orte und Strecken kenne ich ja, bei anderen :danke: für die Tipps. Am meisten amüsieren mich allerdings die fortwährenden Kollisionen deines (fränkischen?-jedenfalls ausgeprägten) sparsam-peniblen Naturells mit der südländisch-einnehmenden Lässigkeit. Köstlich. :thumbsup:

Just do go ahead.

bdr529

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Samstag, 23. Dezember 2017, 18:27

Danke für den Bericht! Sehr schöne Fotos und unterhaltsam geschrieben; ideal für die trübe Jahreszeit.
VG
Michael

RollerIngi

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12

Samstag, 23. Dezember 2017, 19:39

Schöner Bericht, danke. Dann bin ich mal auf Euer Fazit gespannt.
Operative Hektik ist ein Zeichen von geistiger Windstille.

Ralf M.

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Samstag, 23. Dezember 2017, 20:02

Schöner Bericht.
Kannst die Ausgaben etwas Auflisten ?
Flug-Hotel-Motorrad-Sprit .

Teneriffa mit Miet Motorrad will ich auch noch machen.

Sunny

Guter Geschmack muss nicht einsam machen!

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Samstag, 23. Dezember 2017, 20:54

Schöner Bericht, Danke. :) Tolle Bilder und gut geschrieben. ;)

blahwas

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Sonntag, 24. Dezember 2017, 00:04

@RalfM
Zu den Kosten:
Motorrad 714-20 = 694 Euro Miete für 7 Tage bzw. 6x24 Stunden, 150 Kaution, bei diesem Vermieter alles nur in bar zu zahlen
Zimmer 7x45 = 270 Euro, mit Frühstück
Abendessen mit Getränken je 10-20 Euro
Sprit 90 Cent pro Liter, ca. 10 Euro pro Tag = 70 Euro gesamt
Flüge 2x 100 Euro, nur Handgepäck. Niki Air ging freundlicherweise erst zwei Wochen später insolvent. Flüge suche ich bei swoodoo & co, buche sie dann aber direkt bei den Airlines - und zwar am besten mit einem anderen Gerät. Wer einen Reiseveranstalter für Hotel und Flug nutzt hat jemanden der für Flugausfälle haftet, landet aber wahrscheinlich auch in einer Bettenburg mit Schlacht ums Buffet zu festen Zeiten usw.
Taxi Flughafen - Motorradvermieter zusammen ca. 45 Euro
Parkplatz am Flughafen Düsseldorf 59 Euro
Autofahrt zum Flughafen ca. 8 Euro

Motorräder mieten ist teuer, keine Frage, aber es lohnt sich. Es gibt auch günstigere. Ich habe mir hier mir den Luxus gegönnt, den Aufpreis für die KTM 690 SMC-R zu zahlen, weil sie eine meiner Traummaschinen war. Das hat mir auch klar gemacht, dass ich keine kaufen will. Versys 650 gibt's auf der Insel günstiger zum mieten ;)

Wer nicht die ganze Zeit Motorrad fahren will und mehr Sight-Seeing will kann sich günstig einen Mietwagen statt der Flughafentaxis nehmen, die kosten etwa 50-100 pro Woche. Den kann man dann auch einfach rumstehen lassen, wenn man parallel gerade tagelang Motorrad fährt. Es gibt Mietwagen direkt am Flughafen und andere, wo man mit Shuttlebus hingekarrt wird (auf den man warten muss) und dann noch Schlange stehen muss (weil logischerweise eine Busladung anderer Touris gleichzeitig ankommt). Mietwagen statt Taxi zum Motorradvermieter ermöglicht logischerweise auch mehr Gepäck und man muss nicht in Motorradkombi in den Flieger.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »blahwas« (24. Dezember 2017, 08:55)


16

Sonntag, 24. Dezember 2017, 00:12

Toller Bericht blahwas. Danke dafür. Nach dem Lesen ist es fast, als wäre man dabei gewesen.

Bin auf dein Resümee gespannt. Was meinst du? Kann man die Erkundung mit dem Moped einem Fahranfänger empfehlen? Ich meine, auch wenn man nicht nur auf den Hauptstrecken bleibt sondern mal hier und da einen besonderen Aussichtspunkt anfahren will? Dieses mal bin ich an Stellen vorbeigekommen, an denen man nichts falsch machen darf sonst wird die Selbstbeteiligung fällig. Würde mich für deine Meinung interessieren.

Du warst ja viel auf der Caldera unterwegs. Von dort hab' ich einen schönen Eindruck zu teilen:



Diesen Ausblick hab' ich mir letzte Woche erwandert.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »T1000« (24. Dezember 2017, 00:17)


labete

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17

Sonntag, 24. Dezember 2017, 09:58

@T1000: Herrliche Aussicht. Danke!
...Wer einen Reiseveranstalter für Hotel und Flug nutzt hat jemanden der für Flugausfälle haftet, landet aber wahrscheinlich auch in einer Bettenburg mit Schlacht ums Buffet zu festen Zeiten usw....
Sowas kann man heutzutage aber auch steuern, zumindest im Reisebüro. Weshalb ich das auch dem Buchen im Netz vorziehe.

Just do go ahead.

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Sonntag, 24. Dezember 2017, 10:39

einen Niki Flug hätte ich auch über die Kreditkarte erstatten lassen können:
DKB: https://www.dkb.de/info/niki/
Amazon VISA: https://kreditkarten-banking.lbb.de/Amaz…COS#reklamation

blahwas

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Sonntag, 24. Dezember 2017, 12:35

T1000, wie du schon andeutest, die Straßen selbst sind völlig in Ordnung, wenn auch sehr kurvig. Das würde einen Motorrad-Anfänger stressen.

Allerdings wird's schnell haarige, wenn man von der Straße runter will. Wer beim Anhalten nicht sicher beide Füße runter kriegt und guckt und plant wo er lang fährt wenn der Untergrund uneben ist, der wird hier ins schwitzen kommen. Z.B. im Teide Nationalpark ist der Asphalt ziemlich hoch getürmt - am Straßenrand geht's teilweise 20-40 cm diagonal runter. Da parken schon mal Autos mit einem Hinterrad in der Luft, wenn beide Vorderräder unten sind. 8|

Wer sich noch nicht automatisch im Verkehrsgewusel zurecht findet, weil er mit sich selbst und der Maschine beschäftigt ist, der wird es günstigstenfalls nicht 100% genießen können und schlimmstenfalls von einem PKW abgeräumt, und zwar wahrscheinlich von einem planlosen anderen Touristen im Mietwagen, der spontan anhält, Spur wechselt, wendet, einbiegt oder was auch immer die sich sonst noch einfallen lassen. Spontanes Anhalten auf der Autobahn kommt durchaus vor.

Für Anfänger würde ich es eher nicht empfehlen, bzw. kann man zum Gucken dann besser einen 125er Roller nehmen. Da steht man sicher und ist nicht mit Schalten beschäftigt.

tremor

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Montag, 25. Dezember 2017, 03:35

Di 05.12. Anaga-Gebirge V2

Ich verabschiede mich nach dem Frühstück von Johannes, der heute leider schon seinen Heimweg antritt und fahre in Richtung Teide Nationalpark. Meine Erwartungen an kalte Temperaturen in der Höhe sollten sich bestätigen, aber ich bleibe ja nicht lange so weit oben. Für mich steht heute das Anaga-Gebirge auf dem Plan. Mein Weg führt mich über die TF-21 zur TF-24 und kurz vor Santa Cruz auf die TF-1. Auf schnellstem Weg geht es an riesigen Wohnblocks vorbei nach San Andrés. Dort liegt der Playa de Las Teresitas, ein Sandstrand aus Saharasand. Ich bin aber nicht zum Baden hier, also weiter auf der TF-121, solange sie am Meer entlang verläuft. Im nächsten Ort wende ich, da die Straße eh eine Sackgasse ist. Wenn ich nicht noch einiges an Strecke vor mir hätte würde ich die Straße glatt nochmal fahren. Absolut empfehlenswert. An ein paar Ruinen mache ich eine kurze Pause und entledige mich von meiner winddichten Bekleidungsschicht.





Auf dem Weg zurück zum Strand komme ich dann auch in meine einzige brenzlige Situation in diesem Urlaub. Bergab überhole ich zusammen mit einem Fahrradfahrer(!) ein Auto, den Radfahrer danach ebenfalls und nähere mich einer Kreuzung mit Ampel. Für Geradeaus zeigt die Ampel rot, aber Rechtsabbieger haben eine separate Ampel und der Pfeil leuchtet gerade grün. Im Wissen um meine Vorfahrt in Deutschland brauche ich nicht wesentlich langsamer werden, der Rechtsknick ist eh nicht stark. Ein zügig von links kommender Wagen, der meiner Meinung nach eigentlich Rot haben sollte, lässt mich aber an meiner Einschätzung zweifeln. Ich entscheide mich dazu die Bremse der Duke zu testen und wir kommen etwa 2m nebeneinander zum stehen. Etwas fragend werfe ich einen Blick in den mit älteren Männern besetzten wage und bekomme die gleiche Blicke zurück. Anscheinend weiß keiner, wer recht hat und ohne Aufheben um die ganze Sache setzen wir getrennt unserer Wege fort. Und ich glaube noch weiterhin, dass ich Vorfahrt hätte, auch wenn’s keinen Sinn hat auf sein Recht zu bestehen...

Ich fahre zurück nach San Andrés und folge der TF-12 bergauf. Unterwegs mache ich mir etwas Gedanken, dass ich meinen Helm wegen meinem breiten Grinsen vielleicht nie wieder abnehmen kann. Auf dieser Insel kann man eigentlich keine grundlegenden Fehler bei der Routenplanung machen. Entgegen Johannes Rat fahre ich doch auf die TF-123. Eigentlich keine schlechte Strecke, aber durch dichten Bewuchs schlecht einsehbar und Aussicht gibt es auch recht wenig. Da die Strecke auch eine Sackgasse ist geht es den gleichen Weg wieder zurück. Immerhin ist nahezu kein Verkehr und die Bauarbeiter winken freundlich zurück. Unterwegs stößt man hier auch immer wieder mal auf abgelegene Ortschaften.





Der nächste Abstecher ins Tal führt auf der TF-134 über Taganana in Richtung Benijo. Die Straße ist wieder gut einsehbar und das Tempo kann erhöht werden. Auf dem Weg zurück laufe ich auf einen Krankenwagen mit Blaulicht auf. Er ist nicht sonderlich schnell unterwegs, aber die Vernunft siegt und ich halte noch mal kurz.





Auf der Höhe folge ich weiter der TF-12 um wenigstens jeden Abstecher in Richtung Meer zumindest ein Stück weit zu folgen. Was man hier vorfindet ist im Grunde immer gleich, wunderschöne Landschaft, kurvige, aber enge Straßen und Häuser an den unmöglichsten Stellen. Außerdem stelle ich fest, dass entgegenkommende Motorradpolizisten mit Blaulicht nicht zurückgrüßen.



Nach einiger Zeit macht sich doch die Reservelampe der Duke bemerkbar. Kurz darauf komme ich bei Pedro Alvarez wieder in „normale“ Zivilisation und suche als nächstes eine Tankstelle auf. Notgedrungen führt mich mein weiterer Weg durch La Laguna. Mit einer Mischung aus bevorteilter Behandlung gegenüber Zweiradfahrern und Dreistigkeit komme ich aber schnell wieder aus der Stadt und fahre die TF-24 wieder in Richtung Teide. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich noch genug Zeit vor dem Sonnenuntergang habe um über die Pornostrecke (TF-523) und Brechstrecke (TF-28) zurück zum Hotel zu kommen. Ich mache noch einen kurzen Halt an der Applauskurve der Pornostrecke, wo ich erfahre, dass Johannes noch am Flughafen sitzt und wartet. Weiter unten kommt mir eine Gruppe Einheimischer entgegen. Einen Großteil der Motorräder erkenne ich noch von Samstag, als wir im Cafe saßen.

Dank der TF-1 ist die Brechstrecke kaum noch befahren, da man im Vergleich wirklich langsam voran kommt. Dafür ist der Spaß unbeschreiblich. Ich hätte vorher nie gedacht, dass Kurven so sehr an der Konzentration zehren können. Gegen Ende muss ich dann doch etwas Geschwindigkeit rausnehmen. Für weitere Pausen gibt es keine Zeit, wenn ich nicht im Dunkeln fahren möchte. Unmittelbar hinter der Brechstrecke folge ich der TF-21 zurück nach Vilaflor, wo ich nach knapp 340 km erschöpft aber gut gelaunt erst mal ein Bier auf der Terrasse öffne.
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